Krankschreibung: Die häufigsten Irrtümer

Am Morgen nach dem Wachwerden ist klar: Das wird heute nichts. Der Kopf dröhnt, der Magen spielt verrückt und die Beine versagen den Dienst – eine Krankschreibung muss her. Rund um das Thema Arbeitsunfähigkeit und Krankmelden existieren immer noch eine Reihe von Irrtümern. Muss ich das Bett hüten? Ab wann brauche ich eine Krankschreibung? Wir haben die häufigsten aufgeführt und erklären, was Sie im Krankheitsfalle tun müssen.

Krankschreibung: Die häufigsten Irrtümer

Irrtum: Eine Krankschreibung muss ab dem ersten Tag vorliegen

Wer als Arbeitnehmer krank ist, muss sich seine Arbeitsunfähigkeit vom Arzt bescheinigen lassen. Dieses Attest wird zur Krankmeldung dem Arbeitgeber vorgelegt und stellt die Entgeltfortzahlung sicher.

Unklarheit herrscht häufig bei der Frage, ab wann so eine Krankschreibung vorliegen muss. Die einen vermuten, dass bereits am ersten Tag des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls ein Attest dies bescheinigen muss, andere gehen vom dritten Tag aus.

Beide liegen daneben. Aus gesetzlicher Sicht sieht das Entgeltfortzahlungsgesetz vor, dass Sie sich umgehend – noch vor Arbeitsbeginn am ersten Krankheitstag – krankmelden (Anzeigepflicht). Ein ärztliches Attest darüber braucht erst, wer länger als drei Tage der Arbeit fern bleibt (Nachweispflicht).

Sie könnten also drei Tage lang Ihre Erkältung zuhause auskurieren und am vierten Tag ohne Krankschreibung wieder zur Arbeit gehen. Aber: Wann Sie im Speziellen sich krankschreiben lassen müssen, hängt von Ihrem Arbeitsvertrag ab.

Und hier lässt der Gesetzgeber dem Arbeitgeber wiederum die Freiheit, eine andere Regelung zu treffen und dem Arbeitnehmer vorzuschreiben, dass bereits mit dem ersten Krankheitstag eine Krankschreibung vorliegen muss.

Krankschreibung per Whatsapp möglich?

Krankschreibung WhatsappKann man sich eigentlich selbst krankschreiben? Was für Arbeitnehmer nach paradiesischen Zuständen klingt, ruft bei Arbeitgebern und Ärzten eher Stirnrunzeln hervor. Seit Dezember 2018 bietet ein Hamburger Unternehmen die Krankschreibung per Whatsapp an. Das ist zwar nicht ganz dasselbe, wie sich selbst krankzuschreiben, kommt dem aber sehr nahe:

Lediglich per Ferndiagnose hält ein Arzt hier fest, dass eine Person nicht arbeitsfähig ist. Möglich gemacht wird dies durch die Beantwortung einiger Fragen des Patienten. Gegen eine Gebühr von neun Euro erhält der Arbeitnehmer dann eine Krankschreibung per Whatsapp, die er dem Arbeitgeber übermitteln kann.

Allerdings gilt diese nur für drei Tage und der Dienst kann höchstens zweimal im Jahr in Anspruch genommen werden: So soll Missbrauch unterbunden werden. Rechtlich möglich ist eine Übermittlung der Krankmeldung als auch Krankschreibung per Whatsapp oder SMS – wenn das der bevorzugte Kommunikationskanal im Unternehmen ist.

Allerdings muss die Nachricht an den Vorgesetzten persönlich erfolgen (ein Gruppenchat reicht nicht aus) und – wie bei einem Telefonat ebenfalls – Sie sind verpflichtet, vor Arbeitsbeginn Ihre Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer Ihrer Erkrankung zu melden.

Irrtum: Wer krank ist, muss im Bett bleiben

Wer krank ist, ist nicht arbeitsfähig, muss also nicht auf der Arbeit erscheinen. Das Gegenteil von nicht zur Arbeit gehen heißt allerdings nicht, dass Sie automatisch das Bett hüten müssen. Der Irrtum, der diesem Gedanken zugrunde liegt, ist die Vorstellung, dass man krankgeschrieben plötzlich einem Kollegen oder gar dem Chef selbst über den Weg läuft.

