Stipendium: So klappt’s mit der Förderung

Stipendium – das klingt nach einem 1,0 Abitur, weshalb viele Studenten sich oft gar nicht trauen, ein Stipendium ins Auge zu fassen. Sie rechnen sich nur geringe Chancen aus, denn viele denken, dass Stipendien nur an Hochbegabte vergeben werden. Das stimmt nur zum Teil. Richtig ist, die großen Stiftungen wie die Studienstiftung des deutschen Volkes stellen sehr hohe Ansprüche an ihre Stipendiaten und gute Noten spielen eine Rolle. Daneben gibt es Stiftungen, die nicht nur nach großen Erfolgen entscheiden, sondern auch Studenten fördern, deren Lebenslauf Brüche aufweist und die einige Hürden zu überwinden hatten. Es kommt also nicht nur auf gute Noten an, sondern vor allem auf das Engagement und die Motivation der Bewerber. Warum es sich lohnt, sich für ein Stipendium zu bewerben und wie es gelingt, eine passende Förderung für Sie zu finden…

Stipendium: So klappt's mit der Förderung

Stipendium für Studenten: Wer, wen, was, wie?

Die Studienfinanzierung ist für viele Studierende eine große Herausforderung: Notorischer Wohnungsmangel in den Ballungsgebieten, die oft auch Universitätsstädte sind, treiben die Mieten hoch. Da die Mehrzahl der Studierenden ohnehin auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, sind Stipendien neben dem BAföG eine willkommene Einnahmequelle.

  • Wer fördert?

    Stipendien laufen über Stiftungen, die Begabtenförderung betreiben. Hinter den 13 Begabtenförderungswerke der großen Stiftungen steckt das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das die Mittel zur finanziellen Förderung bereitstellt.

  • Wer wird gefördert?

    Da bei den großen Begabtenförderungswerken die Unterstützung aus steuerlichen Mitteln bestritten wird, kommen formal betrachtet alle Deutschen und mit ihnen gleichgestellte Personen in den Genuss eines Stipendiums. Es gibt allerdings zahlreiche Stiftungen, die gezielt Stipendien für Ausländer ausschreiben.

  • Was wird gefördert?

    Gute Noten sind gern gesehen, aber längst nicht das einzige Kriterium: Viele Stiftungen erwarten besonderes Engagement – das kann beispielsweise parteilicher, religiöser oder ehrenamtlicher Natur sein. Wer sich bei einer parteinahen Stiftung um ein Stipendium bewirbt, sollte sich mit den Inhalten und Werten identifizieren können oder zumindest offen dafür sein – anderenfalls stehen die Chancen auf Erfolg schlecht.

  • Wie wird gefördert?

    Unterstützt wird unterschiedlich: Das kann ein Studium, ein Auslandsaufenthalt oder die Promotion sein. Dementsprechend wird nicht zwangsläufig das ganze Semester oder gar über die ganze Studiendauer hinweg unterstützt, sondern beispielsweise die ersten drei Monate oder die heiße Endphase kurz vor Abschluss der Promotion.

Welche Vorteile hat ein Stipendium?

Wer sich auf die Suche nach einem Stipendium macht, denkt zuallererst an das Geld. Die finanzielle Förderung ist ein wesentlicher Bestandteil eines Stipendiums. Dahinter steht der Gedanke, dass Menschen, die es verdient haben oder die es brauchen, bei ihrem Vorhaben unterstützt werden.

Wer sich allerdings nur wegen des Geldes bewirbt, wird kaum Erfolg haben. Vielmehr geht es darum zu gucken, ob potenzieller Stipendiat und Stiftung ideell zusammenpassen. Ist das gewährleistet, bieten die meisten Stiftungen dafür neben dem Geld eine umfassende Förderung an, so dass Stipendiaten von Folgendem profitieren:

  • Wissensvermittlung

    Vorträge, Seminare, Sprachkurse sowie die Vermittlung von Praktika. Dabei besteht die Möglichkeit, sich über das eigene Studium hinaus weiterzubilden und Einblick in andere Bereiche zu erhalten.

