Englischkenntnisse: Wie wichtig sind sie?

Hand aufs Herz: Wie oft sprechen Sie im Alltag oder im Job Englisch? Dennoch werden Englischkenntnisse in vielen Stellenanzeigen gefordert. Viele Bewerber haben zuletzt in der Schule Englisch gesprochen. Oft wird zu Schulzeiten gejammert, wofür man das eine oder andere denn später brauche. Spätestens, wenn es ins Ausland gehen soll, hat sich diese Frage erübrigt: Mit Englisch als Weltsprache kommt man zumindest sehr viel weiter als mit Deutsch oder gar ohne irgendwelche Sprachkenntnisse. Wie wichtig Englischkenntnisse sind und in welchem Umfang man von welchen Kenntnissen spricht…

Englischkenntnisse: Wie wichtig sind sie?

Bedeutung von Englischkenntnissen in der Arbeitswelt

Das sprachlich orientierte Bildungsunternehmen Education First (EF) gibt jährlich eine Studie heraus, die die Englischkenntnisse von allen Ländern weltweit miteinander vergleicht. Dieser EF English Proficiency Index (EF EPI) misst seit einigen Jahren anhand von Onlinetests die Englischkenntnisse von Erwachsenen und gewinnt so wichtige Erkenntnisse.

Der English Proficiency Index zeigt die verschiedenen Kompetenzstufen eines jeden Landes, aber auch die Bedeutung, die Englisch als Weltsprache zukommt: Die Globalisierung erfordert immer mehr das Beherrschen dieser Sprache. Große Konzerne wie Siemens, Daimler oder die Deutsche Bank nutzen Englisch bereits als Unternehmenssprache.

Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass lediglich 30 Prozent der Mitarbeiter der 1000 größten Unternehmen Englisch Muttersprachler sind – irgendwie muss die Verständigung mit diesen 30 Prozent ja funktionieren. Englisch ist da der größte gemeinsame Nenner.

Aktuell liegt der sechste EF EPI vor, in den Testdaten aus 72 Ländern aus dem Jahre 2015 einflossen. Anhand von 950.000 erwachsenen Teilnehmern wurde der Zusammenhang zwischen Englischkenntnissen und wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren untersucht, so beispielsweise Ertragskraft, Innovation und Konnektivität.

Wesentliche Ergebnisse dieser Studie waren unter anderem:

  • Wettbewerbsfähigkeit: Englischkenntnisse üben einen starken Einfluss auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit aus. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für Einzelpersonen, auf nationaler und internationaler Ebene. Insgesamt lassen sich dynamischere, innovativere Geschäftsumfelder beobachten.
  • Einkommen: Je besser die Englischkenntnisse, desto höher das Einkommen, desto besser die Lebensqualität. Die Teilnehmer mit den besten Englischkenntnissen verdienten im Durchschnitt 41.000 US Dollar jährlich, Teilnehmer aus Ländern mit niedrigen Englischkenntnissen liegen bei einem jährlichen Verdienst von 7.500 US Dollar.
  • