Meister-Bafög: Voraussetzungen, Antrag, Rückzahlung

Das Gesetz zur Förderung der Aufstiegsfortbildung (AFBG), besser bekannt als Meister-Bafög, dient der finanziellen Unterstützung bei Weiterbildungen. Durch die staatliche Förderung sollen Fortbildungen, höhere fachliche Abschlüsse und damit auch Existenzgründungen ermöglicht werden.

Meister-Bafög ist äquivalent zum Berufsausbildungsförderungsgesetz zu verstehen, richtet sich aber gerade nicht an Berufsauszubildende, sondern legt den Fokus als Aufstiegsförderung auf Fachkräfte mit bereits abgeschlossener Ausbildung.

Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Meister-Bafög wissen müssen: Mit Informationen zu Voraussetzungen, Antrag, Höhe, Dauer und Rückzahlung…

Meister-Bafög: Voraussetzungen, Antrag, Rückzahlung

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Meister-Bafög: Definition und Voraussetzungen

Das Meister-Bafög gibt es bereits seit den 1990er Jahren und verfolgt vorrangig das Ziel, mehr Anreize zur Weiterbildung zu schaffen und zu Existenzgründungen zu ermutigen, um seinerseits selbst Ausbildungsplätze zu schaffen. Mit dem Meister-Bafög werden direkt einzelne Fort- und Weiterbildungen gefördert, langfristig soll es aber die gesamte Wirtschaft unterstützen.

Gefördert werden durch das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), so der offizielle Titel, Handwerker und andere Fachkräfte, die sich zu Handwerks- oder Industriemeistern, Technikern, Betriebswirten oder staatlich geprüften Erziehern fortbilden.

Die Förderung erfolgt teils als Zuschuss, teils als zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Anders als beim normalen Bafög gibt es beim Meister-Bafög keine Altersgrenze. Ob Sie 25 oder 45 Jahre alt sind, spielt keine Rolle.

Es gibt jedoch andere Voraussetzungen für Meister-Bafög, die Sie erfüllen müssen, um die Aufstiegsförderung nutzen zu können.

Berufsausbildung

Mit dem Meister-Bafög wird nicht die erste Berufsausbildung, sondern darauf aufbauende Fort- und Weiterbildungen gefördert. Erste Voraussetzung ist deshalb eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung oder eine vergleichbare Qualifizierung mit regelmäßiger Berufspraxis.

Höherer angestrebter Abschluss

Es handelt sich beim Meister-Bafög per Gesetz um eine Aufstiegsförderung. Den Zuschuss gibt es somit nur, wenn der angestrebte Abschluss höher als der bereits vorhandene berufliche Abschluss ist. Wenn neben einer ersten Berufsausbildung beispielsweise bereits ein Studium absolviert wurde, besteht möglicherweise kein Anspruch auf Meister-Bafög mehr.

Dauer der Fortbildung

Die Fortbildungsmaßnahmen, die durch Meister-Bafög unterstützt werden, müssen mindestens 400 Unterrichtsstunden lang dauern. Der maximale Vollzeit-Zeitrahmen liegt bei 36 Kalendermonaten. Hierbei gilt eine regelmäßige wöchentliche Zeit der Fortbildung von vier Werktagen mit mindestens 25 Unterrichtsstunden. Bei Teilzeitfortbildungen ist die maximale Dauer auf 48 Monate begrenzt und durchschnittlich müssen jeden Monat mindestens 18 Unterrichtsstunden stattfinden.

Werden die Voraussetzungen erfüllt, besteht Anspruch auf Meister-Bafög für deutsche Staatsbürgen. Zusätzlich können aber auch EU-Bürger und andere Ausländer Meister-Bafög erhalten.

Ausländer müssen einen ständigen Wohnsitz in Deutschland haben, über eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis verfügen, sich bereits seit mindestens 15 Monaten rechtmäßig in Deutschland aufhalten und erwerbstätig sein – entweder in einem Job oder in einer Berufsausbildung.

Mögliche Fortbildungen mit Meister-Bafög

Durch eine Gesetzesnovelle können Meister-Bafög auch Bachelor-Studenten und Studienabbrecher beantragen. Dabei gilt, dass der angestrebte Abschluss muss aber über dem Niveau einer Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfenprüfung oder eines Berufsfachschulabschlusses liegt.

Konkret kann es sich dabei zum Beispiel handeln um Fortbildungen zum…

➠ Bankfachwirt
➠ Zahntechnikermeister
Softwareentwickler
Bäckermeister
➠ Erzieher
➠ Umweltschutzberater
➠ Techniker
Controller
➠ Marketingfachwirt
➠ Industriefachwirt
Fachkrankenpfleger
➠ Betriebsinformatiker
➠ Programmierer
➠ Bürofachwirt

Förderungsfähige Weiterbildungsformen

Meister-Bafög können Sie grundsätzlich für verschiedene Fort- und Weiterbildungen beantragen – unabhängig ob diese in Vollzeit, Teilzeit, schulischer oder außerschulischer Form stattfinden. Es kann bei den einzelnen Fortbildungen jedoch unterschiedliche Voraussetzungen geben, die beachtet werden müssen.

