Probezeit: Dauer, Rechte, Kündigung

Nach der erfolgreichen Bewerbung, startet der Job und mit ihm die sogenannte Probezeit (auch als Pro­be­ar­beits­verhält­nis bezeichnet). Die Probezeit ist im Arbeitsvertrag genau geregelt. Eine typische Formulierung könnte zum Beispiel lauten:

Es wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Sie beginnt mit dem Arbeitsvertrag und endet oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf mit dem Ab­lauf des TT.MM.JJJJ. Während der Probezeit kann das Angestelltenverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

In dieser Zeit kann dem Arbeitnehmer daher ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Erst nach der Probezeit greift der reguläre Kündigungsschutz. Wir zeigen Ihnen, was Sie in der Probezeit beachten müssen…

Probezeit: Dauer, Rechte, Kündigung

Definition und Erklärung: Warum eine Probezeit im Arbeitsvertrag?

Probezeit BGG Kündigung verlängern Fragen Antworten DefinitionAls Probezeit wird der Zeitraum bezeichnet, in dem zwei Vertragspartner sich darauf geeinigt haben, dass ein geschlossenes Rechtsverhältnis unter deutlich einfacheren Voraussetzungen wieder beendet werden kann. Klingt komplizierter, als es eigentlich ist. Im Grunde geht es bei einem Arbeitsverhältnis darum, sich gegenseitig besser kennenzulernen und in den ersten Wochen oder Monaten der Zusammenarbeit herauszufinden, ob das Arbeitsverhältnis weiteren Bestand haben soll.

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Probezeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber übrigens nicht. Dies wird zwar häufig angenommen, da es in der Praxis die Regel ist, eine Probezeit zu vereinbaren, eine Pflicht dazu besteht allerdings nicht. Eine Ausnahme stellt hier die Berufsausbildung dar, die zwingend mit einer Probezeit zu beginnen hat, wie es in § 20 des Berufsbildungsgesetzes geregelt ist.

Der wichtigste Grund für die Probezeit: In diesem Zeitraum herrscht noch kein Kündigungsschutz, dafür aber eine besondere Kündigungsfrist: Beide Seiten können binnen zwei Wochen kündigen.

Die Probezeit Kündigung bedarf nicht einmal einer Angabe von Gründen. Ein schriftlicher Zweizeiler genügt.

Der Gedanke dahinter ist, dass die Probezeit beiden Seiten – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – eine wichtige Test- und Orientierungsphase sowie ein noch ungefestigtes Arbeitsverhältnis bieten soll, das zur Not auch schnell wieder gelöst werden kann.

Kurz: Es geht darum, herauszufinden, ob beide Parteien wirklich zueinander passen.

Als Arbeitnehmer sollten Sie für sich daher diese probezeitrelevanten Fragen unbedingt beantworten:

  • Ist dies hier wirklich mein Traumberuf und Traumarbeitsplatz?
  • Komme ich mit dem sozialen Umfeld – den Kollegen und dem Chef – zurecht?
  • Fühle ich mich insgesamt wohl und wertgeschätzt?
  • Gefallen mir der Job, die Arbeitsinhalte und Herausforderungen?
  • Beherrsche ich das, was ich mache – oder kann ich es in absehbarer Zeit lernen?
  • Sehe ich für mich hier mittel- bis langfristig Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen?

Die Fragen können Sie natürlich unmöglich alle am ersten Tag beantworten. Es ist vielmehr ein permanenter Prozess, der Sie im Verlauf der Probezeit begleiten wird.

Laut manchen Untersuchungen scheitern derzeit zwischen 20 und 25 Prozent der Arbeitsverhältnisse schon in der Probezeit. Jede vierte Anstellung endet also, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.

