Ausbildung und Kindergeld: Tipps für Azubis
Mehr als 30 Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland in Form von Kindergeld ausgezahlt. Das Geld fließt tausenden Eltern zu, darunter auch Eltern, deren Kinder bereits in der Ausbildung stehen. Für angehende Azubis, und ihre Eltern, tun sich spätestens mit dem Beginn der Ausbildung jedoch einige Fragen im Blick zum Thema Ausbildung und Kindergeld auf. Die häufigsten beantworten wir heute.

Ausbildung und Kindergeld: Wer hat Anspruch?

Ganz grundlegend besteht der Kindergeldanspruch für Kinder bis zu Vollendung des 25. Lebensjahres. Dieser Anspruch bleibt auch bei Beginn einer Ausbildung bestehen - wenn deren Ernsthaftigkeit belegbar ist. Was seltsam klingt hat einen einfachen Grund:

Nur Ausbildungen, die tatsächlich für die spätere Ausübung eines Berufs qualifizieren, sollen gelten. Indikatoren für die Ernsthaftigkeit einer Ausbildung sind:

  • Die Ausbildungs- oder Studiendauer, die im Rahmen der regulären Dauer liegen sollte.
  • Leistungsnachweise, die vor allem bei Ausbildungen und Studiengängen mit Anwesenheitspflicht erforderlich sind. Diese Regelung und Nachweise ähneln denen des BAföG.
  • Eine Ausbildungszeit von zehn Stunden oder mehr pro Woche.

Diese Kriterien gelten allesamt für die Erstausbildung des Kindes. Für Azubis, die bereits eine andere Ausbildung absolviert haben, gelten andere Voraussetzungen. Hier wird die Sache ein wenig kompliziert.

Ausbildung und Kindergeld: So viel Geld gibt's

wavebreakmediaHin und wieder kommt, vor allem bei Azubis in der zweiten Ausbildung, die Frage auf, ob sich der dann nötige Aufwand zum Bezug des Kindergeldes überhaupt lohnt. Diese Frage können wir nicht beantworten, da wir nicht wissen, ab welchem Betrag Sie ganz individuell den Aufwand für sinnvoll halten.

Doch wir können Ihnen die Höhe des Kindergeldes vorstellen. Diese liegt bei:

  • Für das 1. und 2. Kind: 188 Euro
  • Für das 3. Kind: 194 Euro
  • Ab dem 4. Kind: 219 Euro

Am dem 01.01.2016 werden die Beträge leicht angehoben. Ob sich der Aufwand für den Bezug lohnt, können Sie nur selbst entscheiden. Ein Hinweis noch für Eltern, deren Kinder sich gerade zwischen zwei Ausbildungsphasen, beispielsweise Schulabschluss und Ausbildungsbeginn, befinden. Hier kann das Kindergeld maximal vier Monate lang weitergezahlt werden.

Mehr Informationen dazu finden Sie im offiziellen Merkblatt der Familienkasse zum Thema Kindergeld.

Ausbildung und Kindergeld: Zweite oder weiterführende Ausbildung

Robert Kneschke/ShutterstockHaben Sie als Azubi, im Kontext des Kindergeldes also als Kind, bereits eine Ausbildung abgeschlossen und ergänzen Sie diese durch eine aufbauende oder zweite Ausbildung, wird der Bezug etwas komplizierter. Als zweite oder weiterführende Ausbildung gelten...

  • ... Ausbildungen oder Studiengänge in anderen Bereichen.
  • ... aufbauende Studiengänge oder Ausbildungen.
  • ... Vertiefungsausbildungen oder -studiengänge.

Voraussetzung ist, dass die erste Ausbildung abgeschlossen ist und zur Ausübung eines Berufs befähigt. Haben Sie beispielsweise den Abschluss zum Techniker absolviert und gehen Sie anschließend den Meister an, zählt dieser als zweite Ausbildung. Anspruch auf Kindergeld haben Sie, bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, dann immer noch.

Allerdings gibt es hier einige Fallstricke, vor allem im Hinblick auf die Zuverdienstmöglichkeiten. Eine feste Einkommensgrenzen gibt es zwar nicht mehr, diese wurde vor einige Zeit abgeschafft, dafür sind so genannte schädliche Einkünfte relevant.

Schädlich ist hier grundsätzlich eine Erwerbsarbeit von über 20 Stunden pro Woche. Ausgenommen davon sind Tätigkeiten im Rahmen der Ausbildung. Auch 450-Euro- oder Mini-Jobs stellen per se kein Problem dar. Haben Sie mehr als einen Job, darf die addierte Arbeitszeit 20 Stunden pro Woche nicht übersteigen. Diese Arbeitszeit dürfen Sie für maximal zwei Monate überschreiten.

Arbeiten Sie beispielsweise regulär 10 Stunden pro Woche und zwei Monate lang 40 Stunden pro Woche, ist das kein Problem. Arbeiten Sie jedoch regulär 20 Stunden und dann zwei Monate lang 40 Stunden pro Woche, fällt das Kindergeld für diese beiden Monate weg, da sich dadurch die durchschnittliche Arbeitszeit aufs Jahr betrachtet auf über 20 Stunden pro Woche erhöht.

Das klingt schon ein komplex, doch es gibt eine weitere relevante Unterscheidung: Die nach Einkommensarten. Denn als schädliche Einkünfte wird nur Einkommen aus...

  • ... nicht-selbstständiger Arbeit...
  • ... selbstständiger Arbeit...
  • ... und Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft...

bezeichnet. Stammt das Geld jedoch aus einer Au Pair Tätigkeit, Kapitalvermögen oder Vermietungen, ist es unschädlich und wird nicht angerechnet oder berücksichtigt.

Finanzieren Ihre Eltern Ihre Ausbildung daher über Mieteinnahmen, bleibt der volle Kindergeldanspruch bestehen. Nehmen Sie die gleichen Beträge jedoch durch Studenten- oder Nebenjobs ein, können diese schädlich sein.

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Ausbildung und Kindergeld: Tipps für Azubis

Wollen Sie sich während Ihrer Ausbildung de Kindergeldanspruch erhalten und dabei nichts riskieren, müssen Sie ein wenig Vorsicht walten lassen. Bei der Auswahl von Nebenjobs ist es beispielsweise, vor allem bei einer weiterführenden Ausbildung, entscheidend, die 20 Wochenstunden Grenze nicht zu überschreiten.

Absolvieren Sie eine Ausbildung oder ein Studium mit Anwesenheitspflicht, sollten Sie die notwendigen Nachweise - oft in Form von Scheinen - von Anfang an konsequent sammeln und den zuständigen Stellen regelmäßig zukommen lassen. Kopien und eine Dokumentation der Scheine sind dabei Pflicht, um bei möglicherweise auftauchenden Problemen reagieren zu können.

Grundsätzlich gilt: Dokumentieren Sie Ihre Einkünfte so übersichtlich, dass Sie diese bei Nachfragen der Familienkasse problemlos nachweisen und belegen können. Ja, das ist mit Aufwand verbunden. ob sich dieser lohnt, müssen Sie entscheiden.

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[Bildnachweis: Robert Kneschke, wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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