Stalking: Was Sie tun können

Prominente kennen das Phänomen schon länger, aber es sind bei weitem nicht nur Stars betroffen. Es hat lange gedauert, bis das deutsche Gesetz Stalking als eigenen Straftatbestand aufgenommen hat. Dabei sind die Folgen für die Betroffenen – meist Frauen – gravierend. Nachstellungen am Arbeitsplatz, Verfolgen bis zur Wohnung, unzählige Kontaktierungsversuche: Die Liste der Belästigungen ist lang. Wie Sie sich wehren können, wo Sie Hilfe finden und was Täter abschreckt…

Stalking: Was Sie tun können

Stalking Definition: Andauerndes Nachstellen

Stalking Definition Täter Profil was tunMit Stalking wird das absichtliche, obsessive und wiederholte Verfolgen oder Belästigen einer Person gegen ihren ausdrücklichen Willen bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom englischen Verb to stalk ab, welcher ursprünglich nur in der Jägersprache verwendet wurde und soviel wie anpirschen/sich anschleichen bedeutet.

Diese Nachstellungen führen dazu, dass die Opfer psychischen, teilweise sogar auch physischen Schaden nehmen und in ihrer Lebensführung stark beeinträchtigt sind, so dass Stalking in vielen Staaten unter Strafe steht. Nicht immer kennen Täter und Opfer sich; Stalker können Ex-Partner oder Arbeitskollegen des Betroffenen sein, aber auch völlig Fremde.

Oftmals geht dem eine übergroße Verehrung voraus, beispielsweise, wenn Fans ihren Star stalken. Allerdings ist Stalking keine harmlose Schwärmerei. Als Ende der achtziger Jahre eine junge Schauspielerin von ihrem Stalker erschossen wurde, erkannte man Stalking als potenziell gefährliches Verhalten.

Wie äußert sich Stalking nun? Auch das ist unterschiedlich und kann im Einzelfall noch harmlos wirken:

  • Verfolgen des Opfers bis zum Arbeitsplatz, zur Wohnung oder an andere Orte.
  • Telefonterror im Büro, das Opfer bekommt ständig Anrufe oder Nachrichten aufs Handy.
  • Der Stalker gibt sich als Opfer aus, fingiert Anrufe, bestellt in dessen Namen Waren.
  • Es werden Drohungen oder Erpressungsversuche ausgesprochen.
  • Das Opfer bekommt unzählige Blumen, Briefe und Geschenke.
  • Der Stalker beschädigt Eigentum des Betroffenen, zerkratzt das Auto, bricht ins Haus ein.
  • In Extremfällen nimmt das Opfer körperlichen Schaden.

Auswirkungen für die Betroffenen

Die Folgen für das Opfer sind gravierend. Da Stalking sich oftmals über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinzieht, ist es kein Wunder, dass die permanente Verfolgung sich auf die Psyche auswirkt. Oftmals bedeuten diese Nachstellungen eine massive Einschränkung im Alltag; teilweise meiden die Betroffenen bestimmte Orte oder Situationen, in denen sie erst recht eine Konfrontation mit dem Stalker befürchten.

Von Stalking Betroffene leiden unter…

  • Ängsten
  • Alpträumen
  • Depressionen
  • Herz-Kreislauf-Problemen
  • innerer Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • Panikattacken
  • posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Schlafstörungen

Aber das sind noch längst nicht alle Auswirkungen. Wer sich ständig bedroht fühlt, versucht natürlich die Kontrolle über sein Leben wiederzuerlangen. Das führt dazu, dass Stalking-Opfer viel Geld für Schutzvorrichtungen und Sicherheitsmaßnahmen ausgeben. In einigen Fällen ziehen sie um oder wechseln den Arbeitsplatz.

Die rechtliche Seite: Stalking im Strafgesetzbuch (StGB)

Stalking StGBErst seit 2007 ist Stalking in Deutschland ein eigener Straftatbestand. Es wurde unter dem Begriff „Nachstellung“ im § 238 Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Demnach ist mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen zu rechnen,

…wer einer anderen Person in einer Weise unbefügt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen…

Was dann folgt, ist eine Aufzählung von möglichen Stalking-Verhaltensweisen, die im Falle der Todesgefahr für das Opfer mit bis zu fünf Jahren, beim tatsächlichen Tode mit einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Allerdings werden vor allem die ganzen anderen Belästigungen nur auf Antrag verfolgt.

Erschreckenderweise kommt es nur in den seltensten Fällen tatsächlich zu Verurteilungen: So sind für das Jahr 2015 laut Bundeskriminalamt insgesamt 19.704 Stalking-Fälle gemeldet, aber nur 158 Täter letztlich verurteilt worden. Die Mehrzahl der Stalker wird also nicht zur Rechenschaft gezogen.

Rechtsexperten sehen das Problem in den zu hohen Hürden für eine Strafbarkeit: Das Opfer muss den Nachweis erbringen, dass es durch das Stalking massiv in seiner Lebensführung eingeschränkt ist und ein Ortswechsel oder ein neuer Arbeitsplatz aufgrund dessen notwendig ist.

Auch die schwammige Formulierung von der „schwerwiegenden Beeinträchtigung“ und die Auslegung des Paragraphen trägt dazu bei, dass bei jährlich 20.000 gemeldeten Fällen so wenige Anklagen und noch weniger Verurteilungen zustande kommen.

Gründe dafür sind unter anderem:

  • Sind nur Täter und Opfer beteiligt, ist die Beweislage schwierig.
  • Kontaktaufnahme, Blumen, Geschenke sind zunächst nicht strafbar und wirken wie Alltagshandlungen. Oftmals lässt sich erst in der Gesamtbetrachtung die Strafbarkeit feststellen.

