Arbeitsunfähigkeit: Was ist erlaubt? + Gründe & Rechte

Von Arbeitsunfähigkeit (AU) ist die Rede, wenn Sie aufgrund einer Krankheit (oder einem Unfall) Ihren Beruf nicht ausüben können. Dabei gilt zuerst: Gehen Sie zum Arzt, melden Sie sich krank und kurieren Sie sich aus. Zudem sollten Sie Ihre Rechte und Pflichten bei Arbeitsunfähigkeit kennen. Wer diese nicht einhält, riskiert eine Abmahnung oder sogar die Kündigung. Hier erfahren Sie, was Sie zur Arbeitsunfähigkeit wissen müssen…

Arbeitsunfähigkeit: Was ist erlaubt? + Gründe & Rechte

Anzeige

Was bedeutet Arbeitsunfähigkeit?

Eine Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung oder seiner gesundheitlichen Situation seine bisher ausgeübte Tätigkeit und Arbeitsaufgabe nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlechterung seiner Gesundheit ausüben kann. Ermöglicht der aktuelle Gesundheitszustand zwar die Arbeit, ist aber gleichzeitig absehbar, dass die fortgesetzte Ausübung negative Konsequenzen mitbringt, fällt dies bereits in die Arbeitsunfähigkeit.

Für die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit ist immer die zuletzt ausgeübte Tätigkeit entscheidend. Ein reiner Bürojob kann – sofern der Arzt nicht widerspricht – trotz gebrochenem Fuß ausgeübt werden. Es muss dann nicht zwingend eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen.

Arbeitslose wiederum gelten als arbeitsunfähig, wenn sie aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang zu verrichten, für den sie sich bei der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt haben.

Erste Schritte bei Arbeitsunfähigkeit

Fühlen Sie sich nicht gut genug, um zur Arbeit zu gehen, gilt es schnell zu handeln. Wir haben die ersten Schritte bei Arbeitsunfähigkeit für Sie in Kürze aufgelistet:

1. Arbeitgeber noch vor Beginn des Arbeitstages informieren.
2. Voraussichtliche Dauer Ihres Ausfalls mitteilen.
3. Spätestens am dritten Tag zum Arzt für Attest.
4. Krankenschein bei Arbeitgeber und Krankenkasse einreichen.

Genauere Angaben zu Ihrer Arbeitsunfähigkeit müssen Sie beim Chef nicht machen. Ausnahmen gibt es bei ansteckenden Krankheiten oder wenn Ihre Erkrankung Auswirkungen auf den Betriebsablauf haben kann.

Anzeige

Mögliche Gründe für Arbeitsunfähigkeit

Was genau zur Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters führt, kann sehr unterschiedlich sein. Ausschlaggebend ist, dass ein Arbeitnehmer durch seine gesundheitliche Situation nicht in der Lage ist, seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit nachzugehen.

  • Kurzfristige Erkrankungen
  • Schwere und lange Erkrankungen
  • Spezifische Berufskrankheiten
  • Unfälle

Die häufigsten Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit sind Muskel- und Skeletterkrankungen, also etwa Rückenschmerzen und arbeitsbedingte Abnutzungserscheinungen. Es folgen meist schnell vorübergehende Krankheiten wie Erkältungen oder starke Kopfschmerzen. Arbeitsunfähigkeit kann nicht nur durch körperliche, sondern auch psychische Probleme wie Depressionen oder Burnout verursacht werden.

Anzeige

Rechte bei Arbeitsunfähigkeit

In Deutschland sind Arbeitnehmer im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gut abgesichert und profitieren von einigen Rechten. Diese sichern vor allem finanzielle Ansprüche während der Krankschreibung. Das stellt sicher, dass Arbeitnehmer durch eine Erkrankung nicht sofort in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil das Einkommen wegfällt. Die wichtigsten Rechte sind:

Entgeltfortzahlung

Nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) erhalten Sie bei Arbeitsunfähigkeit bis zu sechs Wochen lang Entgeltfortzahlung in voller Höhe. Dazu muss das Arbeitsverhältnis allerdings schon mehr als vier Wochen bestehen (Ausnahme: öffentlicher Dienst) und die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet sein. Falls das Arbeitsverhältnis ruht – etwa während der Elternzeit oder bei unbezahltem Sonderurlaub – entfällt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Krankengeld

Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen, können gesetzlich Versicherte maximal 78 Wochen lang 70 Prozent des Bruttoeinkommen (höchstens aber 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens) als Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse bekommen. Angestellte des öffentlichen Dienstes bekommen darüber hinaus einen Krankengeldzuschuss für maximal 39 Wochen.

