Arbeitsunfähigkeit Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) Gründe Berufsunfähigkeit
Der Mensch ist keine Maschine: Jeder Arbeitnehmer wird irgendwann mal krank. Und wer krank ist, gehört nicht mehr ins Büro - zu groß ist die Ansteckungsgefahr für Kollegen, zu groß aber auch das Risiko für die eigene Gesundheit und Genesung. Kurz: So jemand ist arbeitsunfähig und gehört vom Arzt krank geschrieben. Mit der Diagnose Arbeitsunfähigkeit sind allerdings nicht nur Rechte für Arbeitnehmer verbunden, sondern auch ein paar Pflichten, die Sie kennen sollten...

Arbeitsunfähigkeit Definition: Wann ist man arbeitsunfähig?

Arbeitsunfähigkeit Definition: Wann ist man arbeitsunfähig?Eine sogenannte Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung seine bisher ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlechterung seiner Gesundheit ausüben kann.

Arbeitslose wiederum gelten als arbeitsunfähig, wenn sie aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang zu verrichten, für den sie sich bei der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt haben.

Ein Unfall, eine Verletzung oder eine Krankheit muss aber nicht zwangsläufig zur Arbeitsunfähigkeit führen. Ein Redakteur, der sich beispielsweise den Fuß bricht, kann natürlich immer noch am Schreibtisch sitzen und Artikel in den Computer tippen.

Umgekehrt gehört es zu den weit verbreiteten Irrtümern, dass wer krank geschrieben ist, zuhause im Bett liegen muss. Je nachdem welche Erkrankung Sie haben, können Sie sogar weiterhin Sport machen oder Gartenarbeiten erledigen. Verboten ist lediglich alles, was Ihrer Genesung im Wege stehen würde - und natürlich das Jobben für einen anderen Arbeitgeber.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU)

Arbeitsunfähigkeit Depression DefinitionKrank geschrieben werden kann man nur von einem Arzt nach der Untersuchung. Der stellt dann eine sogenannte AU-Bescheinigung in doppelter Ausfertigung aus:

  • Das Original mit der Diagnose geht an die Krankenkasse.
  • Der erste Durchschlag ohne Diagnose geht an den Arbeitgeber.
  • Der zweite Durchschlag (lang) mit Diagnose bleibt bei dem Versicherten.

Erst diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Diese muss zudem lückenlos sein. Heißt: Dauert die Genesung länger als bei der ersten Diagnose vom Arzt vermutet, muss noch am selben Tag, an dem die vorhergehende Krankschreibung endet, eine erneute erfolgen. Auch am Wochenende, sonst können dem Arbeitnehmer Nachteile entstehen. Daher: Besorgen Sie sich die neue Krankschreibung für die Folgewoche spätestens am Freitag, eine Rückdatierung wird nicht anerkannt.

Sollte die Krankenkasse indes Zweifel an der AU haben, kann sie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einschalten. Hat der Arbeitgeber Zweifel, muss er sich an die Krankenkasse wenden, damit diese den MDK einschaltet.

Arbeitsunfähigkeit: Die Pflichten von Arbeitnehmern

Was die Arbeitsunfähigkeit anbelangt, so ist diese im § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) geregelt. Dazu gehören folgende Pflichten des Arbeitnehmers:

  • Im Falle einer Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren. Das ist die sogenannte Meldepflicht. "Unverzüglich" bedeutet: noch am ersten Krankheitstag und zu Arbeitsbeginn - per Telefon, SMS oder E-Mail. Wer dazu selbst nicht in der Lage ist, sollte Familienangehörige oder Freunde darum bitten. Zu den wichtigen Informationen gehört auch die voraussichtliche Dauer der Erkrankung, nicht aber die Diagnose selbst, die ist Privatsache (Ausnahme: Es besteht Ansteckungsgefahr).
  • Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer ein Attest beziehungsweise die AU vorlegen.
  • Die ärztliche AU-Bescheinigung muss spätestens nach 3 Tagen, also am 4. Tag der Erkrankung beim Arbeitgeber vorliegen.
  • Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die AU-Bescheinigung bereits am ersten Tag der Erkrankung vorzulegen ist. Dies muss nicht einmal generell für alle Arbeitnehmer so gelten, der Chef kann das auch für einen einzelnen Mitarbeiter bestimmen - etwa, weil der im Verdacht steht, gerne blau zu machen. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon am 14. November 2012 (5 AZR 886/11) entschieden.

