Hausarbeiten schreiben: Tipps für Seminararbeiten

Wer eine Hausarbeit schreiben muss, bewegt sich oft auf unbekanntem Terrain. Studienanfänger müssen erstmals eigenständig eine wissenschaftliche Fragestellung bearbeiten. Die Recherche, der Sprachstil und die formalen Anforderungen – diese Hürden gilt es zu meistern. Das verunsichert viele. Doch Hausarbeiten gehören genauso wie Klausuren zum Studium. Aber keine Sorge: Das Hausarbeiten schreiben ist ein Weg, wissenschaftliches Arbeiten zu üben. Wir erläutern den Aufbau und geben Tipps für das Schreiben von Haus- und Seminararbeiten…

Hausarbeiten schreiben: Tipps für Seminararbeiten

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5 Verschiedene Phasen beim Hausarbeiten schreiben

Wissenschaftliche Hausarbeiten folgen allesamt demselben Muster und lassen sich in fünf verschiedene Phasen teilen:

1. Themenfindung

Vielen Studenten fällt es schwer, auf Anhieb ein Thema zu finden. Wenn es Ihnen auch so geht, gehen Sie das Seminar inhaltlich noch einmal durch:

  • Welche Themen und Fragen wurden besprochen?
  • Was waren wichtige Diskussionspunkte?
  • Welche Referatsthemen gab es?

All diese Fragen können ein Ansatzpunkt für eine weitere Auseinandersetzung sein. Ein häufiges Problem: Das Thema ist zu allgemein gefasst. Vor allem für Proseminarsarbeiten gilt, dass sie gut eingegrenzt sein sollten. Das bedeutet, Sie müssen beispielsweise bei geisteswissenschaftlichen Arbeiten sich auf eine Region, eine Epoche oder besondere Aspekte konzentrieren. Anderenfalls kommen Sie aus dem Recherchieren nicht heraus. Konkretisieren Sie Ihr Thema unter diesen Gesichtspunkten:

  • Welchen Aspekt stellen Sie in den Vordergrund?
  • Mit welcher Methode wollen Sie arbeiten?

Wichtig ist, dass Sie sich ein Thema aussuchen, an dem Sie Interesse haben. Denn eine Hausarbeit zu schreiben dauert zwischen sechs bis acht Wochen.

2. Literatursuche

Bereits bei der Themensuche sollten Sie Literaturlage im Blick behalten. Denn was nützt Ihnen ein interessantes Thema, wenn Sie keine Literatur finden, um Ihre Argumente zu stützen? Allerdings reicht die anfängliche Suche meist nicht aus und wer sich länger mit einem Thema beschäftigt, stößt regelmäßig auf neue Fragen und Probleme, zu denen er eine Antwort benötigt. Wo können Sie suchen? Erste Hinweise gibt Ihnen meist der Dozent – entweder in Form von Literatur zur Vorbereitung des Kurses oder bei der Themenabsprache. Außerdem werden Sie hier fündig:

  • Handapparat
    Oft richten Dozenten zu ihrem Seminar einen Handapparat ein. Dabei handelt es sich um eine kleine Sammlung von Büchern oder Medien zu Aspekten des Seminarthemas. Der Handapparat richtet sich gezielt an seine Studenten und findet sich meist als Regal in der Präsenzbibliothek.
  • Bibliothekskatalog
    Dieser wird auch als OPAC (Online Public Access Catalogue) bezeichnet. Mithilfe des OPAC können Sie sich einen Überblick über die bestehende Literatur zu einem Thema verschaffen. Der OPAC bietet Ihnen verschiedene Suchfunktionen an, um die Literatur einzugrenzen. Beispielsweise können Sie nach Schlagworten oder Autoren suchen. Möglich ist auch die Suche mit Boolschen Operatoren (PDF). Die meisten beginnen jedoch mit der Schlagwortsuche.
  • Zeitschriftenverzeichnis
    Die meisten Hochschulen verfügen über ein elektronisches Zeitschriftenverzeichnis. Hier können Sie nach Artikeln in Fachzeitschriften suchen. Das bietet sich an, um aktuelle Forschungsentwicklungen einzubeziehen.
  • Google Scholar und Google Books
    Auch über diese Dienste lässt sich wissenschaftliche Literatur finden. Diese können Ihnen helfen, Literatur ausfindig zu machen, die Ihre Bibliothek nicht anbietet.

