Psychiater: Studium, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kurz „Psychiater“, ist mehr als ein Seelenklempner. Er ist ausgebildeter Arzt UND medizinischer Experte für Erkrankungen der Psyche. Vom Psychologen unterscheidet er sich durch ein Medizinstudium plus 5-jährige Facharztausbildung. Zum Berufsprofil gehört die Diagnose und Behandlung von von seelischen Konflikten sowie Störungen der Gefühle, des Denkens, des Erlebens oder Verhaltens. Was Sie über das vielseitige Berufsbild des Psychiaters, dessen Gehalt, Aufgaben und Ausbildung wissen müssen…

Psychiater: Studium, Gehalt, Karriere, Bewerbung

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Psychiater Aufgaben

Die wesentlichen Aufgaben eines Psychiaters liegen in der Diagnose und Behandlung von psychischen Erkrankungen. Dazu gehören Psychosen, Depressionen, Angsterkrankungen, Schizophrenie oder neurologische Störungen. Auch Suchterkrankungen, Ess- und Verhaltensstörungen oder Demenz fallen in sein Aufgabengebiet.

Bevor Psychiater mit der Behandlung beginnen, ist eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik zwingende Voraussetzung. Dazu müssen psychologische und neurologische Krankheitsbilder erkannt und definiert werden. Als Hilfestellung dienen psychologische und neurologische Testverfahren sowie intensive Einzelgespräche mit den Betroffenen (die nicht unbedingt auf einer Couch stattfinden müssen).

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit als Psychiater ist die Dokumentation des Behandlungsverlaufs. Sie müssen genaue Krankenberichte erstellen und die erbrachten Leistungen sowie die Erfolge und Rückfälle genau festhalten. All dies erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Für ein seriöses Urteil ist die vertrauensvolle Beziehung zum Patienten eine unabdingbare Voraussetzung.

Stellenangebote für Psychiater

Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut – die Unterschiede

Die Begriffe und Berufsbilder Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut werden häufig synonym verwendet. Das ist aber falsch. Die Aufgaben und Kompetenzen unterscheiden sich je nach Beruf deutlich:

  • Was macht ein Psychologe?
    Ein Psychologe hat Psychologie studiert. Das abgeschlossene Studium berechtigt aber weder zur Therapie von Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen, noch zum Verschreiben von Medikamenten. Dafür müssen sich Psychologen erst mit einem weiteren Studium qualifizieren. Mit einem Bachelor oder Master in Psychologie besteht aber die Möglichkeit, in der Wirtschaft (Marketing, Werbung) Karriere zu machen. Auch in der Beratung sind Psychologen gerne gesehen.
  • Was macht ein Psychotherapeut?
    Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist geschützt. Nennen darf sich so, wer ein mindestens 5-jähriges Psychologiestudium absolviert und anschließend eine 3- bis 5-jährige Ausbildung in Psychotherapie durchlaufen hat. Danach erwirbt der Psychotherapeut eine staatliche Zulassung („Approbation“). Es sind vorrangig Psychotherapeuten, die mithilfe verschiedener Therapien psychische Probleme behandeln. Zum Einsatz kommen beispielsweise:
    • Tiefenpsychologische Psychotherapie
    • Medikamentöse Behandlung
    • Verhaltenstherapie
    • Familientherapie
    • Kunsttherapie
    • Beschäftigungstherapie
  • Was macht ein Psychiater?
    Der Psychiater geht in erster Linie medizinischen und organischen Ursachen für psychische Erkrankungen auf den Grund. Er darf als einziger von diesen drei Berufen Medikamente verschreiben und kann, körperliche Untersuchungen vornehmen. Ein Psychiater kann zudem als ärztlicher Psychotherapeut arbeiten. Das passiert aber selten. Die meisten arbeiten eng mit Psychotherapeuten zusammen.
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Psychiater Ausbildung / Studium

Um als Psychiater arbeiten zu dürfen, müssen Sie zunächst ein Medizinstudium erfolgreich absolvieren. Die Vergabe der Studienplätze ist in Deutschland an den sogenannten Numerus Clausus gebunden. Bedeutet: Die Chance auf einen Studienplatz steigt, je besser die Abiturnote ist. Idealerweise haben Sie Ihr Abitur dazu mit 1,0 abgeschlossen.

