Mobbing am Arbeitsplatz: Ursachen, Beispiele, was tun?

Mobbing hat viele Gesichter: Hinter dem Rücken wird getuschelt und gelästert, die eigentlich gute Arbeit wird grundlos kritisiert oder wichtige Informationen werden bewusst zurückgehalten… Unabhängig von der Art des Mobbings, ist es für die Opfer schwer, sich dagegen zu wehren. Noch immer. Für die Betroffenen wird so nicht nur der alltägliche Gang ins Büro zum Albtraum. Auch das Privatleben und die Gesundheit leiden unter den Folgen des Mobbings. Mobbing-Opfer fühlen sich in dieser Situation häufig hilflos, ohnmächtig und allein gelassen. Hier erfahren Sie, welche frühen Anzeichen es für Mobbing gibt, welche Gründe dahinter stecken und wie Sie mit Mobbing umgehen können

Mobbing am Arbeitsplatz: Ursachen, Beispiele, was tun?

Mobbing Definition: Ein berufsübergreifendes Problem

Mobbing am Arbeitsplatz Mobbing Definition Ursachen durch ChefSchätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen, die aktuell im Job gemobbt werden.

Andere Zahlen sprechen von 11,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die im Berufsleben schon einmal drangsaliert worden sind – von Kollegen oder vom Chef (in dem Fall spricht man vom Bossing; wird der Chef von seinen Mitarbeitern gemobbt, ist es wiederum Staffing). Genaue Zahlen kennt aber keiner: Die meisten Opfer schweigen – aus Scham oder Angst.

Unabhängig von Beruf, Branche und Unternehmen findet sich Mobbing in der gesamten Arbeitswelt. Mobbing am Arbeitsplatz kann also auch bedeuten: Mobbing in der Schule, im Sportverein, auf dem Bau, aber auch an virtuellen Orten wie dem Internet, dort in Form von Cybermobbing.

Allerdings gilt es dabei zwischen Mobbing, also fiese Schikane, Demütigungen und psychischer Gewalt auf der einen Seite und einfacher Abneigung und kleinen Frotzeleien auf der anderen zu unterscheiden: Von Kollegen nicht zum Mittagessen mitgenommen zu werden oder nicht gegrüßt zu werden, ist kein Mobbing, sondern nur grob unhöflich und eher ein Indiz dafür, dass man vielleicht an seinen Sympathiewerten arbeiten sollte.

Unter echtes Mobbing fallen laut Mobbing-Definition hingegen…

…fortgesetzte Tätlichkeiten; sexuelle Belästigungen; Demütigungen; Diskriminierungen; grundloses Herabwürdigen der Leistung; vernichtende Beurteilungen; Isolation – auch von der betrieblichen Kommunikation; schikanöse Anweisungen, wie das Zuteilen nutzloser oder unlösbarer Aufgaben; Anweisungen für ehrmindernde Arbeiten, denen vergleichbare Mitarbeiter nicht unterworfen sind; sachlich unbegründbare Häufung von Arbeitskontrollen; sowie das Herbeiführen oder Aufrechterhalten eines Erklärungsnotstands.

Vorübergehende Konflikte oder atmosphärische Störungen im Büro sind damit also nicht gemeint. Auch wenn es für die Betroffenen in der Situation nur schwer auszuhalten ist: Damit aus Angriffen, Anfeindungen oder Antipathien echte Schikane, Diskriminierung und Psychoterror wird, dürfen diese nicht nur sporadisch vorkommen.

Arbeitsrechtlich müssen für Mobbing zudem zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt sein:

Mobbing Definition

Der Begriff „Mobbing“ selbst stammt übrigens vom Englischen „to mob“ ab und bedeutet soviel wie anpöbeln, bedrängen oder gar jemanden „fertig machen“ (im Englischen heißt es auch „Bullying“).

Häufig ist Mobbing die Folge schlechter Arbeitsorganisation und einem schlechten Betriebsklima: Mitarbeiter und Chef sind überlastet, unterfordert oder gelangweilt und kanalisieren ihren Frust auf ein Opfer. Oft trifft es dabei die unsicheren, kontaktarmen, stillen Kollegen. Für sie beginnt dann ein Teufelskreis aus Isolation und Schikane.

Mobbing entsteht dort, wo Menschen auf engstem Raum – wie zum Beispiel im Büro – eine Zwangsgemeinschaft bilden. Dort kann es dann zu Rivalitäten, aber auch offenen Feindschaften kommen. Anstatt gemeinsam an Zielen und Erfolgen zu arbeiten, begegnen sich die Arbeitnehmer mit Konkurrenzdenken, Anfeindungen oder Ausgrenzung.

Bemerkenswert daran: Laut Forschung ist Mobbing vor allem ein Gruppenphänomen, weniger die Folge eines Einzeltäters. Manche sprechen dabei auch von einem „Mobbing System“ – aus Täter und Opfer, aber auch Mitläufern, Zuschauern und Wegschauern (siehe Grafik).

Mobbing System Taeter Opfer Mitlaeufer Zuschauer Wegschauer

Das bestätigen auch Studien der Organisationspsychologen Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo von der Freien Universität Berlin. Ihren Untersuchungen zufolge (dazu wurden die Aussagen von von mehr als 4300 Beschäftigten ausgewertet) spiele vor allem der Führungsstil des Chefs eine entscheidende Rolle: Je mehr dieser solche Schikanen toleriert und je weniger gesprächsbereit sich die Führungskräfte zeigten, desto häufiger trete das Phänomen auf.

Mobbing-Report: Gerüchte, Kritik und Sticheleien

Mobbing-Report: Gerüchte, Kritik und SticheleienDie Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gibt den sogenannten „Mobbing-Report“ heraus – eine repräsentativen Untersuchung unter 2500 Beschäftigten (Hier zum PDF). Danach kommt es laut Befragten immer wieder zu folgenden typischen Mobbing-Handlungen (Mehrfachnennungen möglich):

  • Gerüchte/Unwahrheiten: 61,8 Prozent
  • Arbeitsleistung falsch bewertet: 57,2 Prozent
  • Sticheleien und Hänseleien: 55,9 Prozent
  • Wichtige Informationen werden verweigert: 51,9 Prozent
  • Arbeit wird massiv und ungerecht kritisiert: 48,1 Prozent
  • Ausgrenzung/Isolierung: 39,7 Prozent
  • Opfer als unfähig dargestellt: 38,1 Prozent
  • Beleidigungen: 36 Prozent
  • Arbeitsbehinderung: 26,5 Prozent
  • Arbeitsentzug: 18,1 Prozent

Laut Untersuchungen des Arbeits- und Organisationspsychologen Dieter Zapf von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main liegt das Risiko Mobbingopfer zu werden in einigen Branchen besonders hoch. Auffällig daran: Ausgerechnet soziale Berufe sind betroffen…

  • Gesundheitswesen und Soziales: 7-fach erhöhtes Risiko
  • Erziehung und Unterricht: 3,5-fach erhöhtes Risiko
  • Öffentliche Verwaltung: 3-fach erhöhtes Risiko

Mobbing Beispiele: 8 Anzeichen, dass Sie gemobbt werden

Gerade zu Beginn der Schikane ist es vielen Arbeitnehmer gar nicht bewusst, dass sie gemobbt werden. Manche Mobbing-Täter gehen überaus subtil und heimtückisch vor. Sie setzen auf Zermürbung und setzen als Waffen gerne versteckte Angriffe, Intrigen oder Sticheleien ein, die entweder gegen die Leistung und Kompetenz der Mobbing-Opfer zielen oder sich auch direkt gegen deren Aussehen und Ansehen richten.

Im Folgenden finden Sie acht typische Mobbing Beispiele und Warnzeichen, auf die Sie achten sollten, um Mobbing rechtzeitig zu erkennen:

  • Kritik

    Fehler kommen vor. Ebenso, dass man dafür kritisiert wird. Aber wenn das Nörgeln überwiegt, wenn es grundlos ist oder wenn Ihre grundsätzliche Kompetenz immer wieder in Frage gestellt und nicht konstruktiv kritisiert wird, ist das ein sicheres Zeichen für Schikane. Insbesondere wenn das Ziel der Kritik ist, Sie lächerlich zu machen, einzuschüchtern und respektlos zu behandeln. In zunehmendem Maß wird solche Kritik auch persönlich: Die Mobber machen sich über körperliche Schwächen, die Figur oder Frisur, die Kleidung oder einen Sprachakzent lustig. Mit dem Job hat das jedenfalls schon lange nichts mehr zu tun.

  • Ausgrenzung

    Nicht nur singulär wie etwa vom gemeinsamen Mittagessen, sondern systematisch: vom Plausch in der Kaffeeküche (oder die Runde verstummt, sobald Sie aufkreuzen), von Meetings (zu denen Sie nicht eingeladen oder die kurzfristig verschoben werden – was Ihnen allerdings keiner sagt) oder Treffen der Abteilung. Die Täter behandeln Sie wie Luft, gehen Ihnen aus dem Weg und grenzen Sie aus. Ein typisches Signal für Antipathien und Heimtücke.

  • Lautstärke

    Manche Chefs haben mehr Temperament als andere. Sie sind emotionaler, impulsiver, werden vielleicht auch einmal laut. Das muss man zwar nicht hinnehmen, kann aber darüber hinweg sehen, wenn es im Rahmen bleibt. Nobody is perfect. Aber wenn Sie regelmäßig angeschrieen werden, womöglich sogar vor versammelter Mannschaft, dann ist das nicht nur unverschämt und illegal, sondern Mobbing. Die Betonung liegt allerdings auf regelmäßig.

  • Lügen

    Flurfunk, Gerüchte, Klatsch und Tratsch gibt es in jedem Unternehmen. Das hat sogar Vorteile. Wenn dieses Hörensagen jedoch destruktiv und anhaltend gegen Sie gerichtet ist, um Ihrem Ruf zu schaden, wenn es den Charakter von beleidigenden Unterstellungen bekommt, dann ist das üble Nachrede – und justiziabel.

  • Sabotage

    Noch einen Schritt weiter und man sagt Ihnen nicht nur Übles nach, sondern sorgt auch dafür, dass es stimmt. Ihr Computer wird manipuliert, Unterlagen verschwinden, Telefonterror setzt ein, Kollegen intrigieren gegen Sie. Kurz: Man versorgt Sie mit Fehlinformationen und setzt Sie unter Druck und sorgt so dafür, dass Sie Fehler machen, als „dumm“ dastehen oder sich blamieren. Eindeutiger geht Mobbing nicht.

  • Informationsausschluss

    Geht in dieselbe Richtung wie der Punkt davor. Werden Ihnen regelmäßig wichtige Informationen vorenthalten (um Ihnen zu schaden), handelt es sich dabei auch um Mobbing. Gibt ein Kollege beispielsweise absichtlich eine Information nicht weiter, die für ein Projekt von Bedeutung ist und Auswirkungen auf Ihre Arbeit hat, ist dies definitiv eine Form von Mobbing.

  • Gewalt

    Es gibt subtile Formen von Gewalt. Mobbing ist psychisch ausgeübte Gewalt. Dazu gehören auch sexuelle Belästigungen oder Einschüchterung, ebenso Gewaltandrohungen. Wenn Kollegen Sie mit Zweideutigkeiten in Verlegenheit bringen, Sie gegen Ihren Willen berühren oder dafür sorgen, dass Sie Ihre Meinung nicht mehr äußern (aus Angst), ist das psychische Gewalt und eine Form von Mobbing.

  • Über-/Unterforderung

    Im Arbeitsrecht fällt auch das eindeutig unter Mobbing: Man gibt Ihnen Aufgaben, die entweder unter Ihrem Niveau liegen und herabwürdigend sind – oder Sie bekommen ein Projekt, das Sie unter den jeweiligen Bedingungen gar nicht schaffen können. Kurz: Man setzt Sie unter enormen psychischen Druck, stellt extreme Anforderungen – und hofft auf Ihr Versagen. Klassisch in dem Zusammenhang auch: Sobald klar ist, dass Sie an dem Abend einen wichtigen privaten Termin haben (wie etwa Elternsprechtag, Hochzeitstag), überträgt Ihnen der Chef eine Aufgabe, der keinen Aufschub duldet. Und während alle zusammen Bier trinken gehen, schieben Sie Überstunden.

In vielen Fällen geht das Mobbing allerdings direkt vom Chef aus. Der boykottiert etwa Gespräche oder die Zusammenarbeit, macht unsachliche Andeutungen, bauscht Mini-Fehler zu Tragödien auf oder schiebt sie einfach ab – auf einen unbedeutenden Posten und ein totes Karriere-Gleis.

In dieser Situation bleibt für Arbeitnehmer oft nur noch der Rückhalt durch Kollegen, der nächsthöhere Vorgesetzte – oder die Kündigung beziehungsweise ein Jobwechsel.

Den mobbenden Tyrannen sollte jedoch klar sein, dass ihr Verhalten zahlreiche Kollateralschäden verursacht, wie etwa Studien der Verhaltensforscher Kenneth J. Harris und Paul Harvey von der Universität von New Hampshire dokumentieren:

In erster Linie sind das die Kollegen, die das miese Management mitansehen müssen. So zeigte sich, dass selbst nicht direkt betroffene Mitarbeiter ähnliche Verletzungen spürten wie die eigentlichen Opfer. Und das auch noch lange Zeit nach den Übergriffen.

Der Grund: Wenn fiese Chefs erst einmal eine zeitlang ungehindert auf diese Weise agieren, nehmen die Kollegen – bewusst oder unbewusst – wahr, dass ein solches Verhalten in der Organisation toleriert und nicht sanktioniert wird. Das vergrößert die Ohnmacht und macht jedem klar: Du könntest bald der nächste sein – und kannst nichts dagegen tun.

Die Folgen sind zunehmender Jobfrust bei allen, sinkende Leistungen und eine wachsende Ellbogenkultur. Denn natürlich nehmen sich manche das Verhalten ihres Vorgesetzten zum Vorbild: Das Hauen und Stechen beginnt…

Die 45 Mobbinghandlungen nach Heinz Leymann

Mobbing Definition Arten Mobbinghandlungen nach Heinz LeymannHeinz Leymann gilt als einer der ersten und auch wichtigsten Forscher zum Thema Mobbing. Der gebürtige Niedersachse lebte einen großen Teil seines Lebens in Schweden, wo er auch einen Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft an der Universität Umeå hatte. Bekannt wurde er durch seine Studien zum Mobbing, die heute als Fundament der modernen Mobbingforschung gelten.