3. Gliederung

Nachdem Sie passende Literatur gefunden haben, sollten Sie mit einer ersten Auswertung beginnen und auf dieser Basis eine thematische Gliederung Ihrer Hausarbeit erstellen. Diese kann sich während des Schreibprozesses zwar noch ändern, doch Sie hilft Ihnen sich auf die von Ihnen aufgelisteten Punkte zu fokussieren.

Nachdem Sie eine erste Gliederung erstellt haben, empfiehlt sich ein Sprechstundentermin mit Ihrem Dozenten, um darüber zu sprechen. Ihr Dozent kann Ihnen auf dieser Grundlage noch weitere Hinweise geben oder auch mit Ihnen diskutieren, welchen Aspekt Sie in den Vordergrund stellen könnten. Mit der Besprechung gehen Sie auch sicher, dass Ihr Dozent mit Ihrem Vorgehen einverstanden ist.

4. Schreibprozess

Zur Vorbereitung sollten Sie sich beim Lesen bereits Notizen machen: Mit Post-its interessante Stellen markieren und Schlüsselwörter herausschreiben. Kürzere Texte wie Zeitschriftenartikel können Sie mehrfach lesen beziehungsweise schnell erneut überfliegen. Bei Büchern empfiehlt es sich, mit Exzerpten zu arbeiten. Das heißt, Sie fertigen eine Zusammenfassung einer relevanten Passage oder des jeweiligen Kapitels an.

Achten Sie unbedingt darauf, den Text mit Ihren eigenen Worten wiederzugeben (paraphrasieren) und sich den Fundort exakt zu notieren: Wer, was, wann, wo? Also: Autor, Gedanke/Zitat, Erscheinungsjahr, Seitenzahl, Ort. Sobald Sie wortwörtlich Textbausteine übernehmen, müssen Sie diese als Zitat mit Anführungsstrichen kennzeichnen. Auch die inhaltliche Wiedergabe eines fremden Gedankens müssen Sie in Fußnoten kenntlich machen. Die eigentliche Hausarbeit besteht nun in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema.

5. Korrekturlesen

Ist der Haupttext geschafft, sollten Sie Ihre Arbeit Korrektur lesen. Dazu gibt es verschiedene Wege: Idealerweise verbleiben bis zum Abgabetermin noch einige Tage, so dass Sie die Arbeit ein bis zwei Tage ruhen lassen können, bevor Sie sie erneut lesen.

Es empfiehlt sich, die Arbeit zum Korrekturlesen auszudrucken, da viele Fehler sich auf Papier leichter erkennen lassen. Auch können Sie einen Freund oder Kommilitonen fragen, ob er Ihnen hilft, die Arbeit auf Fehler zu überprüfen. Das hat zudem den Vorteil, dass etwaige inhaltliche Ungereimtheiten auffallen.

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Aufbau einer Hausarbeit

Je nach Studienfach fällt der Umfang aus. In den Geisteswissenschaften sind etwa 10 bis 15 Seiten für Proseminare üblich, 20 bis 25 Seiten für Hauptseminare. Klingt für viele Studienanfänger einschüchternd, allerdings relativiert sich die Länge durch Seitenränder und anderthalbzeiligen Abstand.

Deutlich länger fallen dennoch Abschlussarbeiten oder die Doktorarbeit aus. Die Grundlagen und der Aufbau der Hausarbeiten sind allerdings identisch. Eine vollständige Hausarbeit besteht aus den folgenden Teilen:

  • Deckblatt
    Enthält Angaben zur Hochschule (Institut, Seminar, Dozent, Semester), zum Verfasser (Name, Matrikelnummer, Adresse, Fächer), Titel der Hausarbeit.
  • Inhaltsverzeichnis
    Listet die Kapitel und Unterkapitel mit den jeweiligen Seitenzahlen auf.
  • Text Ihrer Hausarbeit
    Setzt sich aus Einleitung, Hauptteil und Schluss zusammen.
  • Literaturverzeichnis
    Führt die verwendete Literatur zum Thema auf.
  • Anhang
    Enthält Quellentexte, Karten, Statistiken…

