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Präsentismus: Definition, Folgen + Maßnahmen

Trotz Krankheit zur Arbeit? Präsentismus heißt das Phänomen – und betrifft inzwischen zahlreiche Arbeitnehmer. Dabei hat es zahlreiche negative Folgen, wenn Arbeitnehmer krank ins Büro gehen – für die Betroffenen genauso wie für die Unternehmen. Wir erklären, was Präsentismus ist, welche Gründe er hat und was Unternehmen dagegen tun können…



Präsentismus: Definition, Folgen + Maßnahmen

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Definition: Was ist Präsentismus?

Präsentismus bezeichnet die Anwesenheit (Präsenz) von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz, obwohl sie krank bzw. vom Arzt krankgeschrieben sind. Trotzdem gehen sie weiterhin zur Arbeit. Das senkt nicht nur die Produktivität, sondern hat hohe wirtschaftliche Kosten.

Das Gegenteil zum Präsentismus ist der Absentismus – also das Fernbleiben vom Job, obwohl es keine Verhinderungsgründe gibt (siehe auch: Krank feiern oder Arbeitsverweigerung).

Präsentismus vs. Absentismus Definition Bedeutung Folgen Gründe Maßnahmen Tipps

Um welche Krankheiten geht es bei Präsentismus?

In der Mehrzahl handelt es sich um leichte Erkrankungen mit denen Arbeitnehmer zur Arbeit erscheinen: Husten und Schnupfen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen. Teils kommen Mitarbeiter aber auch mit schweren Symptomen ins Büro – zum Beispiel Fieber (Grippe), einer starken Erkältung oder mit einem Burnout bzw. einer Depression.

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Was kostet Präsentismus?

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse geht jede(r) zweite Angestellte manchmal krank zur Arbeit. 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten sogar entgegen dem ärztlichen Rat bei schwerer Krankheit. Umgekehrt hat gerade die Corona-Pandemie mit ihren Hygiene– und Abstandsregeln gezeigt, wie wenig zielführend Präsentismus ist.

Laut einer Studie des Strategieberatung Booz & Company kostet der Präsentismus die Unternehmen rund zwei Drittel ihrer Gesamtausgaben für Krankheitsausfälle. Eine Untersuchung der London School of Economics (LSE) kam wiederum zum Ergebnis, dass es Unternehmen bis zu zehnmal mehr kostet, wenn Mitarbeiter mit einer Depression zur Arbeit gehen, als wenn sie krankheitsbedingt zuhause blieben.

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Gründe für den Präsentismus

Wer krank ist, gehört nicht ins Büro, sondern ins Bett. Oder sollte sich zumindest schonen und auskurieren. Trotzdem schleppen sich viele zur Arbeit – warum?

Für den Präsentismus gibt es verschiedene Ursachen und Gründe. Zu den häufigsten gehören:

  • Angst vor Jobverlust

    Werden im Unternehmen aktuell Stellen abgebaut und kommt es etwa zu betriebsbedingten Kündigungen, fürchten viele um ihren Job. Betroffene wollen dann Engagement zeigen und keine Fehltage. Das betrifft vor allem Arbeitnehmer in der Probezeit.

  • Rücksicht auf Kollegen

    Vielleicht ist gerade viel zu tun und die Deadline drängt. In dem Fall stecken hinter dem Präsentismus Solitadarität mit und Loyalität zu den Kollegen.

  • Angst vor Unverständnis

    Zwar nehmen seit Jahren die psychische Erkrankungen von Arbeitnehmern zu – sie werden aber nicht von allen als „Krankheit“ anerkannt. Aus Angst vor einer Stigmatisierung durch das Umfeld schleppen sich die Arbeitnehmer zur Arbeit und verschweigen ihr Leid.

  • Pflicht- und Verantwortungsgefühl

    Gerade Führungskräfte haben oft ein falsches Pflichtgefühl und meinen permantent Präsenz und Verantwortung zu zeigen – teils auch, weil sie glauben, dass der Laden ohne sie nicht läuft.

  • Übertriebene Motivation

    Manchmal ist es auch der Eifer für ein aktuelles Projekt, der die Menschen – trotz Krankheit – ins Büro treibt. Ihre intrinsische Motivation nimmt dann keine Rücksicht auf die Gesundheit.

  • Akute Geldsorgen

    Manche Arbeitsverhältnisse erschweren es Arbeitenden, bei Krankheit zuhause zu bleiben. Das betrifft vor allem Freelancer oder geringfügig Beschäftigte, die auf Stundenbasis bezahlt werden.

  • Flucht vor Problemen zuhause

    Auch das gibt es: Herrscht zuhause gerade dicke Luft oder stressen die Kinder, flüchten manche zurück ins Büro – egal, wie schlecht es ihnen geht.

