Polizist werden
Polizist - für deutsche Schüler der Traumjob schlechthin. Das Trendence-Schülerbarometer 2016 führt die Polizei auf Platz eins der beliebtesten Arbeitgeber - noch vor Adidas und BMW. Die gute Nachricht: Die öffentliche Debatte um innere Sicherheit wird in den kommenden Jahren viele neue Stellen bei der Polizei schaffen - quer durch die Bundesländer. Die schlechte Nachricht: Die Bewerbung ist keine gemütliche Streifenfahrt übers Land, eher eine Verfolgungsjagd auf der Autobahn. So werden Sie Polizist!

Voraussetzungen: Wie werde ich Polizist?

Alle Voraussetzungen der Polizei zu erfüllen - das ist bisweilen noch schwieriger als volltrunken den Idiotentest zu meistern. Viele Träume platzen schon vor der Bewerbung.

Oder ist Ihnen bewusst, dass sich junge Menschen mit Neurodermitis erst gar nicht bewerben brauchen? Atopische Ekzeme sind - in manchen Bundesländern - ein Ausschlusskriterium.

Denn dieser Hinweis ist wichtig: Die Polizei fällt in den Zuständigkeitsbereich der Länder. Die Einstellungsvoraussetzungen unterscheiden sich daher von Bundesland zu Bundesland.

Beispiel: Während Bewerber in Rheinland-Pfalz zu Beginn der Ausbildung nicht älter als 24 Jahre sein dürfen, liegt die Obergrenze in Sachsen bei 35 Jahren, in Nordrhein-Westfalen sogar bei 37 Jahren.

Sächsische Polizisten müssen mindestens 1,60 Meter groß sein, rheinland-pfälzische 1,62 Meter und bayerische 1,65 Meter. Für männliche Polizisten in Nordrhein-Westfalen beträgt die Mindestgröße 1,68 Meter - Ausnahmen sind aber grundsätzlich möglich.

Voraussetzungen, Ausschlusskriterien, Bewerbungsverfahren - von Flensburg bis Rosenheim höchst unterschiedlich. Werfen Sie daher unbedingt einen Blick auf die Karriereseiten der einzelnen Länder.

Die wesentlichen Grundvoraussetzungen lassen sich aber - unter Vorbehalt - länderübergreifend so zusammenfassen:

  • Mindestens Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder mittlere Reife, für den gehobenen Dienst Abitur
  • Staatsangehörigkeit eines EU-Landes, alternativ Besitz eines unbefristeten Aufenthaltstitels
  • Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift
  • Mindestgröße
  • Gefordertes Alter
  • Persönliche Eignung
  • Keine Vorstrafen oder laufende Ermittlungsverfahren
  • Geordnete wirtschaftliche Verhältnisse (keine Schulden und Verbindlichkeiten)

Auch ein Schwimmnachweis wird oftmals verlangt, zudem dürfen Tätowierungen und Piercings nur mit Einschränkungen (nicht im sichtbaren Bereich) getragen werden. Ob der Bewerber körperlich und charakterlich geeignet ist, wird im Rahmen des Bewerbungsverfahrens geprüft (dazu gleich mehr).

Und noch ein Punkt, der relevant ist: Verschwiegenheit. Sollten Sie leidenschaftlich gerne Reise- oder Food-Fotos auf Facebook teilen, dürfen Sie das als Polizist gerne weiterhin tun. Aber Sie sollten sich dann auch im Griff haben, wenn es um dienstliche Belange geht. Postings über Einsätze, Verdächtige oder Fälle - absolut tabu!

Polizist werden: Bin ich geeignet?

polizist-werden-test Passt der Polizistenberuf zu Ihnen oder nicht? So finden Sie es heraus:

  • Praktikum absolvieren: So lernen Sie den Job aus nächster Nähe kennen. Praktika bei der Polizei sind grundsätzlich möglich.
  • Eignung testen: Die Länderpolizeien stellen dafür diverse Selbsttests zur Verfügung, die bayerische Polizei etwa diesen. Die Polizei NRW hat dieses Video ins Netz gestellt:

Bewerbung: Diese Dokumente brauchen Sie

Welche Unterlagen benötigen Sie für die Bewerbung bei der Polizei? Auch dafür kann es keine bundesweit gültige Liste geben. Beispiel Polizei Hessen: Hier müssen Sie im Rahmen Ihrer Bewerbung...

