Arbeitsunfähigkeit: Rechte und Pflichten

Der Mensch ist keine Maschine: Jeder Arbeitnehmer wird irgendwann mal krank, Arbeitsunfähigkeit kann dabei viele Gründe haben. Allgemein gilt: Wer krank ist, gehört nicht mehr ins Büro oder an den Arbeitsplatz – zu groß ist die Ansteckungsgefahr für Kollegen, zu groß aber auch das Risiko für die eigene Gesundheit und Genesung. Bei Arbeitsunfähigkeit sollten Sie zum Arzt gehen, sich krank schreiben lassen und sich auskurieren. Mit der Arbeitsunfähigkeit sind allerdings nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten für Arbeitnehmer verbunden. Hier erfahren Sie, was Sie zur Arbeitsunfähigkeit wissen müssen – und erhalten Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Arbeitsunfähigkeit…

Arbeitsunfähigkeit: Rechte und Pflichten

Definition: Was bedeutet Arbeitsunfähigkeit?

Arbeitsunfähigkeit Definition: Wann ist man arbeitsunfähig?Eine Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung und seiner gesundheitlichen Situation seine bisher ausgeübte Tätigkeit und Arbeitsaufgabe nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlechterung seiner Gesundheit ausüben kann. Als arbeitsunfähigkeit gilt, wer in seiner Handlungsfähigkeit so weit eingeschränkt ist, dass er die bisherigen und eigentlichen Aufgaben seines Jobs nicht mehr erledigen kann.

Was genau zur Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters führt, kann dabei sehr unterschiedlich sein.

  • Kurzfristige Erkrankungen
  • Schwere und lange Erkrankungen
  • Spezifische Berufskrankheiten
  • Unfälle

Die häufigsten Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit sind leichte und meist schnell vorübergehende Krankheiten wie eine Erkältung, aber auch starke Kopfschmerzen, anhaltende Übelkeit oder andere Formen des körperlichen Unwohlseins können dafür sorgen, dass ein Arbeitnehmer für eine Zeit arbeitsunfähig ist.

Dabei können körperliche und psychische Probleme zu einer Arbeitsunfähigkeit führen. Wer mit Rückenschmerzen zum Arzt geht, kann ebenso arbeitsunfähig sein, wie jemand der unter psychische Schwierigkeiten durchlebt oder beispielsweise einen Burnout erleidet.

Entscheidend für die Arbeitsunfähigkeit ist, dass diese von einem Arzt diagnostiziert und bescheinigt wird. Sie können sich zwar – je nach Einigungen im Arbeitsvertrag – für einen kurzen Zeitraum selbst krankmelden, spätestens ab dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit müssen Sie dem Arbeitgeber jedoch ein ärztliches Attest vorlegen.

Allerdings muss nicht jeder Krankheitsfall, jeder Unfall oder jede Verletzung sofort zu einer Arbeitsunfähigkeit führen. Wenn Sie sich beispielsweise den Fuß brechen, könnte weiterhin einer typischen Bürotätigkeit nachgehen, wenn er sich dazu in der Lage sieht und vom Arzt das OK bekommt, dass die Arbeit seiner Genesung nicht im Weg steht.

Arbeitslose wiederum gelten als arbeitsunfähig, wenn sie aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang zu verrichten, für den sie sich bei der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt haben.

Arbeitsunfähigkeit bescheinigen: Diagnose beim Arzt

Arbeitsunfähigkeit bescheinigen Gründe Definition dauerhaftKrank geschrieben werden kann man nur von einem Arzt nach der Untersuchung. Der stellt dann eine sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (kurz: AU-Bescheinigung) in mehrfacher Ausfertigung aus:

  • Das Original mit der Diagnose geht an die Krankenkasse.
  • Der erste Durchschlag ohne Diagnose geht an den Arbeitgeber.
  • Der zweite Durchschlag (lang) mit Diagnose bleibt bei dem Versicherten.