Krankentagegeld

Zum Ausgleich des geringeren Höhe des Krankengelds bieten Versicherungen eine Krakentagegeld-Versicherung an. Auch Privatversicherte nutzen das Krankentagegeld, das nach einer Karenzzeit (meist 42 Tage) auf unbegrenzte Zeit oder bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit gezahlt wird.

Verletztengeld

Bei Unfällen oder Berufskrankheiten können Arbeitnehmer ein sogenanntes Verletztengeld von der gesetzlichen Unfallversicherung beantragen. Es wird bis zu 78 Wochen lang in Höhe von 80 Prozent eines zu berechnenden Regelentgelts oder aber in der Höhe des letzten Nettoeinkommens gezahlt.

Übergangsgeld

Um die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen, können manchmal auch medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein. Falls der Arbeitnehmer in dieser Rehabilitations-Phase immer noch nicht arbeiten kann, kann eventuell von der von der Bundesagentur für Arbeit auch ein sogenanntes Übergangsgeld bezogen werden. Es kann zwischen zwischen 60 und 75 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens liegen.

Anzeige

Pflichten bei Arbeitsunfähigkeit

Neben Rechten, die Mitarbeitern zustehen, gibt es auf der anderen Seite auch einige Pflichten, die im Falle einer Arbeitsunfähigkeit beachtet werden müssen. Geregelt werden diese in § 5 EntgFG. Danach müssen Arbeitnehmer bei Arbeitsunfähigkeit folgende Punkte beachten:

Meldepflicht

Im Falle einer Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren.“Unverzüglich“ bedeutet: noch am ersten Krankheitstag und zu Arbeitsbeginn – per Telefon, SMS oder E-Mail. Wer dazu selbst nicht in der Lage ist, sollte Familienangehörige oder Freunde darum bitten. Zu den wichtigen Informationen gehört auch die voraussichtliche Dauer der Erkrankung, nicht aber die Diagnose selbst, die ist Privatsache (Ausnahme: Es besteht Ansteckungsgefahr).

Nachweispflicht

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer ein Attest beziehungsweise eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen. Der Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag kann abweichend vom Gesetz (Bürgerliches Gesetzbuch, § 121 BGB) vorsehen, dass Arbeitnehmer bereits am ersten Tag der Erkrankung eine ärztliche Bescheinigung vorlegen müssen.

Beachten Sie, dass diese Pflichten bei einer Arbeitsunfähigkeit nicht von Ihrem Anspruch auf die oben aufgeführte Entgeltfortzahlung abhängen. Selbst wenn Sie in Ihrer individuellen Situation keine Entgeltfortzahlung erhalten, müssen Sie dennoch der Melde- und Nachweispflicht nachkommen.

Arbeitsunfähigkeit durch Arzt bescheinigen lassen

Um Leistungen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Krankenkasse zu haben, sind Sie nach dem Gesetz (Bürgerliches Gesetzbuch, § 121 BGB) dazu verpflichtet, sich umgehend krankzumelden. Sie können Ihrem Chef sagen, dass Sie sich nicht gut fühlen und ausfallen – Ihre Arbeitsunfähigkeit können Sie aber nicht selbst offiziell bescheinigen. Das kann nur ein Arzt nach der Untersuchung.

Der stellt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (kurz: AU-Bescheinigung) in mehrfacher Ausfertigung aus:

  • Das Original mit der Diagnose geht an die Krankenkasse.
  • Der erste Durchschlag ohne Diagnose geht an den Arbeitgeber.
  • Der zweite Durchschlag mit Diagnose bleibt beim Versicherten.

