Wartesemester: Sinnvoll nutzen

Nicht immer klappt es auf Anhieb mit dem Wunschstudium. In den meisten Fällen steht dabei die Abschlussnote im Weg, denn ist die zu niedrig beziehungsweise der Numerus Clausus zu hoch, bedeutet das für viele, Wartesemester einlegen zu müssen. Auch wenn es mit dem Studienplatz nicht sofort funktioniert, müssen Sie die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Wichtig ist nur, dass Sie die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen – das könnte sich später negativ im Lebenslauf bemerkbar machen. Wir zeigen Ihnen daher, wie Sie mit Wartezeit in einen zulassungsbeschränkten Studiengang kommen und welche Alternativen Sie haben.

Wartesemester: Sinnvoll nutzen

Wartesemester: Definition und Berechnung

Wartesemester Berechnung NC MedizinAls Wartesemester wird die Zeit bezeichnet, die zwischen Ihrem Abitur – oder einem anderen Abschluss, der Ihnen den Besuch einer Universität oder Hochschule ermöglicht – und dem tatsächlichen Beginn Ihres Studiums liegt. Es besteht aus sechs Monaten.

Zur Verdeutlichung ein einfaches Beispiel: Hätten Sie das Abitur im Sommer 2017 erworben, hätten Sie im Sommer 2019 vier Wartesemester: Das Wintersemester 2017/2018, das Sommersemester 2018, das Wintersemester 2018/2019 und das Sommersemester 2019. Das Semester, in dem Sie Ihr Abitur erhalten haben, wird nicht in die Berechnung Ihrer Wartesemester einbezogen.

Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Berechnung. Wenn Sie beispielsweise für ein anderes Studium an einer Hochschule eingeschrieben sind, wird Ihnen diese Zeit nicht als Wartesemester angerechnet.

Beispiel: Heißbegehrt sind die Studienplätze für Medizin. Haben Sie dafür keinen Platz erhalten und immatrikulieren sich zur Überbrückung für Kunstgeschichte, dann wird das als Parkstudienzeiten bezeichnet. Wollen Sie sich über Ihre Wartesemester für einen zulassungsbeschränkten Studiengang qualifizieren, dürfen Sie sich in dieser Zeit also nicht an einer deutschen Universität immatrikulieren.

Wichtig ist hierbei, dass es egal ist, ob Sie an der Uni oder Hochschule tatsächlich Veranstaltungen besuchen und Prüfungen ablegen oder nicht. Selbst wenn Sie ein Urlaubssemester einlegen, gilt dies nicht als Wartezeit. Sobald Sie als ordentlicher Studierender eingeschrieben sind, werden keine Wartesemester angerechnet.

Auslandssemester werden hingegen in der Regel nicht von der Wartezeit abgezogen. Denken Sie darüber nach, sollten Sie sich zunächst dennoch über die genauen Regelungen informieren. Diese können in Deutschland je nach Bundesland variieren.

Zulassungsbeschränkung und Numerus Clausus

Für Abiturienten rücken Wartesemester meist erst in den Fokus, wenn der direkte Studienzugang nicht geklappt hat. Schuld daran ist in der Regel der Numerus Clausus (NC).

Oft wird der NC mit der Abschlussnote des Abiturs gleichgesetzt. Getreu dem Motto Ich habe einen NC von… werden so die Zeugnisse untereinander verglichen. Doch eigentlich sind es nicht die Abiturienten, sondern die Studienfächer, die einen NC haben.

Das gilt besonders für Studienfächer, die örtlich oder bundesweit zulassungsbeschränkt sind und über Hochschulstart vergeben werden. Notwendig ist dies dann, wenn es für ein Studium zu viele Bewerber für eine begrenzte Anzahl an Plätzen gibt.

Manche nehmen fälschlicherweise an, die Wartesemester würden sich positiv auf den NC auswirken, wodurch mit der Zeit die Chancen steigen würden, einen der begehrten Studienplätze zu erhalten. Das ist ein Irrtum, denn es findet keine Anrechnung der Wartesemester auf den NC statt.

