Vermögenswirksame Leistungen: Was ist das?

Den Begriff vermögenswirksame Leistungen haben Sie bestimmt schon einmal gehört. Aber wissen Sie auch, was sich dahinter verbirgt und welchen Vorteil diese für Sie haben? Sollten Sie diese Fragen mit einem Nein beantworten müssen, geht es Ihnen wie viele anderen auch. Das ist jedoch ein Fehler, der Sie im schlimmsten Fall bares Geld kosten kann, denn – wie der Name schon andeutet – sind vermögenswirksame Leistungen geeignet, um zusätzliches Geld zu erhalten. Zwar kommt das Vermögen dabei nicht von heute auf morgen, es lohnt sich aber in jedem Fall und Sie sollten sich zumindest über die Möglichkeiten der vermögenswirksamen Leistungen informieren. Wir erklären, was vermögenswirksame Leistungen sind und wie Sie davon profitieren können…

Vermögenswirksame Leistungen: Was ist das?

Definition: Was sind vermögenswirksame Leistungen?

Vermögenswirksame Leistungen Definition Vergleich Bausparvertrag Arbeitgeber auszahlen RechnerVermögenswirksame Leistungen (VL oder VwL) sind eine Zahlung des Arbeitgebers – entweder auf freiwilliger Basis oder aufgrund einer Regelung im Tarif– oder Arbeitsvertrag. Die Leistungen sollen es Arbeitnehmern ermöglichen, Geld zur Seite zu legen und über mehrere Jahre zu sparen.

Sie sollen genutzt werden, um langfristig einen größeren Betrag zu ersparen. Aus diesem Grund werden vermögenswirksame Leistungen nicht mit dem Gehalt ausbezahlt, wo sie sofort ausgegeben werden könnten, sondern fließen vom Arbeitgeber direkt in eine entsprechende Anlageform (welche Ihnen dabei zur Verfügung stehen, erklären wir weiter unten im Artikel).

Das Beste ist: Sie selbst müssen kaum etwas dafür tun. Informieren Sie sich beim Betriebsrat Ihres Unternehmens oder in der Personalabteilung, ob Ihnen laut Vertrag vermögenswirksame Leistungen zustehen. Haben Sie die Bestätigung, können Sie sich bei Ihrer Bank beraten lassen. Dort erhalten Sie ein Formular, das Sie wiederum Ihrem Chef vorlegen müssen – schließlich wird das Geld nicht direkt an Sie, sondern an die Bank überwiesen.

Wie hoch fallen die VL aus?

Die Möglichkeit für vermögenswirksame Leistungen besteht nicht nur für abhängig beschäftigte Arbeitnehmer, sondern auch für Auszubildende, Beamte, Richter und Soldaten. Wie hoch die Extra-Zahlungen vom Chef sind, hängt von den entsprechenden Branchen und Berufen ab.

Arbeitnehmer erhalten maximal 40 Euro monatlich, also 480 Euro pro Jahr. Beispielsweise bekommen Bankkaufleute den Höchstbetrag. Genauso gut sind aber auch niedrigere Zahlungen möglich, so in diesen Branchen:

  • Architekten & Ingenieure: 16,36 Euro
  • Baugewerbe: 23,52 Euro
  • Deutsche Bahn AG: 13,33 Euro
  • Einzelhandel: 6,65 bis 13,33 Euro
  • Forstwirtschaft: 0 bis 6,67 Euro
  • Schmiede und Schlosser: 13,33 bis 26,67 Euro
  • Zeitungsverlage: 26,67 Euro
[Quelle: vlsparen24.de]

Beschäftigte, die nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt werden, erhalten 6,65 Euro. Voraussetzung für die vermögenswirksamen Leistungen ist, dass das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate besteht und dass dem Arbeitgeber beziehungsweise Dienstherren die erforderlichen Angaben gemacht werden.

Ein Vermögen lässt sich nicht in ein paar Monaten ersparen, weshalb vermögenswirksame Leistungen über einen langen Zeitraum angelegt werden. Der Vertrag läuft normalerweise über eine Dauer von sieben Jahren. Die ersten sechs Jahre zahlt der Arbeitgeber monatlich den Ihnen zustehenden Betrag ein, das siebte Jahr ist ein Ruhejahr.

In dieser Zeit können Sie nicht auf Ihre vermögenswirksamen Leistungen zugreifen oder diese auszahlen lassen. Erst nach Ablauf dieser Zeit können Sie frei über das so entstandene Vermögen verfügen. Wie groß dieses dann ist, hängt von der Höhe der Zahlungen, aber auch von der Art der Anlage ab.

Gibt es einen Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen?

