Duale Ausbildung: So funktioniert sie

Die Frage, wie es nach der Schule weitergehen soll, ist für viele eine Frage, ob ein Studium oder eine duale Ausbildung sich an die Schule anschließt. Manche glauben, nur mit einem Studium später Karriere machen zu können, andere wählen ein Studium, weil der spätere Berufsweg ihnen noch nicht so klar ist. Beide Gruppen übersehen die Vorzüge einer dualen Ausbildung, die neben einer praktischen Wissensvermittlung sämtliche weiteren Optionen offen lässt. Was die duale Ausbildung so besonders macht und welche Möglichkeiten sie Ihnen bietet…

Duale Ausbildung: So funktioniert sie

Was ist eine duale Ausbildung?

Was ist eine duale Ausbildung gute FrageDas ist eine gute Frage, denn sie zeigt, dass es offenbar Unterschiede bei den Berufsausbildungen gibt. In Deutschland ist das sogenannte duale Ausbildungssystem vorherrschend.

Dual stammt aus dem Lateinischen und drückt eine „Zweiheit“ aus, das bedeutet, dass eine Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet:

  • Schule

    Je nach Ausbildungsvertrag besuchen Auszubildende – abgekürzt Azubi, teilweise auch Lehrling genannt – an ein bis zwei Tagen die Berufsschule. In acht bis 12 wöchentlichen Unterrichtsstunden wird nicht nur einfach der Lehrplan der Regelschule fortgesetzt, sondern fachspezifisches, theoretisches Wissen erworben (fachtheoretischer Teil). Im allgemeinen Teil wird mit Fächern wie Deutsch, Politik und Sport das Allgemeinwissen vertieft.

  • Betrieb

    Das Hauptaugenmerk der dualen Ausbildung liegt auf der Vermittlung der praktischen Kenntnisse. Im Ausbildungsbetrieb wird an den restlichen Wochentagen – also drei- bis viermal die Woche – durch Learning by doing die notwendige Berufserfahrung vermittelt.

Die duale Ausbildung wird auch als betriebliche Ausbildung bezeichnet, da sie neben der Schule in einem Ausbildungsbetrieb stattfindet. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise für bestimmte Ausbildungsberufe die schulische Ausbildung, die allein an Fachschulen, Berufsfachschulen oder Berufskollege erfolgt.

Rolle der IHK während der Ausbildung

Nicht jeder Betrieb kann für alle Berufe ausbilden. Aufgabe der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist zu überprüfen, ob ein Unternehmen als Ausbildungsbetrieb geeignet ist.

Außerdem muss er sich an die Ausbildungsverordnung für den jeweiligen Beruf halten, so dass ein Auszubildender am Ende seiner Ausbildung in der Lage ist, theoretisch erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen und gegebenenfalls eigene Projekte zu entwickeln.

Grundlage dieser Ausbildung ist ein Ausbildungsvertrag, der zwischen dem Unternehmen und dem Auszubildenden abgeschlossen und von der IHK eingetragen wird. Auch die Prüfungen werden hier organisiert und durchgeführt.

Die IHK ist allerdings mehr als das: Nicht immer sind Ausbildungsverhältnisse so, wie sie eigentlich sein sollten; einige Azubis laufen Gefahr, ihre duale Ausbildung abzubrechen. Soweit muss es allerdings nicht kommen – vermittelnde Gespräche zwischen Azubi und Ausbildungsbetrieb durch die IHK können Probleme aus dem Weg räumen.

Zugangsvoraussetzungen für Ausbildungsberufe

Um eine duale Ausbildung beginnen zu können, müssen Sie sich bei einem geeigneten Unternehmen um einen Ausbildungsplatz bewerben. Üblicherweise beginnen die Ausbildungen am 1. August oder 1. September – je früher Ihre Bewerbung, desto größer Ihre Aussicht auf Erfolg.

Rein rechtlich betrachtet ist kein bestimmter Schulabschluss für eine Berufsausbildung notwendig. Das heißt, Sie können mit einem Hauptschulabschluss, mit mittlerer Reife oder mit Abitur eine duale Ausbildung machen, theoretisch sogar als Schulabbrecher.

Der Teufel liegt bekanntlich im Detail: Die Firmen – vor allem im Handwerk – haben zwar echte Nachwuchssorgen, aber jeden nehmen sie noch lange nicht. Seit Jahren steigt die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur. Viele fragen sich, ob sich dann eine Ausbildung überhaupt noch lohnt oder nicht besser gleich studiert werden sollte?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge verteilten sich die Schulabschlüsse im letzten Ausbildungsjahr unter den 516 000 Schulabgängern, die eine duale Ausbildung begannen, folgendermaßen:

  • 42 Prozent hatten einen mittleren Abschluss,
  • 29 Prozent hatten die Fachhochschul- oder Hochschulreife und
  • 24 Prozent hatten einen Hauptschulabschluss.

Die obige Frage lässt sich nicht kurz beantworten, Fakt ist: Die duale Ausbildung hat je nach angestrebtem Beruf Anforderungen, die mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss nicht immer erfüllt werden.

