Zweitstudium: Tipps zu Begründung, Kosten + Bewerbung

Nach der Uni ist vor der Uni? Das denken sich zumindest diejenigen, die nach erfolgreichem Abschluss eines Studiums ein Zweitstudium aufnehmen. Ein weiteres Studium kann der richtige Weg sein, um die beruflichen Ziele zu erreichen. Wir erklären, was ein Zweitstudium ist und wann es sinnvoll sein kann. Außerdem: Worauf Sie achten müssen und mit welchen Tipps das zweite Studium gelingt…

Zweitstudium: Tipps zu Begründung, Kosten + Bewerbung

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Wann ist ein Studium ein Zweitstudium?

Wenn jemand bereits ein erstes Studium erfolgreich absolviert hat und ein weiteres Studium beginnt, spricht man von einem Zweitstudium. Es handelt sich hierbei um ein grundständiges Studium, bedeutet: Es ist kein vorheriger Studienabschluss dafür notwendig. Um ein wirkliches Zweitstudium handelt es sich zum Beispiel, wenn ein Hochschulabsolvent sich nach seinem abgeschlossenen Bachelorstudium in Betriebswissenschaft dazu entscheidet, ein Studium der Psychologie oder eines anderen Bereiches zu beginnen.

Kein Zweitstudium liegt hingegen in diesen Fällen vor:

  • Wechsel
    Wer beispielsweise aufgrund veränderter Interessen sich für einen neuen Studiengang an einer Hochschule einschreibt. In diesen Fällen liegt ein Hochschulwechsel/Studienfachwechsel vor.
  • Weiterführende Studiengänge
    Ein Master im Anschluss an einen erfolgreichen Bachelorstudiengang ist ebenfalls kein Zweitstudium.
  • Mehrere Studiengänge
    Wenn ein Student gleichzeitig mehrere Studiengänge absolviert, spricht man von einem Parallel- oder auch Mehrfachstudium.
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Gründe: Wie sinnvoll ist ein Zweitstudium?

Die meisten sehen das zweite Studium als durchdachten Schritt der beruflichen Vorbereitung und Entwicklung. Klar ist, dass man für ein Zweitstudium gute Gründe haben sollte. Es ist nicht nur eine zeitliche Frage, noch einmal mehrere Jahre vor dem Berufseinstieg an der Universität zu verbringen, sondern in vielen Fällen auch eine Kostenfrage (dazu unten mehr). Wer also ein Zweitstudium erwägt, sollte sich vorab mit den Gründen auseinandersetzen. Das können beispielsweise solche sein:

Die persönlichen Schwerpunkte haben sich verändert

Manche merken erst mit der Zeit, dass die Thematik möglicherweise doch nicht der Bereich ist, mit dem sie sich die nächsten 40 Jahre fortwährend beschäftigen möchten. Einige entscheiden sich dann zum sofortigen Studienabbruch, andere – gerade in höheren Semestern – bleiben dennoch am Ball und machen den Abschluss. Im Anschluss kann es dann aber sinnvoll sein, sich über ein Zweitstudium zu informieren, um den neuen Interessen und Vorstellungen der beruflichen Zukunft zu folgen und trotzdem die bestmögliche Vorbereitung aufs Berufsleben zu haben.

Die berufliche Situation bietet kaum Alternativen

Der Arbeitsmarkt und die berufliche Situation können sich nach drei Jahren Studium plötzlich anders darstellen. Hat man einen Studiengang noch im Glauben begonnen, später eine gefragte Fachkraft zu sein, ist man plötzlich als einer von vielen, die genau die gleiche Idee hatten: Ein Phänomen, das unter dem Begriff „Schweinezyklus“ bekannt ist. Geeignete Arbeitsplätze in der Branche sind plötzlich Mangelware. Zwar ist die Arbeitslosenquote unter Akademikern generell gering. Doch schlechte berufliche Perspektiven können ein Grund sein, sich durch ein Zweitstudium entweder neu zu orientieren oder die Chancen zu verbessern.

Der Job erfordert weitere Fähigkeiten und Kenntnisse

In manchen Branchen und Berufen kann man sich durch zusätzliche Fähigkeiten von der Konkurrenz abheben und so die Arbeitsmarktsituation zum eigenen Vorteil verbessern. Manche Arbeitgeber setzen das Wissen aus verschiedenen Bereichen voraus. Gerade in diesen Fällen ist ein Zweitstudium sinnvoll, um auch wirklich für den angestrebten Beruf qualifiziert zu sein.

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Zweitstudium Kosten und Gebühren

Einige Bundesländer erheben Gebühren für ein Zweitstudium. Dies ist nicht überall der Fall und die Höhe kann variieren. So fallen in Baden-Württemberg für das Zweitstudium Studiengebühren in Höhe von 650 Euro pro Semester an, in Sachsen-Anhalt hingegen nur 500 Euro, und in den meisten anderen Bundesländern gar keine.

Daher sollten Studenten sich im Vorfeld auf jeden Fall darüber informieren, um die möglichen Kosten abzuschätzen, die auf sie zukommen, wenn sie das Zweitstudium aufnehmen. Das beinhaltet wie bei jedem Studium nicht nur das Geld für die Lehre an sich, sondern natürlich auch weitere Kosten wie die für Miete, Lebensmittel und dergleichen. Wer auf eine private Hochschule ausweicht, sollte sich über die zum Teil sehr hohen Kosten im Klaren sein. Mehrere hundert Euro im Monat sind keine Seltenheit.

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Zweitstudium finanzieren: Optionen neben Bafög

Für ein Zweitstudium gibt es in den meisten Fällen kein Bafög. Die gesetzliche Studienförderung richtet sich vorrangig an Studenten im Erststudium. Chancen auf Bafög im Zweitstudium haben Sie nur dann, wenn der zusätzliche Studiengang eine Notwendigkeit für ihren zukünftigen Beruf darstellt. Kaum ein Absolvent verfügt über nennenswerte finanzielle Rücklagen, um die Finanzierung des Zweitstudiums zu stemmen.

Ihr Wunsch zum Zweitstudium muss aber nicht am Geld scheitern. Finanzieren können Sie sich das Zweitstudium einerseits mit Studentenjobs. Daneben gibt es diese Finanzierungsmöglichkeiten:

  • Studienkredit
    Hier sollten Sie genügend Zeit für die Recherche Ihrer Möglichkeiten einplanen, denn nicht alle Banken haben auch Angebote für das Zweitstudium in petto. Hinzu kommt, dass sich die Angebote und Zinsen voneinander unterscheiden. Es empfiehlt sich die Alternativen abzuwägen. Lassen Sie sich beraten und denken Sie langfristig an die spätere Rückzahlung.
  • Stipendium
    Alternativ können Sie Ihr Zweitstudium mit einem Stipendium finanzieren. Informieren Sie sich über Ihre Möglichkeiten und geben Sie bei der Suche nach Stipendien nicht frühzeitig auf. Es kommt hier nicht immer nur darauf an, mit Bestnoten zu glänzen. Gerade die Motivation und Begründung für das Zweitstudium ist für viele Stipendiengeber relevant.

Tipps zum Zweitstudium

Bevor Sie sich für ein Zweitstudium entscheiden, sollten Sie sich mit den eigenen Beweggründen auseinandersetzen. Bedenken Sie dabei, dass Sie nach dem erfolgreichen Abschluss deutlich älter als der durchschnittliche Berufseinsteiger sein werden: Ein Umstand, nach dem einige Personaler im Vorstellungsgespräch nachfragen.

Alternativ zum Zweitstudium könnten Sie beispielsweise ein berufsbegleitendes Studium absolvieren. Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass ein Zweitstudium Ihren Zielen dient, sollten Sie auch hinter dieser Entscheidung stehen und Ihre Energie dahingehend investieren. Folgende Tipps können Ihnen helfen:

  1. Achten Sie auf Ihre Motivation

    Sie entscheiden sich dafür, die nächsten Jahre erneut mit Lernen, Prüfungsstress und wenig Geld zu verbringen, da spielt die Motivation eine große Rolle. Hinzu kommt der nach hinten verschobene Berufseinstieg. Führen Sie sich Ihr Ziel vor Augen, anderenfalls könnten Ihnen Zweifel kommen, warum Sie sich nicht für den Job nach dem Erststudium entschieden haben.

  2. Beziehen Sie Ihr Umfeld mit ein

    Kommen Partnerschaft und Familie ins Spiel, kann es wichtig sein, das Umfeld aktiv in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen und Bedenken zu klären. Mit der Unterstützung von Familie und Freunden steigt die Motivation. Eventuelle Schwierigkeiten lassen sich leichter meisten, wenn man weiß, dass man wichtige Personen auf seiner Seite hat.

  3. Lassen Sie Ihre Leistungen anerkennen

    Lassen Sie sich bereits erbrachte Leistungen unbedingt anerkennen. Das kann beispielsweise möglich sein, wenn die Studiengänge thematische Überschneidungen aufweisen. Damit sparen Sie sich unnötige Dopplungen des Inhalts und haben möglicherweise die Chance, das Zweitstudium zu verkürzen.

  4. Nutzen Sie Ihre Erfahrungen

    War beim Erststudium noch alles neu und unbekannt, wissen Sie nun bereits, worauf Sie sich einlassen. Nutzen Sie diese Erfahrungen, um das Zweitstudium noch besser zu gestalten. Vermeiden Sie all die Fehler, die Sie aus Unwissenheit begangen haben und verbessern Sie Ihren Lernplan, die Studienorganisation und im besten Fall natürlich auch die Ergebnisse in den Prüfungen.

Zweitstudium Bewerbung: Begründung für Zulassung

Ebenso wie das Erststudium erfordert das Zweitstudium die Zulassung. Das größte Problem dabei: Nur ein kleiner Teil der Studienplätze ist für Studenten im Zweitstudium vorgesehen. Die Hochschulen vergeben maximal drei Prozent der freien Plätze für ein Zweitstudium. Das führt meist dazu, dass nur eine Handvoll Studenten tatsächlich das Zweitstudium in zulassungsbeschränkten Studiengängen beginnen können.