Arbeitsunfähigkeit: Die Rechte von Arbeitnehmern

Natürlich haben arbeitsunfähige Mitarbeiter auch Rechte - insbesondere finanzielle Ansprüche. Diese:

  • Entgeltfortzahlung

    Wer als arbeitsunfähig krank geschrieben ist, hat nach § 3 EntgFG bis zu sechs Wochen lang Anspruch auf Entgeltfortzahlung in voller Höhe. Dazu muss das Arbeitsverhältnis allerdings schon mehr als vier Wochen bestehen (Ausnahme: öffentlicher Dienst) und die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet sein. Wer also etwa gegen die betrieblichen Unfallvorschriften verstößt, dann einen Unfall hat und arbeitsunfähig ist, bleibt auf den Kosten sitzen. Falls das Arbeitsverhältnis ruht - etwa während der Elternzeit oder bei unbezahltem Sonderurlaub entfällt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

  • Krankentagegeld

    Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen, können gesetzlich Versicherte maximal 78 Wochen lang bis zu 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens bekommen. Angestellte des öffentlichen Dienstes bekommen darüber hinaus einen Krankengeldzuschuss für maximal 39 Wochen. Privatversicherte haben dagegen oft einen Anspruch auf Krankentagegeld, das nach einer Karenzzeit (meist 42 Tage) auf unbegrenzte Zeit oder bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit gezahlt wird. Ab der 7. Krankheitswoche übersendet die Krankenkasse hierzu dem Arbeitgeber eine Verdienstbescheinigung, in welche dieser die für die Berechnung des Krankengelds notwendigen Angaben einträgt.

  • Verletztengeld

    Bei Unfällen oder Berufskrankheiten können Arbeitnehmer ein sogenanntes Verletztengeld von der gesetzlichen Unfallversicherung beantragen. Es wird bis zu 78 Wochen lang in Höhe von 80 Prozent eines zu berechnenden Regelentgelts oder aber in der Höhe des letzten Nettoeinkommens gezahlt.

  • Übergangsgeld

    Um die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen, können manchmal auch medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein. Falls der Arbeitnehmer in dieser Rehabilitations-Phase immer noch nicht arbeiten kann, kann eventuell von der von der Bundesagentur für Arbeit auch ein sogenanntes Übergangsgeld bezogen werden. Es kann zwischen zwischen 60 und 75 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens liegen.

Arbeitsunfähigkeit: Die wichtigsten Fragen

Was passiert, falls ich im Urlaub krank werde?

Krank ist krank, also auch kein Urlaub, der dazu gedacht ist, sich zu erholen. Wer also während des Urlaubs krank wird und für diese Tage eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen kann, bekommt die Tage für seinem Jahresurlaub wieder gut geschrieben. Aber Vorsicht: Den genehmigten Urlaub dann eigenmächtig verlängern, dürfen Arbeitnehmer dann nicht. Das wäre ein Kündigungsgrund, mindestens aber abmahnfähig. Auch wenn Sie krank waren: Sobald der bewilligte Urlaub endet (und sie wieder genesen sind), müssen Sie auf der Arbeit erscheinen.

Bekommen Teilzeit- und geringfügige Beschäftigte ebenfalls eine Entgeltfortzahlung?

Natürlich. Auch Teilzeitarbeit oder eine geringfügige Beschäftigung gilt als normales Arbeitsverhältnis. Damit haben diese Arbeitnehmer auch dieselben Rechte und Pflichten wie Vollzeitbeschäftigte. Einzig das Krankengeld entfällt bei geringfügig Beschäftigten, weil dies kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ist.