Stattdessen gibt es im sogenannten Nachrückverfahren eine Wartesemester-Quote, nach der jedes Semester eine gewisse Anzahl an Studienplätze an Studenten mit den höchsten Wartesemestern vergeben werden.

Zu den bundesweit zulassungsbeschränkten (weil beliebtesten) Studiengängen gehören folgende Fächer:

  • Medizin
  • Tiermedizin
  • Zahnmedizin
  • Pharmazie

Entschieden wird die Studienplatzvergabe bei diesen Fächern folgendermaßen:

  • Quote beim Abiturdurchschnitt: Die ersten 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Plätze werden an die besten Kandidaten vergeben, angefangen bei einer Note von 1,0. Der Numerus Clausus für dieses Fach entspricht dann der Note des letzten Kandidaten, der mit seinem Schnitt noch einen Platz erhalten hat.
  • Quote anhand der Wartesemester: Weitere 20 Prozent der Studienplätze werden aufgrund der Wartesemester vergeben.
  • Freie Vergabe der Hochschule: Die restlichen 60 Prozent können die Hochschulen nach Kriterien vergeben, die sie selbst festlegen – beispielsweise Berufserfahrung, Ergebnisse bestimmter Tests. In der Praxis spielt die Abiturnote aber auch hier eine Rolle.

Je nach Beliebtheit des Studiengangs können einige Jahre vergehen, bevor Sie auf diese Weise einen Studienplatz ergattern. Für Medizin liegt die Wartezeit meist besonders hoch. Hier kann es bis zu 15 Wartesemester (also siebeneinhalb Jahre) dauern, bis Sie einen Studienplatz über die Wartesemester erhalten.

Wird die Wartezeitquote für Medizin abgeschafft?

Wartesemester Berechnung Anrechnung NC Numerus ClaususGeht es nach den Plänen der Kultusminister der Länder, dann wird die Wartesemester-Quote von 20 Prozent für angehende Medizinstudenten abgeschafft. So die Ergebnisse zum Abschluss der Konferenz in Erfurt im Sommer 2018.

Zwar sollen auch zukünftig 20 Prozent der besten Bewerber einen Studienplatz erhalten – auch eine höhere Quote von 30 Prozent ist angedacht. Allerdings sollen daneben bei den Wartenden weitere Kriterien stärker berücksichtigt werden.

Vorläufige Überlegungen beziehen in jedem Fall einen fachspezifischen Eignungstest mit ein. Für Zahnmedizin und Medizin könnte die Studienplatzvergabe dann folgendermaßen aussehen:

  • Kriterien für die Zulassung zum Studiengang Zahnmedizin: Abiturnote plus fachspezifischer Eignungstest
  • Kriterien für die Zulassung zum Studiengang Humanmedizin: Abiturnote plus fachspezifischer Eignungstest plus weiteres schulnotenunabhängiges Auswahlkriterium

Ein Grund für diese Änderungen waren die in die Kritik geratenen langen Wartezeiten für ein Medizinstudium. Vor Ende 2019 ist allerdings nicht mit einem neuen Zulassungsverfahren zu rechnen, andere schätzen frühestens zum Sommersemester 2020. Auch ist davon auszugehen, dass das neue System aus technischen Gründen bis nicht vollständig funktionieren wird.

Nach wie vielen Wartesemestern erhalte ich einen Studienplatz?

Die Frage, die angehenden Studenten besonders unter den Fingernägeln brennt: Wie viele Wartesemester brauche ich, um endlich die Zulassung zum anvisierten Studium zu erhalten? Die ernüchternde Antwort: Es lässt sich nicht genau sagen oder festlegen, mit wie vielen Wartesemestern Sie einen Studienplatz in Ihrem Wunschstudium zugesprochen bekommen.

Ob Sie nach drei, fünf oder auch erst neun Wartesemestern zugelassen werden, zeigt sich eben erst nach dieser Zeit – und kann nicht schon bei Ihrer ersten Bewerbung um einen Studienplatz entschieden werden.

Der Grund: Der Numerus Clausus wird jedes Semester aufs Neue berechnet und richtet sich nach der Anzahl der Studienwilligen und ihren Abiturdurchschnittsnoten. Somit lässt sich keine exakte Prognose für das kommende Semester geben.