Erst diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Sie muss zudem lückenlos sein. Dafür muss eine Folgebescheinigung noch an dem Tag ausgestellt werden, an dem die vorhergehende Bescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit endet und dem Arbeitgeber übermittelt werden. Besorgen Sie sich die neue Krankschreibung für die Folgewoche spätestens am Freitag.

Allerdings wurde in einem Gesetz bereits beschlossen, dass diese schriftliche Form der Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit bald nicht mehr benötigt wird. Ab dem 1. Januar 2021 soll der behandelnde Arzt eine Arbeitsunfähigkeit direkt an die Krankenkasse des Versicherten melden – diesen wiederum informiert auf digitalem Weg den Arbeitgeber.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit

Nicht immer sind Arbeitgeber oder auch Krankenkasse überzeugt, dass ein Mitarbeiter und Versicherter tatsächlich arbeitsunfähig ist. Sollte die Krankenkasse Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit haben, kann sie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einschalten. Hat der Arbeitgeber Zweifel, muss er sich an die Krankenkasse wenden, damit diese den MDK einschaltet.

Der Versicherte wird dann bei einem Termin vom MDK untersucht. So wird eine neutrale und unabhängige Diagnose garantiert. Dabei ist es hilfreich, dem Gutachter des MDK detaillierte und umfangreiche Unterlagen zum eigenen Krankheitsverlauf zur Verfügung zu stellen. Die endgültige Entscheidung über Leistungen trifft aber die Krankenversicherung, der Gutachter spricht lediglich eine Empfehlung aus.

Häufige Fragen und Antworten zur Arbeitsunfähigkeit

Zur Arbeitsunfähigkeit gibt es einiges zu beachten – und deshalb auf Seiten von Arbeitnehmern auch einige Fragen sowie Unsicherheiten. Deshalb haben wir ein kleines FAQ zur Arbeitsunfähigkeit zusammengestellt, in dem wir besonders häufige und wichtige Fragen für Sie beantworten:

„Muss ich bei Arbeitsunfähigkeit zuhause bleiben?“

Bei Arbeitsunfähigkeit vom Kollegen oder dem Chef draußen gesehen werden? Davor brauchen Sie in der Regel keine Angst zu haben. Sie sind bei den meisten Erkrankungen nicht ans Bett gefesselt. Sie dürfen einen kleinen Spaziergang machen oder Einkäufe besorgen. Alles, was Ihrer Genesung nicht im Wege steht. Selbst leichter Sport kann erlaubt sein.

„Was passiert, wenn die Arbeitsunfähigkeit im Urlaub eintritt?“

Krank ist krank, also auch kein Urlaub, der dazu gedacht ist, sich zu erholen. Wer also während des Urlaubs krank wird und für diese Tage eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen kann, bekommt die Tage für seinen Jahresurlaub wieder gut geschrieben. Aber Vorsicht: Den genehmigten Urlaub dann eigenmächtig verlängern, dürfen Arbeitnehmer nicht. Das wäre ein Kündigungsgrund, mindestens aber abmahnfähig. Auch wenn Sie krank waren: Sobald der bewilligte Urlaub endet (und sie wieder genesen sind), müssen Sie auf der Arbeit erscheinen.

„Gibt es Besonderheiten bei Arbeitsunfähigkeit in der Schwangerschaft?“

Während einer Schwangerschaft greift bei einer normalen Arbeitsunfähigkeit zunächst das oben genannte Recht auf Entgeltforzahlung für bis zu sechs Wochen. Für Schwangere gibt es unter bestimmten Umständen jedoch ein ärztliches Beschäftigungsverbot, bei Komplikationen oder Gefahr für die Gesundheit von Mutter oder Kind. In diesem Fall gibt es keine Lohneinbußen, sondern weiterhin den vollen Verdienst bis zum Eintritt in den Mutterschutz.

