Die Ausbildung ist geschafft, das Studium abgeschlossen: Nun ist es an der Zeit, auf Jobsuche zu gehen - und das erste Geld zu verdienen. Mit dem Einstiegsgehalt sollen nicht nur die Kosten gedeckt werden, es ist hoffentlich auch der Startpunkt für eine lange und erfolgreiche Karriere. Die gute Nachricht: Die Einstiegsgehälter steigen - gerade für Absolventen. Welche Faktoren für die Höhe des Einstiegsgehalts entscheidend sind, wie viel in den verschiedenen Branchen gezahlt wird und wie Sie es schaffen, ein gutes erstes Gehalt zu verhandeln, dass Ihren Vorstellungen entspricht...

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Einstiegsgehalt: Positive Entwicklung für Berufseinsteiger

Wer in die Berufswelt startet, erhält im Vergleich zu langjährigen Mitarbeitern ein geringeres Gehalt. So weit, so bekannt. Die Berufserfahrung und gesammelte Fähigkeiten machen sich eben bezahlt.

Aber: Wer mit einem guten Einstiegsgehalt startet, verdient meist im Laufe seines Erwerbslebens auch mehr. Wer niedrig einsteigt, wird es schwer haben, die Lücke wieder zu schließen. Ein Grund mehr, um die erste Verhandlung seines Lebens gut vorzubereiten.

Hoch pokern kann aber nur, wer die richtige Ausbildung vorzuweisen, das richtige Fach studiert hat. Immerhin ist der Arbeitsmarkt in Deutschland - insbesondere für Absolventen - in grundsolider Verfassung. So liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Hochschulabsolventen im Jahr 2017 laut Stepstone bei circa 43.500 Euro pro Jahr.

Einstiegsgehalt: Wovon hängt die Bezahlung ab?

Neben der Berufserfahrung spielen noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Vor allem diese:

  • Größe des Unternehmens

    Wer auf der Suche nach einem besonders hohen Einstiegsgehalt ist, sollte sich vor allem auf große Unternehmen mit hohen Mitarbeiterzahlen konzentrieren. Großkonzerne zahlen höhere Gehälter - und oft kommen noch Boni hinzu.

    Beispiel Ingenieure: Für sie beträgt das durchschnittliche Einstiegsgehalt nach Stepstone-Angaben in einem kleinen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern 44.013 Euro. In Firmen mit 501 bis 1000 Mitarbeitern sind es schon 47.338 Euro und in Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern liegt das Einstiegsgehalt bei 52.134 Euro.


  • Standort des Arbeitgebers

    Auch die geographische Lage Ihres zukünftigen Arbeitgebers kann das Einstiegsgehalt beeinflussen - sowohl positiv wie negativ. Tendenziell wird im Süden mehr bezahlt, so sind in Baden-Württemberg bis zu 7,5 Prozent mehr Einstiegsgehalt möglich. Im Osten müssen Sie dagegen mit einer geringeren Bezahlung rechnen.

    Im Stepstone-Ranking 2017 liegt Baden-Württemberg mit 46.279 Euro an der Spitze. Etwas weniger gibt es in Hessen und Bayern. Hinten finden sich alle östlichen Bundesländer inklusive Berlin wieder - hier gibt es als Einstiegsgehalt deutlich weniger 40.000 Euro. Am wenigsten verdient man in Mecklenburg-Vorpommern mit 35.943 Euro.


  • Abschluss des Bewerbers

    Besserer Abschluss, höheres Einstiegsgehalt? In den meisten Fällen stimmt diese Formel, so verdienen Master-Studenten meist mehr als Bachelor. Unternehmen sind bereit, für die zusätzlichen Qualifikationen mehr Geld in einen Arbeitnehmer zu investieren.

    Laut Stepstone verdient man mit einem akademischen Abschluss 37 Prozent mehr als ohne. Uni-Absolventen wiederum können mit sechs Prozent mehr Lohn rechnen als Absolventen einer privaten Hochschule. Und ein Masterabschluss bringt neun Prozent mehr Gehalt im Vergleich zum Bachelor.