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang das sogenannte Leymann Inventory of Psychological Terror – ein Katalog, indem der Wissenschaftler insgesamt 45 Mobbing-Handlungen in fünf Kategorien gesammelt hat. Erstellt hat Leymann diesen Katalog nach vielen Interviews, die er über mehrere Jahre geführt hat.

Diese Liste gibt einen guten Überblick darüber, wie Mobbing in seinen unterschiedlichsten Formen aussehen kann. Wir stellen Ihnen die fünf Kategorien nach Heinz Leymann vor und zeigen, welche Mobbinghandlungen jeweils dazu gezählt werden:

  1. Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen

    • Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
    • Man wird ständig unterbrochen
    • Kollegen schränken die Möglichkeit ein, sich zu äußern
    • Anschreien oder lautes Schimpfen
    • Ständige Kritik an der Arbeit
    • Ständige Kritik am Privatleben
    • Telefonterror
    • Mündliche Drohungen
    • Schriftliche Drohungen
    • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
    • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht
  2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen

    • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
    • Man lässt sich nicht ansprechen
    • Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen
    • Den Arbeitskollegen wird verboten, den Betroffenen anzusprechen
    • Man wird wie „Luft“ behandelt
  3. Angriffe auf das soziale Ansehen

    • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen
    • Man verbreitet Gerüchte
    • Man macht jemanden lächerlich
    • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein
    • Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen
    • Man macht sich über eine Behinderung lustig
    • Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen
    • Man greift die politische oder religiöse Einstellung an
    • Man macht sich über das Privatleben lustig
    • Man macht sich über die Nationalität lustig
    • Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die sein Selbstbewusstsein verletzen
    • Man beurteilt den Arbeitseinsatz auf falsche und kränkende Weise
    • Man stellt die Entscheidungen des Betroffenen in Frage
    • Man ruft ihm obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach
    • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote
  4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

    • Man weist den Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu
    • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
    • Man gibt ihm sinnlose Aufgaben
    • Man gibt ihm Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können
    • Man gibt ihm ständig neue Arbeitsaufgaben
    • Man gibt ihm „kränkende“ Arbeitsaufgaben
    • Man gibt ihm Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikationen übersteigen, um ihn zu diskriminieren
  5. Angriffe auf die Gesundheit

    • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
    • Androhung körperlicher Gewalt
    • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen „Denkzettel“ zu verpassen
    • Körperliche Misshandlung
    • Man verursacht Kosten für den Betroffenen, um ihm zu schaden
    • Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des Betroffenen an
    • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Kein Mobbing: Was nicht dazu zählt

Es ist schwierig, die Grenze zwischen Ausgrenzung und Mobbing zu ziehen.

In der Regel wird unter Letzterem das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte beziehungsweise Arbeitgeber verstanden.

Es sind also Verhaltensweisen, die in ihrer Gesamtheit die Persönlichkeit und die Würde des Betroffenen verletzen.

  • Werden Sie von Ihren Kollegen regelmäßig und in böswilliger Absicht ausgegrenzt?
  • Werden Ihnen wichtige Informationen vorenthalten?
  • Werden Sie nicht nur ausgegrenzt, sondern regelrecht schikaniert?

Das könnten Anzeichen für Mobbing sein. Andernfalls bleibt es zwar unschön, kann aber auch eine soziale Reaktion sein.

Ein Beispiel: Die Verwaltungsfachkraft eines Verbands fühlte sich von ihrer Geschäftsführerin gemobbt: Die habe sie in Fachfragen regelmäßig übergangen und ihr damit die bisherige Leitungsrolle in der Abteilung entzogen.

Schließlich hätte ihre Chefin sie morgens nicht mal mehr gegrüßt. Die Frau fühlte sich durch das Verhalten ihrer Chefin schikaniert und klagte beim Arbeitsgericht Mainz auf eine Entschädigung in Höhe von 120.000 Euro.

Die Richter wiesen die Klage jedoch ab. Auch beim Landesarbeitsgericht (Az.: 10 Sa 121/12) hatte die Mitarbeiterin keinen Erfolg, Begründung: Nicht jeder Vorfall, der einem übel aufstößt, ist als gezielte Schikane zu werten. Ein unterbliebener Morgengruß und andere Verletzungen seien unhöflich, aber auch nur subjektive Empfindlichkeiten.

