Studienplatzklage: Mit dem Anwalt zur Uni?

Abitur und dann Wunschstudium? Ganz so einfach ist es nicht, für zulassungsbeschränkte Fächer steht meist ein komplexes Bewerbungs- und Studienplatzvergabeverfahren an. Groß ist die Enttäuschung, wenn dann eine Studienplatzabsage kommt. Eine Studienplatzklage könnte allerdings noch das Blatt wenden und zum begehrten Studienplatz verhelfen. Wir erklären, was Sie zum Thema Studienplatzklage wissen müssen, wie sie abläuft, welche Erfolgsaussichten Sie haben und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen…

Studienplatzklage: Mit dem Anwalt zur Uni?

Warum ist eine Studienplatzklage möglich?

Die rechtliche Basis der Studienplatzklage bildet das Grundrecht auf freie Berufswahl in Artikel 12 Grundgesetz. Eine Chance für Anwälte und somit auch für Studenten: Dieses unumstößliche Grundrecht wird durch einen Numerus Clausus an Universitäten eingeschränkt.

Schließlich haben Sie plötzlich nicht mehr die freie Wahl, sondern werden durch die Zulassungsbeschränkung davon abgehalten, Ihren angestrebten Beruf tatsächlich ausüben zu können. Das Bundesverfassungsgericht entschied: Der NC kann das Grundrecht nach Artikel 12 verletzen, dies gilt allerdings nur dann, wenn die vorhandenen Ausbildungskapazitäten einer Universität nicht vollständig ausgenutzt werden.

Universitäten müssen also alle zur Verfügung stehenden freien Studienplätze restlos vergeben, bevor es vor dem Gesetz erlaubt ist, einen Antrag auf einen Studienplatz abzulehnen. Ist dies nicht der Fall, haben Studienplatzklagen Aussicht auf Erfolg.

Die angesprochenen Kapazitäten zur Ausbildung werden von den Hochschulen für jedes Studienjahr neu und individuell errechnet und anschließend in einer Satzung oder Verordnung festgesetzt. Durch ein gerichtliches Verfahren kann dann im Anschluss festgestellt werden, ob die von der Universität erstellte und ausgegebene Ausbildungskapazität tatsächlich der Wahrheit entspricht.

Bedeutet für angehende Studenten: Grundsätzlich können Sie sich in jeden zulassungsbeschränkten Studiengang einklagen – ganz gleich ob Staatsexamen, Bachelor oder Master.

Gibt es Alternativen bei Studienplatzabsagen?

StudienplatzklageSeit Jahren überschreiten die großen Zahlen angehender Studenten schlichtweg die Kapazitäten vieler Universitäten. Viele Universitäten setzen deshalb auf den Numerus Clausus, um die Zulassung zu beschränken.

Nicht nur die Wahl des Studienorts spielt eine Rolle. Vor allem in den beliebten Studiengängen

  • Medizin,
  • Zahnmedizin,
  • Tiermedizin,
  • Psychologie,
  • Lehramt und
  • Soziale Arbeit

ist mit einer Studienplatzabsage zu rechnen, wenn der NC nicht erreicht wird. Studienwillige müssen sich entweder von ihrem Wunsch verabschieden oder eine Menge Geduld mitbringen und möglicherweise Jahre auf den Studienplatz warten.

Das Einklagen eines Studienplatzes kann eine legitime Chance für engagierte Studienwillige auf ihr Traumstudium sein. Allerdings: Gerade bei diesen Fächern gibt es mehr Kläger als sich verschollen geglaubte Plätze auftun. In diesen Fällen entscheidet schließlich das Los, wer einen Studienplatz erhält.

Übrigens: Sollte Ihre Bewerbung um ein Medizinstudium aufgrund eines zu hohen NC abgewiesen worden sein, so dass auch keine Studienplatzklage einen Sinn hat, gibt es immer noch einen Plan B.

Ihre Träume müssen Sie nicht begraben, wohl aber sich auf neue Anforderungen einstellen. Ihre Möglichkeiten:

  • Sie können ein Auslandsstudium – beispielsweise in Österreich oder der Schweiz – in Erwägung ziehen. Ein in der Europäischen Union (oder der Schweiz) absolviertes Medizinstudium wird üblicherweise auch in Deutschland anerkannt.
  • Sie können an einer privaten Hochschule studieren, beispielsweise an der Universität Witten/Herdecke oder an der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Allerdings müssen Sie hier mit entsprechenden Studiengebühren rechnen.
  • Sie können ein Bundeswehrstudium absolvieren. Die kostengünstigste Variante, die allerdings ein Auswahlverfahren im bundeswehreigenem Assessment Center und eine Verpflichtung auf 17 Jahre beinhaltet.

