Psychologie studieren: Voraussetzungen, Dauer + Tipps

Wer Psychologie studieren will, interessiert sich für die menschliche Psyche, kann sich womöglich vorstellen, Menschen psychotherapeutisch zu betreuen. Das Fach Psychologie zählt zu den populärsten und gliedert sich in zahlreiche Studiengänge, darunter so wohlklingende Bezeichnungen wie Business Psychology, Kommunikations- oder Wirtschaftspsychologie. Allerdings ist das Psychologiestudium nicht ohne: Vielerorts lässt der NC die Träume platzen und anspruchsvoll ist auch der Studienalltag. Welche Voraussetzungen Sie brauchen, wie lange das Studium dauert und zahlreiche Tipps erhalten Sie hier…

Psychologie studieren: Voraussetzungen, Dauer + Tipps

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Was verbirgt sich hinter Psychologie?

Wer meint, Psychologie studieren hätte mit Gedanken lesen zu tun, könnte nicht mehr daneben liegen. Dennoch ist eine griffige Definition nicht ganz einfach, da der Fachbereich sehr vielfältig ist. Es handelt sich um eine Wissenschaft, die sich mit der Wahrnehmung und dem Verhalten des Menschen beschäftigt. Da Gedanken und Gefühle äußerlich schwer erkennbar sind, geht die Psychologie empirisch vor. Das bedeutet, sie entwickelt Methoden, um anhand von Beobachtungen und Experimenten schlüssige Aussagen treffen zu können. Was abstrakt klingt, ist auch Teil des Studiums: Zwar ist alles auf spätere Anwendung ausgerichtet, aber an bestimmten Methoden kommen Sie nicht vorbei, wenn Sie Psychologie studieren wollen.

Inhalt des Psychologiestudiums

Das Studium besteht aus diversen Teildisziplinen, die sich in die beiden Hauptbereiche Grundlagen- und Anwendungsfächer gliedern. Hinzu kommt eine Reihe von Methodenfächern. Diese müssen angehende Psychologen lernen, um im Berufsalltag entsprechend forschen beziehungsweise arbeiten zu können:

Grundlagenfächer
Studierende lernen in Grundlagenfächern wie Allgemeiner Psychologie grundlegende Gesetzmäßigkeiten, die alle Menschen teilen. Das betrifft beispielsweise Motivation und Aufmerksamkeit, aber auch bestimmte Lernprozesse. Dazu gehören Experimente wie der sogenannte Stroop-Test. Die Grundlagenfächer lehren des Weiteren soziale und biologische Einflüsse auf den Menschen und vermitteln vor dem Hintergrund historischer Einflüsse heutige Erkenntnisse.

Anwendungsfächer
Zu den Anwendungsfächer gehören beispielsweise Teildisziplinen wie Rechts- und Umweltpsychologie, Neuro- und Sportpsychologie. Wie der Name vermuten lässt, geht es hierbei darum, die erlernten Grundlagen in die Praxis umzusetzen. Wie lassen sich klinische Störungen (zum Beispiel Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen) erkennen? Welche kognitiven Schäden können infolge eines Autounfalls oder Schlaganfalls auftreten?

Methodenfächer
Wer Psychologie studieren will, braucht nicht nur soziale Kompetenzen. Methodenfächer wie Statistik und Forschungsmethoden vermitteln Studierenden, wie sie bestimmte Methoden anwenden und anschließend auswerten. Die Psychologische Diagnostik hilft, anhand von Erfahrungsdaten Vorhersagen zum möglichen Verhalten zu treffen. Dazu greift sie zum Beispiel auf Intelligenztests oder Tests zur Konzentrationsfähigkeit zurück.

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Voraussetzungen fürs Psychologiestudium

Psychologie gehört eindeutig zu den beliebteren Fächern. Das bedeutet, das Studium ist bundesweit zulassungsbeschränkt. Den Numerus clausus kann man in den meisten Fällen als knackig bezeichnen. So auch in der Hauptstadt: An der Freien Universität Berlin beträgt der NC für den Psychologie-Bachelor momentan 1,0. Nebenan an der Humboldt-Uni liegt er mit 1,1 nur unwesentlich darüber. Grundsätzlich: In den meisten deutschen Universitäten hat der NC für Psychologie eine Eins vor dem Komma.