  • Kontakte

    Ein weiterer großer Vorteil ist das Netzwerk. Viele Stiftungen haben spezielle Mentorenprogramme und Alumni-Netzwerke. Regelmäßig finden Veranstaltungen und Treffen mit ehemaligen Stipendiaten statt. Auf diese Weise lassen sich Fürsprecher gewinnen.

  • Referenzen

    Auch nicht zu unterschätzen ist die Botschaft, die ein Stipendium sendet. Ein Stipendium spricht für besondere Leistungsbereitschaft und Engagement. Bei einer Bewerbung ist es ein Pluspunkt, der einen von der Masse unterscheidet.

Die großen Begabtenförderungswerke

Der Stipendienlotse, eine der größten Datenbanken, listet weit über 1000 Stipendien. Wer soll da noch den Überblick behalten? Deswegen beginnen wir mit den dreizehn großen Begabtenförderwerken.

Jede dieser Stiftungen vertritt eigene Werte und in der Gesamtheit sollen sie die Pluralität der Gesellschaft abbilden. Unter den dreizehn Stiftungen sind politische, gewerkschaftliche, wirtschaftliche und religiöse Orientierungen.

Hier ein Überblick:

  1. Die Stiftung des deutschen Volkes:

    Sie ist das älteste und größte Begabtenförderwerk. Schirmherr ist Frank-Walter Steinmeier.

  2. Die Friedrich-Ebert-Stiftung:

    Sie ist die älteste politische Stiftung und steht der SPD nahe. 2017 förderte sie rund 3.000 Stipendiaten. Sie legt Wert darauf auch Menschen aus benachteiligten Familien zu fördern.

  3. Die Konrad-Adenauer-Stiftung:

    Sie ist die CDU-nahe Stiftung. Mit 2.700 Stipendiaten in der Studienförderung und weiteren 500 in der Promotionsförderung zählt sie zu den größten Begabtenförderungswerken. Sie bietet ein spezielles Förderprogramm für angehende Journalisten.

  4. Die Hanns-Seidel-Stiftung:

    Das ist die CSU-nahe Studienstiftung.

  5. Die Heinrich-Böll-Stiftung:

    Das ist die Grünen-nahe Stiftung, die jährlich rund 1.000 Studierende fördert.

  6. Die Friedrich-Naumann-Stiftung:

    Diese Stiftung identifiziert sich mit liberalen Werten. Gefördert werden Studierende und Promovierende an Fachhochschulen wie Universitäten gleichermaßen. Auch interessant: Es existiert keine Altersbegrenzung.

  7. Die Rosa-Luxenburg-Stiftung:

    Sie steht der Partei DIE LINKE nahe und fördert jährlich rund 190 Stipendiaten.

  8. Das Avicenna-Studienwerk:

    Es ist das erste muslimische Begabtenförderungswerk und das jüngste.

  9. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk:

    Es wurde 2009 gegründet und fördert jüdische Studierende und Promovierende. Für eine Förderung kann man sich entweder selbst bewerben oder vorgeschlagen werden.

  10. Das Cusanuswerk:

    Das Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche. Es wurde 1956 gegründet. Für eine Förderung kann man sich entweder selbst bewerben oder vorgeschlagen werden.

  11. Studienförderwerk Villigst e.V.:

    Dabei handelt es sich um das Begabtenförderwerk der evangelischen Kirche, das 1948 angesichts des des Versagens der akademischen Schichten im Nationalsozialismus gegründet wurde. Derzeit werden 1.300 Studierende gefördert.

  12. Die Hans-Böckler-Stiftung:

    Das ist die gewerkschaftsnahe Stiftung. Sie fördert auch das Studieren ohne Abitur.

  13. Die Stiftung der deutschen Wirtschaft:

    Diese steht dem Arbeitgeberverband nahe. Die Stiftung bietet auch ein Stipendium speziell für Lehramtsstudierende an.

Auf der Seite stipendiumplus.de finden Sie die Kurzprofile der Begabtenförderwerke sowie die Voraussetzungen für ein Stipendium.