  • Bewerbungsbogen ausfüllen und abschicken (online oder per Post)
  • Einverständniserklärung zu Zuverlässigkeitsprüfung und Drogenscreening unterschreiben
  • Tabellarischer Lebenslauf und
  • Kopie des Personalausweises, Reisepasses oder Aufenthaltstitels beifügen
  • Hinweise und Selbsteinschätzung zur Polizeidiensttauglichkeit sowie
  • Hausärztliche Bescheinigung mitbringen
  • Geburts-, Abstammungs- oder Einbürgerungsurkunde und
  • Auskunft aus dem Fahreignungsregister und
  • Schulabschlusszeugnis und
  • Führerschein (Klasse B) nachreichen

Bewerbung: So läuft sie ab

Jetzt beginnt der schwierige Part. Bewerber müssen nachweisen, dass sie dem Job körperlich und charakterlich gewachsen sind.

Wer das Auswahlverfahren erfolgreich übersteht, darf sich ruhig ein wenig darauf einbilden. Immerhin hat man dann unter anderem nachgewiesen:

  • Sportlichkeit und Fitness
  • Charakterliche Eignung
  • Intelligenz
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Gesundheit und Polizeidiensttauglichkeit

Auch hier wieder der Hinweis: Das Bewerbungsverfahren unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Beispiel Sachsen: Am ersten Prüfungstag müssen Bewerber am Computer gleich drei Tests absolvieren. Der Persönlichkeitstest soll zeigen, ob man charakterlich für den Polizeiberuf geeignet ist. Ein Deutschtest - dazu zählt unter anderem ein Diktat - fragt die sprachlichen Kompetenzen ab. Der kognitive Fähigkeitstest bezeugt (hoffentlich) die Intelligenz des Kandidaten.

Darauf folgt der physische Eignungstest. Jetzt wird der Turnbeutel ausgepackt: Der Bewerber muss zunächst neun Kastenteile müssen in höchstens 60 Sekunden überwinden. Der Parcours ist auch als Kasten-Bumerang-Test bekannt.

Im Anschluss absolvieren die Bewerber Liegestützen: Männer mindestens 15, Frauen mindestens fünf. Das erscheint machbar, obwohl die Übung ohne Unterbrechung an den Kasten-Bumerang-Test anknüpft. Für den abschließenden 2.400-Meter-Lauf dürfen nicht mehr als zwölf Minuten auf der Stoppuhr stehen. Weibliche Bewerber müssen in dieser Zeit mindestens 2.000 Meter zurückgelegt haben. Der Sporttest fließt mit insgesamt zehn Prozent in die Gesamtbewertung ein.

Am zweiten Prüfungstag steht die Kommunikationsfähigkeit im Fokus. Die Bewerber diskutieren im Rahmen eines Gruppengesprächs über einen polizeilichen Sachverhalt. Durchsetzungsfähigkeit, aber auch Kooperationsvermögen und Empathie sind gefragt.

Am dritten Tag müssen die Bewerber noch die polizeiärztliche Untersuchung über sich ergehen lassen. Dazu zählen Hörtest, Belastungs-EKG, Sehtest, Lungenfunktionstest plus Arztgespräch. Unabhängig vom bisherigen Auftreten droht hier das schnelle Aus.

Grundsätzlich gilt: Wer auch nur einen Testbestandteil nicht besteht, fliegt sofort aus dem Auswahlverfahren. Die anderen Bewerber werden in einer Rangfolge sortiert. Je weiter oben platziert, desto größer die Chancen auf Einstellung.

Damit unterscheidet sich das sächsische Auswahlverfahren zum Beispiel recht deutlich vom bayerischen. Die Sportprüfung der bayerischen Polizei besteht nämlich aus diesen fünf Übungen:

  1. Kleinbank: So oft wie möglich in 30 Sekunden über eine Kleinbank hüpfen.
  2. Bankdrücken: Eine Langhantel so oft wie möglich zur Hochstrecke bringen.
  3. Pendellauf: Viermal zwischen zwei Kleinbänken hin und her laufen, dabei die Bank überspringen, ein Seil aufheben, mitnehmen und wieder ablegen.
  4. Cooper-Test: In zwölf Minuten so viele 100-Meter-Runden wie möglich laufen.
  5. Schwimmen: 100 Meter in maximal zwei Minuten und 45 Sekunden in einem beliebigen Schwimmstil zurückegen.

Danach führt die bayerische Polizei einen 90-minütigen Sprachtest (Rechtschreibung, Grammatik, Sprachgefühl) durch, einen 50-minütigen Grundfähigkeitstest (logisches Denken, Gedächtnis), eine 45-minütige Gruppendiskussion (Kommunikations- und Teamfähigkeit) sowie ein 45-minütiges Bewerbungsgespräch.

