Bachelorstudium: Abschlüsse, Module, Infos

Mit der Bologna-Reform wurde sowohl das Bachelorstudium als auch der darauf folgende Master eingeführt. Seit dieser Umstellung des Studiumssystems und der Abschlüsse sind die Erfahrungen von Studenten teils sehr positiv, teils mit großer Kritik für Massenstudiengänge, zu viel Stress und Zeitdruck verbunden. Wer nicht studiert oder studiert hat, weiß jedoch oftmals nicht, wie genau ein Bachelorstudium aussieht, wie ein solches aufgebaut ist oder abläuft und welche Abschlüsse erworben werden können. Gerade Abiturienten, die mit dem Gedanken an ein Studium spielen, sollten sich gründlich informieren. Nur so kann eine durchdachte Entscheidung getroffen und die Erwartungen an die Realität angepasst werden. Was Sie zu einem Bachelorstudium wissen sollten…

Bachelorstudium: Abschlüsse, Module, Infos

Bachelorstudium: So kam es zur Einführung

Die Einführung des Bachelorstudiums im Zuge der Bologna-Reform verfolgte gleich mehrere große und internationale Ziele, die als Hauptmotive für die Umsetzung und Veränderung des Studiums angeführt werden.

Allen voran ging es dabei um die europaweite Vereinheitlichung im Hochschulsystem. Bis dahin gab es das Problem, dass nationale Abschlüsse im Ausland nur schwer eingeschätzt und bewertet werden konnten. Mit dem Bachelorstudium soll eine Vergleichbarkeit des Studiumabschlusses in Europa erreicht werden.

Zusätzlich ermöglicht das System mit einheitlichen Bachelor- und Masterstudiengängen leichtere Auslandsaufenthalte von Studenten, da Leistungen besser angerechnet werden können. Außerdem soll ein Bachelorstudium durch die kürzeren Studienzeiten einen schnelleren Berufseinstieg ermöglichen. Keine 15 Semester mehr studieren müssen, sondern deutlich eher mit der passenden Qualifikation in den Job starten.

Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass Studienabschlüsse wirklich darauf abzielen, die Employability zu fördern – ein Bachelorstudium soll sich also am Arbeitsmarkt und der Wirtschaft orientieren und dafür sorgen, dass Absolventen gute Chancen auf einen Job haben.

Mit diesen und weiteren bildungspolitischen Zielen vor Augen haben bereits im Jahr 1999 in Bologna eine entsprechende Erklärung unterzeichnet,

Bachelorstudium als Qualifikation der Hochschulbildung

Die Liste der Ziele und Veränderungen durch die Bologna-Reform ist lang. Besonders herausstechend und bekannt ist jedoch vor allem die Einführung des zweistufigen Systems: Erst ein Bachelorstudium, dann ein Masterstudiengang.

Als Bachelorstudium wird somit die erste Phase oder der erste Zyklus in der Qualifikation auf Hochschulebene bezeichnet. Der Bachelor stellt sozusagen das Grundstudium dar, an den ein Master angeknüpft werden kann, wenn ein Student sein Wissen und seine Fähigkeiten weiter vertiefen und in einer gezielten Richtung ausbauen möchte.

Dabei gibt es einen klaren Fokus, welche Kompetenzen im Bachelorstudium vermittelt werden sollen. Zunächst einmal geht es um das Fundament des wissenschaftlichen Arbeitens. Eng damit verbunden ist die sogenannte Methodenkompetenz. Gemeint ist, dass Studenten im Bachelorstudium lernen, Wissen und Informationen zu einem Thema zu finden, zu analysieren und zu präsentieren.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch die Praxisorientierung. Im Bachelorstudium sollen die nötigen Qualifikationen vermittelt werden, um einen Berufseinstieg zu ermöglichen und Studenten auf den Einstieg in die Arbeitswelt vorzubereiten.

Abschlüsse im Bachelorstudium

Bachelorstudium Dauer Englisch Definition Master Bachelor of Arts ScienceNachdem Sie ein Bachelorstudium erfolgreich durchlaufen haben, erwerben Sie den akademischen Abschluss eines Bachelors. Allerdings werden diese noch einmal in verschiedene Bereiche unterteilt, abhängig davon, um welchen Studiengang es sich handelt.

Klassischerweise werden dabei acht unterschiedliche Abschlüsse im Bachelorstudium differenziert:

  • Bachelor of Arts

    Einen Bachelor of Arts (B.A.) können Sie nicht nur erlangen, wenn Sie Kunstwissenschaften studieren. Auch in Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, Sprachwissenschaften, Sport und Wirtschaftswissenschaften wird der Bachelor of Arts vergeben.

  • Bachelor of Science

    Zu einem Bachelor of Science (B.Sc.) kommen Sie durch ein Studium der Naturwissenschaften, wozu auch Mathematik zählt. Neben den klassischen Naturwissenschaften gehören auch Agrar- und Forstwirtschaft sowie die Ernährungswissenschaft in diesen Bereich. Je nach Schwerpunkt kann auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften zu einem Bachelor of Science führen.

  • Bachelor of Laws

    In den Rechtswissenschaften erarbeiten Sie sich einen Bachelor of Laws (LL.B.). Hinter der Abkürzung verbirgt sich die Abkürzung legum bakkalaureus – sinngemäß also Bachelor der Rechte. Mit dem Bachelor of Laws stehen erste Berufswege zur Verfügung, wer aber beispielsweise Rechtsanwalt oder Richter werden möchte, muss das 1. und 2. Staatsexamen sowie ein anschließendes Referendariat machen.