Für Betroffene von Stalking kann es hilfreich sein zu wissen, dass bei nachweisbaren Tathandlungen nicht unbedingt § 238 greift, sondern auch andere Straftatbestände wie die folgenden betroffen sein können:

  • Beleidigung
  • Hausfriedensbruch
  • Körperverletzung
  • Nötigung
  • Sachbeschädigung

Stalking Täter Profil: Wer macht sowas?

Mit 85 Prozent ist die Mehrheit der Täter männlich, die Opfer des Stalkings zu über 90 Prozent weiblich. In etwa der Hälfte aller Fälle spielt Zurückweisung eine Rolle. Es handelt sich um den ehemaligen Partner, der nicht mit der Trennung vom Opfer klarkommt und die Beziehung wiederherstellen möchte.

Sein Ego ist tief verletzt und in der Angst, zum ewigen Singledasein verdammt zu sein, ist er auf sein Opfer emotional fixiert. Das kann sich liebevoll, aber eben auch aggressiv äußern und dann mit Wut und Hass einhergehen. Der „wütende Stalker“ will seinem Opfer Angst machen und sich an ihm rächen – körperliche und sexuelle Übergriffe können dann die Folge sein.

Die Ursachen für Stalking sind in der Psyche des Täters zu suchen. Häufig lässt sich bei ihnen eine narzisstische oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung feststellen. Sie können nicht mit Kränkungen umgehen, weil sie ihr Selbstbild dadurch bedroht sehen. Traumatische Kindheitserfahrungen, in denen sie eine Bezugsperson verloren haben, sind häufig ein Auslöser für diese Entwicklung.

Bei anderen Stalkern spielen Schüchternheit und mangelnde soziale Kompetenz eine Rolle, die es ihnen erschwert, andere Menschen kennenzulernen. Ein freundliches Lächeln wird dann gleich als Ermutigung überinterpretiert. Wiederum andere sind rachsüchtig, weil Sie sich unfair behandelt oder bewertet fühlen.

Stalking: Was tun?

Stalking-Opfer sollten wissen, dass deutliche Abgrenzung die erste und wichtigste Maßnahme ist. Formulierungen wie: „Ich will keinen Kontakt zu dir. Ich werde keine Anrufe mehr beantworten, ich werde sämtliche Kontaktversuche ablehnen.“ sind sehr wichtig.

Kontaktabbruch bedeutet auch: Keinen Kontakt über soziale Netzwerke. Wer dort noch irgendwelche öffentlich einsehbaren Statusmeldungen postet, triggert einen Stalker womöglich. Prüfen Sie daher unbedingt Ihre Sicherheitseinstellungen beziehungsweise Privatsphäre, bestätigen Sie keine fremden Kontaktanfragen, nötigenfalls löschen Sie Ihr Profil.

Ebenso wichtig ist allerdings auch, dies konsequent umzusetzen. Vielen Betroffenen fällt genau das schwer – sei es aus anfänglichem Mitleid, sei es aus der Vorstellung heraus, der Stalker würde dann endlich Ruhe geben. Das ist allerdings ein Irrtum! Stalker fühlen sich dann erst recht ermutigt, denn offenbar war ihre Methode ja erfolgreich. Des Weiteren haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Persönliche Maßnahmen

    Um für etwaige juristische Schritte Beweismaterial zu haben, sollten Sie ein Stalking-Tagebuch führen, in dem Sie sämtliche Vorkommnisse auflisten. Das ist deshalb wichtig, weil es nur dann zu einer juristischen Bewertung als Stalking kommen kann, wenn die Dauer und die Häufigkeit ersichtlich sind – Begriffe wie oft, viel sind zu subjektiv und ungenau.

    Informieren Sie Ihr soziales Umfeld, also Nachbarn, Familie und Freunde. Diese Menschen können nicht nur ein Auge auf die Geschehnisse haben und möglicherweise ein ernstes Wort mit dem Stalker reden, sondern zu einem späteren Zeitpunkt als Zeugen dienen.

    Zusätzlich sollten Sie auf Ihren Hausmüll achten. Unterlagen von Krankenkassen oder jeglicher Schriftverkehr mit persönlichen Daten sind für manche Stalker ein gefundenes Fressen. Schreddern Sie daher alle Unterlagen, bevor sie in den Hausmüll gelangen.

  • Juristische Maßnahmen

    Das Gewaltschutzgesetz (GewSchG), auch unter den Begriffen einstweilige Verfügung, Kontaktverbot, Näherungsverbot oder Unterlassungsverfügung bekannt, hilft in besonders schweren Fällen. Diese Maßnahme greift, wenn Opfer wiederholten Belästigungen, Bedrohungen oder Übergriffen ausgesetzt sind.

    Der Täter bekommt dann Auflagen, dass er sich der betroffenen Person nur bis zu einem bestimmten Umkreis nähern darf. Des Weiteren ist ein Verbot der Kontaktaufnahme durch Telefon, Handy oder Ähnliches möglich. Sofern der Stalker und sein Opfer (beispielsweise kurz nach einer Trennung) noch zusammenleben, kann der Täter der Wohnung verwiesen werden.

  • Stalking Hilfe

    Seit 2013 gibt es speziell für Frauen das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Dort wird unter 08000 116 016 eine bundesweite 24 Stunden-Beratung angeboten, die kostenlos eine anonyme und niedrigschwellige Erstberatung in 15 Sprachen ermöglicht. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.hilfetelefon.de

[Bildnachweis: Alex Linch by Shutterstock.com]
28. Juni 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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