Belastungsgrenze erreicht? 11 ernstzunehmende Warnzeichen

Die tollste Arbeit macht nicht immer Spaß. Und in manchen Phasen geht es stressig zu – etwa, wenn in einigen Branchen das Weihnachtsgeschäft beginnt. Oder während der Schulferien die Urlaubsvertretung übernommen werden muss und mehr Arbeit für den Einzelnen zu bewältigen ist. Manche Menschen kennen dabei nicht ihre Belastungsgrenze. Sie denken, sie müssten alles schaffen und setzen sich eher noch unter Druck, als einen Gang herunterzuschalten. Dabei ist es wichtig, bestimmte Warnzeichen als solche zu erkennen, um die eigene Regenerationsfähigkeit beizubehalten. Worauf Sie achten sollten…

Belastungsgrenze erreicht? 11 ernstzunehmende Warnzeichen

Belastungsgrenze: Eine für alle?

Was jemand als Belastung empfindet, kann individuell sehr verschieden sein. Abhängig ist dies von verschiedenen sogenannten „Moderatorvariablen“, das heißt Faktoren, die Auswirkungen zwischen Stress und Gesundheit moderieren können. Dazu gehören beispielsweise folgende:

  • Alter
  • Finanzen
  • Freunde
  • Geschlecht
  • Kinder
  • Lebenssituation
  • Persönlichkeitsmerkmale
  • Partnerschaft

Ganz konkret: Wer seine Situation auf der Arbeit aktuell als besonders belastend empfindet, kann dieses Gefühl dennoch aufgrund besagter Faktoren kompensieren, wenn im Privaten alles größtenteils in Ordnung ist.

Wer aber beispielsweise geringe soziale Kontakte und außerdem noch finanzielle Probleme hat, wird Stress auf der Arbeit als zusätzliche Belastung nicht ohne Weiteres wegstecken können. In diesem Fall kann es gut sein, dass die Belastungsgrenze irgendwann erreicht ist.

Abhängig ist dies neben persönlichen Voraussetzungen von den Rahmenbedingungen auf der Arbeit:

  • Wie ist die Ausstattung des Arbeitsplatzes?
  • Wie sicher ist der Arbeitsplatz?
  • Wie hoch ist die eigene Verantwortung?
  • Wie ist das Verhältnis zu den Kollegen, zum Vorgesetzten?
  • Wie steht es um die eigenen Kompetenzen?

Es liegt auf der Hand, dass ein schlechtes Arbeitsklima mit schwelenden Konflikten, einem herrischen Chef und einem Laptop, der ständig abstürzt, das Gefühl der erreichten Belastungsgrenze aufkommen lässt. Stellt sich zusätzlich ein Gefühl der Überforderung ein – weil vielleicht tatsächlich grundlegende Kenntnisse fehlen -, dann hat man eigentlich alles, was man nicht braucht.

Diese 11 Warnzeichen sollten Sie beachten

  • Erschöpfungsgrad

    Am Ende der Woche darf man ein bisschen platt sein, keine Frage. Wer sich aber bereits Montagabend fragt, wie er die restlichen Tage noch überstehen soll, hat ein Problem. Gerade dann, wenn es so ausgeprägt ist, dass Sie sich weder dazu aufraffen können, Ihren Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen, geschweige denn etwas für Ihre Gesundheit tun und frisch kochen oder Sport machen können.

  • Gleichgültigkeit

    Ihnen ist alles gleichgültig – egal, ob Sie die Präsentation vergeigen, welchen Eindruck Sie bei Kunden hinterlassen oder was die Kollegen über Sie denken. Das kann zweierlei bedeuten: Sie bringen schlichtweg keine Energie mehr auf, sich über irgendwas zu empören. Oder aber Sie hoffen insgeheim, dass Ihrem Chef irgendwann der Kragen platzt und er Sie kündigt – dann haben Sie zumindest keine Arbeitsamt Sperre zu erwarten.

  • Aufmerksamkeit

    Ein bisschen Aufmerksamkeit braucht jeder – etwa in Form von Anerkennung, wenn etwas besonders gelungen ist. Diese Form von Aufmerksamkeit zeigt aber eher, dass Ihre Belastungsgrenze offenbar erreicht wurde: Wenn Kollegen sich schon aufgrund Ihres mitgenommenen Äußeren besorgt nach Ihrem Befinden erkundigen.

  • Schlafstörungen

    Das Paradoxe an der Situation ist: Einerseits sind Sie völlig erschöpft, andererseits gehen Ihnen die Dinge immer wieder durch den Kopf, so dass Sie unter Schlafstörungen leiden. Ein echter Teufelskreis, denn so können Sie sich natürlich nicht erholen, das Gefühl, die Belastungsgrenze erreicht zu haben, steigt eher noch.

  • Unruhe

    Trotz ständiger Erschöpfung fühlen Sie getrieben, ein Gefühl der inneren Unruhe macht sich breit. Einerseits das schlechte Gewissen, nichts gegen die Situation zu tun, andererseits die Angst vor Veränderung. Kombiniert mit der Befürchtung, dass Sie sich generell überfordert fühlen werden und für nichts geeignet sind: Ein klares Signal für eine erreichte Belastungsgrenze.