Das Medizinstudium dauert regulär 12 Semester und ist in drei Phasen aufgeteilt (siehe Grafik).

Medizinstudium Aufbau Inhalt Dauer

Das Medizinstudium ist anstrengend. Wer sich dafür entscheidet, muss ordentlich büffeln. Aufgebaut ist das Medizinstudium in diese drei Teile:

  • Grundstudium (Vorklinik)
    Das Grundstudium wird auch als „Vorklinik“ bezeichnet. Es wird nach vier Semestern mit dem „Physikum“ (erste ärztliche Prüfung) abgeschlossen. Inhalt sind naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen. Studierende müssen folgende Fachgebiete pauken und lernen:
    • Biologie
    • Chemie
    • Biochemie
    • Physik
    • Anatomie
    • Physiologie
    • medizinische Psychologie
    • Soziologie

    Gute Latein-Kenntnisse sind für die meisten Medizin-Studiengänge übrigens nicht mehr erforderlich. Diese werden im sogenannten Terminologie-Modul im Grundstudium vermittelt.

  • Hauptstudium (Klinik)
    Dieser Teil wird als „Klinik“ bezeichnet. Er umfasst regulär sechs Semester. Hier stehen die mit dem Arztberuf assoziierten Inhalte wie Krankheiten und deren Behandlung im Vordergrund. Es werden Vorlesungen, Seminare und Praktika absolviert. Dazu gehört auch ein 4-monatige Pflichtpraktikum („Famulatur“). Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie:
    • Anästhesiologie
    • Augenheilkunde
    • Chirurgie
    • Dermatologie
    • Humangenetik
    • Innere Medizin
    • Neurologie
    • Notfallmedizin
    • Orthopädie
    • Pharmakologie
    • Urologie

    Nach dem zehnten Semester folgt mit dem „Hammerexamen“ die zweite ärztliche Prüfung.

  • Praktisches Jahr (PJ)
    Im letzten Jahr des Medizinstudiums wird die Berufspraxis intensiviert. Das „PJ“ ist in drei Fächer unterteilt: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Das praktische Jahr stellt die Voraussetzungen für die dritte und letzte ärztliche Prüfung dar. Sie besteht aus einem mündlichen und einem praktischen Teil.

Alle Teile des Medizinstudiums zusammen bilden das dreiteilige Staatsexamen, auf das die „Approbation“ (ÄAppO) erfolgt – die Genehmigung als Arzt arbeiten zu dürfen. Die meisten Studierenden schließen daran noch eine medizinische Dissertation an, um den Doktortitel zu erwerben. Auch wenn man Sie im Volksmund so nennt: Ein Arzt ist nicht automatisch Doktor!

Psychiater werden: Spezialisierung und Facharztprüfung

Nach dem Medizinstudium folgt die Spezialisierung: Wer Psychiater werden möchte, muss jetzt nochmal eine 5-jährige Facharztausbildung anhängen und mit dem „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ abschließen. Dabei erhalten zukünftige Psychiater Einblicke in die Neurologie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die psychosomatische Medizin.

Im Rahmen dieser Ausbildung können verschiedene Vorerfahrungen auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. Zum Beispiel bis zu sechs Monate in den Bereichen Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Neurochirurgie oder Neuropathologie. Bis zu einem Jahr auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie. Weitere zwei Jahre der Ausbildung können im ambulanten Bereich absolviert werden. Für alle angehenden Psychiater endet die Ausbildung mit der Facharztprüfung.

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Psychiater Gehalt

Psychiater gehören zu den Spitzenverdienern in Deutschland – wie alle Ärzte. Das Einstiegsgehalt beginnt in Krankenhäusern bei durchschnittlich 5.120 Euro brutto pro Monat. In Universitätskliniken liegt es meist um die 5.500 Euro brutto. Zulagen gibt es für Überstunden, Nacht- und Bereitschaftsdienste. In Kliniken ist das Einkommen von Psychiatern tariflich geregelt.