FAQ: Die wichtigsten und häufigsten Fragen zur Probezeit

Zwar ist eine Probezeit nicht im Gesetz vorgeschrieben, wird diese aber trotzdem vereinbart, gelten zahlreiche Regelungen, Rechte und auch Pflichten für beide Vertragsparteien. Als Arbeitnehmer sollten Sie diese natürlich kennen – doch genau hier gibt es oftmals Probleme und Unsicherheit.

Rund um die Probezeit gibt es oftmals Verwirrung und viele Fragen. Deshalb haben wir für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zur Probezeit in einem FAQ zusammengefasst:

  • Wie lange dauert die Probezeit?

    Die Dauer der Probezeit können beide Parteien – Unternehmen und Arbeitnehmer – im Rahmen gesetzlicher Vorschriften frei wählen. Die Höchstdauer beträgt dabei sechs Monate. Im Arbeitsvertrag muss dabei immer die genaue Dauer der Probezeit festgehalten werden.

    Im Durchschnitt dauert die Probezeit zwischen drei und sechs Monaten, bei Auszubildenden sind es zwischen einem und vier Monaten. Am Ende hängt die Dauer der Probezeit immer von der individuellen Vereinbarung und dem Vertragsangebot des Arbeitgebers ab.

    Ist das halbe Jahr Probezeit erfüllt, gilt für den Arbeitnehmer automatisch der reguläre Kündigungsschutz. Heißt: Das Unternehmen kann ihn jetzt nicht mehr grundlos kündigen und muss die gesetzlichen oder vertraglichen Kündigungsfristen einhalten.

    Achtung: Das Ende der Probezeit sagt aber nichts darüber aus, ob es sich danach um einen befristeten Arbeitsvertrag oder einen unbefristeten handelt. Das liegt allein an der Art des Arbeitsvertrages.

    Eine solche Bewährungsprobe im Job ist wie bereits erwähnt frei verhandelbar. Das bedeutet: Falls gewünscht, können beide Seiten auch einen kürzeren Zeitraum vereinbaren oder ganz auf die Probezeit verzichten.


    Vorsicht Pferdefuß: Be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis

    Arbeitsrecht: be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nisManchmal kommt es im Arbeitsvertrag nur auf Nuancen an. So gibt es auch ein sogenanntes be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis. In dem Fall liegt ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis vor – mit dem sach­li­chen Befristungsgrund der gegenseitigen Er­pro­bung. Das ist rechtlich zulässig. Und in dem Fall endet das Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch nach Ablauf der Pro­be­zeit. Damit es danach mit dem Job weitergeht und Sie nicht arbeitslos werden, benötigen Sie dann einen neuen Arbeitsvertrag.

    Eine verräterische Formulierung hierfür könnte zum Beispiel lauten:

    Das Ar­beits­verhält­nis ist zum Zwe­cke der Er­pro­bung bis zum TT.MM.JJJJ be­fris­tet und en­det, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf, mit dem Ab­lauf des TT.MM.JJJJ. Das Ar­beits­verhält­nis kann vor Ab­lauf die­ser Frist von bei­den Par­tei­en mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen or­dent­lich gekündigt wer­den.

  • Kann die Probezeit verlängert werden?

    Eine Verlängerung der Probezeit ist dann zulässig, wenn die Dauer von sechs Monaten noch nicht voll ausgeschöpft wurde, also nicht kurz vor Probeablauf. Der Arbeitgeber darf diese dann noch einmal verlängern – aber nur bis zu einem Maximum von sechs Monaten.

    Die Verlängerung setzt jedoch das Einverständnis des Mitarbeiters voraus. Ein Unternehmen kann also nicht erst einen Arbeitsvertrag mit dreimonatiger Probezeit abschließen und dann einseitig entscheiden, doch die vollen sechs Monate Probezeit einzufordern.

  • Kann die Probezeit verkürzt werden?

    Die Verkürzung der Probezeit kommt selten vor, ist aber nicht ausgeschlossen. Insbesondere wenn der Arbeitnehmer (oder Auszubildende) schon vorher im Unternehmen beschäftigt war, kann es einen Anspruch auf eine verkürzte Probezeit geben. Dazu urteilen Gerichte allerdings unterschiedlich, sodass Sie etwaige Ansprüche besser mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht abklären.

