Leistungsabfall: So bremsen Sie ihn

Ob nach der Mittagspause, dem Sportkurs oder einer anstrengenden Prüfungsphase – Leistungsabfall ist eine normale Reaktion, die jeder bei sich beobachten kann. Die Konzentration schwindet merklich, der Kopf scheint wie leer und der Wunsch, sich hinzulegen, ist übermächtig. Leider ist das nicht immer möglich, die Pausenzeit ist begrenzt und die Arbeit erledigt sich nicht von allein. Für alle, die damit zu kämpfen haben, ist wichtig zu wissen: Wie lässt sich dieser Leistungsabbau erklären? Gibt es Möglichkeiten, ihn aufzuhalten oder gar zu verhindern?

Leistungsabfall: So bremsen Sie ihn

Leistungsabfall Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Leistungsabfall DefinitionUm zu verstehen, was genau mit Leistungsabfall gemeint ist, müssen wir kurz definieren, was Leistung überhaupt bedeutet.

Unter Leistung – genauer: Arbeitsleistung – ist laut Wikipedia das durch eine Person „innerhalb der Arbeitszeit erbrachte Arbeitsvolumen als Arbeitsergebnis mit einer bestimmten Arbeitsqualität“ zu verstehen. Für diese im Arbeitsvertrag vereinbarte Leistung erhält der Arbeitnehmer ein entsprechendes Gehalt.

Gemäß arbeitsphysiologischer Betrachtungen setzt sich die Arbeitsleistung aus zwei Faktoren zusammen:

  • Leistungsfähigkeit

    Die Leistungsfähigkeit beschreibt, inwieweit ein Mensch dazu in der Lage ist, über einen gewissen Zeitraum hinweg konstant die von ihm erforderten Aufgaben zu verrichten. Dazu braucht es das Fachwissen und die Fähigkeit, dieses anzuwenden. Gleichzeitig sind Ausdauer und Belastbarkeit gefragt.

  • Leistungsbereitschaft

    Leistungsbereitschaft hingegen beschreibt vor allem die geistig-seelische Bereitschaft und Persönlichkeit eines Arbeitnehmers. Wie stark seine Motivation ausgeprägt ist, um diese Leistung konstant zu erbringen.

Im Verlauf des Tages kommt es zu natürlichen Schwankungen der Arbeitsleistung bis hin zu einem gewissen Leistungsabfall. Synonym wird auch von Leistungsverlust gesprochen, gemeint ist ein Nachlassen der Leistungen, die erst nach einer Erholungsphase wieder merklich ansteigen.

Leistungsverlust im Laufe des Tages

Leistungsabfall Definition synoynmWas tun gegen die normalen Schwankungen im Laufe des Tages? Die nachfolgende Grafik zeigt: Jeder Mensch hat gemäß seines Biorhythmus Höhen und Tiefen am Tag – also Zeiten, in denen er besonders gut und konzentriert arbeiten kann und solche, in denen es weniger funktioniert.

Vorausgesetzt, Sie haben genügend Schlaf getankt, helfen über den Tag verteilt Pausen. Neben der Frühstücks- und Mittagspause bedeutet dies, dass Sie nach etwa anderthalb bis zwei Stunden vom Arbeitsplatz aufstehen, sich recken, vielleicht zum Kopierer gehen sollten und das Fenster für wenige Minuten öffnen.

Frischluft versorgt Sie mit Sauerstoff, und fünf Minuten weg vom PC können bereits Wunder wirken. Daneben sollten Sie auf leichte Kost achten, um das Schnitzelkoma nicht zu verstärken.

Falls Ihr Betrieb das zulässt, kann ein Powernap Wunder wirken – zu Unrecht wird das Mittagsschläfchen kritisch beäugt. In anderen Ländern wie beispielsweise Japan ist es völlig akzeptiert. Und es wirkt: Zwanzig Minuten Augenpflege und Sie können danach umso fokussierter arbeiten.

Leistungskurve Leistungsabfall Chronobiologie Tagesverlauf

Geringere Leistung trotz Leistungsfähigkeit

Leistungsabfall kann verschiedene Formen aufweisen. Völlig normal ist, dass nach einer Anstrengung ein gewisser Grad der Ermattung oder sogar Erschöpfung eintritt. Üblicherweise kann nach einer Phase der Regeneration – beispielsweise einer Pause, Freizeit oder Schlaf – die benötigte Leistung wieder abgerufen werden.