Eine Bewerbung an der Uni kann trotzdem sinnvoll sein, auch wenn Ihre Abiturnote nicht dem erforderlichen NC-Wert entspricht. Zum einen greifen die Zulassungsbeschränkungen erst, wenn die Anzahl der Bewerber tatsächlich größer als die zur Verfügung stehenden Studienplätze ist. Zum anderen verbessert sich Ihr Ranglistenwert mit der Anzahl der Wartesemester. So rechnet die Uni Bielefeld maximal 7 Wartesemester, die um 0,1 die Abiturnote bonieren. Bedeutet konkret: Bei einer Abiturnote von 2,8 und fünf Wartesemestern steigen Sie auf einen Ranglistenwert von 2,3. Wer hingegen zehn Wartesemester vorweisen kann, steigt bei einer Abiturnote von 2,8 dennoch nur auf einen Ranglistenwert von 2,1.

Psychologie studieren ohne NC

Eine weitere Möglichkeit: Sie können an einer privaten Hochschule Psychologie studieren. Hier gelten ganz andere Auswahlverfahren als an staatlichen Hochschulen, beispielsweise Assessment Center, Eignungstests und Vorstellungsgespräche.

Aus diesem Grund sind sie auch nicht so überlaufen. Das wirkt sich positiv auf die Betreuungssituation aus, der Kontakt zwischen Studierenden und Dozenten ist häufig persönlicher. Der Nachteil: Bei privaten Hochschulen fallen Studiengebühren an. Hinzu kommt, dass Sie den Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie nur an Universitäten studieren können, deren Studiengänge berufsrechtlich anerkannt sind. Allerdings besitzen nicht alle privaten Hochschulen Universitätsstatus.

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Welche persönlichen Voraussetzungen brauche ich?

Um sich für den Studiengang Psychologie einschreiben zu können, müssen Bewerber üblicherweise über die Hochschulreife (Abitur) verfügen. An Fachhochschulen und einigen Universitäten reicht auch das Fachabitur. Wer ohne Abitur Psychologie studieren will, muss in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung und einige Jahre Berufserfahrung vorweisen. Die genauen Bedingungen schwanken je nach Bundesland und Hochschule, daher sollten Sie direkt die Wunschuni kontaktieren.

Dass sich Psychologen für andere Menschen interessieren sollten, liegt auf der Hand. Welche Eigenschaften brauchen angehende Psychologen noch? Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat im Rahmen seines Uni-Rankings dazu die Psychologie-Professoren selbst befragt. Das sollten Psychologiestudenten nach Meinung der Gelehrten mitbringen:

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Psychologie studieren: Aufbau des Studiums

Bachelorstudium

Vor allem das Grundstudium haben schon viele Hochschulabsolventen als staubtrocken beschrieben. Die Studenten müssen dabei viele Daten erheben und auswerten – nichts für Mathe-Allergiker. So umfasst ein Bachelorstudium in Psychologie beispielsweise folgende Module:

  • Computergestützte Datenanalyse
  • Statistik
  • Inferenzstatistik
  • Quantitative Methoden
  • Qualitative Methoden

Vor allem geht es anfangs darum, die Grundlagen der allgemeinen Psychologie zu verstehen – Motivation, Emotion, Lernen, Denken, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit. Dazu gesellen sich Module in Sozial- und Entwicklungspsychologie, Biologischer oder Persönlichkeitspsychologie. In der Regel umfasst das Bachelor-Studium zudem ein Pflichtpraktikum, in einer Klinik zum Beispiel.

Vergangenen Herbst sorgte die Reform des Psychotherapeutengesetzes außerdem dafür, dass an den staatlichen Universitäten das Studium zu einem polyvalenten Bachelor in Psychologie führt. Damit sind Sie für den Master-Studiengang in Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie qualifiziert. Sie können sich aber auch bei Vorliegen entsprechender Wahlmodule für andere Master-Studiengänge der Psychologie einschreiben.

