Bafög beantragen: So bekommen Sie die Förderung

Ohne Moos nichts los: So dürfte die finanzielle Situation der meisten Studierenden aussehen. Die, die Bafög beantragen, haben die Aussicht darauf, dass sich das in nächster Zeit ändert. Denn die Finanzspritze vom Amt für Ausbildungsförderung stellt sicher, dass Miete und Lebenshaltungskosten wenigstens zum Großteil gedeckt werden. Und das wiederum bedeutet, dass Sie sich komplett aufs Studium konzentrieren können. Viele andere Studierende müssen sich mit Studentenjobs über Wasser halten. Wir zeigen Ihnen, was Sie beachten müssen, um in den Genuss der staatlichen Förderung zu kommen…

Bafög beantragen: So bekommen Sie die Förderung

Bafög beantragen: Wozu?

Die vom Grundgesetz garantierte freie Berufswahl wird insofern strapaziert, als dass einige Wege zum Beruf nur mit viel Geld bewältigt werden können. Studentenjobs können zwar eine interessante Ergänzung zum Unialltag sein und je nach Art die Theorie mit Praxis auffüllen.

Allerdings bedeuten solche Jobs eben auch eine Doppelbelastung. Da nicht jeder Schulabgänger mit wohlhabenden Eltern gesegnet ist, gibt es Mittel und Wege, finanzielle Förderungen zu beantragen.

Allerdings: Studenten müssen das Bafög beantragen, denn sonst wird die Förderung nicht gewährt oder der Betrag fällt geringer aus, als er müsste. Ein weiteres Problem: Wer die verschiedenen Zusatzregelungen für Härtefälle nicht kennt, dem wird es verfrüht gesperrt.

Behörden können Ihre persönliche Situation nicht kennen, daher müssen Sie alles mit entsprechenden Nachweisen belegen. Die Bedingungen erfordern bereits ein eigenes Studium, möchte man meinen. Daher bringen wir Licht in den Bafög-Dschungel.

Bafög beantragen: Wer erhält es?

Grundsätzlich ist nicht nur das Hochschulstudium an einer Universität oder Fachhochschule förderungswürdig, sondern auch der Besuch an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen wie Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien ab Klasse 10. Auch wer eine Abendrealschule besucht oder wer das Abitur nachholen und auf ein Abendgymnasium gehen will, kann gefördert werden.

Für Schüler nach der zehnten Klasse gilt allerdings, dass sie nicht bei den Eltern wohnen dürfen und ausbildungsbedingt auswärts unterkommen müssen. Es wird üblicherweise nur die Erstausbildung gefördert, das heißt: Wird die Studienfachrichtung gewechselt oder das Studium abgebrochen, wird nur unter besonderen Voraussetzungen gefördert.

  • Alter

    Bei Antragstellung sollten Sie maximal 30 Jahre beziehungsweise 35 Jahre alt sein, wenn Sie ein Masterstudium beginnen.

  • Staatsangehörigkeit

    Gefördert werden Antragsteller mit deutscher Staatsangehörigkeit. Daneben erhalten EU-Ausländer Bafög, die nach dem Freizügigkeitsgesetz in Deutschland sind ebenso wie Personen, die eine Bleibeperspektive haben und bereits gesellschaftlich integriert sind.

  • Eignung

    Grundsätzlich müssen die Zugangsvoraussetzungen für das Studium erfüllt werden beziehungsweise die für den Besuch der jeweiligen Bildungseinrichtung. Außerdem müssen in regelmäßigen Abständen die erforderlichen Leistungen erbracht werden, die zum angestrebten Abschluss führen. Die Förderung durch Bafög ist davon abhängig, dass diese Leistungen rechtzeitig nachgewiesen werden. Geschieht dies nicht, wird das Bafög eingestellt.

Bafög beantragen: Wann und wo?

Am besten beantragen Sie das Bafög sofort. Aber es gibt natürlich einen Haken: Zwar sollte der Erstantrag so früh wie möglich eingereicht werden, allerdings geht dies erst ab dem Punkt, an dem Sie offiziell eingeschrieben sind. Denn neben einer Fülle anderer Nachweise brauchen Sie die Immatrikulationsbescheinigung.

Fehlen wichtige Unterlagen, wird Ihr Antrag nicht bearbeitet und die Zahlung des Bafögs verzögert sich. Die frühzeitige Beantragung ist deshalb wichtig, weil Leistungen immer erst ab Antragstellung gewährt und nicht rückwirkend gezahlt werden.