Kann ich während der Arbeitsunfähigkeit gekündigt werden?

Ja, durchaus. Allerdings setzt das Gesetz dem Arbeitgeber hier enge Grenzen. Nur weil ein Mitarbeiter häufiger und länger krank ist als der Durchschnitt der Belegschaft, rechtfertigt das noch keine Kündigung. Allerdings kann bei allzu häufigen Kurzerkrankungen (ab 45 Krankheitstagen pro Jahr) sowie bei Langzeiterkrankungen (24 Monaten oder länger arbeitsunfähig) eine Kündigung ausgesprochen werden. In dem Fall gestehen die Richter Arbeitgebern regelmäßig zu, dass es unzumutbar sei, den Angestellten weiter zu beschäftigen. Sollten Sie gegen die Kündigung etwas unternehmen wollen, müssen Sie spätestens drei Wochen nach Erhalt der Kündigung eine sogenannte Kündigungsschutzklage einreichen. Dies ist so oder so nicht verkehrt: Im Zweifel erhöht sich so die Abfindungssumme.

Darf trotz Krankheit Freizeitausgleich angeordnet werden?

Die Vergütung von Überstunden wird von Arbeitgebern unterschiedlich gehandhabt. Manche zahlen den entsprechenden Lohn, andere gewähren Freizeitausgleich. Dies setzt jedoch voraus, dass ein Arbeitszeitkonto geführt wird, auf dem die Plusstunden vermerkt werden. Der Arbeitgeber kann dann einseitig bestimmen, wann er seinem Angestellten den Freizeitausgleich gewährt.

Arbeitgeber haben allerdings das sogenannte Weisungsrecht nach § 106 Gewerbeordnung (GewO), wonach sie unter anderem bestimmen können, wann ihre Beschäftigten arbeiten müssen und wann nicht. Sie können daher auch einseitig festlegen, wann sie ihren Angestellten einen Freizeitausgleich für geleistete Überstunden gewähren.

Zwar regelt § 9 BUrlG, dass Krankheitstage während des Urlaubs nicht den Jahresurlaub mindern dürfen. Diese Vorschrift ist aber nicht auf den Freizeitausgleich anwendbar. Während Urlaub nämlich der Erholung und Entspannung dient, wird mit der bezahlten Freistellung allein der Abbau der Überstunden und damit die Einhaltung der vertraglichen Arbeitszeit bezweckt. Wird der Beschäftigte in seiner Freizeit krank, ist das also sein persönliches Problem.

Wann müssen Sie bei einem Arbeitsunfall beachten?

Wann müssen Sie bei einem Arbeitsunfall beachtenVon einem Arbeitsunfall spricht man, wenn der Arbeitnehmer einen Unfall in Ausübung seiner Tätigkeit erleidet. Dazu zählt allerdings nicht nur die eigentliche Arbeit. Versichert sind auch der direkte Weg hin zur Arbeit und wieder nach Hause zurück ("Wegeunfall").

Nicht versichert sind jedoch Unfälle, die auf Abwegen (etwa einem Spaziergang oder einer Einkaufstour) also dem nicht direkten Weg von und zur Arbeit passieren. Erlaubt sind lediglich sinnvolle Umwege wie zum Beispiel das Absetzen oder Abholen der Kindern in der Schule sowie der Umweg, um einen Stau zu umfahren.

War die berufliche Tätigkeit die Ursache für den Arbeitsunfall (und nicht etwa der alkoholisierte Arbeitnehmer selbst), tritt die zuständige Unfallversicherung ein. Sie übernimmt dann in der Regel die Kosten für Behandlung und Rehabilitation des Arbeitnehmers sowie gegebenenfalls Renten- und Hinterbliebenenzahlungen.

Ansonsten gilt für Arbeitsunfälle Ähnliches wie für die Arbeitsunfähigkeit: Sie müssen der Unfallversicherung vom Arbeitgeber innerhalb von drei Tagen gemeldet werden. Der Unfalltag selbst zählt allerdings nicht mit. Nur bei tödlichen oder schwerwiegenden Unfällen muss die Meldung sofort erfolgen.

