Studieren in Österreich: Kosten, Voraussetzungen, Finanzierung

Für deutsche Studenten ist das Studieren in Österreich aus mehreren Gründen attraktiv: Die Alpenrepublik offeriert nicht nur Studiengänge wie Medizin ohne NC, sondern lockt auch mit einem Studium ohne Studiengebühren. Und nicht zuletzt sammeln Studierende hier Auslandserfahrungen, ohne sich zuvor mühsam mit einer Fremdsprache abmühen zu müssen. Mehr zu den Voraussetzungen und Kosten fürs Studieren in Österreich und wie Sie sich finanzieren können…

Studieren in Österreich: Kosten, Voraussetzungen, Finanzierung

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Allgemeines zum Studieren in Österreich

In Österreich können Sie an 22 staatlichen Universitäten, 21 Fachhochschulen und 12 privaten Hochschulen studieren. Das österreichische Hochschulsystem ist in vielen Bereichen dem deutschen ähnlich – so sind die Universitäten meist deutlich theoretischer, die Fachhochschulen eher praktisch ausgerichtet.

Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurden auch hier die Studienabschlüsse angepasst, so dass die Studienabschlüsse Bachelor und Master überwiegen. Ausnahme: Für Medizin und Zahnmedizin existieren die alten Diplomstudiengänge. Für ein Bachelorstudium benötigen Sie üblicherweise drei, für einen Masterstudiengang zwei Jahre. Wie in Deutschland erhalten Sie für Ihre Studienleistungen ECTS-Punkte.

Das österreichische Studienjahr beginnt mit dem Wintersemester am 1. Oktober und ist wie das deutsche in zwei Semester eingeteilt. Am 31. Januar endet das Wintersemester, das Sommersemester beginnt am 1. März und endet am 30. Juni. Den vollständigen Februar haben die Studierenden Semesterferien.

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Voraussetzungen fürs Studium

Die Voraussetzungen für die Studienaufnahme in Österreich sind vergleichsweise unkompliziert, zumindest für Bürger aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU). Das Abitur ist dem österreichische Pendant – die Matura – gleichgestellt. Es ist als Nachweis der Hochschulreife akzeptiert.

Auch für die fachgebundene Hochschulreife (Fachabitur) gelten die gleichen Bedingungen in Österreich wie in Deutschland. Ein Studium ohne Abitur ist ebenfalls möglich – in dem Fall müssen Sie natürlich entsprechende Befähigung anderweitig nachweisen.

Bewerbung fürs Studium

In zulassungsfreien Fächern reicht es oft aus, sich online anzumelden und einzuschreiben. Für stark nachgefragte Fächer wie BWL, VWL, Biologie, Pharmazie und Psychologie gibt es aber Aufnahmeverfahren. ​Auch ein Eignungstest ist möglich: So werden in manchen Fächern Zusatzprüfungen abgehalten, um das Vorwissen in Latein, Griechisch oder Biologie zu prüfen.

Und entsprechende Sprachkenntnisse muss nachweisen, wer zum Beispiel Romanistik oder Slawistik studieren will. Auch haben viele Fachhochschulen bereits den Numerus clausus (NC) eingeführt.

Medizin studieren in Österreich

Besonders für angehende Ärzte interessant: Für ein Medizinstudium stehen vier spezialisierte Medizinische Universitäten zur Verfügung. So ging die Medizinische Universität Wien erst vor knapp 20 Jahren aus der medizinischen Fakultät der Uni Wien hervor. Das Gute daran: In Österreich können Sie ohne NC Medizin studieren.

Das heißt allerdings nicht, dass es keinerlei Hürden gäbe: Zulassungsbeschränkungen in Form von speziellen Auswahlverfahren an der Uni sowie einer 20-Prozent-Quote für nichtösterreichische Medizinstudenten sind rechtens. Besonders schwer ist das Aufnahmeverfahren für Medizin, hier führen die Medizinische Universität Wien, die Medizinische Universität Graz, die Medizinische Universität Innsbruck und Medizinische Fakultät der Uni Linz ein standardisiertes Aufnahmeverfahren unter dem Namen MedAT durch.