    Für den Fall, dass Beschäftigter und Unternehmen sich sehr schnell während der Probezeit einig sind, dass beide Seiten eine langfristige Zusammenarbeit anstreben, kann aber auch eine Vereinbarung getroffen werden, um die Probezeit zu verkürzen oder ganz darauf zu verzichten.

  • Wie läuft eine Kündigung in der Probezeit ab?

    Wie oben schon angesprochen können während der Probezeit beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – jederzeit und ohne Angaben von Gründen kündigen. Allerdings müssen beide dann eine mindestens zweiwöchige Kündigungsfrist wahren.

    Ein Beispiel: Es wurden sechs Monate Probezeit vereinbart, Sie stellen jedoch nach bereits zwei Monaten fest, dass die Stelle absolut nichts für Sie ist.

    Ausnahmen können im Tarifvertrag stehen. Hier sind oft längere Kündigungsfristen vereinbart. Bei Vertragsabschluss also im Arbeitsvertrag darauf achten, ob eine Tarifvereinbarung zugrunde liegt. Das bedeutet im Extrem aber auch, dass die Kündigung noch am letzten Tag der Probezeit ausgesprochen werden kann und der Arbeitnehmer dann noch maximal 14 Tage im Unternehmen beschäftigt ist.

    Auch wenn die Kündigungsgründe – wie gesagt – nicht aus- und angesprochen werden müssen, sind es doch oft dieselben:

    • Mangelhafte Arbeitsleistungen
    • Wiederholte Unpünktlichkeit und Fehlzeiten
    • Fehlende oder schlechte Fachkenntnisse
    • Unzureichende Integration ins Team
    • Unterschiedliche Vorstellungen über die Zusammenarbeit

    Sind die sechs Monate hingegen vorbei und dem Arbeitnehmer wurde bis dahin nicht gekündigt, tritt automatisch der gesetzliche Kündigungsschutz in Kraft – und damit die im Arbeitsvertrag ebenfalls geregelten Kündigungsfristen. Im Allgemeinen sind das nach § 622 Abs. 1 BGB vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. eines jeden Monats.

    Die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung besteht natürlich auch während der Bewährungsfrist – für beide Seiten.

    Wer als Arbeitnehmer beispielsweise stiehlt oder seinen Arbeitgeber beziehungsweise Chef im Internet öffentlich beleidigt und denunziert, ruiniert das Vertrauensverhältnis unrettbar. Das Festhalten am Arbeitsvertrag für den Arbeitgeber dann nicht mehr zumutbar, Folge: fristlose Kündigung noch am gleichen Tag.

  • Gibt es in der Probezeit Anspruch auf Urlaub?

    Der Anspruch auf den vollen Jahresurlaub besteht erst nach dem sechsten Monat Betriebszugehörigkeit. Aber auch während der Probezeit entsteht bereits ein anteiliger Urlaubsanspruch.

    Auch wenn einige Karriereberater es anders schreiben – richtig ist: Rein rechtlich besteht laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) schon während der Probezeit Urlaubsanspruch auf anteiligen Erholungsurlaub. Bei einem gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen im Jahr erwirbt der Arbeitnehmer also alle vier Wochen Anspruch auf 1,67 Tage (20 Tage im Jahr geteilt durch 12 Monate). Nach drei Monaten hätte der Probezeitler also schon Anspruch auf 5 Urlaubstage.

    Wer mehr Urlaub nehmen möchte, kann dies mit dem Arbeitgeber verhandeln. Mancher Chef zeigt sich hier kulant und gewährt bereits größere Anteile des Urlaubs, etwa eine volle Woche nach nur einem oder zwei Monaten.