Kleine Stiftungen und private Förderer

Nicht nur die großen Begabtenförderwerke unterstützen Studierende. Über 2.000 kleinere Stiftungen, Privatpersonen und Unternehmen vergeben Stipendien. Hier ist es oft wichtig, dass bestimmte Kriterien erfüllt werden. Beispielsweise fördert die Hertie-Stiftung mit ihren Horizonte-Stipendien angehende Lehrer mit Migrationshintergrund. Es gibt spezielle Förderung für:

  • Frauen
  • Migranten
  • Menschen mit Behinderung
  • Ausländische Studierende
  • Waisen

Es gibt Förderprogramme, die an ein bestimmtes Fach oder eine bestimmte Region gebunden sind. Zum Beispiel fördert die Peter Gläsel Stiftung ausschließlich Studierende der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften aus der Region Ostwestfalen-Lippe.

Deswegen ist es besonders das richtige Stipendium zu finden. Wer sich ausreichend Zeit für die Suche und die Bewerbung nimmt, hat gute Chancen auf eine Förderung. Wo Sie suchen können:

  • Der Stipendienlotse: Das ist eine Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und ermöglicht es Ihnen nach verschiedenen Kriterien die Datenbank zu durchforsten. Sie können die Ergebnisse sowohl nach Studienfach, Hochschule und Abschluss, aber auch nach speziellen Stipendien durchsuchen.
  • e-follows: Auch e-follows bietet eine umfangreiche Datenbank. Ohne Anmeldung kann hier nach Region, Stipendienart oder per Freitext gesucht werden.
  • Die Übersicht der Zeit: Unter dem Titel „Stipendium für fast alle“ hat Zeitonline eine Übersicht zusammengestellt, die aufzeigt, wo man sich beispielsweise als Querdenker bewerben kann.
  • Die Übersicht der Süddeutschen: Wer noch gar nicht weiß, wonach er suchen soll, kann sich hier umsehen. Gelistet werden Stipendien in alphabetischer Reihenfolge mit einer kurzen Beschreibung.
  • Studienfachübersicht der Süddeutschen: Wer sich für ein fachspezifisches Stipendium bewerben möchte, findet in diesem Artikel erste Orientierung. Kurz beschrieben werden hier Förderprogramme für Naturwissenschaftler, Mediziner, Künstler und Wirtschaftswissenschaftler.

Mäßiges Studium? Programme nicht nur für Einser-Kandidaten

Stipendium ArbeiterkindSie haben keinen perfekten Abschluss gemacht und sind nun davon überzeugt, dass die Bewerbung für ein Stipendium verschwendete Zeit ist, da Sie gegen die Konkurrenz ohnehin keine Chance haben? Diese Einstellung sollten Sie noch einmal überdenken, denn es gibt auch Förderprogramme, bei denen es nicht nur auf die Noten ankommt.

Die Suche nach einem geeigneten Stipendium lohnt sich deshalb auf jeden Fall. Um Ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen, haben wir einige Beispiele aufgelistet.

  1. Stipendium fürs Anderssein – Zeppelin Universität

    Ein gutes Beispiel, dass Noten nicht das einzige Auswahlkriterium für ein Stipendium sind, ist die Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Hier gibt es ein spezielles „Anti-Streber-Stipendium“, das sich an Ausbildungs- und Studienabbrecher, Sitzenbleiber oder allgemein Menschen, die Erfahrungen mit Misserfolgen gemacht haben, richtet.

  2. Ärzte helfen Ärzten – Hartmannbund

    Kinder von Ärzten gelten allgemein als privilegiert, doch der Hartmannbund hat erkannt, dass dies nicht immer der Fall sein muss. Deshalb bietet „Ärzte helfen Ärzten“ verschiedene Hilfen: Eine allgemeine Unterstützungsleistung für Voll- oder Halbwaisen aus Arztfamilien und Kinder von Medizinern, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden; für Studierende gibt es ein Stipendium in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Thieding-Stiftung.

  3. Yak-Kamel-Stiftung

    Es geht auch noch deutlich exotischer: Die Yak-Kamel-Stiftung fördert Forschungsarbeiten oder Promotionen, die sich mit den in Asiens lebenden Haustieryaks, wilden Yaks sowie den doppelhöckrigen Bergkamelen und wilden Kamelen beschäftigen. Bedingung: Die Arbeit darf nicht länger als drei Jahre zurückliegen und muss auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden.