    Das deckt sich ungefähr mit den Angaben von gehalt.de. Demnach steigen Masteranden mit einem Einstiegsgehalt von 46.000 Euro in den Beruf ein. Bachelor-Absolventen müssen mit 41.000 Euro Vorlieb nehmen. Und nicht vergessen: Ein höheres Einstiegsgehalt potenziert sich im Laufe des Berufslebens.


  • Studienfach und Branche

    Die wahrscheinlich größten Unterschiede in der Höhe der Einstiegsgehälter basieren auf den unterschiedlichen Studienfächern und Branchen der Kandidaten. Während in einigen Bereichen teilweise enorme Summen für Einsteiger gezahlt werden, liegen andere meilenweit unter dem Durchschnitt.

    Laut Stepstone sind Medizin und Wirtschaftsingenieurwesen die finanziell lohnenswertesten Studiengänge. Das Gegenteil ist in den Geschichts-, Kultur-, Geisteswissenschaften und Philosophie der Fall. Die zahlungsfreudigste Branche ist die Chemie- und erdölverarbeitende Industrie. Ganz hinten rangiert der Komplex Freizeit, Touristik, Kultur und Sport.

Einstiegsgehalt nach der Uni

Die eine Hälfte der Bachelor-Absolventen verdient ein Einstiegsgehalt von mehr als 40.550 Euro, die andere Hälfte weniger. Master-Absolventen kommen auf 45.822 Euro. Diese Medianwerte hat das Gehaltsportal gehalt.de im Oktober 2017 ermittelt. Der Median ist oft aussagekräftiger als das Durchschnittsgehalt, da er nicht so stark von Einzelwerten verzerrt werden kann.

Demnach sind das die höchsten Einstiegsgehälter für Beschäftigte mit Bachelorabschluss (Medianwerte):

  • Aktiv-/Passivgeschäft Bank: 53.996 Euro
  • Key Account Management: 52.789 Euro
  • Ingenieure in der Instandhaltung: 52.044 Euro
  • Technische Forschung & Entwicklung: 50.124 Euro
  • Test- und Versuchsingenieur: 49.389 Euro


Demgegenüber sind das die niedrigsten Einstiegsgehälter für Beschäftigte mit Bachelorabschluss (Medianwerte):

  • Steuerfachangestellte/-fachwirte/-fachgehilfen: 27.346 Euro
  • Gestaltung/Grafik: 28.101 Euro
  • Fachliche Zuarbeit im Rechtsbereich: 28.374 Euro
  • Produktion in Print, TV, Funk usw.: 29.602 Euro
  • Laborkraft: 29.633 Euro


Das sind die höchsten Einstiegsgehälter für Beschäftigte mit Masterabschluss (Medianwerte):

  • Steuerberater, Wirtschaftsprüfer: 57.500 Euro
  • Risk Management, Risk-Controlling: 56.885 Euro
  • Asset Management, Immobilien: 55.055 Euro
  • Versicherungsmathematik: 54.344 Euro
  • Technische Forschung & Entwicklung: 52.552 Euro


Und das sind die niedrigsten Einstiegsgehälter für Beschäftigte mit Masterabschluss (Medianwerte):

  • Architekt: 32.400 Euro
  • Sozialarbeit, Sozialpädagoge: 32.692 Euro
  • Redaktion: 32.911 Euro
  • Kulturmanagement: 33.154 Euro
  • Event: 33.903 Euro

Einstiegsgehalt nach Studienfächern: So viel verdienen Absolventen

Die Wahl des Studienfachs erfolgt in der Regel nicht nur aus finanziellen Erwägungen.

Trotzdem ist es natürlich ein Aspekt, den man im Hinterkopf hat - oft ein entscheidender. Die langjährige Fokussierung auf ein Gebiet, die gute Qualifikation und Ausbildung sollen sich schließlich auch bezahlt machen.