  • Bachelor of Engineering

    Studiengänge der Ingenieurswissenschaften qualifizieren für einen Bachelor of Engineering (B. Eng.). Dazu zählen beispielsweise Maschinenbau, Umwelttechnik, Elektro- und Informationstechnik oder natürlich ein Bachelorstudium der Ingenieurswissenschaften selbst.

  • Bachelor of Music

    Ein Bachelor of Music (B. Mus) folgt auf ein Bachelorstudium der Musik, allerdings kann ein Studium der Musikwissenschaft auch zu einem Bachelor of Arts führen. Die Regelstudienzeit für einen Bachelor of Music beträgt in der Regel 8 Semester.

  • Bachelor of Fine Arts

    Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Bildende Künste… Diese und weitere Studiengänge sind die Grundlage für einen Bachelor of Fine Arts (B.F.A.).

  • Bachelor of Musical Arts

    In Deutschland ist der Bachelor of Musical Arts (B.M.A.) eine Seltenheit. Er kombiniert theoretische Aspekte der Musikwissenschaften mit praktischen Elementen und weiteren Inhalten wie Musikjournalismus. Um überhaupt zu einem Studiengang zugelassen zu werden, muss ein hartes Auswahlverfahren überstanden werden.

  • Bachelor of Education

    Wer sich für ein Lehramtsstudium entscheidet, schließt das Bachelorstudium mit einem Bachelor of Education (B.Ed.) ab. Als Lehrer können Sie damit jedoch noch nicht arbeiten. Wie beim Bachelor of Laws benötigt auch der Bachelor of Education weitere Ausbildung in Form eines Masters oder Staatsexamens inklusive Referendariat.

Bachelorstudium: Punkte sammeln durch Module

Bevor es aber soweit ist und Sie einen der oben genannten Abschlüsse erhalten – und sich im Anschluss möglicherweise für einen Masterplatz bewerben – liegt ein langer Weg vor Ihnen. Die Regelstudienzeit für ein Bachelorstudium liegt meist bei sechs Semestern, also insgesamt drei Jahren.

In dieser Zeit müssen Sie Pflicht- und Wahlmodule absolvieren. Über mehrere Monate hinweg besuchen Sie dafür Vorlesungen, Übungen und Tutorien, die vom Professor oder Mitarbeitern seines Lehrstuhls gegeben werden. Hier wird Wissen vermittelt, diskutiert, erklärt, gefragt und auch geübt.

Zusätzlich braucht es eine Menge selbstständiges Lernen, entweder alleine oder in Lerngruppen, um die Inhalte noch einmal nachzuholen und aufzubereiten. Nur so können Sie sich wirklich afu die Prüfungen vorbereiten, die meist am Anfang der vorlesungsfreien Zeit stattfinden. Für eine erfolgreich abgelegte Prüfung erhalten Sie Credit Points nach dem sogenannten European Credit Transfer System (ECTS), das ebenfalls durch die Bologna-Reform eingeführt wurde.

Für ein abgeschlossenes Bachelorstudium über sechs Semester sind in der Regel 180 Credit Points erforderlich. Ein Modul bringt Ihnen dabei 6 Punkte. Pro Semester müssen Sie im Schnitt also fünf Module einplanen, um Ihre Regelstudienzeit einhalten zu können.

Das Pensum darf dabei auf keinen Fall unterschätzt werden. Für einen einzelnen Credit Point werden circa 30 Arbeitsstunden in Form von Vorlesungen, Übungen und eigenständiger Vor- und Nachbereitung sowie Lernaufwand erwartet. Pro Semester kommen somit rund 900 Stunden Arbeit auf Sie zu.

Die Bachelorarbeit als Abschluss des Bachelorstudiums

Im letzten Semesters des Bachelorstudiums steht dann noch die sogenannte Bachelorthesis an. Dabei handelt es sich um eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit. Alleine oder gemeinsam mit einem Betreuer des Lehrstuhls suchen Sie nach einem passenden Thema, dem Sie sich die nächsten Monate ausgiebig widmen werden.

Sie erstellen eine These oder Fragestellung, suchen in Fachliteratur nach Quellen und Informationen, organisieren möglicherweise eine Umfrage, um eigene Daten zu erheben und erstellen daraus Ihren eigenen wissenschaftlichen Text, in dem Sie die gesammelten Informationen aufbereiten und zu einer Analyse zusammenbringen.

Der Umfang kann dabei vom Lehrstuhl, an dem Sie Ihre Bachelorthesis schreiben, vorgegeben werden oder durch das Thema bestimmt. 15 Seiten sind dabei meist das Minimum, die Bachelorarbeit kann aber auch deutlich länger und umfangreicher sein und 40 oder 50 Seiten umfassen.

Wie für Module erhalten Sie auch für die Abschlussarbeit Credit Points. Wie viele das sind, hängt von Ihrer Studienordnung und dem erwarteten Arbeitsaufwand ab. Oftmals sind es 12 Credit Points, so dass Sie im letzten Semester drei Module und die Bachelorthesis absolvieren müssen, um die angestrebten 30 Punkte zu erhalten.

[Bildnachweis: Joyseulay by Shutterstock.com]
5. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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