Gibt es viele Bewerber, die bereits mehr Wartesemester vorweisen können als Sie selbst, sinken Ihre Chancen. Im Umkehrschluss steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Studienplatz mit jedem weiteren Wartesemester.

Tipp: Erhöhung der Wartezeit

Wartesemester Berechnung Anrechnung NC Ausbildung abgeschafft MedizinAuch wenn die Anzahl der Wartesemester den NC an sich nicht verbessert: Je höher die Wartezeit, desto besser Ihre Chancen über die Wartesemester einen Studienplatz zu erlangen. Aber ganz ehrlich: Angesichts von mehreren Jahren Wartezeit bei Studiengängen wie Medizin haben die meisten vermutlich ein Interesse daran, die Zeit möglichst zu verkürzen.

Das geht, indem Sie sich „mehr Wartesemester“ berechnen lassen, Ihre Wartezeit erhöhen. Unter zwei Bedingungen ist das möglich:

  • Sie haben vor dem 16. Juli 2007 Ihr Abitur gemacht.

    Das gilt für Bewerber, die ihr Abitur an einem Abendgymnasium nachgeholt, zuvor durch eine Ausbildung einen Abschluss erworben haben oder durch Wehrpflicht beziehungsweise Zivildienst verhindert waren, einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben.

  • Sie stellen einen Antrag auf Nachteilsausgleich.

    Das ist interessant für diejenigen, die ihr Abitur schlechter gemacht haben als ursprünglich möglich gewesen wäre und somit nicht den NC erreichen konnten. Die Gründe für die schlechteren Leistungen liegen nicht in der eigenen Person, sondern sind umstandshalber bedingt.

    So beispielsweise, wenn Sie durch einen Unfall mit anschließendem monatelangen Krankenhausaufenthalt nicht in der Lage waren, die Leistungen zu erbringen. Damit der Nachteilsausgleich gewährt werden kann, müssen Sie glaubhaft nachweisen können, dass unverschuldete Umstände vorliegen.

    Dafür sind unter anderem eine Schilderung des Sachverhalts nebst Auswirkungen auf die Leistungen notwendig. Außerdem muss ein mit Siegel beglaubigtes Gutachten der Schule vorgelegt werden. Details erfahren Sie bei der jeweiligen Hochschule.

Was müssen Sie für die Wartesemester Anrechnung tun?

Wartesemester können ganz schön frustrierend sein. Die Motivation ist groß und eigentlich würden Sie am liebsten sofort loslegen. Hinzu kommt, dass sich mit jedem Wartesemester auch der spätere Berufseinstieg um weitere 6 Monate nach hinten verschiebt.

Bei längeren Studiengängen oder einem anschließenden Master kann der erste Job nach dem Studium möglicherweise erst mit Anfang 30 angetreten werden – vielleicht sogar noch später, wenn acht oder zehn Wartesemester vergehen.

Aber wie läuft es eigentlich mit der Anrechnung der Wartesemester ab? Angehende Studenten sind hier sehr unsicher und fürchten, dass die letzten Jahre doch nicht positiv gewertet werden, wenn sie sich nicht rechtzeitig darum kümmern. Die gute Nachricht: Zu diesem Punkt brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.

Auch ohne Ihr Zutun findet eine Anrechnung Ihrer Wartesemester statt, wenn Sie Ihre Bewerbung für einen Studienplatz einreichen. Um Ihre volle Wartezeit zu nutzen, brauchen Sie sich also auch nicht jedes Semester zu bewerben. Allerdings werden Wartesemester nicht unendlich angerechnet: Das Maximum liegt bei 16 Wartesemestern.

So können Sie Ihre Wartesemester sinnvoll nutzen

Abhängig vom Wunschstudiengang können aus einigen Wartesemestern also auch schnell einmal mehrere Jahre werden. Da ist es wichtig, einen konkreten Plan zu haben, wie Sie diese Zeit sinnvoll nutzen können. Niemand möchte bei seiner Bewerbung angeben müssen, dass er einige Semester lang nur darauf gewartet hat, endlich studieren zu können.