Das Horrorszenario: Der Kollege oder Chef kommt mit dem Vorwurf „Ich dachte, Sie seien krank!?“ Aber Krankheit ist nicht gleich Krankheit und in manchen Fällen wäre die Decke übern Kopf zu ziehen sogar das Falsche.

Wer beispielsweise wegen Burnouts oder Depression krankgeschrieben ist, für den kann es heilsam sein, sich unter Menschen zu begeben. Wer sich noch von den Ausläufern einer Grippe erholt, kann sich durch Spaziergänge im Park wieder langsam stärken.

Und letztlich braucht jeder Mensch Essen. Wer in die Stadt geht, um dort bei der Apotheke Medikamente und im Supermarkt Lebensmittel zu kaufen, muss sich schwerlich nachsagen lassen, dass er in Wirklichkeit gesund ist. Was allerdings berechtigtes Misstrauen hervorrufen dürfte, ist wenn Sie sich widersprüchlich verhalten.

Denn als Arbeitnehmer sind Sie verpflichtet, alles zu unterlassen, das Ihre Genesung gefährdet – umgekehrt sollten Sie alles tun, was sie fördert. Heißt: Mit wackeligen Beinen und allgemeiner Schwäche ist es wenig sinnvoll, im Park joggen zu gehen. Absolutes Tabu sind Partys, Kneipenbesuche und/oder Alkoholkonsum.

Schlimmstenfalls kann offensichtliches Fehlverhalten während einer Krankschreibung zur Abmahnung oder verhaltensbedingten Kündigung führen.

Irrtum: Während der Krankheit besteht Kündigungsschutz

Eine Krankschreibung ist kein Kündigungsschutz. Es bestehen während Ihres krankheitsbedingten Arbeitsausfalls dieselben Bedingungen wie zuvor. Im Regelfall wird ein Arbeitgeber nicht gleich die erstbeste Gelegenheit nutzen, um seinen Mitarbeiter loszuwerden, nur weil der schon zum zweiten Mal im selben Jahr erkrankt ist.

Allerdings gibt es die krankheitsbedingte Kündigung. Sie ist ein Sonderfall der personenbedingten Kündigung und kommt zum Einsatz, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund langer Krankheit und negativer Prognose in nächster Zeit nicht mehr arbeiten kann.

Irrtum: Der Chef muss den Grund für die Krankschreibung wissen

Krankschreibung GrundKurz und knapp: Nein, muss er nicht. Warum Sie krank sind, geht Ihren Chef rein gar nichts an. Deshalb steht auf der Ausfertigung der Krankschreibung für den Arbeitgeber auch nicht die Diagnose – dieses Exemplar ist nur für die Krankenkasse gedacht.

Ausnahme: Wenn Sie an einer hochgradig ansteckenden Krankheit leiden, die dem Gesundheitsamt gegenüber meldepflichtig ist. In diesem Fall muss auch der Arbeitgeber benachrichtigt werden, damit die notwendigen Schutzmaßnahmen gegenüber der restlichen Belegschaft getroffen werden können.

Sollte Ihr Chef tatsächlich Zweifel an der Diagnose haben, kann er den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) um Auskunft bitten. Hier werden zwar keine exakten Details mitgeteilt, aber es kann ein Gutachten erstellt werden. Hier zeigt sich, ob der Mitarbeiter simuliert oder das Ergebnis mit der Diagnose des krankschreibenden Arztes übereinstimmt.

Im Falle einer Simulation liegt ein Betrug am Arbeitgeber vor – der kann mit einer fristlosen Kündigung reagieren.

Irrtum: Mit Krankschreibung dürfen Sie nicht arbeiten

Dieser Aspekt ist gar nicht so eindeutig, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Es stimmt: Wer sich krankgemeldet hat und während seiner Krankschreibung im Nebenjob arbeiten geht, riskiert gegebenenfalls seinen Arbeitsplatz. Denn Sie haben sich mit dem Arbeitsvertrag verpflichtet, Ihre Arbeitsleistung gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen.