Das gilt im Sport ebenso wie auf der Arbeit. Unter Sportlern ist allerdings auch das gegenteilige Phänomen nicht fremd. Obwohl klar ist, dass jemand die grundsätzlichen Fähigkeiten besitzt, eine bestimmte Leistung zu erbringen, kann sie zu dem Zeitpunkt, an dem sie am dringendsten gebraucht wird – etwa in einem Turnier – nur bedingt abgerufen werden.

Der überraschende Leistungsabfall ist hier unter dem Fachbegriff choking under pressure bekannt. Hier ist es vor allem die erhöhte Selbstaufmerksamkeit, die dazu führt, dass Bewegungsabläufe nicht mehr natürlich, quasi automatisch und routiniert vollzogen werden.

Stattdessen ist jede Ausführung einer Bewegung unter genauer Beobachtung des Sportlers selbst. Das führt zu erhöhtem Druck, den der Betroffene auf sich selbst ausübt. Die Angst vor Misserfolg ist auch außerhalb der Sportwelt nicht unbekannt.

Übergroße Versagensangst, ständiges Grübeln über die eigenen Leistungen sowie ein negativer Umgang mit Fehlern, kann gerade in Prüfungssituationen zu Blackouts führen. Besonders bitter ist das, wenn am Erbringen dieser Leistung etwas hängt. Wenn es also nicht nur um eine Bestätigung fürs eigene Selbstwertgefühl geht, sondern ein Leistungsabfall negative Konsequenzen hat – weil beispielsweise eine Prüfung nicht wiederholt werden kann, ein Kunde nicht vom Produkt überzeugt wird.

Ursachen für Leistungsverlust

Ein Leistungsabfall, der vor allem arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, ist dann gegeben, wenn ein Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum konstant hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Was sind die möglichen Gründe dafür?

  • Gesundheit

    Handelt es sich nicht nur um einen vorübergehenden Leistungsabfall, wie er etwa durch eine Frühjahrsmüdigkeit oder Schlafmangel ausgelöst werden kann, sollten gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen werden. Wer schnell ermattet und hinter seinem üblichen Pensum zurückbleibt, könnte eine Herzschwäche haben. Auch psychische Ursachen wie ein Burnout oder eine Depression können sich in verminderter Leistungsfähigkeit niederschlagen.

  • Überforderung

    Im Grunde genommen passt die Stelle gar nicht zum Arbeitnehmer. In einigen Fällen wurden gravierende Wissenslücken bereits während der Einarbeitung nicht erkannt, in anderen mag der Umfang des Tätigkeitsfeldes im Laufe der Zeit deutlich zugenommen haben.

  • Probleme

    Private Probleme, etwa kranke Familienangehörige, eine gescheiterte Beziehung oder Geldsorgen bleiben auf Dauer nicht wirkungslos. Gerade wenn die privaten Sorgen sich nicht kurzfristig beheben lassen, können sie sich auf die Arbeit auswirken.

  • Unterforderung

    Der eine oder andere mag sich in seinem Job absolut unterfordert fühlen. Tägliche Routine und Langeweile sorgen dafür, dass jemand das Engagement der Anfangszeit missen lässt.

  • Konflikte

    Zu einem Leistungsabfall kann auch Ärger am Arbeitsplatz führen. Das können Konflikte mit Kollegen, ebenso gut aber Konflikte mit dem Chef sein. Entscheidend ist, dass diese gelöst werden. Fühlt sich ein Arbeitnehmer zunehmend ausgegrenzt, liegt womöglich Mobbing oder Bossing vor, sinkt die Zufriedenheit dramatisch.

  • Bereitschaft

    Überzogenes Anspruchsdenken, vielleicht auch Enttäuschungen, weil das Vorstellungsgespräch eine andere Sicht auf die Tätigkeit vermittelt hat, als die Realität letztlich abbildet – all das kann dazu führen, dass ein Arbeitnehmer hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Solche Minderleister demonstrieren ihren Leistungsabfall schon aus einem gewissen Trotz heraus.