Besonders hohe Einstiegsgehälter winken für Absolventen dieser Studiengänge:

  • Wirtschaftsingenieurwesen: Der Mittelweg zwischen Wirtschaft und Technik ist für Absolventen ein lukrativer. Unternehmen zahlen laut Stepstone im Schnitt ein Einstiegsgehalt 48.238 Euro jährlich für gut ausgebildete Wirtschaftsingenieure.
  • Jura: Wer als Jurist ein sehr gutes Examen ablegt, kann bei großen Anwaltskanzleien gut und gerne ein Einstiegsgehalt von 100.000 Euro pro Jahr erzielen. Dies ist zwar nur einer Handvoll Absolventen möglich, doch auch im Durchschnitt liegt das Durchschnittsgehalt bei 46.088 Euro im Jahr.
  • Medizin: Mediziner liegen in der Stepstone-Rangliste 2017 an der Spitze. Sie kommen als einzige auf ein durchschnittliches Einstiegsgehalt jenseits der 50.000: 50.170 Euro.
  • Informatik: Ein Informatikstudium bietet im Anschluss unendlich viele Möglichkeiten, qualifizierte Absolventen sind gefragt. Stepstone spuckt für Anfänger ein Durchschnittsgehalt von 45.897 Euro aus.
  • Betriebswirtschaftslehre: Auch BWLer haben zahlreiche Alternativen, zwischen denen Sie wählen können. Das durchschnittliche jährliche Einstiegsgehalt liegt bei 42.265 Euro. Hier spielt die Branche, in die man als Absolvent einsteigt, eine besonders große Rolle.

Einstiegsgehalt bei Männern und Frauen

Einstiegsgehalt bei Männern und FrauenThema heißblütiger Debatten: die unterschiedliche Entlohnung von Männern und Frauen. Diese sogenannte Lohnlücke - oder Gender Pay Gap - ist regelmäßig Thema im Bundestag, den Medien, der Kaffeeküche.

Auch beim Einstiegsgehalt zeigt sich eine Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Bedeutet dies aber tatsächlich, dass Frauen benachteiligt werden und bewusst ein geringeres Gehalt erhalten? Nicht unbedingt. Manche Studien, wie etwa der OECD, zeigen zwar, dass Frauen auch in vergleichbaren Berufen und Positionen schlechter bezahlt werden als Männer. Andere kommen zu dem Ergebnis, dass die Lohnlücke schlicht nicht existiert.

Die unterschiedlichen Werte in solchen Betrachtungen könnten demnach auch dadurch entstehen, dass Frauen häufiger in Berufen und Bereichen tätig sind, die tendenziell einen niedrigeren Verdienst aufweisen. In den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sind Frauen meist unterrepräsentiert - genau diese Bereiche werden aber vergleichsweise gut bezahlt.

So oder so: Die Debatte um den Gender Pay Gap wird uns wohl noch lange erhalten bleiben. Unser allgemeiner Rat: Verhandeln Sie ein gutes Einstiegsgehalt und orientieren Sie sich dabei an den aktuellen Durchschnitts- oder Medianwerten. Völlig unabhängig davon, ob Sie Mann oder Frau sind.

Einstiegsgehalt: So viel gibt es in verschiedenen Branchen

Neben der Wahl des Studiengangs ist die Branche ein besonders wichtiger Faktor für das Einstiegsgehalt. Aus gutem Grund versuchen viele Absolventen, den Einstieg in eine der Topzahler-Branchen zu schaffen.

Wir zeigen, wo Sie schon als Berufseinsteiger eine große Lohntüte erhalten:

  • Chemie und Pharma

    Die Chemie- und Pharma-Branche zahlt traditionell gut. Durchschnittlich erhalten Berufseinsteiger im Pharmasektor nach Stepstone-Angaben 48.820 Euro im Schnitt. Bei der Gehaltsanalye der Portale Personalmarkt und gehaltsreporter.de liegt der Medianwert bei 48.000 Euro.

