Psychiater: Studium, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kurz Psychiater genannt, ist mehr als nur ein simpler Seelenklempner, als der er im Volksmund bezeichnet wird. Er ist ein medizinischer Experte für alle Erkrankungen der Psyche. Er unterscheidet sich daher grundlegend vom Psychologen, der in seinem Studium die Bereiche der Medizin nur am Rande streift. Ein Psychiater besitzt somit ein umfangreiches Wissen rund um die Symptome und die Therapie von Krankheiten wie zum Beispiel Depression oder Schizophrenie.

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Psychiater: Studium, Gehalt, Karriere, Bewerbung

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Studium: Wie wird man Psychiater?

Die Voraussetzung, um als Psychiater arbeiten zu dürfen, ist zunächst einmal das erfolgreiche Absolvieren eines Medizinstudiums. Die Vergabe der Studienplätze ist in Deutschland an den sogenannten Numerus Clausus gebunden. Dies bedeutet, dass die Chance auf einen Studienplatz umso höher ist, je besser die Abiturnote ist.

Mit Nebentätigkeiten im medizinischen Bereich, wie zum Beispiel einem freiwilligen sozialen Jahr im Krankenhaus, können eventuelle Wartesemester sinnvoll ausgefüllt und wertvolle Erfahrungen dazu gesammelt werden. Diese helfen dem angehenden Arzt zudem beim Bestehen des Aufnahmetest.

Die Zeit des Studiums beläuft sich auf 12 Semester. In diversen Seminaren, Vorlesungen und Kursen bekommen Medizinstudenten die Grundlagen vermittelt, die sie zum späteren Beruf befähigen. Dazu gehören fundierte Kenntnisse in:

  • Biologie
  • Chemie
  • Physiologie
  • Physik
  • Biochemie

Nach vier Semestern ist der vorklinische Teil des Studiums abgeschlossen und wird mit einer ersten ärztlichen Prüfung beendet.

Im Anschluss daran folgt der klinische Teil des Studiums. Hier stehen insbesondere die Diagnose von Krankheiten und deren Behandlung im Vordergrund. Die Disziplinen, die im Lehrplan zu finden sind, richten sich nun spezifisch auf die einzelnen Spezialisierungen aus:

  • Allgemeinmedizin
  • Chirurgie
  • Innere Medizin
  • Augenheilkunde
  • Humangenetik
  • Dermatologie
  • Orthopädie
  • Neurologie
  • Pathologie

In den letzten beiden Semestern müssen die Studenten im praktischen Jahr ihr Wissen in der Praxis unter Beweis stellen. In Krankenhäusern durchlaufen sie dieses praktische Jahr in den Bereichen Chirurgie, innere Medizin und einem weiteren Gebiet, das sie selbst wählen können – bei angehenden Psychiatern empfiehlt sich selbstverständlich der neurologische oder der psychotherapeutische Bereich.

Im Anschluss daran endet das Medizinstudium mit dem zweiten Teil der ärztlichen Prüfung.

Nach dem Medizinstudium ist es notwendig, die entsprechende Facharztausbildung zu absolvieren. Wer Psychiater werden möchte, muss also den Abschluss als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie anstreben.

Diese Facharztausbildung dauert weitere fünf Jahre. Die zukünftigen Psychiater erhalten darin praktische Einblicke in die Neurologie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die psychosomatische Medizin, in dem sie in Krankenhäusern diese Bereiche erlernen und anwenden.

Konkret bedeutet dies das Aneignen folgender Kenntnisse:

  • Allgemeine und spezielle Psychopathologie
  • Psychiatrische Anamnese und Befunderhebung
  • Entstehungsbedingungen, Verlaufsformen, Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen und Störungen
  • Neuropsychologische Diagnostik
  • Psychodiagnostische Testverfahren
  • Krankheitsverhütung, Früherkennung, Prävention, Rückfallverhütung unter Einbeziehung von Familienberatung, Krisenintervention, Suizidprophylaxe
  • Erkennung und Behandlung von Suchterkrankungen
  • Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen bei lern- und geistig behinderten Menschen
  • Erkennung und Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes-und Jugendalter
  • Behandlung von chronisch psychisch kranken Menschen
  • Anwendung von wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren

Im Rahmen dieser Ausbildung können verschiedene Vorerfahrungen auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. So sind dies bis zu sechs Monate in den Bereichen der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin, Neurochirurgie oder Neuropathologie und sogar bis zu einem Jahr auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie. Weitere zwei Jahre der Ausbildung können im ambulanten Bereich absolviert werden.