    Auf der anderen Seite muss der Chef aber nicht jedem Urlaubsantrag zustimmen. So kann der Arbeitgeber den Urlaubsantrag zu dem gewählten Termin verweigern, wenn dringende betriebliche Gründe oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer dagegen sprechen (§ 7 Abs. 1 BUrlG).

  • Wie wirkt sich eine Schwangerschaft in der Probezeit aus?

    Wer in der Probezeit schwanger wird, muss das dem Betrieb nicht sofort mitteilen. Das geht auch erst nach Ende der Bewährungsfrist – es sei denn Sie müssen in dieser Zeit Dinge tun (Überstunden machen, schwere Lasten heben, Infektionsrisiko bei Krankenschwestern, …), die der Gesundheit des Kindes schaden können. In diesem Fall muss der Arbeitgeber das Mutterschutzgesetz (MuSchG) einhalten – was er aber nur kann, wenn er von der Schwangerschaft weiß.

    Zusätzlich besteht für werdende Mütter ein besonderer Kündigungsschutz auch in der Probezeit. Sollte es also von Seiten des Arbeitgebers zur Kündigung kommen, muss dieser binnen zwei Wochen über die Schwangerschaft informiert werden. Der Kündigung muss damit dann auch formell widersprochen werden.

  • Was passiert bei einer Krankheit in der Probezeit?

    Mitarbeiter haben oftmals ein besonders schlechtes Gefühl, wenn sie sich während der Probezeit krankmelden müssen. Zunächst einmal gilt aber: Natürlich ist es möglich, in der Probezeit krankheitsbedingt der Arbeit fern zu bleiben, wenn Sie eine entsprechende Bescheinigung vom Arzt einreichen. Allerdings gilt es bei Krankheit in der Probezeit zu beachten:

    Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle gibt es während der Probezeit erst nach vier Wochen. Wer schon vorher aus gesundheitlichen Gründen fehlt, verdient daher auch nichts.

    Allerdings: Ab der fünften Woche setzt die Lohnfortzahlung wieder ein – auch, wenn die Krankheit bereits vorher begonnen hat. Und: Die Probezeit verlängert sich nicht automatisch um die krankheitsbedingten Fehltage. Wer also beispielsweise in der fünften Woche krankgeschrieben wird und für weitere fünf Monate ausfällt, übersteht die Probezeit – rein rechnerisch – im Krankenbett.

Die genannten Arbeitsrecht-Regeln zur Probezeit und zum Arbeitsvertrag können Sie sich – wie gewohnt – hier noch als kostenloses PDF zum Nachschlagen herunterladen.

Tipps für die Probezeit: So gelingt der Berufseinstieg

Ein verpatzter Einstieg verbaut nicht selten den späteren Aufstieg. Wie der Name bereits andeutet, stehen Sie während der Probezeit auf dem Prüfstand. Der Arbeitgeber schaut sich genau an: War die Einstellung die richtige Entscheidung? Kann der neue Mitarbeiter die Erwartungen erfüllen? Passt er ins Team und fügt sich gut ein?

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Die ersten Monate im Job sind deshalb eine ganz besondere Herausforderung. Um Ihnen dabei zu helfen, haben wir viele Tipps zur Probezeit für Sie zusammengefasst:

  1. Achten Sie unbedingt auf Pünktlichkeit

    Der Vertrag ist unterschrieben, die Erfolgsparty mit den Freunden überstanden und das Powermüsli von heute morgen treibt Sie zur Hochform. Jetzt heißt es: Ran an den neuen Job! Bevor Sie allerdings Ihren Triumphzug durchs Firmament beginnen, sollten Sie unbedingt die folgenden drei Grundregeln beherzigen:

    • Pünktlich sein. Die sprichwörtliche Pünktlichkeit gilt nicht nur für Maurer. Klären Sie deshalb schon vor dem ersten Arbeitstag, wann Sie erscheinen sollen. Falls es Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit gibt, nutzen Sie das bitte nicht gleich aus. Die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr ist meistens genau richtig, um auf der Matte zu stehen. Und: Erkunden Sie unbedingt den besten Anfahrtsweg sowie wo eventuelle Staugefahren lauern. Pünktlichkeit ist ohnehin wichtig, doch gerade in der Probezeit sollten Sie ganz besonders darauf achten, um einen guten Eindruck zu machen.
    • Richtig angezogen sein. Beobachten Sie im Vorfeld genau die Kleiderordnung bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Eventuell hilft hier auch die Personalabteilung. Bei konservativen Unternehmen kommen sie im dunkelgrauen oder marineblauen Dreiteiler gut an. Auch für den Fall, dass die neuen Kollegen ein legeres Jeans-Outfit präferieren, empfiehlt sich für den ersten Tag eher die sportliche Kombi. Faustregel: In den ersten Tagen lieber over- als underdressed. Die Ärmel hochkrempeln, können Sie später immer noch.
    • Höflich sein. Bereits der erste Eindruck zählt. Für die Betriebsführung heißt das im Klartext: Bitte immer lächeln! Erfolgreiche Einsteiger sind offene, freundliche Zeitgenossen, die sich aktiv vorstellen und begrüßen – mit Namen und Handschlag. Das darf dann gerne auch humorvoll sein.
  2. Merken Sie sich Namen

    Namen sind für Sie kein Problem? Dann haben Sie einen großen Vorteil, doch längst nicht jeder hat solch ein gutes Namensgedächtnis. In der Probezeit lernen Sie sehr viele neue Kollegen kennen und bekommen in den ersten Tagen zahlreiche Namen genannt. Schön, dass sich alle Kollegen vorstellen – nicht so schön, wenn Sie keinen Namen behalten.

    Deshalb sollten Sie sich gleich am ersten Tag Notizen machen und eine persönliche Kollegen-Kartei anlegen. Am besten mit Name, Funktion, Durchwahl sowie privaten Daten: wann einer Geburtstag hat, ob einer Drachenflieger, Fußballfan oder zweifacher Vater ist, und so weiter. Das erleichtert hinterher nicht nur, den geeigneten Ansprechpartner zu finden, sondern hilft zugleich Fettnäpfen auszuweichen oder ein lockeres Flurgespräch anzuzetteln.

    Mit der Zeit werden Sie Ihre kleinen Notizen nicht mehr brauchen, den Anfang können sie aber ungemein erleichtern. Umso mehr, wenn Sie in ein großes Team einsteigen und nicht nur eine Handvoll neuer Mitarbeiter kennenlernen.

  3. Feiern Sie Ihren Einstand

    Nach der Zusage für Ihren Traumjob haben Sie allen Grund zur Freude. Diese Freude wollen und sollten Sie nun mit Ihren Kollegen teilen – mit einem Einstand. Dies macht in der Regel einen guten Eindruck, gibt Ihnen die Möglichkeit, sich einmal offiziell vorzustellen und für das herzliche Willkommen im Team zu bedanken.

    Bevor Sie jedoch die Pappnase aufsetzen und in die Tute tüten, sollten Sie zuerst Informationen über die Gepflogenheiten des Hauses einholen. In manchen Betrieben gehört zu einer gelungenen Premiere lediglich ein zweites Frühstück oder eine kurze Kaffeepause mit Kuchen.

    Als oberste Regel gilt: den richtigen Zeitpunkt immer mit dem Chef abstimmen. Absolutes tabu: Alkohol während der Dienstzeit. Vergessen sollte man auch nicht: Wer einlädt, ist auch Gastgeber. Reden Sie also mit allen und suchen Sie das Gespräch.

  4. Dokumentieren Sie Ihre Zugehörigkeit

    In der Probezeit ist es besonders wichtig, schnell Anschluss zu finden und sich in das Team einzufügen. Das gelingt am besten, wenn Sie sich eben nicht aus allem raushalten und nur Ihr eigenes Ding machen, sondern gezielt den Kontakt suchen. Die anderen gehen etwas essen? Gesellen Sie sich dazu, statt alleine in der Mittagspause zu bleiben.