Hausarbeit schreiben: Einleitung

In der Einleitung stellen Sie die Thematik vor, mit der Sie sich auf den folgenden Seiten beschäftigen werden. Sie begründen Ihre Themenwahl. Das sollten sachliche und weniger persönliche Gründe sein, beispielsweise weil das Thema aktuell kontrovers diskutiert wird oder weil es bislang unzureichend erforscht wurde. Denken Sie bitte auch daran, dass es nicht nur darum geht das Thema vorzustellen, sondern auch ein Interesse dafür zu wecken. Schreiben Sie nicht für einen Leser, der verpflichtet ist die Hausarbeit zu lesen, sondern für einen, den Sie erst überzeugen müssen das zu tun.

Danach folgt die Fragestellung. Diese ist der Kern Ihrer Hausarbeit und zeigt, unter welchen Gesichtspunkten Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. Sie verhindert, dass Sie in Ihrer Hausarbeit bloß Ihr Wissen zu einem bestimmten Thema wiedergeben und stellt sicher, dass Sie sich nur mit relevanten Informationen zur Beantwortung der Frage beschäftigen. Anschließend erläutern Sie Ihre Vorgehensweise. An dieser Stelle beschreiben Sie Ihre wissenschaftliche Methode, beispielsweise werten Sie Interviews oder Statistiken aus. Insgesamt sollte die Einleitung ungefähr eine Seite lang sein.

Beispiel für eine Fragestellung

Ein typischer Anfängerfehler ist, die Formulierung einer Frage zu vergessen. Viele Erstsemester beginnen beispielsweise mit den Worten „Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die Verabschiedung des Kyoto-Protokolls“. Besser wäre etwa: „Hat sich die deutsche Umweltpolitik nach der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls geändert?“

Merken Sie den Unterschied? Während die erste Fragestellung sehr allgemein formuliert ist, grenzen Sie mit der zweiten genau ein, worauf Sie Ihren Schwerpunkt legen.

Hausarbeit schreiben: Hauptteil

Im Hauptteil gilt es, die aufgestellte Frage zu beantworten. Dieser Part nimmt etwa 80 Prozent Ihrer Hausarbeit ein und beträgt zwischen 8 und 13 Seiten (Hauptseminar: 16 bis 21). Anhand der von Ihnen ausgewerteten Literatur oder des Forschungsmaterials entwickeln Sie eine Argumentation. Dazu stellen Sie im Hauptteil die Sachlage, beispielsweise den historischen Kontext, sowie die Akteure dar. Sie können auch unterschiedliche theoretische Ansätze beschreiben und darauf überprüfen, welchen Aspekt der Fragestellung Sie beantworten können.

Die Eigenleistung besteht darin, dass Sie nicht nur einfach ein Buch oder die Meinung eines Autors zu einem Thema wiedergeben. Vielmehr fügen Sie dem verschiedene Aspekte hinzu. Besonders dankbar sind wissenschaftliche Kontroversen, bei denen Sie die verschiedenen Theorien oder Studienergebnisse gegenüberstellen und in den aktuellen Forschungsstand einordnen. Aber Vorsicht: Sie sollten keine eigene Meinung im Hauptteil der Hausarbeit schreiben. Diese ist für den Schluss gedacht.

Hausarbeit schreiben: Schluss

Der Schluss liefert die Antwort auf Ihre Fragestellung. Deswegen sollten Sie ihn auf die Einleitung abstimmen. Hier fassen Sie noch einmal zusammen, was Sie im Hauptteil herausgefunden haben und ziehen ein Fazit. Liefern jedoch keine neuen Fakten und Argumente mehr.

Bei der Zusammenfassung geht es darum, kurz und prägnant die Argumente zusammenzutragen, die zu Ihrer Antwort geführt haben. Sie können Ihre Arbeit entweder mit einem Ausblick, welche weiteren Aspekte untersucht werden könnten, oder mit der Formulierung der eigenen Position abschließen. Als Faustregel gilt, dass der Schlussteil ungefähr zehn Prozent der Arbeit ausmachen sollte.