Masterstudium

Interessanter wird es für viele erst im Masterstudium. Da geht es dann um Themen wie Kognition, Bildung und Entwicklung, die Dynamik menschlichen Verhaltens in Gruppen und Organisationen oder Klinische Psychologie und Gesundheit. Hier vertiefen Sie Ihre bisherigen Kenntnisse und können sich mittels eines Schwerpunkts spezialisieren, beispielsweise in den folgenden Bereichen:

  • Angewandte Psychologie
  • Klinische Psychologie
  • Organisationspsychologie
  • Wirtschaftspsychologie
  • Gesundheitspsychologie
  • Medienpsychologie
  • Ingenieurpsychologie
  • Kommunikationspsychologie
  • Schulpsychologie

Wer als Berufswunsch Psychotherapeut hat, muss nach dem Masterstudium den Schwerpunkt in Klinische Psychologie und Psychotherapie legen. Auch folgt eine zusätzliche Staatsprüfung, die zur Approbation in Psychotherapie führt. Damit sind Sie offiziell zugelassen und dürfen in Deutschland selbstständig und eigenverantwortlich psychotherapeutisch tätig sein.

Wie lange studiert man Psychologie?

Das Psychologie-Studium hat wie andere Fächer den Bologna-Prozess durchlaufen. Das bedeutet: Das Diplom wurde flächendeckend durch die Studienabschlüsse Bachelor und Master ersetzt. Mindestens zehn Semester müssen angehende Psychologen studiert haben (300 ECTS). Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester respektive vier Semester.

In der Praxis sind Psychologen von der schnellen Sorte. Sie schließen ihr Studium zügiger ab als Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure oder Pädagogen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erwarben Studierende der Betriebswirtschaftslehre einen Master-Abschluss nach durchschnittlich 11,3 Semestern, in Psychologie dagegen schon nach 10,8 Semestern. Den Bachelor haben fast alle Psychologen nach offiziellen Zahlen spätestens zum achten Semester in der Tasche, manche sogar vor dem sechsten. Informatiker und Ingenieure brauchen deutlich länger, manche bis zum zehnten Semester.

Psychotherapeuten: Das ändert sich!

Durch das Psychotherapeutengesetz kommt es zu einigen Änderungen. So laufen bestimmte Studiengänge aus und wie immer bei Reformen gibt es eine Übergangszeit, in der vieles unklar ist. Mit konkreten Fragen sollten Sie sich an die jeweilige Studienberatung Ihrer Uni wenden. So viel vorab:

Während die bisherige Psychotherapie-Ausbildung weitgehend selbstfinanziert an privaten Instituten erfolgte, soll sie nun stärker an die Hochschulen angebunden werden. Das Studium soll aus einem dreijährigen Bachelorstudiengang und einem darauf aufbauenden zweijährigen Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie bestehen. Die Berufsbezeichnung des Psychologischen Psychotherapeuten wäre dann stärker vom Ärztlichen Psychotherapeuten abgegrenzt. Die bisherigen zwei Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aber hätte man so in einem Berufsbild mit einheitlichen Ausbildungsstandards und einheitlichen Zugängen zusammengeführt.

Berufliche Perspektiven: Reicht ein Bachelor-Abschluss?

Die Zulassung zum Bachelor ist nur der erste Schritt. Ein Master sollte es schon sein, dazu rät auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPS) ausdrücklich. „Grundsätzlich ist der Master der Regelabschluss für die Psychologie und entspricht dem früheren Diplom“, so die DGPS auf ihrer Homepage. Als „Psychologe“ darf sich schließlich nur bezeichnen, wer über einen konsekutiven Bachelor- und Masterabschluss in Psychologie verfügt.