Präsentismus hängt stark mit der Unternehmenskultur und der aktuellen Arbeitsbelastung zusammen. Herrscht im Unternehmen ein starkes Leistungsdenken oder gibt es keine möglichen Stellvertreter, begünstigt das die Anwesenheit trotz Krankheitssymptomen.

Arbeitsrecht: Darf ich krank ins Büro?

Je nach Schweregrad der Symptome und Ansteckungsgefahr tun Sie weder sich noch den Kollegen einen Gefallen, trotz Krankheit arbeiten. Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer aber schon wieder arbeiten gehen, auch wenn sie noch offiziell krankgeschrieben sind. Vor allem, wenn sie sich schon wieder fit und gesund fühlen.

Es gibt aber Grenzen: Wer immer noch eingeschränkt ist – zum Beispiel mit einem Gipsfuß – darf keine Tätigkeiten ausführen, bei denen das Handicap andere gefährden könnte. In dem Fall: autofahren. Andernfalls kann es bei einem Unfall zu einer Mitschuld kommen.


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Welche Gefahren hat der Präsentismus?

Mit einer Krankheit zur Arbeit zu kommen, hat gleich mehrere Gefahren:

  1. Ansteckung
    Handelt es sich beispielsweise um eine fiebrige Erkältung oder eine Grippe könnten Sie noch mehr Menschen anstecken und so zu einem erheblichen Personalausfall beitragen. Davon abgesehen, ist es rücksichtslos.
  2. Chronifizierung
    Werden manche Erkrankungen nicht vollständig auskuriert, wird nicht nur der Heilungsprozess gestört und verlängert. Manche Symptome setzen sich regelrecht fest – die Folge: Die Krankheit wird chronisch und kann sogar Herzerkrankungen oder eine dauerhafte Berufsunfähigkeit zur Folge haben.
  3. Sicherheitsrisiko
    Falsch verstandenes Pflichtbewusstsein und Präsentismus können sogar zu ernsthaften Sicherheitsrisiken und Arbeitsunfällen führen – zum Beispiel wegen Konzentrationsproblemen.
  4. Produktivitätsverlust
    Jeder kennt das: Schon mit leichten Kopfschmerzen ist man nur noch zu 70 Prozent produktiv – oder weniger. Umso größer der Produktivitätsverlust bei stärkeren Symptomen. Er ist statistisch sogar wesentlich höher als bei dem Gegenstück, dem Absentismus.

Was kann man gegen Präsentismus machen?

Vielen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind die negativen Folgen von Präsentismus nicht bewusst. Deshalb ist der erste und wichtigste Schritt zur Prävention: Aufklärung! Stellen Führungskräfte fest, dass Mitarbeiter krank zur Arbeit erscheinen, sollten sie diese nach Hause schicken und zugleich erklären, dass dies auch keine negativen Folgen hat – schon aus Fürsorgepflicht.

Weitere bewährte Maßnahmen gegen Präsentismus sind:

  • Unternehmenskultur

    Etablieren Sie in Ihrem Unternehmen eine angstfreie Kultur, die deutlich macht: „Krank bedeutet arbeitsunfähig!“ – Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat immer Vorrang und ist zugleich die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg der Firma. Wer krank ist, darf und sollte daher zuhause bleiben.

  • Vorsorge

    Damit ist weniger die gesundheitliche Vorsorge gemeint. Vielmehr sollten Führungskräfte durch gute Planung und Ressourcenverteilung die Arbeitsbelastung senken und zugleich etwaige Fehlzeiten jederzeit durch Stellvertreter ausgleichen können. Darüber hinaus helfen flexible Arbeitsmodelle sowie Regelungen zum Homeoffice.

  • Vorbilder

    Vorgesetzte haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Präsentismus. Je nachdem, ob sie neutral oder negativ auf krankheitsbedingte Fehlzeiten reagieren oder selber trotz Krankheit arbeiten, schüren sie eine implizite Erwartungshaltung. Gehen Führungskräfte mit gutem Vorbild voran, hält sich auch der Präsentismus im Team in Grenzen.

  • Beschäftigungsverhältnisse

    Sorgen Sie zudem für sichere Arbeitsplätze mit fairen Arbeitsverträgen, die deutlich machen: „Wegen Krankheit wird hier niemand gefeuert!“ Auch die gefühlte Wertschätzung kann dazu beitragen, dass sich Existenzängste reduzieren und Mitarbeiter im Krankheitsfall nicht aus finanziellen Sorgen weiterhin arbeiten gehen.

Tatsächlich ist Präsentismus eine moderne Unsitte und Unkultur – noch dazu mit zahlreichen negativen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und die Produktivität der Belegschaft. Umgekehrt profitieren Unternehmen viel mehr davon, frühzeitig einer falsch verstandenen Anwesenheitspflicht vorzubeugen und deutlich zu machen: „Wer krank ist, gehört nicht auf die Arbeit!“


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