Anders sieht es jedoch aus, wenn die Betroffenen komplett geschnitten werden: Wenn auch die Kollegen nicht mehr mit einem reden, dann ist das schon wie in Isolationshaft.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie von Sandra Robinson. Sie vermutet als Grund vor allem Ohnmachtsgefühle: Wer gemobbt wird, kann sich zwar theoretisch juristisch wehren – mithilfe von Anwälten, Betriebsrat, befreundeten Kollegen. Bei systematischer Ausgrenzung und Diskriminierung dagegen fühlen sich die Betroffenen nur noch hilflos und allein.

Studie: Wer mobbt? Wer wird gemobbt?

Studie: Wer mobbt? Wer wird gemobbt? Täter und OpferEs gibt Branchen und Berufsgruppen, in denen Mobbing häufiger anzutreffen ist als in anderen Bereichen: Paradoxerweise gehört dazu ausgerechnet der Pflegebereich, in dem man ein soziales Miteinander eher vermuten würde. Aber auch im Verkauf und im Bankwesen ist mobbendes Verhalten öfter zu beobachten.

Ganz anders hingegen Berufskraftfahrer, das Fahrpersonal im öffentlichen Personennahverkehr oder Landwirte: Sie zeichnen sich durch ein sehr respektvolles Miteinander aus.

Eine Studie zum Thema Mobbing hat aufschlussreiche Zahlen ans Licht gebracht. Besonders interessant: Frauen mobben deutlich häufiger als Männer, sind aber zugleich auch weit häufiger selbst das Mobbingopfer. Hier die Zahlen:

Die Täter

Mobbing Täter Kollegen Vorgesetzte Chef Zahlen Statistik Grafik

Die Opfer

  • 81,3 Prozent der Opfer sind Frauen.
  • 18,7 Prozent der Opfer sind Männer.

Mobbing Folgen: Psychoterror ist kein Kavaliersdelikt

Mobbing hat weitreichenden Konsequenzen im Job, auf die Arbeitsatmosphäre und die Arbeitsqualität. Aber noch schlimmere Auswirkungen im Privatleben der Opfer.

Viele Arbeitnehmer können mit anhaltendem Mobbing und dem damit verbundenen Druck nicht umgehen und leiden durch psychische Erkrankungen auch außerhalb des Büros.

Die meisten Mobbing-Opfer fühlen sich hilflos, elend und ohnmächtig. Ihr Selbstbewusstsein leidet enorm darunter, dass sie sich kaum selber helfen und gegen die Mobbingattacken wehren können.

Neben den psychischen Auswirkungen wie einem stark vermindertem Selbstwertgefühl, Angst vor der Arbeit und langfristig sogar Depressionen bis hin zur Suizidgefahr existieren auch zahlreiche physische Auswirkungen des Mobbings.

So leiden die Betroffenen häufig unter:

  • Schlafstörungen
  • Atemproblemen
  • Rückenschmerzen
  • Magenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Essstörungen

Nicht wenige Mobbingopfer versuchen mit Medikamenten oder Alkohol ihre Situation erträglicher zu machen. Dazu kommen noch finanzielle Einbußen, wenn infolge des fortgesetzten Mobbings die Arbeitnehmer langfristig krankgeschrieben oder sogar arbeitslos werden. Im schlimmsten Fall kann das zur Frühberentung führen.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, ist es wichtig, Mobbing rechtzeitig zu erkennen.

Bekommen Führungskräfte davon Wind, müssen sie übrigens eingreifen (siehe weiter unten). Denn sie haben eine arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Heißt: Sie müssen den Mobbern sofort Einhalt gebieten – durch…

Mobbing ist strafbar: Das sind Ihre Rechte

Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland kein allgemeines Anti-Mobbinggesetz. Nichtsdestotrotz ist auch in Deutschland Mobbing strafbar und gilt als Eingriff in das Persönlichkeitsrecht eines Menschen, das durch Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes geschützt ist.

Verschiedene Teilaspekte des Mobbings können Sie also anzeigen. Täter können zum Beispiel strafrechtlich belangt werden wegen…

  • Beleidigung (§ 185 Strafgesetzbuch)
  • übler Nachrede (§ 186 Strafgesetzbuch)
  • Verleumdung (§ 187 Strafgesetzbuch)
  • Körperverletzung (§ 223 Strafgesetzbuch)

Daneben existiert seit 2006 das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), auf das Sie sich als Mobbingopfer berufen können, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie aufgrund Ihrer ethnischen Herkunft, Ihres Geschlechts, Ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, Ihres Alters oder Ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Mobbing-Opfer können aber auch vom Beschwerderecht nach dem Betriebsverfassungsgesetz (§84 I BetrVG) Gebrauch machen und sich bei ihrem Arbeitgeber über ungerechte Behandlung beschweren. Dieser muss die Beschwerde prüfen und falls diese zulässig ist, für eine Verbesserung der Situation sorgen. Nach §85 I BetrVG können Sie diese Beschwerde auch direkt – falls vorhanden – an den Betriebsrat richten, der sich dann mit dem Arbeitgeber dazu auseinander setzen muss.

In jeden Fall sollten Sie sich Mobbing NIE gefallen lassen, sondern zur Gegenwehr ansetzen. Wer schweigt und duldet, stärkt Mobbing und Mobbing-Täter eher noch.

Ursachen für Mobbing: Gründe für das Fehlverhalten von Kollegen

Oft verstehen Menschen, die gemobbt werden, die Welt nicht mehr. Im privaten Umfeld werden Sie geschätzt und erfreuen sich guter Freunde. Nur auf der Arbeit will es nicht laufen: Sie finden keinen Anschluss. Die Kollegen scheinen Ihnen gegenüber grundsätzlich distanziert und abweisend.

Dahinter können folgende Gründe stecken:

  • Die Kollegen sind neidisch auf Ihre Leistungen.

    Ihre Kollegen sind Ihnen gegenüber misstrauisch, weil Sie scheinbar perfekt sind und keine Fehler machen. Sie haben Erfolg und der scheint Ihnen zuzufliegen. Aus Sicht Ihrer Kollegen müssen Sie nun von Ihrem hohen Ross herunter geholt werden.

  • Sie haben ein gutes Verhältnis zum Chef.

    Ihr Chef mag Sie und das merken auch Ihre Kollegen. Vielleicht haben Sie und Ihr Chef gemeinsame Freunde oder Ihr Vater und Ihr Chef kennen sich aus Studienzeiten. Insgeheim sind Sie als Liebling des Chefs abgestempelt und ausgegrenzt. Man distanziert sich von Ihnen, weil man fürchtet, Sie könnten vertrauliche Informationen an den Chef weitergeben.

  • Sie haben sich mit Ihrem Verhalten unbeliebt gemacht.

    Als Sie neu ins Team gekommen sind, haben Sie sich den Kollegen gegenüber arrogant und besserwisserisch verhalten. Das kam schlecht an und nun bekommen Sie die Quittung.

  • Sie leben in anderen Lebensumständen.

    Ihre Kollegen distanzieren sich von Ihnen, weil Sie den Eindruck haben, nichts mit Ihnen gemeinsam zu haben. Beispielsweise sind Sie die einzige verheiratete Frau mit Kindern. All Ihre Kolleginnen sind noch Singles und gehen Freitagabend gerne feiern, während Sie freitags früh das Büro verlassen, um noch Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen.


Unschön: Wer hässlich ist, wird öfter gemobbt

Unschön: Wer hässlich ist, wird öfter gemobbtWer gut aussieht, hat von Geburt an Vorteile. Schon in der Schule bekommen attraktive Menschen mehr Aufmerksamkeit von den Lehrern, potenzielle Partner finden sie an jeder Ecke und im Job machen sich auch schneller Karriere. Das Themenfeld ist gut erforscht – die Schattenseite aber nicht: Was ist eigentlich mit den Menschen, die als hässlich empfunden werden? Wie ergeht es ihnen im Job?

Eine Studie der Michigan State Universität kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Wer hässlich ist, wird öfter gemobbt.

Die Forscher befragten 114 Arbeitnehmer aus dem Südosten der Vereinigten Staaten. Vor allem interessierten Sie sich dafür, wie oft diese von ihren Kollegen mies behandelt wurden. Was die 114 Probanden allerdings nicht wussten: Die Porträtfotos von ihnen waren zuvor von anderen auf deren Attraktivität hin beurteilt worden.

Das Ergebnis ist traurig, herzlos und zeigt das hässliche Gesicht vermeintlich besser Aussehender: Jene Probanden, die zuvor als „unattraktiv“ bis „hässlich“ eingestuft worden waren, waren häufig Opfer von Mobbing und anderem Psychoterror am Arbeitsplatz.

Gegenwehr: So sollten Sie auf Mobbing reagieren

Natürlich ist es zunächst einmal die Aufgabe der Vorgesetzten dafür zu sorgen, dass Mobbing am Arbeitsplatz von vornherein verhindert wird. Dem Chef obliegt zudem die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer. Das heißt, er muss den Mobbern sofort Einhalt gebieten.

Aber auch die Gemobbten selbst sollten aktiv werden. Auf keinen Fall sollten Sie sich dabei in die Opferrolle fügen und passiv werden.

Werden Sie vielmehr aktiv und handeln Sie. Tatsächlich gibt ein paar Strategien, wie sich Mobbing-Opfer wehren können:

  • Ignorieren

    Wenn Sie genug Freunde im Unternehmen haben und Sie sicher sein können, dass Ihrem Vorgesetzten der Querulant und dessen Aktionen egal sind, dann zeigen Sie dem Mobber die kalte Schulter. Das durchkreuzt die Pläne und trägt zur Deeskalation bei – dem wichtigsten Ziel bei Mobbing. Oft geben solche Typen schnell auf, wenn sie merken, dass ihre Gehässigkeiten, Gerüchte und Gemeinheiten keinerlei Wirkung haben. Im Gegenteil: Sie selbst stehen vor den anderen plötzlich als Dreckwerfer da… Diese Fälle sind allerdings selten.

