Wartesemester: So können Sie die Zeit sinnvoll nutzen

Nicht immer klappt es auf Anhieb mit dem Wunschstudium. Ist die Abschlussnote zu niedrig beziehungsweise der Numerus Clausus zu hoch, muss oft ein Wartesemester einlegt werden. Auch wenn es mit dem Studienplatz nicht sofort funktioniert, müssen Sie die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Wichtig ist nur, dass Sie die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen – das könnte sich nachteilig auswirken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Wartezeit in einen zulassungsbeschränkten Studiengang kommen und welche Alternativen Sie haben.

Wartesemester: So können Sie die Zeit sinnvoll nutzen

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Definition: Berechnung von Wartesemestern

Ein Wartesemester bezeichnet die Zeit, die zwischen Ihrer Hochschulreife (meist Abitur oder ein anderer Abschluss, der Ihnen den Besuch einer Universität oder Fachhochschule ermöglicht) und dem tatsächlichen Beginn Ihres Studiums liegt. Es besteht aus sechs Monaten. Wer im April die Hochschulreife erwirbt und sich zum Wintersemester bewirbt, hat kein Wartesemester. Denn das laufende Semester, in dem Sie Abitur gemacht haben, fließt nicht in die Berechnung Ihrer Wartezeit mit ein.

Wichtig: Wollen Sie sich über Ihre Wartesemester für einen zulassungsbeschränkten Studiengang qualifizieren, dürfen Sie an keiner deutschen Universität eingeschrieben sein. Beispiel: Heißbegehrt sind die Studienplätze für ein Medizinstudium. Haben Sie dafür keinen Platz erhalten und immatrikulieren sich zur Überbrückung für Kunstgeschichte, dann gilt diese Zeit als „Parkstudienzeit“ oder „Parkstudium“.

Dabei ist völlig gleichgültig, ob Sie an der Hochschule tatsächlich Leistungen erbringen oder nur ein Scheinstudium machen. Selbst wenn Sie ein Urlaubssemester einlegen, gilt dies nicht als Wartezeit. Sobald Sie als ordentlicher Studierender eingeschrieben sind, erfolgt keine Anrechnung von Wartesemestern.

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Zulassungsbeschränkung und Numerus Clausus

Für Abiturienten rücken Wartesemester meist erst in den Fokus, wenn der direkte Studienzugang nicht geklappt hat. Schuld daran ist in der Regel der Numerus clausus (NC). Der entfällt auf Fächer, in denen es zu viele Bewerber für zu wenige Plätze gibt. Viele setzen den NC mit der Abschlussnote des Abiturs gleich. Doch eigentlich sind es nicht die Abiturienten, sondern die Studienfächer, die einen NC haben. Das gilt für Studienfächer, die örtlich oder bundesweit zulassungsbeschränkt sind und über Hochschulstart vergeben werden.

Manche nehmen fälschlicherweise an, die Wartesemester würden sich positiv auf den NC auswirken, wodurch die Chancen auf einen Studienplatz stiegen. Das ist ein Irrtum, denn es findet keine Anrechnung der Wartesemester auf den NC statt. Stattdessen gibt es im sogenannten Nachrückverfahren eine Wartesemester-Quote, nach der die Hochschule jedes Semester eine gewisse Anzahl an Studienplätze an Studenten mit den höchsten Wartesemestern vergeben. Zu den bundesweit zulassungsbeschränkten (weil beliebtesten) Studiengängen gehören folgende Fächer:

  • Humanmedizin
  • Tiermedizin
  • Zahnmedizin
  • Pharmazie

Rolle der Wartezeit bei Studienplatzvergabe

Die Hochschulen entscheiden bei der Studienplatzvergabe dieser Fächer folgendermaßen:

Wartesemester Auswahlverfahren Uni Zulassungsbeschraenkung Hochschulstart

  • Abiturbestenquote
    Die ersten 30 Prozent der zur Verfügung stehenden Plätze werden an die besten Kandidaten vergeben, angefangen bei einer Note von 1,0. Der Numerus Clausus für dieses Fach entspricht dann der Note des letzten Kandidaten, der mit seinem Schnitt noch einen Platz erhalten hat.
  • Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ)
    Weitere 10 Prozent der Studienplätze werden aufgrund der zusätzlichen Eignungsquote vergeben. Diese Quote ist unabhängig von Schulnoten. Hier können Ergebnisse aus Eignungstests, Berufserfahrung oder Auswahlgesprächen einfließen.
  • Auswahlverfahren der Hochschule (AdH)
    Die restlichen 60 Prozent können die Hochschulen nach Kriterien vergeben, die sie selbst festlegen. Beispielsweise Berufserfahrung, Ergebnisse bestimmter Tests. In der Praxis spielt die Abiturnote aber auch hier eine Rolle.

Bisher findet die Wartezeit in der ZEQ Berücksichtigung. Allerdings werden ab kommenden Jahr Wartesemester für angehende Medizinstudenten beziehungsweise Pharmazeuten nicht mehr angerechnet. Bis dahin wenden die Hochschulen bei der Berücksichtigung der Wartesemester noch ein Punktemodell an. Dann ist nur noch eine Anrechnung von höchstens 30 Punkten möglich (entspricht 15 Wartesemestern).


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Nach wie vielen Wartesemestern erhalte ich einen Studienplatz?

Die Frage, die angehenden Studenten besonders unter den Fingernägeln brennt: Wie viele Wartesemester brauche ich, um endlich die Zulassung zum anvisierten Studium zu erhalten? Die ernüchternde Antwort: Es lässt sich nicht genau sagen oder festlegen, mit wie vielen Wartesemestern Sie einen Studienplatz in Ihrem Wunschstudium zugesprochen bekommen.

Der Grund: Der Numerus clausus wird jedes Semester aufs Neue berechnet und richtet sich nach der Anzahl der Studienwilligen und ihren Abiturdurchschnittsnoten. Daraufhin erstellen die Hochschulen eine Rangfolge, die sich nicht der Anzahl der Wartesemester richtet. Heißt: Derjenige mit der höchsten Zahl hat die besten Aussichten auf einen Studienplatz. Somit lässt sich keine exakte Prognose für das kommende Semester geben. Gibt es viele Bewerber, die bereits mehr Wartesemester vorweisen können als Sie selbst, sinken Ihre Chancen. Im Umkehrschluss steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Studienplatz mit jedem weiteren Wartesemester.

Tipp: Nachteilsausgleich

Scheitert Ihre Zulassung an einem zu hohen NC, könnte ein Antrag auf Nachteilsausgleich helfen. Das ist interessant für diejenigen, die ihr Abitur schlechter gemacht haben als ursprünglich möglich gewesen wäre. Die Gründe für die schlechteren Leistungen liegen nicht in der eigenen Person, sondern sind umstandshalber bedingt. So beispielsweise, wenn Sie durch einen Unfall mit anschließendem monatelangen Krankenhausaufenthalt nicht in der Lage waren, die Leistungen zu erbringen.

Damit man Ihnen den Nachteilsausgleich gewähren kann, müssen Sie glaubhaft nachweisen können, dass unverschuldete Umstände vorliegen. Dafür sind unter anderem eine Schilderung des Sachverhalts nebst Auswirkungen auf die Leistungen notwendig. Außerdem muss ein mit Siegel beglaubigtes Gutachten der Schule vorgelegt werden. Details erfahren Sie bei der jeweiligen Hochschule.

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So nutzen Sie Ihre Wartesemester sinnvoll

Mit jedem Wartesemester verschiebt sich der zukünftige Berufseinstieg um weitere sechs Monate nach hinten. Bei längeren Studiengängen oder einem anschließenden Master können Hochschulabsolventen den ersten Job nach dem Studienabschluss möglicherweise erst mit Anfang 30 antreten. Die langen Wartezeiten besonders in der Medizin waren auch der Grund, warum die Anerkennung der Wartesemester abgeschafft wurde. Bisher allerdings nur für die oben genannten bundesweit zulassungsbeschränkten Fächer.