Dies gilt wie oben bereits angesprochen beispielsweise bei der Mindestdauer und den wöchentlichen Unterrichtsstunden bei Vollzeit-Fortbildungen. Besonderheiten gibt es aber auch bei Fernlehrgängen und mediengestützten Lehrgängen, die durch Meister-Bafög unterstützt werden sollen:

Fernlehrgänge

In § 4 des Gesetzes zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung wird geregelt, dass Fernlehrgänge durch Master-Bafög wie eine Teilzeitmaßnahme förderfähig sind. Dies ist möglich, wenn die genannten Voraussetzungen des Master-Bafögs erfüllt werden und der Lehrgang nach § 12 des Fernunterrichtsschutzgesetzes zugelassen ist oder von einem öffentlich-rechtlichen Träger durchgeführt wird.

Mediengesttzte Lehrgänge

Auch mediengestütze Lehrgänge sind nach §4a AFBG unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig. Entscheidend ist, dass diese durch Präsenzunterricht ergänzt werden und regelmäßige Leistungskontrollen durchgeführt werden. Als mediengestützte Kommunikation zählen dabei Lehrgänge, die auf Online-Lernplattformen stattfinden, bei denen der Lernprozess aber von einer Lehrkraft aktiv gesteuert und kontrolliert wird.

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Antrag auf Meister-Bafög

Wollen Sie Meister-Bafög in Anspruch nehmen, müssen Sie selbst aktiv werden, sich um den Antrag kümmern und diesen einreichen. In der Regel ist das kommunale Amt für Ausbildungsförderung, also das Bafög-Amt, zuständig. Sie können auch über die Hotline 0800/6 22 36 34 erfahren, welche Behörde für Sie zuständig ist

Für den Antrag auf Meister-Bafög müssen Sie insgesamt sieben Dokumente, die Formblätter A bis G, ausfüllen. Diese können Sie online herunterladen und erhalten sie vom entsprechenden Amt.

Wichtig: Kümmern Sie sich frühzeitig um den Antrag auf Meister-Bafög, mindestens drei Monate vor Beginn der Fortbildung ist empfehlenswert. Wer Fristen verpasst, kann keine rückwirkende Förderung in Anspruch nehmen. Ist die Hälfte der Fortbildung absolviert, müssen Sioe zudem einen Teilnahmenachweis erbringen, den der Bildungsträger für Sie ausstellt.

Ist Ihre Fortbildung förderungsfähig und der Antrag auf Meister-Bafög wird bewilligt, beginnt gleichzeitig mit der Aufstiegsfortbildung.

Zusätzlich zum Meister-Bafög können Sie einen Zuschuss für die Prüfungsvorbereitungsphase erhalten. Dieser erfordert einen gesonderten Antrag beim Meister-Bafög.

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Meister-Bafög: Höhe und Leistungen

Das Meister-Bafög besteht aus unterschiedlichen Leistungen, die zusammen die gesamte Förderung ausmachen. Je nach individueller Situation variieren die Beiträge, die Sie erhalten sowie die Höhe, in der Sie die Förderung in Anspruch nehmen können.

Im folgenden haben wir die verschiedenen Leistungen und deren Höhe für Sie aufgelistet:

Beitrag zum Lebensunterhalt

Der Unterhaltsbedarf wird beim Meister-Bafög für Vollzeitfortbildungen abhängig vom Einkommen und Vermögen gefördert. Heißt: Je mehr Einkommen und Vermögen Sie besitzen, desto geringer fällt der Förderbetrag beim Meister-Bafög aus. Der Beitrag zum Lebensunterhalt beträgt dabei maximal 892 Euro. Dieser setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

➠ Grundbedarf: 398 Euro
➠ Wohnpauschale: 325 Euro
➠ Zuschlag Krankenversicherung: 84 Euro
➠ Zuschlag Pflegeversicherung: 25 Euro
➠ Erhöhungsbetrag Antragssteller: 60 Euro

Zusätzliche Aufschläge gibt es für Verheiratete (bis zu 235 Euro) und pro Kind (bis zu 235 Euro). Alleinerziehende können pauschal 150 Euro Kinderbetreuungskosten erhalten. Bei diesen Beträgen handelt es sich zu 100 Prozent um Zuschüsse.