    Alle machen um 13 Uhr Pause, dann schließen Sie sich an und arbeiten Sie nicht alleine noch eine halbe Stunde weiter, bevor Sie in Ihre Auszeit gehen. Passen Sie sich den Gewohnheiten, Abläufen und Umgangsformen am neuen Arbeitsplatz an und zeigen Sie so, dass Sie wirklich dazugehören.

  5. Glänzen Sie durch Sorgfalt und Engagement

    Nehmen Sie alle Ihnen übertragenen Aufgaben ernst und erfüllen Sie diese gewissenhaft. Je höher die Position, in der ambitionierte Newcomer einsteigen, desto höher auch die Anforderungen, die man an Sie stellt. Denken Sie daran: Gerade in der Probezeit stehen Sie unter besonderer Beobachtung. Nicht nur, wenn es darum geht, ob Sie ins Team passen, sondern eben auch für Ihre Qualifikationen und Ergebnisse.

    Natürlich wird man Ihnen eine gewisse Zeit der Eingewöhnung zugestehen, doch sollten Sie trotzdem alles daran setzen, um die ihnen übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erledigen. Sorgfalt spielt dabei eine große Rolle. Das spart dem Unternehmen Zeit und Geld – und dem Chef Nerven.

    Treten vereinzelt Probleme auf, ist es ratsam, Vorgesetzten rechtzeitig Feedback zu geben. Und in Zeiten des Leerlaufs? Bloß keine Däumchen drehen! Womöglich ist dies ein Test. Zeigen Sie vielmehr Interesse und bieten Sie Ihre Hilfe an, wo es geht. Wer anderen zuarbeitet, sammelt wichtige Pluspunkte, gilt als kollegial und bekommt später selber Hilfe. Und wer braucht die am Anfang nicht?

  6. Halten Sie sich aus Lästereien raus

    Der blutleere homo oekonomicus hat zum Glück mit der Realität wenig gemein.

    Überall da, wo Menschen zusammenkommen, entsteht Kommunikation. Und damit auch Klatsch und Tratsch. Bevor Sie sich jedoch ein Urteil über die Kollegen bilden, lassen Sie ruhig ein paar Wochen ins Land gehen. Es dauert einige Zeit, bis Sie sich durch das kollegiale Beziehungsgestrüpp geackert haben und es entwirren können.

    Besondere Vorsicht ist bei Lästereien geboten, die es fast an jedem Arbeitsplatz gibt. Manchmal ist was Wahres dran, manchmal ist es rein erfunden. Ist aber am Ende auch egal: Sie sollten sich nie an Lästereien beteiligten, sondern sich selbst eine fundierte Meinung über alle Kollegen bilden.

    Wer in der Probezeit mitlästert, begibt sich auf dünnes Eis. Und das kann schneller einbrechen, als einem lieb ist. Newcomer sollten daher stets neutral bleiben.

  7. Bringen Sie Vorschläge richtig ein

    Zu Beginn der Probezeit kann es ein riskantes Unterfangen sein, gleich zahlreiche Verbesserungsvorschläge einzubringen. Das vermittelt schnell den Eindruck: Endlich bin ich hier, weiß alles besser und kann euch endlich sagen, wie es richtig gemacht wird.

    Ein wenig Fingerspitzengefühl ist deshalb angebracht und es kann auch sinnvoll sein, erst ein wenig abzuwarten, um die Abläufe wirklich kennenzulernen, bevor diese kritisiert werden. Kollegen fühlen sich sonst schnell vom Neuen angegriffen.

    Auf der anderen Seite kann es aber auch sehr positiv aufgefasst werden, wenn Sie Ihre Ideen einbringen. Vor allem wenn eine Lösung gesucht wird und Sie den passenden Geistesblitz haben, sollten Sie Ihren Vorschlag unterbreiten, um Ihre Eigeninitiative unter Beweis zu stellen.