  • Angreifen

    Gibt der Mobber nicht auf oder schart er zunehmend mehr Verbündete um sich, müssen Sie aktiv werden und dem Mobber Paroli bieten. Sprechen Sie ihn erst unter vier Augen an (manche lenken nur dann ein), danach vor Zeugen. Ebenso können Sie den Betriebsrat einschalten. Offenbaren Sie sein Verhalten vor Kollegen und machen Sie ihm klar, dass Sie notfalls juristische Schritte unternehmen, falls er nicht aufhört. So gewinnen Sie zudem Respekt und dokumentieren Stärke. Sammeln Sie vor der Aussprache aber unbedingt ein paar stichhaltige Beweise. Zur Not indem Sie noch eine Weile Opfer spielen und den Büroterroristen so in Sicherheit wiegen, bis er in die Falle tappt. Mobbing ist strafbar.


    Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch

    Führen Sie ein Mobbing-TagebuchSollte es später zu einem Rechtstreit kommen, liegt die Beweislast oft bei den Mobbing-Opfern. Weil viele Täter aber so klug sind, ihre Schikane nicht vor Zeugen oder schriftlich zu begehen, wird das meist schwierig. Dann steht Aussage gegen Aussage. Eine – durchaus juristisch akzeptierte – Alternative ist, ein sogenanntes Mobbing-Tagebuch zu führen. Halten Sie darin minutiös die Attacken und Angriffe fest – mit Datum, Uhrzeit, Namen und exakter Beschreibung. Die Aufzeichnung wiegen zwar nicht so schwer wie Schriftstücke oder Zeugen. Sie können damit aber auf jeden Fall die Systematik und Regelmäßigkeit des Mobbings nachweisen und damit, dass es überhaupt Mobbing ist.

  • Rückzug

    Wenn gar nichts hilft, bleiben Ihnen nur zwei Alternativen: der Gang zum Chef oder die Kündigung. Bei Ersterem ist wichtig, dass Sie den Vorgesetzten auf seine Fürsorgepflicht aufmerksam machen und über interne Jobalternativen diskutieren. Bleiben Sie dabei aber unbedingt sachlich. Wer sich ausheult und klein macht, ramponiert seinen Ruf. Sie monieren Unrecht – deswegen sind Sie noch lange nicht wehr- oder hilflos. Der Heldennotausgang Kündigung ist hingegen oft sogar das Ziel der Mobber – vor allem, wenn einer davon der Chef ist. Auch wenn Ihnen der Abschied dann wie eine Niederlage erscheint – machen Sie sich klar: ein Unternehmen mit einer solchen Intrigantenkultur hat Sie nicht verdient. Und Ihre Gesundheit ist es auch nicht wert, auszuharren.

Auch wenn Sie unfair behandelt werden und sich zur Wehr setzen: Ein bisschen Selbstreflexion muss aber auch sein.

Fragen Sie sich bitte auch – durchaus selbstkritisch – wie es zum Mobbing kommen konnte und ob Sie vielleicht selbst auch dazu beigetragen haben, es auszulösen. Wenn sich Kollegen so verhalten, Sie ausgrenzen oder gar angreifen, hat das meist Ursachen. Nicht selten meinen solche Menschen, sich so verteidigen zu müssen. Ihr Mobbing ist also eher ein Reflex oder eine Art Schutzreaktion.

Das soll die Schikanen und Gemeinheiten nicht schönreden. Aber es kann helfen, diese künftig zu vermeiden.

Achtung Mobber: Mobben kränkt und macht krank

Achtung Mobber: Mobben macht krankMobben macht krank. Wie Richard Ryan, Sozialpsychologe an der Universität von Rochester und seine Co-Autorin Nicole Legate ermitteln konnten, sind die Auswirkungen auf die Psyche der Täter alles andere als das, was die sich vielleicht naiv erhoffen: Spaß, Genugtuung, Machtgefühle. Das Gegenteil ist richtig: Sie leiden selbst darunter.

Andere auszugrenzen, erzeugt Scham- und Schuldgefühle, und mit der Zeit schwindet auch noch das Gefühl dabei unabhängig zu sein. Denn ausgrenzen und mobben strengt an. Auch wenn das Ziel der Attacken das vermeintliche Opfer ist, der Täter wird auch dessen Opfer, denn er muss jetzt seine Rolle durchhalten und sein Ziel erreichen. Und weil zum Mobben immer zwei gehören (einer, der mobbt und einer, der sich mobben lässt), rückt der Erfolg in immer weitere Ferne, je autonomer und souveräner das Opfer bleibt.

