Mobbing am Arbeitsplatz: Was tun, wie wehren?

Mobbing (englisch: Bullying) bedeutet die systematische Diskriminierung, wiederholte Schikane oder gezielte Ausgrenzung von Arbeitnehmern durch Kollegen oder Vorgesetzte über einen längeren Zeitraum. Betroffene fühlen sich hierbei häufig hilflos, ohnmächtig und allein. Hinzu kommt, dass Betroffene das Mobbing erst einmal beweisen müssen. Was tun? Tipps und Beispiele, woran Sie Mobbing erkennen und wie Sie sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz wehren…

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Definition: Was ist Mobbing?

Mobbing bezeichnet das wiederholte und systematische Schikanieren, Ausgrenzen oder Herabwürdigen einer Person über einen längeren Zeitraum. Am Arbeitsplatz können die Angriffe von Kollegen, Vorgesetzten oder mehreren Personen ausgehen und sich beispielsweise durch Beleidigungen, Gerüchte, soziale Isolation, Informationsentzug oder gezielte Sabotage zeigen.

Typisch für Mobbing ist, dass es sich nicht um einen einzelnen Vorfall handelt. Vielmehr steckt dahinter ein Muster aus wiederkehrenden Handlungen, durch das Betroffene zunehmend unter Druck geraten oder aus der Gemeinschaft gedrängt werden. Ein einmaliger Streit, sachliche Kritik oder eine berechtigte Abmahnung sind noch kein Mobbing.

Ab wann spricht man von Mobbing?

Laut Heinz Leymann, einem der führenden Mobbing-Experten in Deutschland, gibt es rund 45 Mobbing-Arten (PDF). Danach liegt Mobbing vor, wenn feindselige Handlungen mindestens einmal pro Woche und über mindestens 6 Monate auftreten. Diese Zeitgrenze ist jedoch keine rechtliche Voraussetzung. Häufige und massive Schikanen über einen kürzeren Zeitraum können ebenfalls relevant sein. Zur Abgrenzung hilft folgende Faustregel: Die persönlichen Angriffe erfolgen wiederholt, systematisch und gezielt gegen dieselbe Person und setzen diese zunehmend unter Druck oder würdigen diese bewusst herab. Studien zufolge werden in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen im Job gemobbt. Eine Studie der Universität Leipzig sagt, dass allein 11,4 % der Arbeitnehmer zwischen 18 und 29 Jahren von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen sind.

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Woran erkenne ich Mobbing?

Mobbing erkennen Sie weniger an einer einzelnen Handlung als an einem wiederkehrenden Muster. Typisch sind vor allem vier Merkmale:

  1. Systematik
    Die Vorfälle folgen einem erkennbaren Muster.
  2. Wiederholung
    Die Angriffe kommen regelmäßig vor.
  3. Zielgerichtetheit
    Die Schikanen richten sich immer wieder gegen dieselbe Person.
  4. Dauer
    Die Situation besteht über einen längeren Zeitraum oder verschärft sich zunehmend.

Eine einzelne Beleidigung oder Kritik ist deshalb noch kein Mobbing. Entscheidend ist die Gesamtheit und Häufung der Vorfälle.

Welche Arten von Mobbing gibt es?

Mobbing lässt sich danach unterscheiden, von wem die Angriffe ausgehen und wo sie stattfinden. Die wichtigsten Mobbing-Arten im Überblick:

Mobbing-Art

Bedeutung

Bossing Das Mobbing geht von einer Führungskraft aus und richtet sich gegen einen Mitarbeiter.
Staffing Mitarbeiter mobben ihren Vorgesetzten und versuchen, dessen Autorität zu untergraben.
Cybermobbing Die Angriffe erfolgen digital, zum Beispiel per E-Mail, Messenger oder in sozialen Netzwerken.
Straining Betroffene werden gezielt durch verordnete Langeweile und Aufgabenentzug kaltgestellt.
Sexuelle Belästigung Sexualisierte Bemerkungen, unerwünschte Annäherungen oder andere übergriffige Handlungen können Teil systematischer Schikanen sein.
Diskriminierung Eine Person wird wegen bestimmter Merkmale benachteiligt oder herabgewürdigt.

Alle genannten Formen können sich überschneiden. So kann Bossing zugleich digital stattfinden oder Mobbing mit Diskriminierung bzw. sexueller Belästigung verbunden sein.

Mobbing Beispiele: Was gehört dazu?

Mobbing kann offen oder subtil stattfinden. Typische Beispiele und Verhaltensweisen sind:

  • Ausgrenzung

    Kollegen verstummen, sobald Sie den Raum betreten, ignorieren Ihre Beiträge oder laden Sie bewusst nicht zu gemeinsamen Terminen ein.

  • Gerüchte

    Über Sie werden unwahre Behauptungen, private Geschichten oder abwertende Gerüchte verbreitet.

  • Beleidigungen

    Sie werden regelmäßig verspottet, angeschrien, lächerlich gemacht oder mit abwertenden Spitznamen bezeichnet.

  • Informationsentzug

    Wichtige Informationen, Termine oder Änderungen werden Ihnen absichtlich nicht mitgeteilt, sodass Ihnen Fehler unterlaufen.

  • Sabotage

    Unterlagen verschwinden, Arbeitsergebnisse werden verändert oder notwendige Unterstützung wird bewusst verweigert.

  • Abwertung der Leistung

    Ihre Arbeit wird unabhängig von der tatsächlichen Qualität kritisiert, Erfolge werden ignoriert oder kleingeredet.

  • Unfaire Aufgabenverteilung

    Sie bekommen gezielt unlösbare, sinnlose, entwürdigende oder deutlich zu viele Aufgaben.

  • Soziale Isolation

    Andere werden dazu gebracht, nicht mehr mit Ihnen zu sprechen, Pausen zu verbringen oder zusammenzuarbeiten.

  • Gewaltandrohung

    Es kommt zu verbalen Angriffen mit Gewaltandrohung oder tätlichen Übergriffen wie Schubsen, Rempeln, Beinstellen im Büro.

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Warum entsteht Mobbing überhaupt?

Mobbing hat selten nur eine einzige Ursache. Häufig treffen persönliche Konflikte, Konkurrenzdenken und Antipathien aufeinander. Ein schlechtes Betriebsklima sowie hoher Leistungsdruck und eine schwache Führung können Mobbing zudem begünstigen. Typische Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Konkurrenz

    Neid, Statusdenken oder Angst um den eigenen Arbeitsplatz fördern gezielte Angriffe.

  • Ungelöste Konflikte

    Ein zunächst sachlicher Streit kann eskalieren und zunehmend persönlich werden.

  • Schlechte Führung

    Führungskräfte ignorieren Konflikte, dulden Schikanen oder beteiligen sich selbst daran.

  • Hoher Arbeitsdruck

    Stress, Überlastung und Personalmangel erhöhen das Konfliktpotenzial im Team.

  • Unklare Strukturen

    Unklare Zuständigkeiten, Rollen und Entscheidungswege begünstigen Machtkämpfe.

  • Gruppendynamik

    Einzelne Beschäftigte werden zu Außenseitern oder zum gemeinsamen Sündenbock gemacht.

Wichtig: Die Ursachen erklären nur, warum Mobbing entstehen kann – sie rechtfertigen es nicht! Auch persönliche Antipathie gibt niemandem das Recht, andere systematisch zu schikanieren.

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Welche Folgen hat Mobbing?

Mobbing kann für Betroffene erhebliche Folgen haben. Je länger die Schikane andauert, desto größer ist die psychische Belastung. Zu den möglichen Folgen gehören Konzentrationsstörungen, sinkende Leistungsfähigkeit, Selbstzweifel, Schlafstörungen, Angst vor der Arbeit und zunehmende Fehlzeiten. Im weiteren Verlauf können Betroffene innerlich kündigen oder selbst den Job wechseln.

Auch Arbeitgeber zahlen einen hohen Preis: Das Betriebsklima verschlechtert sich, die Produktivität sinkt und die Fluktuation nimmt zu. Zusätzlich können Konflikte eskalieren und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Mobbing ist deshalb kein privates Problem zwischen einzelnen Kollegen, sondern immer auch ein Thema für Führungskräfte und Unternehmen!

Was tun bei Mobbing? – 8 Empfehlungen

Wenn Sie sich gemobbt fühlen, sollten Sie die Situation weder vorschnell eskalieren noch dauerhaft hinnehmen. Wichtig ist, die Vorfälle sachlich zu erfassen, Beweise zu sichern und bei anhaltenden Schikanen gezielt Unterstützung zu suchen. Diese acht Schritte helfen Ihnen, sich gegen Mobbing zu wehren:

1. Prüfen Sie die Situation

Nicht jeder Konflikt, nicht jede ungerechte Behandlung ist Mobbing. Prüfen Sie zunächst, ob die Vorfälle wiederholt auftreten, einem Muster folgen und gezielt gegen Sie gerichtet sind.

2. Führen Sie ein Mobbingtagebuch

Dokumentieren Sie jeden Vorfall mit Datum, Uhrzeit, Ort, Beteiligten, möglichen Zeugen und einer genauen Beschreibung. Führen Sie dazu ein Mobbingtagebuch und sichern Sie Beweise wie E-Mails oder Chatnachrichten per Screenshot.