Eine solche Hartnäckigkeit kann zwar Ihre Motivation und Ihren Willen unterstreichen, führt jedoch zu einer großen Lücke im Lebenslauf, die Sie zu erklären haben.

Dieses Risiko können Sie minimieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie Ihre Zeit nutzen können – und dabei möglicherweise sogar schon an Ihrer späteren Karriere arbeiten. Hier haben wir einige Vorschläge für Sie zusammengestellt:

  1. Studieren Sie im Ausland

    Wie bereits erwähnt, werden Auslandssemester häufig nicht von der Wartezeit abgezogen. Somit bieten Sie eine gute Gelegenheit, erste Kurse zu absolvieren, die Sie sich vielleicht sogar später anerkennen lassen können. An dieser Stelle sei aber noch einmal erwähnt, dass je nach Bundesland andere Regelungen gelten. Versichern Sie sich daher, dass ein Studium im Ausland wirklich keine Auswirkungen auf Ihre Wartesemester hat. Am besten erfragen Sie dies direkt beim Studierendensekretariat der Universität, für die Sie sich entschieden haben.

    Hier gibt es weitere Infos:

  2. Machen Sie ein Praktikum

    Ein Klassiker, um die Wartezeit zu überbrücken, ist das Praktikum. Kritiker beklagen immer wieder, dass es sich dabei nur um günstige Arbeitskräfte handelt, aber nichtsdestotrotz kann es eine große Hilfe für den späteren Berufseinstieg sein. Vielleicht haben Sie sogar das Glück, Ihr Praktikum in einem namhaften Unternehmen machen zu können und sich nicht nur gute Referenzen für Ihre Bewerbungen zu erarbeiten, sondern auch hilfreiche Kontakte zu knüpfen.

    Hier gibt es weitere Infos:

  3. Jobben Sie und verdienen sich Geld für das Studium.

    Ein Studium ist teuer und das Geld bei Studenten bekanntlich chronisch knapp. Sie können Ihre Wartesemester gleich doppelt sinnvoll nutzen, wenn Sie in dieser Zeit jobben: So können Sie ein wenig Geld verdienen und für das folgende Studium zurücklegen, gleichzeitig sammeln Sie bereits Berufserfahrung, die Ihnen beim späteren Berufseinstieg nutzen kann, um sich von den Konkurrenten abzuheben.

    Hier gibt es weitere Infos:

  4. Machen Sie ein freiwilliges soziales Jahr

    In einem freiwilligen sozialen Jahr arbeiten Sie meist in einer sozialen Einrichtung und nutzen Ihre Zeit, um etwas für Menschen und die Gesellschaft zu tun. Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Zusätzlich ist ein FSJ aber auch für Ihre persönliche Entwicklung ein großer Schritt. Mit Menschen in Not oder Krankheit zu arbeiten, entwickelt die eigene Persönlichkeit, kann dazu führen, dass Sie die Dinge mit anderen Augen sehen und vielleicht sogar Ihren Berufswunsch noch einmal überdenken oder hinterfragen, was Ihre Ziele sind.

    Hier gibt es weitere Infos:

  5. Machen Sie eine Berufsausbildung

    Bei längerer Wartezeit können Sie eine Berufsausbildung in Ihrem Bereich machen. Dadurch erhöhen Sie nicht nur Ihre Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt, sondern verschaffen sich gleichzeitig einen Vorteil für Ihr Studium. Viele Inhalte kennen Sie dann bereits aus Ihrer Ausbildung und beherrschen sie in der praktischen Umsetzung. Als zukünftiger Medizinstudent können Sie beispielsweise eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder Krankenpfleger machen.

    Hier gibt es weitere Infos:

  6. Verreisen Sie für längere Zeit

    Sie können die zusätzliche Zeit auch nutzen, um für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen und andere Kulturen kennenzulernen. Voraussetzung ist natürlich das nötige Kleingeld. Sollte es daran mangeln, können Sie das Reisen auch mit Arbeit kombinieren und beispielsweise ein Work and Travel oder einen Au-Pair-Aufenthalt planen. Ein zusätzlicher Tipp: Wenn Sie vor Ort sind, sollten Sie unbedingt auch einen Sprachkurs machen.

    Hier gibt es weitere Infos:

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
14. März 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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