Studienformen: 6 Studienformate + 3 Tipps zur Wahl der Studienart

Wer studieren will, hat die Qual der Wahl: zwischen unzähligen Fächern, diversen Hochschulen und insgesamt sechs Studienformen. Wollen Sie den klassischen Weg einschlagen und ein grundständiges Vollzeitstudium absolvieren? Oder doch lieber eine Ausbildung? Vielleicht besser nacheinander, erst Ausbildung, dann Studium? Oder beides gleichzeitig? Das alles ist möglich. Wir stellen die verschiedenen Studienarten vor…

Studienformen: 6 Studienformate + 3 Tipps zur Wahl der Studienart

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Welche Studienformen gibt es?

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Hochschullandschaft in Deutschland deutlich verändert. Galt früher ein Studium ohne Abitur beispielsweise unmöglich, so haben sich die Rahmenbedingungen mittlerweile geändert. Das ermöglicht beruflich Qualifizierten einen Einstieg ins Hochschulstudium, ohne zuvor den Umweg über eine Abendschule gehen zu müssen.

Aber nicht nur die Zugangsberechtigungen wurden vereinfacht. Das Recht auf Bildung ist die eine Sache. Gleichzeitig wichen starre Strukturen, so dass Studieninteressierte Chancen in einem völlig neuen Umfang haben. Nicht zuletzt das Internet hat dazu beigetragen. Für welches Studienformat sich jemand entscheidet, hängt von den persönlichen Erwartungen und Anforderungen ab. Wählen können Sie zwischen diesen Studienformen:

Vollzeitstudium

Die Mehrzahl der Studienwilligen strebt ein sogenanntes ordentliches Studium in Vollzeit an. Ordentlich (oder auch regulär genannt) bedeutet, dass Sie alle notwendigen Veranstaltungen im Rahmen des Studiums besuchen, um durch Prüfungen schließlich einen Abschluss zu erwerben. Hierbei handelt es sich in der Regel um ein Erststudium mit Präsenzpflicht, das wie ein normaler Job etwa 40 Stunden die Woche beansprucht. Dazu zählt nicht nur die Zeit, die Sie in Vorlesungen, Seminaren und Kursen verbringen, sondern auch das Selbststudium zu Hause oder die Recherche in der Bibliothek.

Wer das Abitur gemacht hat, erfüllt automatisch die Zugangsvoraussetzungen. Ein Studium ohne Abitur ist unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls möglich. Allerdings gibt es hier häufig Einschränkungen bezüglich der Wahl der Studienfächer oder es müssen zuvor Eignungstests absolviert werden. Für den Erwerb des Bachelors sollten Sie mit einer Regelstudienzeit von sechs bis acht Semestern, für den Master mit zwei bis vier Semestern rechnen.

Teilzeitstudium

Der große Vorteil des Teilzeitstudiums ist die Flexibilität. Wer keine 40 Stunden die Woche fürs Studium zur Verfügung hat – etwa, weil er einem Beruf nachgehen oder eine Familie versorgen muss – der kann die Stunden um die Hälfte reduzieren. Ansonsten führt das Teilzeitstudium ebenso wie das Vollzeitstudium zum Erwerb eines akademischen Grades. Klar ist aber auch, dass Sie hierbei mehr Zeit einkalkulieren müssen. Dauert der Bachelor üblicherweise schon zwischen sechs und acht Semestern, können Sie hier davon ausgehen, dass der Abschluss doppelt so lange dauert.

Im Gegenzug müssen Sie weniger Veranstaltungen pro Semester absolvieren. Dennoch sind ein langer Atem und Selbstdisziplin gefragt. Ermöglicht wird diese Studienform durch einen hohen Anteil an E-Learning nebst Blockveranstaltungen am Wochenende. Auch das Abendstudium ist auf Studierwillige ausgelegt, die sich neben anderen Verpflichtungen weiterbilden wollen.

Fernstudium

Dem ordentlichen Vollzeitstudium absolut gleichwertig, dennoch eine andere Studienform ist das Fernstudium. Der große Unterschied ist, dass Sie sich im Wesentlichen im Selbststudium das Wissen aneignen müssen. Dazu passt die Wissensvermittlung via Blended Learning. Lerninhalte werden als Studienbriefe zum Selbststudium per Post oder als Studium online auf speziellen Plattformen vermittelt.

Diese Studienformen bieten sich für Interessenten an, denen aus verschiedensten Gründen kein Präsenzstudium möglich ist. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen und ist bei einem Vollzeit-Fernstudium genauso intensiv wie das „normale“ Vollzeitstudium, gleiches gilt für das Teilzeit-Fernstudium. Es ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstmanagement gefragt.

Berufsbegleitendes Studium

Wer bereits im Berufsleben steht und einer Vollzeitarbeit nachgeht, hat nicht die Kapazitäten, ein Vollzeitstudium absolvieren. Ein berufsbegleitendes Studium eignet sich für alle diejenigen, die ihren Beruf nicht aufgeben und die Stundenzahl nicht reduzieren können oder wollen. Verschiedene Möglichkeiten bieten sich hier an: Sie arbeiten tagsüber ganz normal in Ihrem Job und entscheiden sich für ein Teilzeit- oder Abendstudium. Hier werden die Studieninhalte ans Wochenende (Blockseminare) oder in den Abend verlagert.