Beispiel

Wer zum zum Wintersemester sein Studium an einer Universität aufnimmt, hat damit Semesterbeginn zum 1. Oktober, Vorlesungsbeginn meist ein bis zwei Wochen später. Wer nun als Erstsemester noch orientierungslos herumirrt und erst im November den Antrag auf Bafög stellt, verschenkt einen ganzen Monat.

Auch zum 1. Oktober ist es viel zu spät, wenn Sie wirklich auf das Geld angewiesen sind, denn Sie sollten lange Bearbeitungszeiten einplanen und diese Durststrecke gilt es irgendwie zu überwinden.

Der Antrag wird anhand von ausgefüllten Formblättern beim Amt für Ausbildungsförderung gestellt. Studierende wenden sich dafür in der Regel an das Studierendenwerk der jeweiligen Hochschule, an der sie immatrikuliert sind.

Auszubildende von Abendgymnasien, Kollegs, höheren Fachschulen und Akademien wenden sich an das Amt für Ausbildungsförderung des Bezirks, in dem sie ihre Ausbildung machen. Für Schüler ist es das Amt für Ausbildungsförderung in der Stadt beziehungsweise Kreisverwaltung am Wohnort der Eltern.

Bafög Online Antrag: Mit dem Antragsassistenten zum Bafög

Bafög Online Antrag Studium ausdruckenUm zu erfahren, welche Formulare Sie konkret für Ihre Antragstellung benötigen, stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Antragsassistenten zur Verfügung.

Wer Bafög beantragen möchte, kann dies auf drei Wegen tun:

  1. Sie beschaffen sich die notwendigen Formulare beim Amt für Ausbildungsförderung oder beim Studentenwerk, füllen sie aus, unterschreiben und reichen Sie vor Ort ein,
  2. Sie füllen im Internet die notwendigen Formulare aus und drucken sie zu Hause am eigenen Drucker aus, unterschreiben und reichen sie beim Amt für Ausbildungsforderung oder dem Studentenwerk ein oder
  3. Sie stellen bequem vom heimischen Computer aus einen Antrag. Voraussetzung: Sie haben einen Personalausweis mit eID-Funktion oder ein De-Mail-Konto. Die notwendigen Dokumente zum Beleg müssen Sie zusätzlich einscannen.

Der Vorteil bei der Online-Bearbeitung: Sie sparen viel aufwendigen Papierkram und Zeit. Denn um Bafög beantragen zu können, müssen Sie vor allem die Fristen einhalten. Welche Formulare Sie benötigen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Der Regelfall wird der mündige Schulabgänger unter 35 Jahren sein, der unverheiratet und kinderlos ist, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und nach bestandenem Abitur sein Studium aufnimmt. Aber auch anderen Studienwilligen steht Bafög zu. Die Ausnahmeregelungen sind so umfangreich, dass Sie hier nicht im Einzelfall dargestellt werden können.

Bafög beantragen: Was wird berücksichtigt?

Bafög richtig beantragen bedeutet vor allem beim Erstantrag viel Formalkram. Der Regelfall ist elternabhängiges Bafög, das heißt, das Einkommen der Eltern muss mit Einkommensnachweisen belegt werden, da sie gegenüber Kindern in der Ausbildung (und dazu zählt auch das Studium) unterhaltspflichtig sind.

Voraussetzung ist natürlich die zügige Beendigung der Ausbildung beziehungsweise des Studiums in der Regelstudienzeit. Um die Höhe berechnen zu können, müssen sämtliche Einnahmen und Ausgaben belegt werden. Dazu zählen neben dem Einkommen aus einer beruflichen Tätigkeit auch Einnahmen aus Vermögen der Eltern.

Eigenes Vermögen der Studierenden muss – sofern es 7.500 Euro übersteigt – für die Ausbildung eingesetzt werden. Auch das Vermögen beziehungsweise Einkommen von möglichen Ehepartnern fließt mit in die Berechnungen des Amtes für Einkommensförderungen ein, denn:

Das BAföG geht davon aus, dass zunächst die Auszubildenden selbst und diejenigen, die nach dem bürgerlichen Recht zu ihrem Unterhalt verpflichtet sind, also ihre Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartner und Eltern, für den Unterhalt und die Ausbildung aufkommen. Das BAföG tritt mit seinen Leistungen grundsätzlich nur nachrangig ein.