Wer also im Nebenjob eine dem Hauptberuf sehr ähnliche Tätigkeit ausübt, dürfte in Erklärungsnot kommen, warum er für die eine Tätigkeit krankgeschrieben werden muss, die andere aber ausüben kann. So beispielsweise, wenn ein Umzugshelfer sich wegen Rückenschmerzen abgemeldet hat, aber zeitgleich einem Freund beim Umzug hilft.

Etwas anders ist der Fall gelagert, wenn sich ein Berufskraftfahrer ein Bein bricht, im Homeoffice aber noch eine Webseite programmiert. Für seinen Hauptberuf muss er seine Beine benutzen können, für den Programmierungsjob hingegen braucht er nur gesunde Hände.

Und auch ohne Nebenjob dürfen Sie mit Krankschreibung arbeiten gehen: Das ärztliche Attest ist eine Prognose, bis zu welchem Zeitpunkt Sie voraussichtlich arbeitsunfähig sind. Fühlen Sie sich schon früher überraschend gut, sind Sie sogar verpflichtet, wieder arbeiten zu gehen.

Was Sie allerdings vermeiden sollten: Krank zur Arbeit zu gehen, nur um dem Chef zu schmeicheln oder sich solidarisch mit den Kollegen zu zeigen. Damit gefährden Sie nicht nur Ihren Genesungserfolg, sondern womöglich die Gesundheit der anderen – und das will wirklich niemand.

Irrtum: Bei Krankheit im Urlaub verfallen die Urlaubstage

Sie sind im Urlaub und werden plötzlich krank – Pech gehabt? Was den Gesundheitszustand anbelangt, definitiv. Was Ihre Urlaubstage anbelangt, nicht. Die müssen und sollten Sie nicht für Ihre Krankheit opfern. Denn Urlaub ist zur Erholung gedacht, wer krank ist, erholt sich nicht.

Um Ihre Urlaubstage nicht für die Genesung zu verschwenden, müssen Sie allerdings Folgendes beachten: Sich nur krankzumelden, reicht in diesem Fall nicht aus, vom ersten Tag an brauchen Sie eine Krankschreibung vom Arzt. So werden die Tage, in denen Sie ausgefallen sind, nicht auf die Dauer Ihres Urlaubsanspruchs angerechnet und können später im Jahr noch einmal als Urlaub genommen werden.

Tipps für die korrekte Krankschreibung

Krankschreibung Tipps VorgehenHier ein kurzer Überblick, wie Sie korrekt vorgehen, wenn Sie sich am Arbeitstag krank fühlen:

  • Arbeitgeber benachrichtigen

    Zuerst müssen Sie Ihren Arbeitgeber – am besten persönlich am Telefon – darüber in Kenntnis setzen, dass Sie krankheitsbedingt ausfallen.

  • Krankschreibung besorgen

    Lassen Sie sich am selben Tag vom Arzt untersuchen und reichen Sie die Krankschreibung ein. Selbst wenn Sie erst am vierten Tag dazu verpflichtet sind – auf der sicheren Seite sind Sie so.

  • Krankheitsdauer mitteilen

    Rufen Sie erneut auf der Arbeit an, um Ihren Chef wissen zu lassen, wie lange Sie ausfallen werden und wann wieder mit Ihrer Rückkehr zu rechnen ist.

  • Bedingungen ermitteln

    Vergewissern Sie sich, dass Sie rechtzeitig die Krankschreibung vorlegen – wer direkt am ersten Tag einen Attest braucht, ist am dritten Tag bei längerem Ausfall definitiv zu spät: Das ist ein Kündigungsgrund!

  • Daten kontrollieren

    Wer sich nur drei Tage hat krankschreiben lassen und dennoch danach krank fühlt, braucht eine Folgebescheinigung. Denken Sie auch hier daran, diese rechtzeitig ausstellen zu lassen und einzureichen.

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[Bildnachweis: Dragana Gordic by Shutterstock.com]
22. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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