Die Autoren gehen sogar soweit zu sagen, dass die Täter ähnlich gestresst sind wie die Opfer. In den Studien ließ sich nachweisen, dass bei den Tätern dieselben Schmerzmechanismen im Gehirn ausgelöst wurden, wie bei Opfern körperlicher Gewalt. Kurz: Mobben macht die Mobber selber fertig.

Fürsorgepflicht von Vorgesetzten: 7 Schritte gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Manager MÜSSEN eingreifen, wenn sie Mobbing wahrnehmen. Noch besser wäre es allerdings, Aufklärungsarbeit zu leisten und so die Mobbing-Prävention vorantreiben, damit es erst gar nicht dazu kommen kann.

Ist es aber erst einmal passiert, sind Zusehen und Schweigen keine Lösung. Das Landesarbeitsgericht Thüringen hat das in einem Urteil (vom 10.4.2001, AZ 5Sa 403/00) einmal so formuliert:

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das allgemeine Persönlichkeitsrecht der bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer nicht selbst durch Angriffe in deren Persönlichkeits- oder Freiheitssphäre zu verletzen, diese von Belästigungen durch Mitarbeiter oder Dritte, auf die er einen Einfluss hat, zu schützen, einen menschengerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen und die Arbeitnehmerpersönlichkeit zu fördern.

Die nachfolgenden Schritte sind sicher nicht leicht durchzuführen, doch als Führungskraft müssen Sie schließlich auch mit Konflikten und Auseinandersetzungen umgehen können. Sollten Sie Psychoterror innerhalb Ihres Teams entdecken, müssen Sie einschreiten und handeln – Sie sind dazu sogar gesetzlich verpflichtet:

  • Gespräch suchen

    Es klingt banal, kann aber viele Probleme lösen: Suchen Sie das Gespräch mit den mobbenden Mitarbeitern. Bereiten Sie sich darauf vor, in dem Sie das problematische Verhalten im Vorfeld dokumentieren und im Gespräch klar benennen. Machen Sie deutlich, dass die Initiative von Ihnen ausgeht und SIE sich am Verhalten stören. Es sollte klar werden, dass der gemobbte Mitarbeiter mit dem Gespräch nichts zu tun hat und Sie allein als Chef Anstoß am Verhalten nehmen.

  • Ursachen klären

    Versuchen Sie sowohl durch Vier-Augen-Gespräche als auch im Team die Ursachen für das Mobbing herauszufinden. Nicht selten fungiert der gemobbte Mitarbeiter lediglich als Blitzableiter oder willkommenes Ventil für ganz andere, lange aufgestaute Probleme und Konflikte. Versuchen Sie, die Ursachen nicht nur zu identifizieren, sondern diese auch den mobbenden Mitarbeitern bewusst zu machen und Lösungen zu finden.

  • Konsequenzen aufzeigen

    Mit dem Gespräch allein ist es in den meisten Fällen natürlich nicht getan. Weisen Sie den oder die mobbenden Mitarbeiter auf das Verhalten hin und machen Sie die Konsequenzen klar, falls der Täter sein Verhalten nicht abstellt. Wie oben schon erwähnt, gibt es eine klare Eskalations-Dramaturgie aus Ermahnung, Abmahnung und Kündigung.

  • Entlastung bringen

    Ist Belastung durch das Mobbing akut und der betroffene Mitarbeiter bereits angeschlagen, sollten Sie Sofort-Maßnahmen ergreifen und für zeitnahe Entlastung sorgen. Das kann durch die Versetzung oder – im Extremfall – Beurlaubung des mobbenden Mitarbeiters geschehen. Das Mobbing-Opfer zu beurlauben, sendet oft das falsche Signal und kann vom Betroffenen als weitere Strafe missverstanden werden. Sollte dieser Schritt nötig sein, müssen Sie ihn auf jeden Fall ankündigen und erklären.

  • Unterstützung suchen

    Laufen Ihre initialen Maßnahmen ins Leere, sollten Sie externe Unterstützung suchen. Hier kann es sich um professionelle Supervisoren oder Streitschlichter handeln, die ins Team kommen und den schwelenden Konflikt und das Mobbing vor Ort angehen. Sie können aber auch den Betriebsrat – spätestens an diesem Punkt – einschalten. Ob dessen Unterstützung ausreicht, darf aber bezweifelt werden.

Adressen, Anlaufstellen und Beratung für Mobbing-Opfer

Adressen, Anlaufstellen und Beratung für Mobbing-OpferWeil Mobbing – leider – längst kein Ausnahmephänomen mehr ist, gibt es inzwischen zahlreiche Beratungsstellen, Mobbingtelefone und Hilfsvereine, an die sich Betroffene wenden können.

Die nachfolgende Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich eine erste Übersicht liefern, die von uns immer wieder ergänzt und erweitert wird.

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[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
13. Juli 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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