Den Abschluss bildet auch hier die Untersuchung eines Polizeiarztes, der zum Beispiel auch die Haltung, Haut, Größe, Gewicht und - Achtung - die Geschlechtsorgane des Bewerbers genau begutachtet. Auch ein Drogenscreening ist möglich.

In Nordrhein-Westfalen wiederum gibt es nicht einmal einen Sporttest. Die Vorlage des Deutschen Sportabzeichens und eines Schwimmnachweises genügt.

Polizist: Wann Sie keine Chancen haben

Die Anforderungen sind hart, das macht bereits ein flüchtiger Blick auf die Ausschlussgründe deutlich. Allerdings landen regelmäßig Klagen von Bewerbern vor den Gerichten, die zu groß oder zu klein waren, wegen zu vieler oder zu großer Piercings abgelehnt wurden usw. - manchmal mit Erfolg.

Tipp: Bewerben Sie sich auch dann, wenn Sie unbedingt Polizist werden wollen, aber eine oder zwei Anforderungen nicht hundertprozentig erfüllen. Bei der Einstellung gibt es generell Handlungsspielraum - in nahezu allen Bundesländern.

Beispiel Rheinland-Pfalz: Ein früheres Ermittlungs- oder Strafverfahren kann zwar zum Ausschluss eines Bewerbers führen, weil Zweifel an der charakterlichen Eignung bestehen. Aber, so die Polizei Rheinland-Pfalz auf ihrer Karriereseite: "Ausnahmen können zugelassen werden, wenn Du bei einer Gesamtwürdigung Deiner Persönlichkeit sowie der Tat und ihrer Umstände für den Polizeidienst als geeignet erscheinst."

Verschweigen sollten Sie Ihre dunklen Geheimnisse allerdings nicht, das kann auch nach Einstellung noch zum nachträglichen Ausschluss aus dem Polizeidienst führen. Das gilt zum Beispiel auch für körperliche Handicaps.

Für die Polizei Niedersachsen etwa sind das Ausschlussgründe:

  • Diabetes
  • Asthma
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Bandscheibenvorfall
  • Schlecht verheilte Knochenbrüche mit Funktionseinschränkungen
  • Arthrose
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Gerinnungsstörungen
  • Bluterkrankungen
  • Herzfehler und Herz-Kreislauferkrankungen
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Chronische Lebererkrankungen
  • Psychiatrische Erkrankungen
  • Krampfleiden
  • Schwerhörigkeit
  • Tumorerkrankungen
  • Übergewicht mit einem Body-Mass-Index von mehr als 27,5
  • Zustand nach Achillessehnenriss, auch nach Operation
  • Farbenblindheit
  • Nachtblindheit

Manche Bundesländer sortieren Bewerber mit Neurodermitis, Schuppenflechte, Störungen des Geruchssinns oder Rheuma aus. Auch Kurzsichtigkeit ist ein potenzieller Karrierekiller.

Und noch ein Beispiel, diesmal von der Bundespolizei: Chancenlos sind Bewerber mit "Sprachfehlern, die die Kommunikation beeinträchtigen". Definiert wird der Begriff im Folgenden zwar nicht, aber es dürfte sich beispielsweise um starkes Lispeln oder Stottern handeln.

Bewerber, die einen Suizidversuch hinter sich haben, sind ebenfalls ausgeschlossen. Hier scheinen offenbar Zweifel an einer gefestigten Persönlichkeitsstruktur vorzuliegen.

Erneut der Rat: Unbedingt auf die Ausschlussgründe des jeweiligen Bundeslandes schauen, aber im Zweifel trotzdem bewerben - evtl. mit genauer Erläuterung der Hintergründe.

Polizist werden: 5 Tipps

Polizist werden: 5 TippsSo bereiten Sie sich optimal auf den Einstellungstest der Polizei vor:

  • Sport treiben: Regelmäßiges Training verbessert die Perspektiven für den Sporttest. Am besten joggen, schwimmen, sprinten und Gewichte stemmen.
  • Allgemeinbildung aufpolieren: Zum Beispiel mit einer Wissens- oder Quiz-App.
  • Bewerbungsgespräch simulieren: Vor dem Spiegel üben oder mit der Familie eine Gruppendiskussion nachstellen.
  • Atteste besorgen: Kümmern Sie sich frühzeitig um die benötigten Unterlagen, um den Kopf für die eigentliche Bewerbung frei zu bekommen. Nebenbei: Die Kosten dafür werden in der Regel nicht übernommen.
  • In mehreren Bundesländern bewerben: Das erhöht Ihre Chancen. Der deutsche Förderalismus sorgt dafür, dass Sie in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich große Chancen haben - das muss nicht immer zu Ihrem Nachteil sein.

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