Erfahrungen beim Studieren in Österreich

Der NC ist für viele Studierende eine große Hürde, aber auch die nachzuweisenden Sprachkenntnisse in der Unterrichtssprache sind beim Auslandsstudium oft ein Hemmschuh. Kein Wunder, dass zahlreiche Erstsemester den deutschen Unis den Rücken kehren und ihr Glück an österreichischen Hochschulen versuchen.

Dieser Umstand führte bereits zu wenig schmeichelhaften Begriffen wie „Numerus-clausus-Flüchtlinge“ und „Deutschenschwemme“: Auf einen österreichischen Studienanfänger kommen zeitweise fünf (!) deutsche. Übrigens müssen Sie sich ab einer Aufenthaltsdauer von mehr als drei Monaten beim zuständigen Magistrat mit Ihren Reisedokumenten, einer Mietsbescheinigung, dem Krankenversicherungsnachweis und Ihrem Studentenausweis melden. Hierbei handelt es sich lediglich um eine Formalie.

Aus deutscher Sicht gewöhnungsbedürftig: Das Verhältnis zwischen Professoren und Studierenden ist deutlich hierarchisch geprägter als in Deutschland. Wer sich damit arrangieren kann, trifft auf ein Land voller Sehenswürdigkeiten und zahlreichen Museen innerhalb einer reizvollen geographischen Lage.

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Studieren in Österreich Kosten

Offiziell gibt es zwar Studiengebühren in Österreich, aber de facto müssen die meisten Studierenden lediglich den ÖH-Beitrag in Höhe von derzeit 20,70 Euro pro Semester entrichten. Dieser Semesterbeitrag ist für die Pflichtmitgliedschaft in der „Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft“ und deckt außerdem Unfall- und Haftpflichtversicherung ab.

Nur wer sein Studium um zwei Semester überschreitet, muss als Langzeitstudent seit einigen Jahren pro überschrittenem Semester 363,36 Euro an Studiengebühren zahlen. Diese Regelung gilt wohlgemerkt nur für EU-Bürger, Österreicher und Deutsche zum Beispiel. Für Studenten aus Drittstaaten werden vom ersten Semester an 726,72 Euro fällig.

Und noch ein Pluspunkt: Österreich ist kein Hochpreisland. Zwar liegen die Lebenshaltungskosten um rund sieben Prozent über dem EU-Durschnitt und sind damit teurer als in Deutschland (1,5 Prozent über EU-Schnitt). Aber im Vergleich zu anderen beliebten Studentenländern in Europa wie den Niederlanden, Schweden, Norwegen oder Frankreich ist das Leben in der Alpenrepublik deutlich günstiger.

Krankenversicherung

Österreich ist EU-Mitglied, daher müssen Sie sich über eine Auslandskrankenversicherung keine Gedanken machen: Dank des Sozialversicherungsabkommens zwischen den Staaten der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums (betrifft unter anderem Länder wie Norwegen und Island) sowie der Schweiz, können Sie im Krankheitsfall ähnliche Leistungen wie in Deutschland erwarten.

Lebenshaltungskosten

Studierende können mithilfe ihres Studentenausweises in den Mensen einen Studentenrabatt erhalten. Lebenshaltungskosten und Mieten in Österreich sind mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Heißt aber auch: In beliebten Großstädten ist mit höheren Mieten zu rechnen. Allerdings fährt die österreichische Politik seit Jahren einen verstärkten Ausbau im sozial geförderten Wohnbau. Vor allem in Wien, wo die Mieten seit Jahren steigen, leben 60 Prozent aller Menschen im sozialen Wohnungsbau. Wie auch in Deutschland wohnt es sich in einer Studentenbude im Wohnheim am günstigsten.

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Finanzierung: So decken Sie Ihre Kosten

Die wohl beliebteste Form der Studienfinanzierung bei einem Auslandsstudium ist das Erasmus Programm. Das mit EU-Mitteln geförderte Austauschprogramm hat sich gezielt die Mobilität und den Austausch junger Menschen in Europa auf die Fahnen geschrieben. Und das alles zu Bildungszwecken. Um in den Genuss dieser Förderung zu kommen, müssen sich Interessenten an das Akademische Auslandsamt (auch International Office genannt) ihrer Universität richten. Meist sind für die Bewerbung folgende Unterlagen notwendig:

Weitere Tipps zum Aufbau sowie Formulierungen finden Sie in unserem Artikel zur Bewerbung fürs Auslandsstudium.