„Der Bachelor muss zwar laut Bologna auch berufsqualifizierend sein, allerdings gibt es in der Psychologie nur wenige Tätigkeitsfelder, für die ein Bachelor ausreichend wäre“, so die DGPS weiter. Bei einer Stellenrecherche fand sie heraus, dass 64 Prozent der ausgeschriebenen Stellen ausdrücklich an Absolventen mit Master oder Diplom gerichtet waren. 29 Prozent richteten sich formal an alle Hochschulabsolventen. „Allerdings war aus den Anzeigentexten heraus oft fraglich, ob sie wirklich für Bachelorabsolventen in Frage kamen“, mutmaßt die DGPS.

Nur vier Prozent hätten sich an Hochschulabsolventen und Personen mit abgeschlossener Ausbildung gerichtet, oft solche mit Weiterbildung zum Personalkaufmann beziehungsweise zur Personalkauffrau. Diese Stellen dürften in der Regel tatsächlich für Bachelorabsolventen offen sein. Und ein Prozent der Stellen richtete sich explizit an Bachelorabsolventen. Dabei habe es sich vorrangig um Berufe im Bereich der Datenanalyse beim Produktmanagement oder als Testpsychologische Assistenz in der Wissenschaft oder im Personalbereich gehandelt.

Berufschancen allgemein

Der Psychotherapeut ist ein populäres Berufsbild für Psychologen. Aber es gibt noch andere. Psychologen sind in der Marktforschung, Personalarbeit oder Weiterbildung tätig, arbeiten als Kommunikationstrainer, Neuropsychologen, niedergelassene Therapeuten oder in der Klinik. Achtung: Wer wirklich Psychotherapeut werden will, muss eine bis zu fünfjährige weiterführende Ausbildung in Kauf nehmen, die in der Regel privat bezahlt wird. Die Kosten dafür betragen zwischen 10.000 Euro und 50.000 Euro – es sei denn, man ergattert einen der begehrten, schlecht bezahlten Ausbildungsplätze in Kliniken.

Wichtig: Voraussetzung für die Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ist bisher ein konsekutives universitäres Bachelor- und Masterstudium. Laut Stellenrecherche der DGPS entfielen zuletzt 33 Prozent der Stellen für Psychologen auf die Wissenschaft, Unis und andere Forschungseinrichtungen. 29 Prozent wurden im Bereich Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie ausgeschrieben. Auf den klinisch-psychologischen Bereich entfielen 17 Prozent der Anzeigen, auf therapeutische Tätigkeiten rund sechs Prozent. Darüber hinaus gab es Stellenangebote für Psychologen in der Verkehrspsychologie, Gesundheitspsychologie sowie im forensischen Bereich und in JVAs.

Psychologie studieren: Das sind die besten Unis

Gibt man „Psychologie“ in die Suchmaske vom Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz ein, dann wirft die Suchmaschine über 700 Treffer aus. Bei näherem Hinsehen sind darunter auch völlig andersartige Fächer, aber die Stichprobe zeigt: Einen Mangel an Psychologie-Standorten gibt es in Deutschland nicht. Psychologie kann man in nahezu jedem Teil des Landes studieren, an den Volluniversitäten gehört es zum Standardrepertoire. Hier sind die besten deutschen Universitäten für Psychologie (der Einfachheit halber nicht mit vollständigem Namen) – in der Reihenfolge der THE World University Rankings:

  • LMU München
  • Uni Heidelberg
  • Humboldt-Uni Berlin
  • RWTH Aachen
  • Uni Freiburg
  • Freie Universität Berlin
  • TU Berlin
  • Uni Bonn
  • Uni Göttingen
  • Uni Manheim
  • Uni Köln
  • TU Dresden
  • Uni Ulm
  • Uni Erlangen-Nürnberg
  • Uni Würzburg
  • Uni Münster
  • Uni Duisburg-Essen
  • Uni Münster
  • Uni Kiel
  • Uni Konstanz
  • Uni Potsdam
  • Uni Bochum
  • TU Darmstadt
  • Uni Bielefeld
  • Uni Bremen
  • Uni Frankfurt
  • Uni Mainz
  • Uni Marburg
  • TU Dortmund
  • Uni Gießen
  • Uni Greifswald

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