Fortbildungskosten

Mit dem Meister-Bafög werden auch die Kosten der Fortbildung erleichtert. Dieser Teil der Förderung erfolgt einkommens- und vermögensunabhängig sowohl bei Voll- als auch bei Teilzeitfortbildungen. Für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren beträgt das Meister-Bafög bis zu 15.000 Euro. Diese Summe ist zu 50 Prozent ein Zuschuss und zu 50 Prozent ein zinsgünstiges Darlehen. Mit bestandener Prüfung kann seit August diesen Jahres 50 Prozent des noch nicht fällig gewordenen Darlehens für die Fortbildungskosten erlassen werden.

Materialkosten für ein Meisterprüfungsstück (oder eine vergleichbare Arbeit) werden zudem bis zur Hälfte der Kosten (höchstens aber 2.000 Euro) gefördert. Der Zuschussanteil ist auch hier 50 Prozent.


Anrechnung des Vermögens beim Meister-Bafög

Das Vermögen des Antragstellers wird erst ab einem gewissen Wert angerechnet. Bis zu dieser Grenze handelt es sich um einen Freibetrag. Aktuell liegt der Freibetrag für das Vermögen bei 45.000 Euro. Für den Ehe- oder Lebenspartner und jedes Kind wird dieser Betrag um 2.300 Euro erhöht.


Beispiel für Meister-Bafög

Zum besseren Verständnis haben wir ein einfaches Beispiel erstellt, das Ihnen zeigt, welche Leistungen in welcher Höhe beim Meister-Bafög in Anspruch genommen werden können. Eine Alleinerziehende Mutter von 2 Kindern macht in Vollzeit eine förderungsfähige Fortbildung. In dieser Zeit hat sie kein weiteres Einkommen. Durch das Meister-Bafög erhält Sie folgende Förderungen:

Sie erhält den höchsten Beitrag zum Lebensunterhalt in Höhe von 892 Euro. Hinzu kommen Aufschläge von 235 Euro pro Kind, also 470 Euro. Durch das Meister-Bafög bekommt die Teilnehmende einen Unterhaltsbeitrag von 1.362 Euro. Als alleinerziehende Mutter bekommt sie zudem pauschal 150 Euro monatlich pro Kind. So beläuft sich das Meister-Bafög auf 1.662 Euro monatlich. Dies ist zu 100 Prozent ein Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Die Fortbildungskosten belaufen sich auf 5.000 Euro. Zu 50 Prozent werden diese als Zuschuss übernommen, die verbleibenden 2.500 Euro können zinsgünstig über die KfW-Bank finanziert werden. Bei bestandener Prüfung kann zudem die Hälfte dieser 2.500 Euro erlassen werden.

Zusammengefasst beträgt das Meister-Bafög in einem Jahr für dieses Beispiel: 16.344 Euro Beitrag zum Lebensunterhalt, 3.600 Euro Kinderbetreuungszuschuss, 2.500 Euro Zuschuss zu den Fortbildungskosten sowie ein zinsgünstiges Darlehen, von dem bei erfolgreicher Prüfung lediglich 1.250 Euro zurückgezahlt werden müssen.

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Meister-Bafög zurückzahlen

Das Beispiel zeigt bereits, dass ein großer Teil des Meister-Bafögs als reiner Zuschuss gewährt wird. Bei diesem Betrag handelt es sich um eine Förderung, die Sie nicht zurückzahlen müssen. Wenn Sie Ihr Meister-Bafög zurückzahlen, ist die Summe oft nur ein kleiner Teil von dem, was Sie als Zuschuss in der Förderung erhalten haben.

Für die Rückzahlung gibt es beim Meister-Bafög zudem besonders gute Konditionen. So müssen Sie frühestens zwei Jahre nach dem Abschluss der Fortbildungsmaßnahme mit der Rückzahlung beginnen – können unter Umständen aber auch erst nach sechs Jahren damit beginnen.

Im Anschluss haben Sie insgesamt zehn Jahre Zeit, um Ihr Meister-Bafög zurückzuzahlen. Eine frühere Rückzahlung ist dabei jederzeit möglich.

Sollte sich Ihre berufliche und finanzielle Situation so entwickeln, dass Sie das Meister-Bafög nicht zurückzahlen können, kann die Rückzahlung gestundet werden. Dies ist möglich, wenn ein Kind bis zum zehnten Lebensjahr betreut oder ein Kind mit einer Behinderung gepflegt werden muss. Zusätzlich darf die wöchentliche Arbeitszeit nicht über 30 Stunden liegen.

Möglicherweise kann die Rückzahlung des Meister-Bafögs sogar erlassen werden, wenn das Einkommen bestimmte Werte nicht übersteigt:

➠ Förderungsberechtigter: 1.260 Euro
➠ bei Ehepartnern oder Lebenspartnern zusätzlich: 630 Euro
➠ pro Kind zusätzlich: 570 Euro

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[Bildnachweis: Rido by Shutterstock.com]
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11. August 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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