Das Geheimnis der Managersprache besteht bekanntlich darin, dass sie mehr verbirgt als sie enthüllt. Nur manchmal, wenn man die Sprache beim Wort nimmt, entlarvt sie sich als bloße Hülse. Zum Beispiel dann, wenn Manager Sachen sagen, wie: "Wenn Sie mehr erreichen wollen, müssen Sie nur mehr leisten." Blödsinn! Tatsächlich glauben viele Menschen, wenn sie nur stärker, härter, schneller arbeiten, erzielen sie auch bessere Ergebnisse. Was sie durch diesen überhöhten Selbstanspruch aber wirklich erzielen, sind nur mehr Druck, Stress und weniger Zeit. Besonders eindrucksvoll zeigt das die sogenannte Yerkes-Dodson-Kurve...

Yerkes-Dodson-Kurve: Einen U-Turn bitte!

Yerkes-Dodson-Scheitelpunkt-KurveMan klotzt ran wie verrückt und erreicht immer weniger. Die beiden Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson entdeckten dieses Phänomen schon 1908 - und entwickelten daraus die gleichnamige Yerkes-Dodson-Kurve, die wie ein umgedrehtes U aussieht.

Den Studien zufolge verhält es sich mit der Leistung so:

  • Mit wachsendem Einsatz und wachsendem Stress steigt zunächst die Produktivität eines Menschen – jedoch nur bis zu einem Scheitelpunkt, dem Leistungsoptimum.
  • Danach bringt Mehrarbeit gar nichts. Im Gegenteil: Die Produktivität fällt nur noch schneller ab.
  • Schlimmstenfalls entsteht so ein Burnout, also das totale Ausgebranntsein.

Natürlich war dieses Yerkes-Dodson-Gesetz nicht gedacht als Plädoyer für Dienst nach Vorschrift oder Faulheit nach Plan. Dafür aber sehr wohl eines für smarteres Arbeiten.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen:

Bei einem Wettlauf bekommt der Sieger eine Prämie von 10.000 Euro, der Zweite nur noch 5000 Euro. Der Sieger erhält also doppelt soviel Preisgeld wie sein ärgster Verfolger – jedoch nicht, weil er auch doppelt so schnell gelaufen wäre. Er war nur eine Nasenlänge voraus Und das reicht.

Die Effizienz der Mittel bringt den Sieg – nicht der Einsatz!

So ist es auch mit der täglichen Arbeit: Nicht wie viel wir machen, sondern wie und wann wir etwas machen, entscheidet über den Erfolg.

Auch das ist eine interessante Yerkes-Dodson-Erkenntnis: Die Kurve verläuft bei jedem Menschen anders. Mal ist sie runder, mal flacher, mal spitzer, mal symmetrisch, mal unförmig. Das heißt: Auch Stressanfälligkeit und Belastbarkeit, beziehungsweise das jeweilige Leistungshoch liegen bei jedem Menschen woanders.

Yerkes-Dodson-Kurve: Tipps für mehr Produktivität

Was heißt das nun für Sie?

  1. Die individuell optimale Belastungsgrenze zu finden, ist der erste Schritt zu größerer Produktivität, zu mehr Zufriedenheit – und letztlich auch zu mehr Erfolg. Anderen Theorien zufolge liegt dieser Scheitelpunkt in der Regel dort, wo die Überforderung soeben beginnt. Hier herrscht keine Langeweile, die kontraproduktiv wirkt, aber auch noch keine richtige Überforderung, wie rechts daneben, die letztlich zu Frust, Denkblockaden und Totalversagen führt. Diesen Zustand nennen Wissenschaftler den "Flow".
  2. Der zweite Schritt – und das ist die gute Nachricht – besteht darin, sein eigenes Leistungshoch nach oben zu verschieben. Denn die Kurve ist sowohl in ihrer Höhe als auch in ihrer Form veränderbar. Etwa durch mentales Training oder regelmäßige Pausen sowie durch körperliche Fitness.

Letztlich ist Produktivität erlernbar wie das Durchschauen von Managerfloskeln...

[Bildnachweis: Kaspars Grinvalds by Shutterstock.com]

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