Gehalt Psychiater Vergleich Oberarzt Chefarzt

Im Verlauf der Karriere und mit steigender Berufserfahrung steigt auch das Gehalt. Ausgebildete Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie können – je nach Bundesland und Arbeitgeber – bis zu 8.100 Euro brutto im Monat verdienen.

Wer neben der Karriereleiter auch in der Hierarchie im Krankenhaus hinaufklettert kann als Oberarzt rund 10.500 Euro im Monat verdienen. Chefärzte kommen sogar auf ein Bruttogehalt von bis zu 24.170 Euro im Monat. Manche beziehen sogar noch mehr. Auf dieser Ebene ist das Gehalt mit dem Arbeitgeber frei verhandelbar.

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Arbeitgeber: Wer sucht Psychiater?

Psychiater finden Betätigungsfelder hauptsächlich bei vier Arbeitgebern:

  • Krankenhäuser
  • Unikliniken
  • Facharztpraxen
  • Forschung und Lehre

Die meisten Psychiater arbeiten entweder in einer eigenen Praxis oder in einem Krankenhaus. In letzterem sind Schicht-, Not- und Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Wochenenden oder an Feiertagen üblich.

Wer sich mit einer eigenen Praxis selbstständig macht, muss außerdem kaufmännische und verwaltende Tätigkeiten einplanen. Die Work-Life-Balance in dem Jobprofil ist dagegen nicht immer ausgewogen. In ihrem Berufsalltag sind Psychiater teils mit schwerwiegenden Krankheitsbildern konfrontiert. Die Erlebnisse mit den Patienten gehen mitunter tief unter die Haut, was sich am Feierabend nicht immer leicht ablegen lässt.

Jobs für Psychiater

Stellenangebote für Psychiater finden Sie heute überwiegend in Online-Jobbörsen – und in unserer eigenen Jobbörse: Karrieresprung.de. Erwartungsgemäß ist der Bedarf an Psychiatern in Deutschland am größten rund um Ballungszentren und Städte wie Berlin, München und Hamburg.

Karrierechancen: Die Aussichten als Psychiater?

Wie in nahezu allen Bereichen der Medizin herrscht auch bei Psychiatern massiver Fachkräftemangel. Laut Angaben des Deutschen Ärzteblattes sind die Stellenangebote in jüngster Zeit stark angestiegen. Das hängt auch mit einem Anstieg der psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung zusammen. Insbesondere in den Fachgebieten der psychosomatischen Medizin und der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Nachfrage groß und das Angebot an erfahrenen Psychiatern gering.

  • Karriereweg im Krankenhaus
    Wer als Psychiater seine Karriere im Krankenhaus beginnt, hat einen klar vorgezeichneten Karriereweg. Er führt vom Assistenzarzt über den Oberarzt bis zur Position des stellvertretenden und schließlich des leitenden Chefarztes.
  • Karriereweg in einer Fachpraxis
    Wer lieber in einer Fachpraxis arbeiten möchte, dem eröffnet sich die Option der Eröffnung einer eigenen Praxis. Parallel ist auch eine Laufbahn als Experte in Forschung und Lehre möglich.

Psychiater Bewerbung: Tipps & Vorlagen

Um als Psychiater in der Bewerbung zu punkten, sind folgende Fähigkeiten oft ausschlaggebend:

Gerade die Soft Skills sollten im Bewerbungsschreiben deutlich gemacht werden. Sie lassen sich zum Beispiel so formulieren:

  • „Geduld ist eine meiner wesentlichen Charaktermerkmale. Mir ist es wichtig, mich intensiv auf meine Patienten einzulassen, ihnen aktiv zuzuhören und ihnen dabei ebenso vertrauensvoll wie einfühlsam zu begegnen.“
  • „Während meiner Facharztausbildung gelang es mir, mit gezielten Fragen die entscheidenden Punkte bei meinen Patienten offenzulegen.“

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
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1. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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