Erst diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Diese muss zudem lückenlos sein. Heißt: Dauert die Genesung länger als bei der ersten Diagnose vom Arzt vermutet, muss noch am selben Tag, an dem die vorhergehende Bescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit endet, eine erneute erfolgen und dem Arbeitgeber übermittelt werden. Auch am Wochenende, sonst können dem Arbeitnehmer Nachteile entstehen. Daher: Besorgen Sie sich die neue Krankschreibung für die Folgewoche spätestens am Freitag, eine Rückdatierung wird nicht anerkannt.

Sollte die Krankenkasse indes Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit haben, kann sie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einschalten. Hat der Arbeitgeber Zweifel, muss er sich an die Krankenkasse wenden, damit diese den MDK einschaltet.

Allerdings wurde in einem Gesetz bereits beschlossen, dass diese schriftliche Form der Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit bald nicht mehr benötigt wird. Ab dem 1. Januar 2021 soll der behandelnde Arzt eine Arbeitsunfähigkeit direkt an die Krankenkasse des Versicherten melden – diesen wiederum informiert auf digitalem Weg den Arbeitgeber.

Rechte und Pflichten bei Arbeitsunfähigkeit

In Deutschland sind Arbeitnehmer im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gut abgesichert und profitieren von einigen Rechten. Diese sichern vor allem finanzielle Ansprüche in der Krankheitszeit.

So wird sichergestellt, dass Arbeitnehmer durch eine Erkrankung nicht sofort in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil beispielsweise das Einkommen wegfallen könnte. Die wichtigsten Rechte sind:

  • Entgeltfortzahlung

    Wer als arbeitsunfähig krank geschrieben ist, hat nach § 3 EntgFG bis zu sechs Wochen lang Anspruch auf Entgeltfortzahlung in voller Höhe. Dazu muss das Arbeitsverhältnis allerdings schon mehr als vier Wochen bestehen (Ausnahme: öffentlicher Dienst) und die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet sein. Wer also etwa gegen die betrieblichen Unfallvorschriften verstößt, dann einen Unfall hat und arbeitsunfähig ist, bleibt auf den Kosten sitzen. Falls das Arbeitsverhältnis ruht – etwa während der Elternzeit oder bei unbezahltem Sonderurlaub entfällt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

  • Krankentagegeld

    Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen, können gesetzlich Versicherte maximal 78 Wochen lang bis zu 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens bekommen. Angestellte des öffentlichen Dienstes bekommen darüber hinaus einen Krankengeldzuschuss für maximal 39 Wochen. Privatversicherte haben dagegen oft einen Anspruch auf Krankentagegeld, das nach einer Karenzzeit (meist 42 Tage) auf unbegrenzte Zeit oder bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit gezahlt wird. Ab der 7. Krankheitswoche übersendet die Krankenkasse hierzu dem Arbeitgeber eine Verdienstbescheinigung, in welche dieser die für die Berechnung des Krankengelds notwendigen Angaben einträgt.

  • Verletztengeld

    Bei Unfällen oder Berufskrankheiten können Arbeitnehmer ein sogenanntes Verletztengeld von der gesetzlichen Unfallversicherung beantragen. Es wird bis zu 78 Wochen lang in Höhe von 80 Prozent eines zu berechnenden Regelentgelts oder aber in der Höhe des letzten Nettoeinkommens gezahlt.

  • Übergangsgeld

    Um die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen, können manchmal auch medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein. Falls der Arbeitnehmer in dieser Rehabilitations-Phase immer noch nicht arbeiten kann, kann eventuell von der von der Bundesagentur für Arbeit auch ein sogenanntes Übergangsgeld bezogen werden. Es kann zwischen zwischen 60 und 75 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens liegen.

Neben den Rechten, die Mitarbeitern zustehen, gibt es auf der anderen Seite auch einige Pflichten, die im Falle einer Arbeitsunfähigkeit beachtet werden müssen. Geregelt werden diese in § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EntgFG).

Danach müssen Arbeitnehmer bei Arbeitsunfähigkeit folgende Punkte beachten:

  • Im Falle einer Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren. Das ist die sogenannte Meldepflicht. „Unverzüglich“ bedeutet: noch am ersten Krankheitstag und zu Arbeitsbeginn – per Telefon, SMS oder E-Mail. Wer dazu selbst nicht in der Lage ist, sollte Familienangehörige oder Freunde darum bitten. Zu den wichtigen Informationen gehört auch die voraussichtliche Dauer der Erkrankung, nicht aber die Diagnose selbst, die ist Privatsache (Ausnahme: Es besteht Ansteckungsgefahr).
  • Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer ein Attest beziehungsweise die AU vorlegen.
  • Die ärztliche AU-Bescheinigung muss spätestens nach 3 Tagen, also am 4. Tag der Erkrankung beim Arbeitgeber vorliegen.
  • Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die AU-Bescheinigung bereits am ersten Tag der Erkrankung vorzulegen ist. Dies muss nicht einmal generell für alle Arbeitnehmer so gelten, der Chef kann das auch für einen einzelnen Mitarbeiter bestimmen – etwa, weil der im Verdacht steht, gerne blau zu machen. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon am 14. November 2012 (5 AZR 886/11) entschieden.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zur Arbeitsunfähigkeit

Zur Arbeitsunfähigkeit gibt es einiges zu beachten – und deshalb auf Seiten von Arbeitnehmern auch einige Fragen sowie Unsicherheiten. Auch während Sie arbeitsunfähig sind, wollen Sie sich schließlich korrekt verhalten, keinen Ärger mit dem Chef bekommen – aber auch wissen, was Ihnen zusteht und worauf Sie bestehen dürfen.

Deshalb haben wir ein kleines FAQ zur Arbeitsunfähigkeit zusammengestellt, in dem wir besonders häufige und wichtige Fragen für Sie beantworten:

  • Muss ich bei Arbeitsunfähigkeit zuhause im Bett bleiben?

    Viele Arbeitnehmer haben Angst, dass ein Kollege oder gar der Chef sie draußen sehen könnte, während man krank geschrieben ist und dem Unternehmen eine Bescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Dies ist in den meisten Fällen unbegründet. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass Sie bei Arbeitsunfähigkeit zwingend zuhause bleiben oder im Bett liegen müssten. Je nachdem welche Erkrankung Sie haben, können Sie sogar weiterhin leichten Sport machen, Gartenarbeiten erledigen und natürlich auch einen kleinen Spaziergang machen oder Einkäufe besorgen. Verboten ist lediglich alles, was Ihrer Genesung im Wege stehen würde – und natürlich das Jobben für einen anderen Arbeitgeber.

  • Was passiert, wenn die Arbeitsunfähigkeit im Urlaub eintritt?

    Krank ist krank, also auch kein Urlaub, der dazu gedacht ist, sich zu erholen. Wer also während des Urlaubs krank wird und für diese Tage eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen kann, bekommt die Tage für seinen Jahresurlaub wieder gut geschrieben. Aber Vorsicht: Den genehmigten Urlaub dann eigenmächtig verlängern, dürfen Arbeitnehmer nicht. Das wäre ein Kündigungsgrund, mindestens aber abmahnfähig. Auch wenn Sie krank waren: Sobald der bewilligte Urlaub endet (und sie wieder genesen sind), müssen Sie auf der Arbeit erscheinen.

  • Bekommen Teilzeit- und geringfügige Beschäftigte ebenfalls eine Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit?

    Natürlich! Auch Teilzeitarbeit oder eine geringfügige Beschäftigung gilt als normales Arbeitsverhältnis. Damit haben diese Arbeitnehmer auch dieselben Rechte und Pflichten wie Vollzeitbeschäftigte. Einzig das Krankengeld entfällt bei geringfügig Beschäftigten, weil dies kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ist.

  • Kann ich während der Arbeitsunfähigkeit gekündigt werden?

    Eine Arbeitsunfähigkeit ist kein genereller Schutz vor Jobverlust. Das Gesetz gibt hier für Arbeitgeber jedoch sehr strenge Regeln vor. So rechtfertigt es noch keine Kündigung, wenn ein Mitarbeiter länger oder häufiger als der Durchschnitt der Belegschaft krank und arbeitsunfähig ist. Allerdings kann bei allzu häufigen Kurzerkrankungen (ab 45 Krankheitstagen pro Jahr) sowie bei Langzeiterkrankungen (24 Monaten oder länger arbeitsunfähig) eine Kündigung ausgesprochen werden.