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7 Tipps zum erfolgreichen Schreiben von Hausarbeiten

  1. Wählen Sie eine klar umrissene Fragestellung

    Je genauer und spezifischer die Fragestellung, desto zielgerichteter können Sie das Thema bearbeiten. Im Grundstudium hat eine Hausarbeit einen Umfang von 10 bis 15 Seiten. Zu wenig, um beispielsweise den gesamten Verlauf des zweiten Weltkriegs zu diskutieren. Mit einer präzisen Fragestellung gehen Sie sicher, dass Sie sich selbst nicht zu viel zumuten.

  2. Pflegen Sie einen wissenschaftlichen Sprachstil

    Vermeiden Sie tendenziöse Sprache und Füllwörter. Stattdessen sollten Sie einen wissenschaftlichen Sprachstil pflegen, also sachlich-nüchtern die jeweilige Sachlage beschreiben, nicht werten.

  3. Formulieren Sie eigene Gedanken

    In einer Hausarbeit geht es nicht nur darum wiederzugeben, was andere zu einem Thema bereits gesagt haben. Es geht darum zu gewichten und das Gesagte zu diskutieren. Trauen Sie sich ruhig eine Einschätzung zu.

  4. Achten Sie auf stringente Argumentation

    Leiten Sie den Leser durch Ihren Text. Lassen Sie Argumente logisch aufeinanderfolgen, damit Ihr Leser am Ende der Arbeit nachvollziehen kann, wie Sie zu Ihrer Position kommen.

  5. Prüfen Sie Ihre Quellen

    Vor allem Studenten der Geisteswissenschaften sollten den Zeitpunkt der Entstehung berücksichtigen: Ältere Quellen sind nicht per se ungeeignet. Stammt der vorliegende Text allerdings aus der Zeit des Kolonialismus, des Nationalsozialismus oder aus einem kommunistischen Regime, gilt es die politischen Vorzeichen zu erkennen und eine kritische Distanz zu wahren.

  6. Lesen und schreiben Sie im Wechsel

    Dann stehen Sie am Ende der Literaturauswertung nicht da und wissen nicht, was Sie schreiben sollen. Rezipieren Sie einen Text und fragen Sie sich gleich, wie er zu Ihrer Arbeit passt und welche Argumente er liefert. Bauen Sie diese in Ihren Text ein. Daraus ergibt sich am Ende dann ein Gesamtkonstrukt.

  7. Notieren Sie sich Ihre Quellen

    Es gibt nichts Schlimmeres, als im Laufe der Arbeit festzustellen, dass Sie nicht mehr wissen aus welchem Buch Sie ein Argument oder ein Zitat haben oder an welcher Stelle Sie es gefunden haben. Hier hilft es sich eine Übersicht mit Quellen anzulegen. Dies können Sie entweder in tabellarischer Form tun oder Sie benutzen Literaturverwaltungsprogramme wie beispielsweise Citavi.

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Hausarbeiten als Beleg für Wissenschaftlichkeit

Vielen Studenten in den ersten Semestern bereitet eine Hausarbeit Bauchschmerzen: Vor einer mündlichen Prüfung oder Klausur kann man wochenlang die Inhalte einer Veranstaltung lernen, bis man sicher ist, alle Aufgaben beantworten zu können. Bei einer Hausarbeit geht es aber nur in geringem Maße um die Wiedergabe von Gelerntem. Im Vordergrund steht die intensive Auseinandersetzung mit einer neuen Thematik. Folgende Fähigkeiten stellen Sie mit einer Hausarbeit unter Beweis:

  • Technik
    Beim Hausarbeit schreiben demonstrieren Sie, dass Sie die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens von der Literaturrecherche bis zur korrekten Zitation beherrschen.
  • Gebrauch
    Dazu müssen Sie sich zuvor das übliche Fachvokabular und gängige Definitionen angeeignet haben.
  • Verständnis
    Sie haben die Thematik verstanden und können diese eigenständig für andere nachvollziehbar darstellen.
  • Auseinandersetzung
    Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema stellen Sie eine forschungsrelevante Frage und können diese auf Argumenten basierend beantworten.

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