„Erhalten Beschäftigte in Teilzeit und Minijob Entgeltfortzahlung?“

Klare Antwort: Ja! Teilzeitarbeit oder eine geringfügige Beschäftigung gilt als normales Arbeitsverhältnis. Damit haben diese Arbeitnehmer dieselben Rechte und Pflichten wie Vollzeitbeschäftigte. Bei Arbeitnehmern im Minijob zahlt der Arbeitgeber 13 Prozent pauschal in die Krankenversicherung. Einzig das Krankengeld entfällt bei geringfügig Beschäftigten, weil dies kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ist.

„Kann ich während der Arbeitsunfähigkeit gekündigt werden?“

Arbeitsunfähigkeit ist kein genereller Schutz vor Jobverlust. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist jedoch an strenge Regeln gebunden. So muss etwa eine negative Gesundheitsprognose vorliegen. Behindern Sie durch Ihr Verhalten jedoch die eigene Genesung, kann es eine Abmahnung und bei Wiederholung eine Kündigung geben.

„Muss ich bei Arbeitsunfähigkeit erreichbar sein?“

Eine Frage von Kollegen oder eine Auskunft an den Chef – während der Arbeitsunfähigkeit kommt es trotzdem zu Mails oder Anrufen. Aber es gilt: Sie sind in dieser Zeit nicht verpflichtet, erreichbar zu sein oder sofort zu antworten. Sollte Ihr gesundheitlicher Zustand es zulassen, spricht jedoch nichts dagegen, ein kurzes Telefonat anzunehmen und den Kollegen damit weiterzuhelfen. Sie müssen dafür jedoch nicht extra an den Arbeitsplatz fahren – dazu darf der Chef Sie während der Arbeitsunfähigkeit nicht zwingen.

„Was ist bei einem Arbeitsunfall zu beachten?“

Passiert ein Unfall in Ausübung der beruflichen Tätigkeit, handelt es sich um einen Arbeitsunfall. Dazu zählt allerdings nicht nur die eigentliche Arbeit. Versichert sind auch der direkte Weg hin zur Arbeit und wieder nach Hause zurück („Wegeunfall“). Nicht versichert sind jedoch Unfälle, die auf Abwegen (etwa einem Spaziergang oder einer Einkaufstour) passieren. Bei einem Arbeitsunfall übernimmt die Unfallversicherung Kosten für Behanldung und Rehabilitation.

Ansonsten gilt für Arbeitsunfälle Ähnliches wie für die Arbeitsunfähigkeit: Sie müssen der Unfallversicherung vom Arbeitgeber innerhalb von drei Tagen gemeldet werden. Der Unfalltag selbst zählt allerdings nicht mit. Nur bei tödlichen oder schwerwiegenden Unfällen muss die Meldung sofort erfolgen.

Dauerhafte Arbeitsunfähigkeit & Berufsunfähigkeit

Bei einer Arbeitsunfähigkeit handelt es sich zunächst um einen vorübergehenden Zustand. Es wird davon ausgegangen, dass die Arbeitsfähigkeit durch Genesung und eine mögliche Wiedereingliederung in den Job wiederhergestellt wird. Einige Erkrankungen oder Unfälle können hingegen zu einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit führen. In diesem Fall kann es sich um eine Berufsunfähigkeit handeln: Der Arbeitnehmer kann nicht mehr in seine Tätigkeit zurückkehren.

In dieser Situation ist es somit notwendig, nach einem anderen Beruf zu suchen, den Sie ausüben können. Dabei kann eine Umschulung nötig sein, um die Qualifikationen und Kenntnisse zu erwerben. Ist aufgrund der gesundheitlichen Situation auch keine Ausübung eines anderen Berufes möglich, handelt es sich um eine Erwerbsunfähigkeit. Sind nur noch geringe Tätigkeiten von bis zu drei Stunden täglich möglich, handelt es sich um eine geminderte Erwerbsfähigkeit.

Für eine finanzielle Absicherung sorgt in diesem Fall die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die jedoch nicht sonderlich hoch ausfällt. Wer sich darüber hinaus absichern möchte, braucht eine spezielle Versicherung, etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Was andere Leser dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

★★★★★ Bewertung: 4,96/5 - 7346 Bewertungen.
31. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

Weiter zur Startseite