Zulassungsbeschränkte Studiengänge, das sind solche mit Numerus clausus (NC), können bundesweit einer Zulassungsbeschränkung unterliegen, wie etwa Medizin, Tiermedizin, Lebensmittelchemie oder Pharmazie. Ebenso gibt es nur örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge wie beispielsweise Psychologie. In dem Fall legt die jeweilige Hochschule die Kriterien fest. Entscheidend sind neben der Abschlussnote des Erststudiums vor allem die Motivation und die Begründung für den zweiten Studiengang. Klar ist: Interesse am Fachgebiet sollte vorhanden und nachvollziehbar sein. Die Chancen auf eine Zulassung zum Zweitstudium erhöhen Sie aber vor allem, wenn dies für Ihre berufliche Zukunft relevant ist.

Zweitstudium Motivationsschreiben

Um zum Zweitstudium an einer Universität oder Fachhochschule zugelassen zu werden, müssen Sie eine Bewerbung in Form eines Motivationsschreibens verfassen. Nachfolgend finden Sie ein ausführliches Dossier speziell zum Motivationsschreiben fürs Studium, inklusive Tipps zu Inhalt und Aufbau sowie Muster. Das alles kostenlos für unsere Leser.

Motivationsschreiben fürs Studium


Punktesystem für die Begründung

Können Sie beispielsweise angeben, für welchen Beruf Sie sich qualifizieren wollen oder welche zu erlangende Fähigkeiten Ihnen auf dem Arbeitsmarkt neue Chancen eröffnen, punkten Sie. Und zwar wörtlich: Die Hochschulen treffen ihre Entscheidung darüber, ob jemand zu einem Zweitstudium zugelassen wird, nach einem Punktesystem. Das ermöglicht, die Bewerber in bestimmte Fallgruppen einzuteilen.

In dieses Punktesystem fließt die nachzuweisende Abschlussnote des Erststudiums ein. Wer die Abschlussnote nicht nachweist, dem wird der schlechteste Leistungsgrad zugrunde gelegt. In diesem Fall müssen dem Zulassungsantrag noch Bescheinigungen der Prüfungsämter beigefügt werden. Zur Abschlussnote kommen die Punkte aus den unterschiedlich gewichteten Gründen für das Zweitstudium. Das Ganze sieht wie folgt aus:

Punkte für die Abschlussnoten des Erststudiums

  • „ausgezeichnet“ und „sehr gut“: 4
  • „gut“ und voll „befriedigend“: 3
  • „befriedigend“: 2
  • „ausreichend“: 1
  • „nicht nachgewiesen“: 1

Punkte gemäß der Gründe für das Zweitstudium

  • Zwingende berufliche Gründe: 9
  • Wissenschaftliche Gründe: 7 bis 11
  • Besondere berufliche Gründe: 7
  • Sonstige berufliche Gründe: 4
  • Sonstige Gründe: 1

Zulassungkriterien nicht immer wichtig

Anders sieht es bei privaten Hochschulen und zulassungsfreien Studiengängen aus. Hier kann auch ein Zweitstudium aufgenommen werden, da genügend freie Studienplätze vorhanden sind und die obigen Regelungen darauf abzielen, Erststudenten einen Hochschulabschluss zu ermöglichen.

Ansonsten gelten für Bewerber auf ein Zweitstudium an staatlichen Hochschulen dieselben formalen Zulassungsvoraussetzungen wie für Erststudienbewerber. Die Crux bei dem Ganzen: Sie müssen für eine erfolgreiche Bewerbung eine möglichst hohe Punktzahl erreichen.

Kriterien der Punktvergabe

Eine hohe Punktzahl erlangen Sie vor allem mit Begründungen der ersten drei Berufskategorien, also „zwingende berufliche“, „wissenschaftliche“ und „besondere berufliche“ Gründe. Dafür benötigen Sie allerdings Belege: Wissenschaftliche Gründe liegen nur dann vor, wenn sie bereits wissenschaftlich – also forschend – tätig waren oder noch tätig sind. Der reine Wunsch, in die Wissenschaft zu gehen, reicht also nicht aus. Auch ist allein der Wunsch, Tiermediziner zu werden, kein zwingender beruflicher Grund. Der ist lediglich gegeben, wenn für ein Berufsziel zwingend zwei erfolgreiche Studienabschlüsse erforderlich sind. Dazu zählen folgende drei Berufsbilder:

  • Kieferchirurg
    Studienabschluss in Medizin und Zahnmedizin
  • Stabsapotheker der Bundeswehr
    Studienabschluss in Pharmazie und Lebensmittelchemie
  • Ordensgeistlicher
    Studienabschluss in Theologie und Lehramtsstudium für eine Tätigkeit an Ordensschulen

Wer lediglich eine berufliche Neuorientierung plant, kann sich in der Regel nur Hoffnungen auf die Kategorie „sonstige berufliche Gründe“ machen. Denn die nach Punktzahl höhere Kategorie „besondere berufliche Gründe“ liegt nur dann vor, wenn die Kombination aus Erst- und Zweitstudium die Arbeit in einem Job ermöglicht, für den nur das Erststudium üblicherweise nicht ausreicht.

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