Gründe für eine Studienplatzabsage überprüfen

Eine Studienplatzabsage ist für die meisten angehenden Studenten nicht nur ärgerlich oder enttäuschend, sondern stellt sie vor ein ernsthaftes Problem:

Was mache ich jetzt? Vorsichtig ausgedrückt hat nicht jeder gleich einen Plan B bis D parat, auf den er zurückgreifen kann und mit dem er ebenso glücklich ist wie mit seiner ersten Studienwahl. Wer Philosophie studieren wollte, möchte eben nur ungern auf Mathematik ausweichen oder findet sich in einem anderen Studium einfach nicht wieder.

Das ist kein Grund zum Verzweifeln. Mit einer Studienplatzklage kommen Sie möglicherweise doch noch an Ihren Wunschstudienplatz. Am Anfang steht dabei die Frage: Aus welchem Grund wurde Ihr Antrag auf einen Studienplatz abgelehnt?

Die Antwort darauf ist wichtig, denn sie wirkt sich auf die Erfolgschancen einer Studienplatzklage aus. Es gibt zwei Hauptgründe, für den favorisierten Studiengang nicht zugelassen zu werden:

  • Ihr Numerus Clausus entspricht nicht den Anforderungen des gewählten Studiengangs, deshalb wurden Sie bei der Vergabe nicht berücksichtigt.
  • Die Kapazitäten der Universität für den gewünschten Studienplatz sind den hohen Bewerberzahlen nicht gewachsen.

Es kommt sogar relativ häufig vor, dass Studenten, die gerade Ihren Bachelor-Abschluss an einer Universität gemacht haben, nicht an der eigenen Universität zum Masterstudium zugelassen werden. Dies ist besonders dann der Fall, wenn es ein übergreifender Master ist, auf den sich auch Studenten aus anderen Bachelor-Studiengängen bewerben.

Wann ist eine Studienplatzklage aussichtslos?

Studienplatzklage Chancen VoraussetzungenEs muss natürlich auch erwähnt werden: Nicht jeder, der unglücklich mit dem Verlauf einer Studienplatzvergabe ist, kann gleich dagegen klagen. Keine Aussicht auf Erfolg haben Sie in diesen Fällen:

  • Sie besitzen keine nachgewiesene Hochschulzugangsberechtigung wie beispielsweise das Abitur.
  • Sie haben bei Ihrem Antrag beispielsweise einen Formfehler gemacht oder eine Frist nicht beachtet.
  • Die Studienplatzabsage wurde von der zentralen Vergabestelle hochschulstart.de erteilt. Anders sieht es aus, wenn Sie sich direkt bei einer Universität beworben haben und keinen Studienplatz erhalten haben. In diesem Fall kann überprüft werden, ob tatsächlich keine Kapazitäten mehr zur Verfügung stehen und die Absage rechtens war.
  • Ihnen wurde der „falsche Ort“ zugewiesen. Die Studienplatzvergabe bei bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern läuft über Hochschulstart und damit nicht immer zum gewünschten Ort. In solchen Fällen ist eine Studienplatzklage meist aussichtslos. Ihr Recht auf freie Berufswahl wird nicht grundsätzlich eingeschränkt. Eine Möglichkeit, doch noch an den ersehnten Ort zu kommen, könnte allerdings ein Studienplatztausch sein.

Jede Universität wählt anders aus

Bereits seit einigen Jahren wurde den Forderungen der Universitäten nachgegangen und das Zulassungsverfahren an den deutschen Hochschulen liberalisiert. Auf diese Weise wollen die Universitäten selbst mehr Mitsprache bei der Auswahl des eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses erhalten.

So gibt es zwei unterschiedliche Wege, mit denen Sie sich für Ihren Wunschstudienplatz bewerben können:

  1. Über die zentrale Vergabestelle hochschulstart.de, bei der Sie Ihren Antrag einreichen und die Ihnen im besten Fall einen Platz an der von Ihnen gewünschten Universität zuteilt.
  2. Oder direkt bei der Wunsch-Uni, wo Sie sich häufig auf der Homepage über entsprechende Formulare für einen Studienplatz bewerben können.

Viele Universitäten haben mittlerweile ein eigenes Auswahlverfahren und zugehörig unterschiedliche Fristen für Bewerbungstermine eingerichtet. Ob Sie an einer bestimmten Universität eine Zulassung erhalten, hängt also davon ab, nach welchen spezifischen Kriterien ausgewählt wird, die von den Hochschulen selbst festgelegt werden.

Zu den Kriterien zählen

  • Abiturnote
  • Einzelnoten in relevanten Fächern
  • Soziales Engagement
  • Studienmotivation
  • Auswahltest
  • Auswahlgespräch

Nicht nur ist das Verfahren von Uni zu Uni unterschiedlich, auch die Bewerbungsfristen unterscheiden sich. Ein Großteil der Universitäten hat zwar mit den bundesweiten Fristen der zentralen Vergabestelle gleichgezogen und Bewerbungsfristen für das Sommersemester bis zum 15. Januar und für das Wintersemester bis zum 15. Juli gesetzt. Trotzdem gibt es immer wieder Ausnahmen, weshalb Sie sich unbedingt genau informieren sollten.

Aber: Gegen diese örtlichen Zulassungsbeschränkungen haben Sie kaum eine Möglichkeit, auch nicht mit einer Studienplatzklage. Gleiches gilt für die Vergabe im Anschluss an einen Auswahltests oder entsprechende Auswahlgespräche.

Die wichtigsten und bekanntesten Anwälte

Studienplatzklage Chancen VoraussetzungenDas wachsende Interesse angehender Studenten und die damit steigende Nachfrage hat gerade in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich immer mehr Anwälte und Kanzleien gezielt auf Studienplatzklagen spezialisieren.

Potenzielle Mandanten haben dabei meist die Gelegenheit, bereits online oder telefonisch den ersten Kontakt herzustellen. Hier können Sie sich beraten lassen und herausfinden, ob eine Klage grundsätzlich möglich wäre und Aussicht auf Erfolg hätte.

Wir haben für Sie die wichtigsten und bekanntesten Anwälte für Studienplatzklagen aufgelistet:

Wie läuft eine Studienplatzklage ab?

Der erste Schritt zur Studienplatzklage ist der Gang zu einem entsprechenden Anwalt. Experten raten dazu, dies nicht auf die lange Bank zu schieben, wenn mit dem Gedanken an eine Klage gespielt wird. Je früher die Hilfe in Anspruch genommen wird, desto früher kann sich um alles gekümmert werden.

Auch die Fristen für die Einleitung einer Studienplatzklage in einigen Bundesländern müssen eingehalten werden, weshalb Sie im besten Fall für ein Sommersemester bereits vor dem 15. Januar und für ein Wintersemester vor dem 15. Juni mit einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin gesprochen haben.

Gemeinsam mit dem Experten können Sie bei einer Zusammenarbeit die möglichen Kosten und finanziellen Auswirkungen einer Studienplatzklage besprechen (sehen Sie dazu auch die Informationen zu den Kosten weiter unten).

Entscheidend hierfür ist zunächst, ob Sie eine Rechtsschutzversicherung haben. In diesem Fall können die Kosten für die Klage übernommen werden. Denn Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie als Antragssteller die Kosten zu tragen haben, wenn vom Gericht festgestellt wird, dass keine Studienplätze vorhanden sind und die Kapazitäten der Universität tatsächlich komplett genutzt werden.

Ist die Finanzierung geklärt, leitet der Anwalt die gerichtlichen Verfahren mit den jeweiligen Anträgen auf Erlass einer einstweiligen Anordnung bei den zuständigen Verwaltungsgerichten ein. Klingt kompliziert, doch darum brauchen Mandanten sich nicht kümmern.

Im nächsten Schritt erhält der Anwalt die Kapazitätsberechnungsunterlagen der jeweiligen Universität. Er kann somit analysieren und überprüfen, ob in diesen möglicherweise ein Berechnungsfehler gemacht wurde und klärt gleichzeitig etwaige Ansprüche im Verfahren.

Als Mandat und Antragssteller haben Sie damit nicht direkt zu tun und müssen in der Regel nicht einmal vor Gericht erscheinen.