  4. Nassauischer Zentralstudienfonds

    Sie sind im Gebiet des ehemaligen Nassau geboren? Dann könnte der Nassauische Zentralstudienfonds für Sie interessant werden. Dieser vergibt ausschließlich Stipendien an Studenten, die genau in diesem Gebiet geboren wurden. Das Gebiet erstreckt sich hauptsächlich in Hessen und Rheinland-Pfalz.

  5. Ikea Stiftung

    Ja, auch Wirtschaftsunternehmen vergeben Stipendien. So auch das große blau-gelbe Möbelhaus Ikea. Sollten Sie sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit den Themen Wohnen oder Wohnkultur, insbesondere von Kindern, beschäftigen, ist die Ikea Stiftung die richtige Anlaufstelle für Sie.

Wie kann ich ein Stipendium beantragen?

Eine Bewerbung für ein Stipendium wird Sie einiges an Zeit und Mühe kosten. Die Begabtenförderwerke suchen sich ihre Stipendiaten in einem mehrstufigen Auswahlverfahren.

In einem ersten Schritt werden Sie gebeten Ihre Motivation, Ihren beruflichen und familiären Hintergrund zu schildern. Als nächstes werden Sie aufgefordert Fachgutachten beziehungsweise Referenzschreiben über Ihre akademischen Leistungen sowie Ihr soziales Engagement einzureichen.

Dafür haben Sie in der Regel nur wenige Wochen Zeit, weshalb Sie sich schon vor einer Bewerbung überlegen sollten, wen Sie darum bitten wollen, beispielsweise einen Professor, der Sie gut kennt.

Sind Ihre Unterlagen überzeugend, werden Sie zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Das kann ein Gespräch mit einem Vertrauensdozenten der Stiftung oder mit einem Mitglied des Auswahlkomitees sein. Neben dem Auswahlgespräch kann auch eine Auswahltagung stattfinden.

Eine solche veranstaltet beispielsweise die Konrad Adenauer Stiftung. Potenzielle Kandidaten absolvieren eine Klausur, die ihren Allgemeinbildungsstand abfragt und nehmen an einer Gruppendiskussion zu einem tagespolitischen Thema teil.

Wichtig ist, dass Sie sich über die Bewerbungsfristen informieren, damit Sie ausreichend Zeit haben, Ihre Bewerbung zusammenzustellen. Es wird empfohlen, sich bereits am Anfang Ihres Studiums für ein Stipendium zu bewerben, da viele Stiftungen Wert darauf legen, Ihre Stipendiaten während des gesamten Studiums zu begleiten.

Grundsätzlich können sich nicht nur Bachelorstudenten bewerben, auch Masterstudenten werden gefördert.

Alle weiteren Informationen sowie Hilfestellungen, wie Sie ein Motivationsschreiben verfassen und worauf es ankommt, finden Sie in unserem Artikel zur Bewerbung für ein Stipendium.

Wie wird die Förderung berechnet?

Bei ihrer Förderung orientieren sich die dreizehn Begabtenförderwerke nach den BAföG-Richtlinien. Doch im Gegensatz zum BAföG muss die erhaltene Förderung nach dem Studium nicht wieder zurückgezahlt werden. Die konkrete Höhe der Förderung wird wie beim BAföG in der Regel vom Einkommen der Eltern abhängig gemacht.

Aktuell liegt der Höchstfördersatz bei 735 Euro monatlich. Unabhängig vom Einkommen der Eltern erhalten Stipendiaten eine Studienkostenpauschale von 300 Euro monatlich. Ist der Stipendiat selbst krankenversichert, kann ein monatlicher Zuschuss zur Krankenversicherung bis zu 62 Euro und zur Pflegeversicherung von 11 Euro gewährt werden.

Darüber hinaus unterstützen viele Stiftungen ihre Stipendiaten mit Zuschüssen zu Sprachkursen, Studienreisen und Auslandssemestern.

Eine Doppelförderung ist bei den dreizehn Begabtenförderwerken allerdings ausgeschlossen. Wer ein Stipendium erhält, bekommt kein BAföG mehr. Bei anderen Stipendien gilt eine Freigrenze von 300 Euro im Monat und diese können mit dem BAföG kombiniert werden.

Stipendienratgeber als Gratis E-Book

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[Bildnachweis: Yuri Shevtsov by Shutterstock.com]
24. April 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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