Die gute Nachricht: Auch ohne Ihr Zutun rechnet die Hochschule Ihre Wartesemester an, wenn Sie Ihre Bewerbung für einen Studienplatz einreichen. Sie brauchen sich also nicht jedes Semester zu bewerben. Für die Zwischenzeit ist es wichtig, einen konkreten Plan zu haben, wie Sie diese Zeit sinnvoll nutzen. So vermeiden Sie bei einer späteren Bewerbung Lücken im Lebenslauf wird. Hier haben wir einige Vorschläge für Sie:

Studieren Sie im Ausland

Wer sich bei seiner Studienwahl absolut sicher ist und keine Zeit verlieren möchte, für den kann ein Auslandsstudium eine Alternative sein. Auslandssemester werden häufig nicht von der Wartezeit abgezogen. Somit bieten Sie eine gute Gelegenheit, erste Kurse zu absolvieren, die Sie sich vielleicht später anerkennen lassen können. An dieser Stelle sei allerdings erwähnt, dass je nach Bundesland andere Regelungen gelten. Versichern Sie sich daher, dass ein Studium im Ausland wirklich keine Auswirkungen auf Ihre Wartesemester hat. Am besten erfragen Sie dies direkt beim Studierendensekretariat der Universität, für die Sie sich entschieden haben.

Machen Sie ein Praktikum

Ein Klassiker, um die Wartezeit zu überbrücken, ist das Praktikum. Kritiker beklagen immer wieder, dass es sich dabei nur um günstige Arbeitskräfte handelt. Dennoch kann es eine große Hilfe für den späteren Berufseinstieg sein. Vielleicht haben Sie sogar das Glück, Ihr Praktikum in einem namhaften Unternehmen zu machen. So könnten Sie sich gute Referenzen für Ihre Bewerbungen erarbeiten und hilfreiche Kontakte für das Berufsleben knüpfen.

Verdienen Sie sich Geld fürs Studium

Ein Studium ist teuer und das Geld bei Studenten bekanntlich chronisch knapp. Sie können Ihre Wartesemester gleich doppelt sinnvoll nutzen, wenn Sie in dieser Zeit jobben: Mit einem Nebenjob können Sie ein wenig Geld verdienen und für das folgende Studium zurücklegen, gleichzeitig sammeln Sie bereits Berufserfahrung, die Ihnen beim späteren Berufseinstieg nutzen kann, um sich von den Konkurrenten abzuheben.

Machen Sie ein freiwilliges soziales Jahr

In einem freiwilligen sozialen Jahr arbeiten Sie meist in einer sozialen Einrichtung und nutzen Ihre Zeit, um etwas für Menschen und die Gesellschaft zu tun. Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Zusätzlich ist ein FSJ aber auch für Ihre persönliche Entwicklung ein großer Schritt. Mit Menschen in Not oder Krankheit zu arbeiten, entwickelt die eigene Persönlichkeit, kann dazu führen, dass Sie die Dinge mit anderen Augen sehen und vielleicht sogar Ihren Berufswunsch noch einmal überdenken oder hinterfragen, was Ihre Ziele sind.

Machen Sie eine Berufsausbildung

Bei längerer Wartezeit können Sie eine Berufsausbildung in Ihrem Bereich machen. Dadurch erhöhen Sie nicht nur Ihre Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt, sondern verschaffen sich gleichzeitig einen Vorteil für Ihr Studium. Viele Inhalte kennen Sie dann bereits aus Ihrer Ausbildung und beherrschen sie in der praktischen Umsetzung. Als zukünftiger Medizinstudent können Sie beispielsweise eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder als Pflegefachkraft machen.

Verreisen Sie für längere Zeit

Sie können die zusätzliche Zeit auch nutzen, um für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen und andere Kulturen kennenzulernen. Voraussetzung ist natürlich das nötige Kleingeld. Sollte es daran mangeln, können Sie das Reisen auch mit Arbeit kombinieren und beispielsweise ein Work and Travel oder einen Au-Pair-Aufenthalt planen. Ein zusätzlicher Tipp: Wenn Sie vor Ort sind, sollten Sie unbedingt auch einen Sprachkurs machen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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