  • Automotive

    Keine Überraschung: Fahrzeugbauer und -zulieferer bieten Einstiegsgehälter, die sich sehen lassen können. Personalmarkt und gehaltsreporter.de nennen ein Mediangehalt von 48.000 Euro im Jahr. Stepstone berechnet für die Automotive-Branche ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 50.836 Euro. Nebenbei: Die Luft- und Raumfahrtindustrie bewegt sich finanziell in ähnlichen Sphären.

  • Banken

    Auch der Finanzsektor lockt Talente mit hohen Einstiegsgehältern. Wer sich seinen Berufseinstieg bei einer Bank vorstellen kann, wird dabei laut Stepstone mit durchschnittlich 51.741 Euro im Jahr entlohnt. Ein Mediangehalt von 50.000 Euro veranschlagt die Analyse von Personalmarkt und gehaltsreporter.de.

  • Unternehmensberatung

    Eine weitere Branche, die für große Verdienstmöglichkeiten bekannt ist. 46.447 Euro sind laut Stepstone der Durchschnitt für frischgebackene Unternehmensberater, doch je nach Arbeitgeber und Qualifikation kann diese Zahl auch deutlich nach oben abweichen.

  • Elektrotechnik

    Gut und bewährt: Elektrotechniker haben einen überdurchschnittlichen Marktwert. Personalmarkt und gehaltsreporter.de berechnen einen Median von 47.000 Euro brutto für Berufseinsteiger. Stepstone gibt einen ähnlichen Durchschnittsbetrag an: 48.843 Euro. Vergleichbare Gehälter gibt es auch im Anlagenbau.

Neben den gutbezahlten Branchen gibt es natürlich auch das andere Extrem. Wer sich für eine der folgenden Branchen entschieden hat, wird ein Einstiegsgehalt bekommen, dass man vermutlich nicht als sensationell bezeichnen kann...

  • Freizeit, Touristik, Kultur & Sport

    Mit 32.021 Euro pro Jahr ist die Touristik-und-Freizeitbranche das Schlusslicht der Stepstone-Rangliste 2017.

  • Werbung, Marketing, PR

    Für viele ein Traumjob, doch die Arbeit in der Werbung oder im Marketing ist weniger rentabel als in anderen Branchen. Im Schnitt werden laut Stepstone beim ersten Gehalt 34.441 Euro fällig.

  • Groß- und Einzelhandel

    Schlecht ist das durchschnittliche Einstiegsgehalt von 40.026 Euro nicht, das man im Handel verdient - und übrigens auch deutlich höher als in Bildung und Training, Medien, Gesundheit und Sozialarbeit. Im Vergleich zu den Top-Branchen aber fällt der Handel klar ab.

Einstiegsgehalt: So verhandeln Sie richtig

Einstiegsgehalt: So verhandeln Sie richtigFür welche Branche Sie sich auch entscheiden mögen: Wenn es darum geht, das Einstiegsgehalt zu verhandeln, wollen Sie natürlich das Maximum für sich herausschlagen.

Doch worauf kommt es bei der Gehaltsverhandlung an? Diese zwei simplen Tipps helfen Ihnen, ein angemessenes Einstiegsgehalt auszuhandeln.

  • Kennen Sie Ihren Wert. Um sich nicht mit einem zu geringen Angebot zufrieden zu geben, ist es notwendig, den eigenen Wert zu kennen. Informieren Sie sich, wie viel ein Arbeitnehmer mit Ihren Kenntnissen und Qualifikationen verdient und orientieren Sie sich daran. Erste Anhaltspunkte haben wir Ihnen ja bereits geliefert.
  • Sein Sie nicht zu schüchtern. Das Einstiegsgehalt gibt es als erste Bezahlung nach dem Berufseinstieg. Natürlich freut man sich, einen Job gefunden zu haben, doch treten Sie nicht als schüchterner Bittsteller auf. Sie bringen Fähigkeiten mit, die dem Unternehmen weiterhelfen, also zeigen Sie sich ruhig selbstbewusst.

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