Daneben gibt es die sogenannten Freibeträge, die das zu berücksichtigende Einkommen vermindern.

Monatlich anrechnungsfrei bleibt…

  • für verheiratete oder in einer Lebenspartnerschaft eingetragene Eltern: 1.715 Euro
  • für einen alleinstehenden Elternteil: 1.145 Euro
  • für einen Stiefelternteil: 570 Euro
  • für Kinder und sonstige nicht förderungsfähige Unterhaltsberechtigte: 520 Euro

Zunächst wird also das Einkommen der Eltern oder des Ehepartners ermittelt, anschließend werden die jeweiligen Freibeträge vom ermitteltem Einkommen abgezogen. Übrig bleibt das sogenannte anzurechnende Einkommen.

Bafög bekommen: Bafög Antrag elternunabhängig

Die Unterhaltspflicht der Eltern ist wie erwähnt der Regelfall. Aber keine Ausnahme ohne Regel: Es gibt Voraussetzungen, die es ermöglichen, einen Bafög Antrag elternunabhängig zu stellen. Dazu gehören unter anderem Härtefälle wie diese:

  • Sie sind Vollwaise.
  • Der Aufenthaltsort der Eltern ist unbekannt oder sie leben im Ausland und sind dort daran gehindert, Sie finanziell zu unterstützen.
  • Sie besuchen ein Abendgymnasium oder Kolleg und erhalten dafür Ausbildungsförderung.
  • Sie waren zuvor bereits fünf Jahre berufstätig, nachdem Sie das 18. Lebensjahr vollendet hatten oder Sie haben bereits eine dreijährige berufsqualifizierende Ausbildung hinter sich, und haben in diesem Bereich drei Jahre gearbeitet.
  • Sie werden gefördert, obwohl Sie bereits das 30. Lebensjahr vollendet haben, wenn beispielsweise folgende Gründe vorliegen:
    • Sie sind schwanger,
    • Sie waren länger krank oder haben eine Behinderung,
    • Sie betreuen ein behindertes oder hilfsbedürftiges Kind beziehungsweise erziehen ein Kind unter 10 Jahren,
    • Sie haben aufgrund einer Ablehnung im Auswahlverfahren zu einer selbst gewählten Ausbildung das Alter überschritten,
    • Sie zuvor bei der Bundeswehr verpflichtet waren (mindestens für acht Jahre).

Das elternunabhängige Bafög wird nicht extra beantragt, sondern ergibt sich schlicht aus Ihren Bedingungen. Das heißt, Sie füllen den Antrag wie im Normalfall aus und das Amt für Ausbildungsförderung erkennt an, dass es sich bei Ihnen um elternunabhängiges Bafög handelt, da eine der oben genannten Voraussetzungen erfüllt ist.

Wie beim elternabhängigen Bafög müssen die entsprechenden Nachweise über Einkommen, Sterbeurkunden oder Schwerbehindertenausweis erbracht werden.

Bafög beantragen: Wie den Wiederholungsantrag stellen?

Auch hier gilt: möglichst früh. Das heißt, im Falle eines erfolgreichen Erstantrags liegt der Bewilligungszeitraum üblicherweise bei einem Jahr (sofern nicht ein Urlaubssemester dazwischen liegt).

Sie sollten aber nicht das ganze Jahr abwarten. Wer Bafög beantragen will, vermeidet Lücken, die genau dann entstehen. Besser wäre, etwa zwei Monate Wartezeit für die Überprüfung einzuplanen und dementsprechend früh den Folgeantrag zu stellen.

Noch ein Tipp: Kopieren Sie immer die Unterlagen des Erstantrags, damit Sie wissen, was Sie wo ausgefüllt haben. Das hilft Ihnen einen Überblick beim Behördendeutsch zu behalten und den Folgeantrag schneller ausfüllen zu können. Der besteht im Wesentlichen aus denselben Formularen wie beim Erstantrag, allerdings können Sie auf die Anlage 1 zum Formblatt 1 zukünftig verzichten, da sich Ihr persönlicher Lebenslauf so schnell nicht verändert.

Nachfolgend stellen wir Ihnen die offiziellen Antragsformulare des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fürs Bafög als PDF-Dokument zur Verfügung:

[Bildnachweis: kaisaya by Shutterstock.com]
26. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!