    Auch sind Sie als Mitarbeiter verpflichtet, Ihrer eigenen Genesung nicht im Wege zu stehen. Sonst droht eine Abmahnung – und bei weiterem Zuwiderhandeln auch eine Kündigung.

    In dem Fall gestehen die Richter Arbeitgebern regelmäßig zu, dass es unzumutbar sei, den Angestellten weiter zu beschäftigen. Sollten Sie gegen die Kündigung etwas unternehmen wollen, müssen Sie spätestens drei Wochen nach Erhalt der Kündigung eine sogenannte Kündigungsschutzklage einreichen.

  • Darf trotz Krankheit Freizeitausgleich angeordnet werden?

    Die Vergütung von Überstunden wird von Arbeitgebern unterschiedlich gehandhabt. Manche zahlen den entsprechenden Lohn, andere gewähren Freizeitausgleich. Dies setzt jedoch voraus, dass ein Arbeitszeitkonto geführt wird, auf dem die Plusstunden vermerkt werden. Der Arbeitgeber kann dann einseitig bestimmen, wann er seinem Angestellten den Freizeitausgleich gewährt.

    Arbeitgeber haben allerdings das sogenannte Weisungsrecht nach § 106 Gewerbeordnung (GewO), wonach sie unter anderem bestimmen können, wann ihre Beschäftigten arbeiten müssen und wann nicht. Sie können daher auch einseitig festlegen, wann sie ihren Angestellten einen Freizeitausgleich für geleistete Überstunden gewähren.

    Zwar regelt § 9 BUrlG, dass Krankheitstage während des Urlaubs nicht den Jahresurlaub mindern dürfen. Diese Vorschrift ist aber nicht auf den Freizeitausgleich anwendbar. Während Urlaub nämlich der Erholung und Entspannung dient, wird mit der bezahlten Freistellung allein der Abbau der Überstunden und damit die Einhaltung der vertraglichen Arbeitszeit bezweckt. Wird der Beschäftigte in seiner Freizeit krank, ist das also sein persönliches Problem.

  • Muss ich bei Arbeitsunfähigkeit erreichbar sein?

    Vielleicht hat der Kollege eine Frage zu einem Projekt, das er während Ihrer Arbeitsunfähigkeit übernimmt oder der Chef benötigt eine Information von Ihnen – in einem solchen Fall kann es sein, dass Sie während Ihrer Arbeitsunfähigkeit eine Mail oder einen Anruf aus dem Büro bekommen. Während Ihrer Arbeitsunfähigkeit sind Sie nicht verpflichtet, zu bestimmten Zeiten erreichbar zu sein oder sofort zu antworten.

    Sollte Ihr gesundheitlicher Zustand es zulassen, spricht jedoch nichts dagegen, ein kurzes Telefonat anzunehmen und den Kollegen damit weiterzuhelfen. Sie müssen dafür jedoch nicht extra an den Arbeitsplatz fahren – dazu darf der Chef Sie während der Arbeitsunfähigkeit nicht zwingen.

  • Was ist bei einem Arbeitsunfall zu beachten?

    Von einem Arbeitsunfall spricht man, wenn der Arbeitnehmer einen Unfall in Ausübung seiner Tätigkeit erleidet. Dazu zählt allerdings nicht nur die eigentliche Arbeit. Versichert sind auch der direkte Weg hin zur Arbeit und wieder nach Hause zurück („Wegeunfall“).

    Nicht versichert sind jedoch Unfälle, die auf Abwegen (etwa einem Spaziergang oder einer Einkaufstour) also dem nicht direkten Weg von und zur Arbeit passieren. Erlaubt sind lediglich sinnvolle Umwege wie zum Beispiel das Absetzen oder Abholen der Kindern in der Schule sowie der Umweg, um einen Stau zu umfahren.

    War die berufliche Tätigkeit die Ursache für den Arbeitsunfall (und nicht etwa der alkoholisierte Arbeitnehmer selbst), tritt die zuständige Unfallversicherung ein. Sie übernimmt dann in der Regel die Kosten für Behandlung und Rehabilitation des Arbeitnehmers sowie gegebenenfalls Renten- und Hinterbliebenenzahlungen.