  • Aufschieberitis

    Sie spüren innerlich, dass Sie eine Entscheidung treffen müssen, eigentlich haben Sie sich auch schon für einen Jobwechsel entschieden. Leider unternehmen Sie nichts, um ihn tatsächlich umzusetzen. Sie könnten Ihre Bewerbungsunterlagen sortieren, den Lebenslauf aktualisieren. Stattdessen schieben Sie das Unausweichliche vor sich her.

  • Überforderung

    Wurde die Belastungsgrenze permanent überschritten, ist ein Burnout wahrscheinlich. Ein Merkmal kann das Gefühl der ständigen Überforderung sein. Tatsächlich lässt bei Burnout die Leistungsfähigkeit nach; Aufgaben, die früher mühelos bewältigt werden konnten, stellen nun ein Problem dar.

  • Jammerei

    Falls Sie sich nicht bereits komplett abgeschottet haben, liegen Sie Ihren Freunden ständig in den Ohren, wie furchtbar die gegenwärtige Situation doch sei und dass dieser Zustand nicht zu ertragen sei. Freunde und Partner sollten natürlich auch für Sorgen ein offenes Ohr haben. Wenn sie jedoch zum Mülleimer werden, weil Sie nur noch am Jammern sind, wächst die Gefahr, dass Sie sie abschrecken.

  • Zynismus

    Ist die Belastungsgrenze erreicht, ist spätestens Zeit zu handeln. Leider erkennen viele Menschen das nicht oder ängstigen sich zu sehr vor den möglichen Konsequenzen. Zynismus ist eine Eigenschaft, die häufiger bei Menschen zu beobachten ist, die in einem sinnlosen Job feststecken. Damit retten sie sich vermeintlich aus der Situation, nicht selten, indem Sie sich anderen gegenüber überlegen geben. Letztlich steckt dahinter dennoch das eigene Unvermögen, die Initiative zu ergreifen.

  • Pessimismus

    Der deutlich depressivere Bruder von Zynismus ist Pessimismus: Die Belastungsgrenze wurde sehr wahrscheinlich längst überschritten, wenn Sie alles nur noch schwarz sehen. Besonders deutlich wird das, wenn nicht nur keinerlei positive Vorstellungen über die Zukunft möglich sind, sondern auch Vergangenes rückblickend negativ interpretiert wird. Hier ist dringend Erholung in Form eines Urlaubs oder – wenn es dafür bereits zu spät ist – in Form einer Krankschreibung angesagt. Für letzteres müssen Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

  • Rückzug

    Alleinsein kann ein sehr gutes Mittel zur Regeneration sein. Gerade Hochsensible brauchen immer wieder Phasen, in denen sie von anderen abgeschottet sind, um neue Energie tanken zu können. Eine Belastungsgrenze kann beispielsweise sehr viel schneller erreicht werden, wer in einer lauten, stressigen Umgebung wie zum Beispiel in einem Großraumbüro arbeitet. Wer allerdings in deutlich stärkerem Ausmaß als bisher sich zurückzieht und sämtliche Kontakte meidet, sollte wachsam werden.

Was Sie tun können

Machen Sie sich eine Liste mit Veränderungen, die Sie wahrnehmen. Nicht selten äußern sich belastende Faktoren auch körperlich. Tinnitus, Magenprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen nebst Bluthochdruck sind nur einige der möglichen Symptome. Je mehr Sie davon bei sich beobachten, desto klarer ist, dass Sie Ihre Belastungsgrenze erreicht haben.

Notieren Sie außerdem, welche Bedingungen auf der Arbeit dazu führen, dass Sie sich so erschöpft fühlen. Wenn Sie grundsätzlich das Gefühl haben, wertschätzend behandelt zu werden und sich mit Ihren Kollegen gut verstehen, dann kann ein Gespräch schon Wunder wirken.

Gemeinsam mit Ihrem Vorgesetzten können Sie gucken, an welchen Stellschrauben sich noch was drehen lässt. Tipp: Gehen Sie nicht unvorbereitet ins Gespräch. Wenn Sie beispielsweise bestimmte Gründe, die in einer vom Betrieb veränderten Arbeitsorganisation liegen, ausmachen können, sollten Sie diese auch so benennen.

Ebenfalls sollten Sie überlegen, was Sie noch dazu beitragen können: Vielleicht kann ein Kollege Ihnen bei bestimmten Aufgaben zur Hand gehen? Womöglich gibt es im Bereich der Selbstorganisation noch Luft nach oben?

Haben Sie allerdings für sich bereits endgültig den Entschluss gefasst, das Unternehmen zu wechseln, weil ein Großteil der Rahmenbedingungen Ihre Arbeitszufriedenheit schon länger hat schrumpfen lassen, dann ist es Zeit für Veränderungen.

Auch hier können Sie sich Unterstützung suchen in Form von Netzwerken, Berufsberatung und Mentoring.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]
30. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!