Finanzierungsalternativen

Dank der EU-Mitgliedschaft besteht für EU-Bürger nicht nur Freizügigkeit, sondern auch die Gelegenheit, im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung die Kasse aufzubessern. Wer also beim Erasmus-Stipendium Pech hatte, kann immer noch auf Studentenjobs zurückgreifen. Daneben gibt es folgende Finanzierungsalternativen:

  1. Bafög

    Das Bafög ist als Studienförderung günstig, weil die Hälfte der Förderung staatlicher Zuschuss ist. Wer bereits Inlands-Bafög erhält, ist auch für ein Auslands-Bafög förderwürdig. Da die Auslands-Förderbeträge höher liegen, können aber auch diejenigen, die kein Inlands-Bafög erhalten, infrage kommen.

    Sofern Sie innerhalb der Vorgaben bleiben, ist eine Förderung während des gesamten Studiums möglich. Mit Auslands-Bafög sind Zuschüsse bei Krankenversicherungen und anderen Zusatzkosten möglich. Auch lassen sich Bafög und Stipendium miteinander kombinieren. Tipp: Kümmern Sie sich frühzeitig – mindestens ein halbes Jahr vorher – um den Antrag.

  2. Stipendien

    Fürs Studieren in Österreich sollten Sie sich außerdem nach Stipendiengebern erkundigen. Oft fördern diese auch Auslandsaufenthalte – so zum Beispiel der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD, der für das Erasmus Programm und Promos (Stipendium für außereuropäische Auslandsaufenthalte und Sprachkurse) verantwortlich zeichnet. Auch die Studienstiftung des deutschen Volkes und diverse regionale Stiftungen halten Stipendien bereit.

    Der Vorteil bei Stipendien: Sie müssen nichts davon zurückzahlen. Der Nachteil: Häufig erwartet man von Ihnen gute Noten. Es gibt allerdings auch Stiftungen, die politisches oder gesellschaftliches Engagement fördern. Andere wiederum richten sich gezielt an Benachteiligte.

  3. Studienkredit

    Sollten Sie sich nicht für eine geförderte Studienfinanzierung qualifiziert haben, müssen Sie Ihren Traum dennoch nicht begraben. Sie können sich das Studium selbst finanzieren und zwar mit einem Studienkredit. Der Bildungskredit der Bundesregierung (über die KfW-Bank) stellt Ihnen bis zu 7.200 Euro bereit. Davon können Sie sich 3.600 Euro sogar auf einmal auszahlen lassen.

    Vorteil sind die unschlagbar niedrigen Zinsen bei der Rückzahlung des Bildungskredits. Andere Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken bieten ebenfalls private Studienkredite an. Häufig müssen Studierende dafür jedoch entsprechende Sicherheiten vorlegen. Der Nachteil an diesem Finanzierungsmodell: Sie beginnen den Start ins Berufsleben nach dem Studium direkt mit Schulden.

  4. Bildungsfonds

    Alternativ zum Studienkredit der Banken existiert der sogenannte Bildungsfonds. Dieses rein privatwirtschaftliche Angebot geht auf eine amerikanische Leitidee zurück. Der Bildungsfonds ist ebenfalls eine Art Kredit, den Sie später zurückzahlen müssen.

    Das Besondere: Die Rückzahlung bei Bildungsfonds erfolgt einkommensabhängig. Dazu wird vorab ein Prozentsatz des späteren monatlichen Einkommens festgelegt, der nach dem Berufsstart über eine bestimmte Dauer zurückgezahlt wird. Meist finanzieren sich Bildungsfonds über Investmentfonds und vergeben ihr Geld nur an aussichtsreiche Studenten. Heißt, lukrative Studiengänge werden eher gefördert und auch hier müssen Bewerber gute Noten vorweisen können.

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[Bildnachweis: subarashii21, petch by Shutterstock.com]

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