Wem die Präsenz vor Ort nicht möglich ist, kann alternativ ein Fernstudium absolvieren. Der Vorteil bei dieser Studienart: Sie erhalten sich Ihre finanzielle Unabhängigkeit, teilweise übernehmen die Arbeitgeber sogar die Studiengebühren. Auf der anderen Seite ist aufgrund der Doppelbelastung eine gute Selbstorganisation und Disziplin gefragt. Ein berufsbegleitendes Masterstudium ermöglicht oft erst den Aufstieg in höhere Positionen.

Duales Studium

Wer sich für wirtschaftliche, kaufmännische, technische oder soziale Studienfächer interessiert, liegt bei einem dualen Studium womöglich genau richtig. Hier lernen Sie Theorie und Praxis gleichzeitig, quasi eine Mischung aus Ausbildung und Studium. Dreierlei Formen lassen sich unterscheiden: Einerseits das ausbildungsintegrierte duale Studium, bei dem Sie den Bachelor neben einer staatlich anerkannten Ausbildung erwerben. Zweitens existiert das sogenannte praxisintegrierende duale Studium. Hier sammeln Sie neben dem Studium Praxiserfahrung in kooperierenden Unternehmen, allerdings erwerben Sie keinen Abschluss für eine Ausbildung.

Die dritte Möglichkeit liegt in einem dualen Studium als berufliche Weiterbildung (berufsintegrierendes duales Studium). Während für die beiden erst genannten Studienformen des dualen Studiums die Hochschulreife oder das Fachabitur Zugangsvoraussetzung sind, können Sie beim berufsintegrierenden dualen Studium auch ohne studieren. Die Wissensvermittlung findet im zweiwöchigen Wechsel zwischen Unternehmen und anschließend wieder Hochschule statt. Der große Vorteil dieser Studienart liegt darin, dass Sie bereits ein Einkommen haben. Durch Ihre Kontakte zum Unternehmen während des Studiums steigen die Übernahmechancen deutlich.

Internationales Studium

Ein Studium erweitert den Horizont – ungleich mehr, wenn es ein internationales Studium ist. Dafür absolvieren Sie einen Teil (in der Regel mindestens zwei Semester) Ihrer Studienleistungen im Ausland an einer Partneruni. Beide Hochschulen erkennen die während des Studiums erworbenen Leistungen gegenseitig an, so dass Sie einen doppelten Abschluss erwerben können. Hier liegt der Unterschied zu einem anderen Auslandsaufenthalt wie beispielsweise mit dem Erasmus-Programm.

Voraussetzung für diese Studienform sind sehr gute Sprachkenntnisse in der jeweiligen Landessprache (in der Regel mindestens Englisch). Ebenfalls werden Interesse und Kenntnisse über das Gastland erwartet. Interessenten sollten klare Vorstellungen davon haben, welche Ziele sie mit dem Abschluss verbinden und wie die Studienfinanzierung aussieht. Häufig ist ein Auslandsstudium mit Studiengebühren verbunden.

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Planung und Selbstreflexion für den Erfolg

Wer für sich bereits geklärt hat, dass er oder sie studieren will, ist zwar bereits einen großen Schritt weiter, aber längst nicht am Ziel. Rein theoretisch können für Studienwillige mehrere Studienformen infrage kommen. Inwieweit die eine Studienart mehr oder weniger geeignet ist, hängt von Ihren individuellen Umständen und Wünschen ab. Folgendes sollten Sie klären:

Wohnen Sie bereits an einem Hochschulort?

Wer in der Nähe eines Hochschulorts wohnt oder umziehen kann, für den kann ein Vollzeitstudium das Mittel der Wahl sein. Hier haben Sie Präsenzpflicht. Das bietet sich besonders für Studieninteressierte an, die sich gut einschätzen können und wissen, dass die notwendige Selbstdisziplin für ein Fernstudium fehlen würde. Oder aber die den Austausch mit anderen Studierenden vermissen würden – der soziale Kontakt gerade in einem fremden Umfeld ist nicht zu unterschätzen.

Müssen Sie Verpflichtungen nachkommen?

Wer einen Familienangehörigen pflegt, kleine Kinder zu versorgen hat oder noch arbeiten geht, braucht Studienformen, die Flexibilität ermöglichen. Tut sich ein Zeitfenster auf, kann schnell eine Einheit gelernt werden – hier eignet sich das Fernstudium oder ein Online Studium, so dass Sie sich Ihre Zeit frei einteilen können. Das gilt ebenso, wenn Sie an einen Ort gebunden sind und keine Hochschule in der Nähe haben.

Sind Sie finanziell unabhängig?

Der Nachteil bei den meisten Studienformen: Es kommt kein Geld rein, vielmehr brauchen Sie welches. Abhängig ist das zum Teil von der Hochschule selbst: Im Gegensatz zu privaten Hochschulen sind staatliche öffentlich und kostenlos. Was nicht heißt, dass Sie keine Aufwendungen fürs Studium hätten: Auch so müssen Sie Semesterbeitrag, Lernmaterialien und Lebenshaltungskosten irgendwie finanzieren.

Sind Sie finanziell unabhängig, stehen Ihnen mehrere Türen offen. Der Vorteil bei (meist teuren) privaten Hochschulen ist der, dass die Betreuung der Studierenden engmaschiger, die technische Ausrüstung besser ist. Wer hier ein Vollzeitstudium plant, braucht sich in der Regel nicht mit überfüllten Hörsälen herumplagen, kann die angestrebten Veranstaltungen besuchen und ist oftmals zügiger fertig. Für alle anderen sind Bafög und/oder ein Stipendium eine Möglichkeit.

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[Bildnachweis: Volha Hlinskaya by Shutterstock.com]

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