  8. Gestehen Sie Fehler ein

    Nobody is perfect. Und in der Probezeit unterlaufen immer kleine oder auch größere Fehler. Das mag einem peinlich sein, leugnen macht alles aber nur noch schlimmer.

    Es ist ein regelrechter Jobkiller, Fehler nicht zugeben zu können. Klüger ist: Das Malheur aktiv melden, Verantwortung übernehmen und am besten gleich eine Lösung oder Wiedergutmachung anbieten.

    Bonuspunkte gibt es, wer beweist, was er daraus gelernt hat und den Fehler deshalb kein zweites Mal begeht. Denn das ist fast noch schlimmer als Fehler nicht zuzugeben: Denselben Fehler immer wieder machen…

  9. Betreiben Sie Eigenmarketing

    Alle Rädchen greifen reibungslos ineinander wie bei einem Schweizer Uhrwerk. Mit der Arbeit und den Kollegen klappt alles prima – nur der Chef kriegt davon nichts mit. Schade eigentlich. Das hilft nur: Werden Sie aktiv, betreiben Sie Selbstmarketing und legen Sie gemeinsam mit dem Boss die kommenden Arbeitsziele fest.

    Wer zeigen will, dass er hohe Anforderungen erfüllen kann, muss seine Leistung nachweisen. Fertigen Sie deshalb schriftliche Protokolle an, um Ihre Arbeit zu dokumentieren. Je konkreter die Ansprache, desto offener die Ohren. Oft schwebt der Chef so sehr über den Wolken, dass er nicht mehr weiß, wie viel Arbeit hinter manchem Ergebnis steckt.

    Deshalb: Ab und an Termine machen und die Protokolle als eine Art Checkliste kurz (!) präsentieren: „Das war mein Projekt. Bisher habe ich das erreicht, hier bin ich noch dran und da bräuchten wir eine neue Strategie, die so und so aussehen könnte…“

    Strahlen Sie Selbstbewusstsein aus und glänzen Sie mit Fakten. Übertriebene Unterwürfigkeit ist hierbei Fehl am Platze.

  10. Sprechen Sie Konflikte sofort offen an

    Als Neuer sind Sie nicht automatisch Everybody’s Darling. Im Gegenteil: Den Kuchen müssen die Kollegen nun auch mit Ihnen teilen. Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um wieder Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen Mitarbeiter vor die Nase gesetzt, der selbst gerne auf dem Schreibtischstuhl Platz genommen hätte.

    Statt prima Klima herrscht dann dicke Luft im Büro: Die Kollegen lassen Sie auflaufen, Informationen werden zurückgehalten, zwischen Ihren Beinen wirbeln die Knüppel. Da hilft nur noch eins: ein offenes Wort.

    Wenn die Zusammenarbeit partout nicht klappt, sollten Sie ein klärendes Gespräch mit den betreffenden Kollegen suchen – aber bitte nicht damit drohen. Also nicht gleich beim Chef petzen gehen, sondern offen die Situation schildern und um eine Aussprache bitten. Hart aber herzlich.

  11. Fragen Sie aktiv nach Feedback

    Wer fragt, der führt – und in diesem Fall sogar sich selbst. Solange Sie in der Probezeit sind, sollten Sie – im Abstand von zwei Monaten – Ihren Vorgesetzten immer wieder um ein Feedbackgespräch bitten: Entspricht Ihre Arbeit seinen Erwartungen? Was können Sie anders, besser machen? Wie beurteilt er Ihre Leistung und Entwicklung?

    Danach zu fragen ist keine Schande, im Gegenteil: Die Rückmeldung gibt Ihnen die Chance, rechtzeitig wichtige Korrekturen vorzunehmen und die Probezeit zu bestehen.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
6. März 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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