Für alle angehenden Psychiater endet die Ausbildung mit einer Facharztprüfung.

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Berufsbild: Was macht ein Psychiater?

Ein Psychiater behandelt insbesondere Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen, Angsterkrankungen, Schizophrenie, Verhaltensstörungen, neurologische Störungen oder Demenz.

Darüber hinaus kümmert er sich um Patienten, die ein gesellschaftlich abweichendes Verhaltensmuster aufweisen, wie zum Beispiel auf sexuellem Gebiet, im Bereich der Beherrschung von Aggressionen oder in der Neigung zu Suizidalität.

Das Fachgebiet von Psychiatern erstreckt sich auf die Erkennung und psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlung psychischer Erkrankungen und Störungen. Bevor Psychiater mit der Behandlung beginnen, ist eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik die zwingende Voraussetzung.

Die Schwierigkeit besteht darin, konkrete psychologische und neurologische Krankheitsbilder zu erkennen und zu definieren. Eine Trennung dieser beiden Gebiete ist dabei meist nur schwer und mit hohem Zeitaufwand möglich. Dennoch müssen sie klar umrissen werden, da sie entsprechend unterschiedlich behandelt werden müssen.

Als Hilfestellung dienen dabei psychologische und neurologische Testverfahren, sowie intensive Einzelgespräche mit den Betroffenen. Um eine umfassende Anamnese erstellen zu können, werden manchmal auch deren Bezugspersonen mit einbezogen.

All dies erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen, da für ein nachhaltiges Urteil über den psychologischen oder neurologischen Gesundheitszustand eines Patienten die vertrauensvolle Beziehung eine unabdingbare Voraussetzung ist.

Zur Therapie stehen dem Psychiater dann eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die in den allermeisten Fällen miteinander kombiniert werden. So sind dies zum Beispiel:

  • Tiefenpsychologische Psychotherapie
  • Medikamentöse Behandlung
  • Verhaltenstherapie
  • Familientherapie
  • Kunsttherapie
  • Beschäftigungstherapie

Die meisten Psychiater arbeiten entweder in einer eigenen Praxis oder einem Krankenhaus. In letzterem sind Schicht-, Not- und Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Wochenenden oder an Feiertagen an der Tagesordnung. Mit einer eigenen Praxis ist ein Psychiater hingegen mit kaufmännischen und verwaltenden Tätigkeiten konfrontiert.

Ein weiteres großes Feld ist die forensische Psychiatrie. Hier behandeln Psychiater psychisch kranke und gestörte Kriminelle und verfassen Gutachten über deren Schuldfähigkeit. Außerdem beurteilen sie die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen.

In allen Bereichen ist es für Psychiater ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit, dass sie den Behandlungsverlauf genau dokumentieren. Sie müssen dabei genaue Krankenberichte erstellen und darin die erbrachten Leistungen sowie die Erfolge und Rückfälle genau festhalten.

Es ist daher für viele Psychiater schwer, abzuschalten und die teilweise sehr emotionalen Schicksale ihrer Patienten einfach nach Dienstschluss abzuschütteln. Wer jedoch damit gut zurecht kommt und über ein dickes Fell verfügt, den erwarten sehr gute Beschäftigungsaussichten.

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Gehalt: Was verdient ein Psychiater?

Wie in jedem Beruf, für den ein Studium Voraussetzung ist, müssen sich auch angehende Psychiater zunächst um ihren Lebensunterhalt durch Nebenjobs beziehungsweise Bafög selbst bemühen. Erst mit dem Status als Assistenzarzt verdient ein Psychiater sein erstes Geld.

Das Einstiegsgehalt beträgt in Universitätskliniken um die 5.500 Euro brutto monatlich, in anderen Krankenhäusern etwa rund 200 Euro weniger. Weitere Zulagen für Überstunden, Nacht- und Bereitschaftsdienste kommen noch dazu.