Vermögenswirksame Leistungen Definition Vergleich Bausparvertrag Arbeitgeber Höhe AuszahlenBanken und Finanzexperten locken damit, dass Arbeitnehmer unbedingt in vermögenswirksame Leistungen investieren sollten. Aber gibt es überhaupt einen Anspruch darauf?

Die schlechte Nachricht lautet: Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht. Ob Sie dennoch in den Genuss der Zahlung von vermögenswirksamen Leistungen kommen, hängt somit von zwei anderen Punkten ab: Einer möglichen Regelung im Arbeits- beziehungsweise Tarifvertrag oder der Freiwilligkeit Ihres Arbeitgebers.

Heißt für Sie: Selbst wenn in Ihrem Vertrag nicht explizit festgehalten wurde, dass ein Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen besteht, sollten Sie nicht gleich aufgeben und das Vorhaben abschreiben.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber und fragen Sie nach. Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberimage sind zwei wichtige Faktoren, Ihr Chef könnte also durchaus gewillt sein, Ihnen entgegenzukommen.

Im Falle einer Absage, bleibt eine letzte Möglichkeit: Sie können die vermögenswirksamen Leistungen aus eigener Tasche zahlen. In Absprache mit Ihren Arbeitgeber und einer Bank wird dann keine zusätzliche Zahlung vom Unternehmen geleistet, sondern ein entsprechender Teil von Ihrem Gehalt umgeleitet. Statt auf Ihrem Konto landet dieser dann als vermögenswirksame Leistung in einer Sparanlage.

Verschiedene Anlageformen für vermögenswirksame Leistungen

Vermögenswirksame Leistungen werden von Ihrem Arbeitgeber (oder im Falle einer Eigenleistung von Ihnen selbst) gezahlt. Zur langfristigen Anlage werden diese direkt an eine Bank überwiesen, ein Umweg des Geldes über Ihr privates Konto findet nicht statt.

Die Anlageform Ihrer vermögenswirksamen Leistungen sollten Sie sich gut überlegen. Nicht nur Zinsen und Rendite unterscheiden sich, es können auch Zuschüsse vom Staat erhalten werden, mit denen die eigene Sparleistung noch einmal aufgebessert werden kann. Am besten lassen Sie sich vor dem Abschluss bei der Bank Ihrer Wahl über die verschiedenen Anlageformen genau beraten.

Je nach Bank können dabei unterschiedliche Angebote gemacht werden und verschiedene Optionen zur Verfügung stehen. Im Vorfeld sollten Sie deshalb schon darüber nachdenken, was Ihre Ziele sind – aber auch, welche Rahmenbedingungen Ihnen wichtig sind, beispielsweise wie groß das Risiko ist, das Sie eingehen wollen.

In der folgenden Liste stellen wir Ihnen die häufigsten Anlagemöglichkeiten für vermögenswirksame Leistungen vor:

  1. Banksparplan

    Vermögenswirksame Leistungen können über einen Banksparplan sehr sicher angelegt werden. Der Nachteil: Eine staatliche Förderung gibt es bei dieser Form der Anlage leider nicht, eingezahlt wird also nur das, was von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber kommt. Wie rentabel dies ist, hängt von der Höhe der Zinsen ab – zusätzlich bieten Banken manchmal einen Bonus nach Ablauf des Vertrages an.

    Die Angebote verschiedener Banken sind zwar ähnlich, die einzelnen Konditionen variieren aber und weichen in Details voneinander ab. Wer sich für das erstbeste Angebot entscheidet, vergibt möglicherweise die Chance, bessere Bedingungen zu finden. Vergleichen Sie deshalb unbedingt verschiedene Banken und lassen Sie sich vor Ort jeweils beraten und informieren.

  2. Bausparvertrag

    Sie planen bereits für die Zukunft und wollen ein Haus bauen oder kaufen? Dann kann ein Bausparvertrag die richtige Wahl für Ihre vermögenswirksamen Leistungen sein. Zu den Vorteilen zählt, dass auch diese Variante für vermögenswirksame Leistungen sehr sicher ist – allzu große Renditen und Zinsen auf die Anlage sind allerdings auch hier nicht zu erwarten.

    Attraktiv wird der Bausparvertrag aber durch einen weiteren Pluspunkt: Der Staat – genauer gesagt das Finanzamt – zahlt noch einmal 9 Prozent Arbeitnehmersparzulage auf maximal 470 Euro vermögenswirksamen Leistungen im Jahr. Weitere Voraussetzung für die Arbeitnehmersparzulage ist, dass Ihr jährlich zu versteuerndes Einkommen unter 17.900 Euro liegt.

  3. Aktienfonds

    Wer bereit ist, ein wenig mehr Risiko einzugehen und im Gegenzug die Chance auf eine höhere Rendite zu erhalten, kann seine vermögenswirksamen Leistungen auch in Aktienfonds anlegen. Noch wichtiger als bei den anderen Anlageformen ist hier die Beratung und das Vertrauen in Ihren Bankberater und den Aktienfonds – immerhin hängt davon ab, wie sich Ihr Vermögen entwickelt.