3. Setzen Sie klare Grenzen

Sprechen Sie unangemessenes Verhalten möglichst früh und sachlich an. Benennen Sie konkret, welches Verhalten Sie nicht akzeptieren und dass Sie erwarten, dass es unterbleibt.

4. Suchen Sie Verbündete

Bleiben Sie mit der Situation nicht allein. Vertrauenswürdige Kollegen können Sie unterstützen und möglicherweise einzelne Vorfälle als Zeugen bestätigen.

5. Informieren Sie den Arbeitgeber

Bleiben die Schikanen bestehen, wenden Sie sich an Ihre Führungskraft oder Personalabteilung. Geht das Mobbing vom direkten Vorgesetzten aus, sollten Sie die nächsthöhere Führungsebene einschalten. Arbeitgeber haben gegenüber ihren Beschäftigten eine Fürsorgepflicht.

6. Schalten Sie Betriebsrat oder Beschwerdestelle ein

Falls vorhanden, können Sie sich an den Betriebsrat wenden. Arbeitnehmer haben nach § 84 BetrVG ein Beschwerderecht und dürfen ein Betriebsratsmitglied zur Unterstützung hinzuziehen. Hat das Mobbing einen diskriminierenden Hintergrund, können zusätzlich Schutz- und Beschwerderechte nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) greifen.

7. Lassen Sie sich rechtlich beraten

Reagiert der Arbeitgeber nicht oder werden die Angriffe schwerwiegender, sollten Sie Ihre rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Je nach Einzelfall kommen arbeitsrechtliche, zivilrechtliche oder strafrechtliche Schritte infrage. Lassen Sie sich dazu von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten und beachten Sie mögliche Fristen.

8. Kündigen Sie nicht vorschnell

Eine Kündigung kann als letzter Ausweg sinnvoll sein, sollte aber nicht überstürzt erfolgen. Eine Eigenkündigung kann Konsequenzen beim Arbeitslosengeld haben und wirft möglicherweise Fragen bei der späteren Bewerbung auf. Prüfen Sie deshalb vorher Ihre rechtliche und berufliche Situation.

Ist Mobbing strafbar?

Mobbing ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Das bedeutet jedoch nicht, dass Mobber straflos bleiben. Einzelne Handlungen im Rahmen des Mobbings können sehr wohl Straftaten darstellen. Dazu gehören beispielsweise Beleidigung (§ 185 StGB), Nötigung (§ 240 StGB) oder – je nach konkretem Verhalten – weitere Straftaten. Eine Beleidigung kann etwa mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Bei Benachteiligungen, die unter das AGG fallen, sieht § 15 AGG unter bestimmten Voraussetzungen Schadensersatz beziehungsweise eine Entschädigung vor.

FAQ: Häufige Fragen zu Mobbing

Was ist der Unterschied zwischen Mobbing und einem Konflikt?

Bei einem Konflikt geraten meist zwei Seiten wegen unterschiedlicher Interessen, Meinungen oder Verhaltensweisen aneinander. Mobbing dagegen besteht aus wiederholten und gezielten Angriffen gegen eine bestimmte Person. Entscheidend ist das längerfristige Muster aus Schikanen, Ausgrenzung oder Herabwürdigung.

Wie kann ich Mobbing beweisen?

Dokumentieren Sie jeden Vorfall möglichst genau mit Datum und sichern Sie vorhandene Belege. Hilfreich sind insbesondere E-Mails, Nachrichten, Dokumente und Zeugen. Ein Mobbingtagebuch kann zusätzlich zeigen, dass es sich nicht um einzelne Vorfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster handelt.

Was sind gute Anlaufstellen für Mobbing-Opfer

Für Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz gibt es in Deutschland zahlreiche Beratungsstellen, Mobbingtelefone und Hilfsvereine. Hier unsere Übersicht:

Kann man wegen Mobbing gekündigt werden?

Mobbing kann für den Täter arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Je nach Art, Dauer und Schwere des Verhaltens kommen Abmahnung, Versetzung oder Kündigung infrage. Bei diskriminierendem Verhalten nach dem AGG muss der Arbeitgeber geeignete und angemessene Maßnahmen zur Unterbindung ergreifen.

Studien: Wer sind die Täter und Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz?

In manchen Branchen und Berufen kommt Mobbing häufiger vor. Dazu zählen ausgerechnet Soziale Berufe und der Pflegebereich. Auch mobben Frauen statistisch häufiger als Männer, sind aber gleichzeitig ebenso häufiger selbst die Mobbingopfer:

Täter

Opfer

Kollegen: 44 % Frauen: 81,3 %
Vorgesetzte: 37 % Männer: 18,7 %

Den gesamtwirtschaftlichen Schaden durch Mobbing schätzt die Frankfurter Fairness-Stiftung auf 40 Milliarden Euro jährlich.


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