    Ansonsten gilt für Arbeitsunfälle Ähnliches wie für die Arbeitsunfähigkeit: Sie müssen der Unfallversicherung vom Arbeitgeber innerhalb von drei Tagen gemeldet werden. Der Unfalltag selbst zählt allerdings nicht mit. Nur bei tödlichen oder schwerwiegenden Unfällen muss die Meldung sofort erfolgen.

Dauerhafte Arbeitsunfähigkeit: Grenze zur Berufsunfähigkeit

Arbeitsunfähigkeit dauerhaft BerufsunfähigkeitWas allerdings passiert, wenn Sie nach 78 Wochen immer noch krank sind? Arbeitsunfähigkeit ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, es handelt sich also um einen vorübergehenden Zustand. Anders gesagt: Bei einer Arbeitsunfähigkeit werden Sie nach einer gewissen Zeit wieder gesund, können arbeiten gehen und Ihrer beruflichen Tätigkeit nachkommen.

Ist dies nicht der Fall, handelt es sich nicht mehr um eine Arbeitsunfähigkeit, sondern möglicherweise eine Berufsunfähigkeit. Von dieser wird gesprochen, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihren erlernten Beruf auszuüben. Das kann beispielsweise aufgrund einer Berufskrankheit passieren, aber auch Unfälle können zur Folge haben, dass Sie auch auf lange Sicht nicht mehr in Ihren Job zurückkehren können.

In dieser Situation ist es somit notwendig, nach einem anderen Beruf zu suchen, den Sie ausüben können. Dabei kann eine Umschulung nötig sein, um die grundlegenden Qualifikationen und Kenntnisse zu erwerben.

Können Sie aufgrund Ihrer gesundheitlichen Situation auch keinen anderen Beruf ausüben, spricht man von einer Erwerbsunfähigkeit. Dies bedeutet, dass Sie in Folge einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr am Berufsleben teilnehmen können. Sind nur noch geringe Tätigkeiten von bis zu drei Stunden täglich möglich, handelt es sich um eine sogenannte geminderte Erwerbsfähigkeit.

Für eine finanzielle Absicherung sorgt in diesem Fall die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die jedoch nicht sonderlich hoch ausfällt. Wer sich darüber hinaus absichern möchte, braucht eine spezielle Versicherung, etwa eine Berufunfähigkeitsversicherung oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Informationen zum Versicherungsschutz bei Arbeitsunfähigkeit

Deutschland hat eins der besten Sozialversicherungssysteme der Welt. Wird ein Arbeitnehmer krank, springen die vorgenannten Instanzen ein und sichern den Lebensunterhalt. Der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherung gilt im Übrigen auch, wenn ein Arbeitnehmer seine Arbeit vorzeitig wieder aufnimmt.

Aufpassen muss hier allerdings der Arbeitgeber: Er verstößt unter Umständen gegen seine Fürsorgepflicht, wenn er einen arbeitsunfähigen Arbeitnehmer arbeiten lässt. Im schlimmsten Fall kann er sich damit schadensersatzpflichtig machen.

Voraussetzung für den Versicherungsschutz durch die Krankenkasse ist allerdings auch, dass Sie Ihren Ausfall nicht selbst verursacht haben: Wer sich Schönheitsoperationen oder anderen risikobehafteten (und medizinisch nicht notwendigen) Eingriffen wie Piercings und Tätowierungen unterzieht und infolgedessen erkrankt, könnte Pech haben. Die Krankenkassen sind berechtigt, das Krankengeld für die Dauer der Behandlung ganz oder teilweise zu verweigern oder zurückzufordern.

Nach § 52 des Sozialgesetzbuch V (SGB V) haben ebenfalls Versicherte schlechte Karten, die sich eine Krankheit vorsätzlich oder im Zuge einer kriminellen Handlung zugezogen haben: Auch hier können Krankenkassen das Krankengeld ganz oder teilweise versagen beziehungsweise zurückfordern.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
5. Mai 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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