Das können Sie tun: Tipps gegen Leistungsabfall

So unterschiedlich wie die Ursachen für Leistungsabfall sind, sind auch die Maßnahmen dagegen. Für Arbeitnehmer gilt, dass sie sich verpflichtet haben, gegen ein verhandeltes Gehalt eine bestimmte Leistung zu erbringen. Damit einher geht die Verpflichtung, alles in der Macht stehende zu unternehmen, um diese Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Sie schlagen sich also nicht die Nacht um die Ohren und machen Party bis fünf Uhr morgens, wenn Sie um acht wieder am Schreibtisch sitzen müssen. Stattdessen sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung, meiden exzessiven Alkoholkonsum – denn der wirkt sich ebenfalls bis zum nächsten Morgen aus.

Das bedeutet aber auch, wenn Sie tatsächlich krank sind, sich krankschreiben zu lassen und zuhause auszukurieren, statt sich noch vermeintlich heroisch zur Arbeit zu schleppen.

Wer merkt, dass er einfach ausgepowert ist, sollte – sofern möglich – über Urlaub nachdenken. Von Arbeitgeberseite gibt es gewisse Eskalationsstufen, die eingehalten werden müssen, falls Leistungsabfall bei einem Mitarbeiter bemerkt wird:

  • Gespräch

    An allererster Stelle muss immer ein Mitarbeitergespräch stehen, bei dem der Vorgesetzte mit seinem Mitarbeiter die gegenwärtige Situation klärt. Hier bringt er bereits mögliche Ursachen in Erfahrung und sorgt nach Möglichkeit für Abhilfe:

    Bei zeitintensiver Pflege eines Familienangehörigen sollte beispielsweise mit dem Arbeitnehmer über eine Entlastung durch das Pflegezeitgesetz beziehungsweise Familienpflegezeitgesetz gesprochen werden.

  • Veränderungen

    Je nach Fall muss vorgegangen werden, beispielsweise bei Überforderung können nachträgliche Schulungen angebracht sein, um fehlendes Wissen aufzufüllen. Das Verteilen von Aufgaben auf andere Mitarbeiter, damit eine dauerhafte Überbelastung vermieden wird, wenn das Arbeitspensum angestiegen ist.

    Fühlt sich jemand hingegen unterfordert, steht ein Gespräch über die Möglichkeiten an diesem Arbeitsplatz an: Welche Karrierechancen sind denkbar? Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten gehen damit einher, welche Gehaltserhöhungen stehen in Aussicht? Dies zu klären, kann die Motivation eines Mitarbeiters wecken, der sich in der Vergangenheit weniger eingebracht hat.

    Liegt ein Mobbingfall vor, sind meist strukturelle Veränderungen notwendig. Je nach Ausmaß kann das eine Neuorganisation der Teams oder eine Versetzung des Mobbingopfers bedeuten.

  • Abmahnung

    Für den Arbeitnehmer ist eine Abmahnung ein Hinweis, dass es „fünf vor zwölf“ ist, ein letzter Warnschuss, bevor drastische Konsequenzen gezogen werden. Eine Abmahnung kommt im Grunde genommen nur infrage, wenn der Arbeitgeber schon mit dem Gedanken an eine Kündigung spielt. Besonders bei der verhaltensbedingten Kündigung, wenn er also vermutet, dass ein Mitarbeiter den Leistungsabfall bewusst in Kauf nimmt, obwohl er gegensteuern könnte, ist dieser Schritt notwendig.

  • Kündigung

    Vermutet der Arbeitgeber einen Low Performer in seinem Mitarbeiter, muss er dies nachweisen können und zuvor abmahnen. Der Gesetzgeber sieht dafür vor, dass die Leistung dauerhaft und erheblich unter dem Durchschnitt der Kollegen liegt. Erheblich bedeutet in diesem Zusammenhang: etwa ein Drittel. Da dies in der Praxis häufig schwer nachzuweisen ist, enden Gerichtsverfahren häufig mit einer Abfindung zugunsten des Arbeitnehmers.

[Bildnachweis: OtmarW by Shutterstock.com]
19. März 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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