    Vorteilhaft ist, dass Sie auch hier die Möglichkeit auf eine Arbeitnehmersparzulage vom Staat haben. Bleibt Ihr zu versteuerndes Einkommen unter 20.000 Euro, gibt es vom Staat bis zu einer vermögenswirksamen Leistung von maximal 400 Euro noch einmal 20 Prozent der eingezahlten Summe (maximal also 80 Euro) obendrauf.

  4. Immobilienkredit

    Sie haben bereits ein Haus gekauft und zahlen einen Immobilienkredit ab? Dann können Sie Ihre vermögenswirksamen Leistungen möglicherweise in die Abzahlung dieses Kredits investieren. Sie können so die Rückzahlungsdauer verkürzen und müssen die VL-Zahlungen einfach nur auf das Darlehenskonto überweisen.

    Von Ihrer Bank brauchen Sie außerdem eine Bestätigung für das Finanzamt darüber, dass Sie mit vermögenswirksamen Leistungen Ihren Kredit abbezahlen, da Sie die Arbeitnehmersparzulage mit Abgabe Ihrer Steuererklärung beantragen.

    Die Tilgung eines Immobilienkredits lohnt sich vor allem, wenn beide Partner vermögenswirksame Leistungen erhalten. Damit können Sie ihre monatliche Tilgungsrate um die Zahlung der VL erhöhen. So tragen Sie stärker zur Reduzierung des Kredits bei statt überwiegend Geld für die Zinsen aufzubringen. Allerdings räumt nicht jede Bank diese Möglichkeit ein, weshalb Sie dies vorab klären sollten.

VL vor allem für Geringverdiener attraktiv

Vermögenswirksame Leistungen Definition Arbeitgeber Sparen Erklärung wie viel Höhe RechnerVermögen – das klingt nach Reichtum, Millionen auf dem Konto und sechsstelligen Gehältern im Jahr. Tatsächlich zielen vermögenswirksame Leistungen aber genau in die andere Richtung und sollen insbesondere Geringverdiener ansprechen. Wer ohnehin genügend Geld übrig hat, kann jederzeit etwas zur Seite legen und braucht dafür nicht zwangsläufig Zuschüsse vom Arbeitgeber oder vom Staat.

Ist das Geld jedoch eher knapp, sind vermögenswirksame Leistungen eine Chance, trotzdem Kapital aufbauen zu können. Wer glaubt, dass er oder sie zu wenig verdient, um zu sparen und einen wirklichen Betrag zur Seite legen zu können, sollte sich deshalb die Möglichkeiten der vermögenswirksamen Leistungen nicht entgehen lassen.

Über die gesamte Laufzeit kommen dabei schnell mehrere Tausend Euro zusammen – wenn es finanziell möglich ist und Sie selbst noch eine Eigenleistung beitragen können, sogar noch einmal mehr.

Das reicht vielleicht nicht, um sich das Traumhaus zu kaufen, aber ein Anfang ist es in jedem Fall. Vor allem, wenn die Zahlungen vom Arbeitgeber kommen, sind es schließlich mehrere Tausend Euro zusätzlich und ganz ohne Mehraufwand.

Altersvorsorge mit vermögenswirksamen Leistungen

Ein Drittel aller Arbeitnehmer, die vermögenswirksame Leistungen beziehen könnten, verschenken das Geld aus Unwissenheit. Andere legen es in Lebensversicherungen, Fonds- oder Banksparplänen an. Dann entfallen auf den Gehaltsbonus allerdings volle Steuer- und Sozialabgaben.

Eine andere Möglichkeit ist, die VL-Leistung in die Altersvorsorge zu stecken. Genauer: in die betriebliche Altersvorsorge zu investieren, dann können Sie nämlich den vollen Betrag ansparen. Allerdings fallen im Ruhestand auf die Auszahlungen die vollen Steuer- und Sozialabgaben an.

In einigen Branchen ist diese Form der Anlage bereits geregelt, das heißt, Sie können nicht selbst die Verwendung entscheiden. Vorteilhaft ist die Investition in die betriebliche Altersvorsorge vor allem dann, wenn Sie über der Einkommensgrenze liegen. Dadurch entgeht Ihnen die Arbeitnehmersparzulage. Aber Sie sind wie gesagt nicht steuer- und sozialabgabenpflichtig.

Andererseits können Sie bei diesem Modell erst im Rentenalter auf Ihr Geld zugreifen und nicht wie sonst bei den vermögenswirksamen Leistungen bereits nach sieben Jahren.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
16. Oktober 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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