Stellt sich nun heraus, dass die Universität tatsächlich noch freie Kapazitäten zur Ausbildung von Studenten zur Verfügung hat, wird die Hochschule dazu verpflichtet, diese zu verteilen. Oftmals wird dazu ein Losverfahren vorgesehen, es besteht allerdings auch die Möglichkeit einer Entscheidung nach diversen Leistungskriterien.

Der für Sie vermutlich beste Ausgang ist ein sogenannter Vergleich zwischen Universität und Mandat (also Ihnen), der von einigen Verwaltungsgerichten angestrebt wird. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes, als dass Sie einen Studienplatz erhalten und bei nächster Gelegenheit Ihr Wunschstudium antreten können.

Wie lange es genau dauert, bis Sie wirklich wissen, ob Ihre Klage erfolgreich war und Sie das Studium antreten können, lässt sich allerdings nicht verallgemeinert sagen. Im günstigsten Fall können Sie noch im aktuellen Semester einsteigen und loslegen – es kann allerdings auch ein ganzes Jahr dauern.

Checkliste für den Ablauf einer Studienplatzklage

  • Gespräch mit einem Rechtsanwalt / einer Rechtsanwältin
  • Erläuterungen zu den Auswirkungen einer Rechtsschutzversicherung
  • Klärung der Finanzierung
  • Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung
  • Überprüfung der Kapazitätsberechnungsunterlagen
  • Verpflichtung der Universität, etwaige freie Studienplätze zu verteilen
  • Losverfahren oder Vergleich
  • Falls nötig weitere Klagen gegen andere Hochschulen

Hier finden Sie noch als kostenlosen Download (PDF) unsere fünf Tipps, welche Sie bei Ihrer Studienplatzklage beachten sollten.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Entscheiden Sie sich für den Weg einer Studienplatzklage, sollten Sie sich vorher unbedingt mit den möglichen Kosten auseinandersetzen. Im Zweifelsfall müssen Sie diese schließlich selbst tragen, da sollten Sie wissen, was auf Sie zukommen kann.

Das Wichtigste: Sprechen Sie mit einem Berater Ihrer Rechtsschutzversicherung und lassen Sie sich darüber informieren, ob die Kosten für ein Verfahren von dieser übernommen werden. Hier kann es durchaus einige Unterschiede zwischen den Versicherungen geben – und es lohnt sich, auf der sicheren Seite zu sein.

Wenn Sie sich mit einer Studienplatzklage in einen Bachelor-Studiengang einklagen wollen, sollten Sie dabei mit Kosten zwischen zwischen 1000 und 1500 Euro zu rechnen.

Noch teurer wird es, wenn Sie sich in einen Masterplatz einklagen wollen. Dies liegt vor allem daran, dass es hierbei in der Regel nötig ist, mehr als nur ein Verfahren einzuleiten – und das schlägt sich natürlich in den Kosten nieder.

Zunächst ist ein gerichtliches Eilverfahren notwendig, um die Ausbildungskapazität einer Universität zu prüfen. Darüberhinaus muss allerdings oft auch noch zusätzlich gegen den Ablehnungsbescheid geklagt werden.

Hierbei wird untersucht, ob Fehler beim Eignungsfeststellungsverfahren gemacht wurden. Häufig wird bei der Masterzulassung als Kriterium das Abiturzeugnis herangezogen. Das ist aber nicht rechtens und kann angefochten werden.

Insgesamt sollte bei einer Masterplatzverfahren mit ungefähr 1700 Euro gerechnet werden.

Ein Haufen Geld, gerade für Studenten, die meist ohnehin chronisch knapp bei Kasse sind. Auch die Eltern können bei solch einem Betrag oft nicht ohne Weiteres unter die Arme greifen. Sollten Sie bei der Finanzierung der Studienplatzklage Schwierigkeiten haben, können Sie auch prüfen, ob Sie Prozesskostenhilfe beantragen können.

Erfahrung: Erfolg mit der Studienplatzklage

Übrigens erreichte uns von Simon K. ein Leserbrief zum Thema Studienplatzklage. Er berichtet darin von seiner Erfahrung:

Ich hatte mich eigentlich schon auf einige Wartesemester gefasst gemacht und mich damit abgefunden, bis meine Freundin mich auf eine Kanzlei aufmerksam gemacht hat, die sich unter anderem mit Vergaberecht beschäftigen. Das hat mir 18 Monate Wartezeit gespart. Deshalb ist Aufklärung auf diesem Gebiet sehr wichtig.

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[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
19. Dezember 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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