Arbeitsunfähigkeit Versicherungsschutz: Nicht alles ist erlaubt

Deutschland hat eins der besten Sozialversicherungssysteme der Welt. Wird ein Arbeitnehmer krank, springen die vorgenannten Instanzen ein und sichern den Lebensunterhalt. Der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherung gilt im Übrigen auch, wenn ein Arbeitnehmer seine Arbeit vorzeitig wieder aufnimmt.

Aufpassen muss hier allerdings der Arbeitgeber: Er verstößt unter Umständen gegen seine Fürsorgepflicht, wenn er einen arbeitsunfähigen Arbeitnehmer arbeiten lässt. Im schlimmsten Fall kann er sich damit schadensersatzpflichtig machen.

Voraussetzung für den Versicherungsschutz durch die Krankenkasse ist allerdings auch, dass Sie Ihren Ausfall nicht selbst verursacht haben: Wer sich Schönheitsoperationen oder anderen risikobehafteten (und medizinisch nicht notwendigen) Eingriffen wie Piercings und Tätowierungen unterzieht und infolgedessen erkrankt, könnte Pech haben. Die Krankenkassen sind berechtigt, das Krankengeld für die Dauer der Behandlung ganz oder teilweise zu verweigern oder zurückzufordern.

Nach § 52 des Sozialgesetzbuch V (SGB V) haben ebenfalls Versicherte schlechte Karten, die sich eine Krankheit vorsätzlich oder im Zuge einer kriminellen Handlung zugezogen haben: Auch hier können Krankenkassen das Krankengeld ganz oder teilweise versagen beziehungsweise zurückfordern.

Arbeitsunfähigkeit: Die drei größten Rechtsirrtümer

Rund um die Arbeitsunfähigkeit und Krankmeldung existieren einige populäre Annahmen, die nicht den Tatsachen entsprechen, sich jedoch hartnäckig halten. In diesem Video klärt Rechtsanwalt Markus Mingers darüber auf, was Arbeitnehmer wissen sollten:

Arbeitsunfähigkeit Versicherung: Arbeitsunfähig oder berufsunfähig?

Was allerdings passiert, wenn Sie nach 78 Wochen immer noch krank sind? Arbeitsunfähig zu sein bedeutet, dass es sich um einen vorübergehenden Zustand handelt: Sie werden wieder gesund und können somit arbeiten gehen. Wer dauerhaft arbeitsunfähig ist, kann berufsunfähig sein.

Genaue Definitionen sind an dieser Stelle schwierig, da es dies vom Versicherungsträger und dem jeweiligen Fall abhängt. Dabei ist es nicht einfach mit einem längeren Zeitraum getan: Eine Schwangerschaft bedeutet beispielsweise keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, selbst wenn aufgrund von Komplikationen bereits ab dem dritten Monat krankgeschrieben wird.

Mit der Berufsunfähigkeit einher gehen allerdings gewisse Risiken. Bereits die Arbeitsunfähigkeit bedeutet je nach Dauer finanzielle Einbußen von mindestens 10 Prozent. Wenn die Zahlpflicht der Krankenkassen nach 78 Wochen endet, kann das für den Erkrankten den Weg durch diverse Behörden bedeuten.

Wer infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, gilt als vermindert erwerbsfähig. Bis 2001 waren noch alle Arbeitnehmer durch eine gesetzliche Rentenzahlung gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Mittlerweile wird eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente gezahlt, die allerdings sehr gering ausfällt.

Etwa 1,6 Millionen Erwerbsminderungsrentner gibt es. Bei einer durchschnittlichen Rente von unter 700 Euro sind diese Menschen extrem armutsgefährdet. An dieser Stelle greifen Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit. Sie haben das Ziel, eine Verschlechterung der finanziellen Situation und des Lebensstandards zu verhindern. Besonders für Auszubildende lohnt sich der Abschluss, da sie frühzeitig Beiträge einzahlen und somit günstigere Konditionen bekommen können.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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