Da das Einkommen von Psychiatern in Kliniken tariflich geregelt ist, richtet sich die weitere Entwicklung nach der Berufserfahrung und dem Bundesland der Beschäftigung. So erhalten ausgebildete Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie ein Maximalgehalt von bis zu 7.000 Euro, nach einer Beförderung zum Oberarzt zwischen 7.600 und rund 8.000 Euro brutto pro Monat.

Wer den Aufstieg bis zum Chefarzt schafft, kann sein Gehalt in der Regel frei mit dem Arbeitgeber verhandeln und unterliegt nicht mehr der Tarifbindung.

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Karriere: Chancen und Aussichten als Psychiater?

Wie in nahezu allen Bereichen der Medizin so herrscht auch bei Psychiatern massiver Fachkräftemangel. Laut Angaben des Deutschen Ärzteblattes sind die ausgeschriebenen Stellenanzeigen in letzter Zeit stark angestiegen.

Insbesondere in den Fachgebieten der psychosomatischen Medizin und der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Nachfrage groß und das Angebot an erfahrenen Bewerbern gering.

Insgesamt lassen sich vier unterschiedlich Arten von Arbeitgebern unterteilen, bei denen Psychiater eine Anstellung finden können:

  • Facharztpraxen
  • Krankenhäuser
  • Hochschulkliniken
  • Forschung und Lehre

Gerade in Krankenhäusern ist dabei der Karriereweg klar vorgezeichnet, der vom Assistenzarzt über den Oberarzt bis zur Position des stellvertretenden und schließlich des leitenden Chefarztes verläuft.

Wer hingegen lieber in einer Fachpraxis arbeiten möchte, für den eröffnet sich die Möglichkeit der Existenzgründung mit der Eröffnung einer eigenen Praxis. Eine Laufbahn als Experte in Forschung und Lehre ist ebenfalls lukrativ und eröffnet viele Möglichkeiten.

Stellenangebote für Psychiater.
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Bewerbung als Psychiater: Tipps, Formulierungen, Vorlage

Um als angehender Psychiater in der Bewerbung punkten zu können, sind folgende Fähigkeiten entscheidend:

  • Empathie
  • Geduld
  • Flexibilität
  • Aufmerksamkeit
  • Out-of-the-Box-Denken
  • Diagnosekompetenz
  • Stressresistenz
  • Belastbarkeit
  • Kommunikationsstärke
  • Entscheidungsstärke

BILDUm sich für das Berufsbild Psychiater bewerben zu können, haben wir für Sie zudem ein Musteranschreiben verfasst, das Sie sich hier auch gleich bequem als Word-Dokument oder PDF-Datei kostenlos herunterladen und privat nutzen können. Bitte beachten Sie: Unser Anschreiben dient in erster Linie als Vorlage und Formulierungshilfe. Ihre eigene Bewerbung sollten Sie individuell anpassen.

Gerade die Soft Skills sollten im Anschreiben der Bewerbung deutlich gemacht werden. Sie lassen sich zum Beispiel folgendermaßen formulieren:

Schon immer war meine große Geduld eine meiner wesentlichsten Charaktermerkmale. Mir ist es wichtig, mich intensiv auf meine Patienten einzulassen, ihnen geduldig zuzuhören und ihnen dabei ein vertrautes Gefühl zu geben.

In meiner Facharztausbildung gelang es mir sehr gut, mit gezielten Fragen die entscheidenden Knackpunkte bei meinen Patienten offen zu legen.

[Bildnachweis: Olena Yakobchuk by Shutterstock.com]

Mehr Erfolg für Sie: Kostenlose Bewerbungsvorlagen und Tipps

Um Ihnen das Schreiben Ihrer Bewerbung zu erleichtern, haben wir für Sie mehr als 120 kostenlose und professionelle Bewerbungsvorlagen von Profis erstellen lassen, die Sie sich jederzeit gratis als WORD-Datei oder PDF herunterladen und privat nutzen können. Darin: Muster für Anschreiben, Lebenslauf und Deckblatt:

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Wichtig bei all diesen Mustern ist, dass Sie diese bitte nochmal individuell anpassen und etwas umgestalten. So bleibt Ihre Bewerbung einzigartig und erfolgreich.

Zu den Bewerbungsvorlagen

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27. Januar 2020 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.


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