Dazu kommt: Selbst wenn der Schulabschluss theoretisch ausreichen würde, sind manche Ausbildungsberufe eben doch so beliebt, dass die Firmen wählen können. Die Entscheidung fällt dann meist zugunsten höherer Schulabschlüsse und besserer Noten.

Ausbildungsbereiche und Beliebtheit der Berufe

Die Bundesagentur für Arbeit erläutert in ihrem Portal Berufenet allein 16 Berufsfelder, in denen sich Schulabgänger und Interessierte nach einem passenden Ausbildungsberuf umschauen können – 350 anerkannte Ausbildungsgänge gibt es in Deutschland.

Zu den fünf beliebtesten Berufen mit Abitur in der dualen Ausbildung gehören folgende:

Einzig und allein der Kaufmann für Büromanagement tauchte ebenfalls bei den fünf beliebtesten Ausbildungsberufen mit Realschulabschluss auf, ansonsten waren diese in den Top Five:

Die beliebtesten fünf Ausbildungsberufe mit Hauptschulabschluss waren folgende:

Duale Ausbildung mit Abitur: Mehr Geld, kürzere Dauer

Es gibt im Wesentlichen drei große Vorteile, wenn Sie eine duale Ausbildung mit Abitur machen: Zum einen ermöglicht Ihnen der höhere Schulabschluss wie oben dargelegt die Auswahl unter den Ausbildungsberufen, wobei ganz klar gesagt werden muss: Ein exzellentes Realschulzeugnis sticht sehr wahrscheinlich ein Abiturzeugnis, das der Bewerber mit Ach und Krach noch erhalten hat.

Zum anderen sind die Verdienstmöglichkeiten in Ausbildungsberufen mit Abitur oft höher: Das Statistische Bundesamt gibt den durchschnittlichen Monatsverdienst von Industriekaufleuten mit 3.420 Euro brutto an. Im Vergleich dazu lag das monatliche Durchschnittsgehalt von Verkäuferinnen und Verkäufern bei 2.358 Euro – jeweils in Vollzeitbeschäftigung.

Und nicht zuletzt lässt sich mit Abitur die Ausbildungsdauer verkürzen. Üblicherweise dauert eine Ausbildung zwischen zwei und drei Jahren, manche sogar dreieinhalb. Wer gute Noten erbringt und ein Abiturzeugnis vorlegen kann, hat die Möglichkeit den Abschluss zu beschleunigen. Genauere Details dazu finden Sie hier:

Geschichte der dualen Ausbildung

Duale Ausbildung GeschichteErste Vorläufer der dualen Ausbildung waren in früheren Jahrhunderten die Zünfte. Hier regelte das Handwerk in Berufsvereinigungen, wie die Ausbildung auszusehen hatte und welche Prüfungen am Ende bestanden werden mussten.

In der heutigen Form ist die duale Ausbildung in Deutschland seit 1964 üblich. Hervorgegangen ist sie aus der Handwerksordnung von 1953 und das Berufsbildungsgesetz (BBiG) von 1969. Erstmals wurde die Ausbildung staatlich geregelt und die Rahmenbedingungen gesetzlich verankert.

Nur wenige andere Länder wie Österreich, die Schweiz und Dänemark praktizieren diese Art der Ausbildung. Andere setzen auf Berufsschule in Vollzeit und schließen ein dreimonatiges Praktikum an (Portugal) oder praktizieren Training on the job (Großbritannien).

Dabei ist die duale Ausbildung ein echtes Erfolgsmodell, das sich zum Exportschlager entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung kooperiert mit über 100 Ländern weltweit, um auch dort zu einer besseren beruflichen Bildung beizutragen.

Prüfungen während der Ausbildung

Zu einer dualen Ausbildung gehören zwei Prüfungen, die bestanden werden wollen:

  • Zwischenprüfung

    Diese Prüfung findet – wie der Name bereits sagt – in der Mitte der Ausbildung statt. Damit weist der Auszubildende seine Lernfortschritte nach. Die Note fließt zum Teil bereits in die Abschlussnote ein.

  • Abschlussprüfung

    Mit erfolgreicher Abschlussprüfung beenden Sie Ihre Ausbildung. Im Handwerk wird diese Prüfung auch als Gesellenprüfung bezeichnet. Durchgeführt wird die Abschlussprüfung von den Prüfungsausschüssen der Handwerkskammer oder IHK.

Wird die Abschlussprüfung nicht bestanden, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Ausbildung auf Antrag zu verlängern und zu einem späteren Prüfungstermin die Abschlussprüfung zu wiederholen.

Je nachdem, wie Sie Ihren beruflichen Lebensweg gestalten wollen, können Sie von hier aus Ihre Karriere weiterstricken. Ein naheliegender Karriereschritte für Absolventen im Handwerk ist beispielsweise die Meisterausbildung.

Führungspositionen in anderen Berufsfeldern werden durch Weiterbildungen oder ein berufsbegleitendes Studium ermöglicht.

[Bildnachweis: Robert Kneschke by Shutterstock.com]
23. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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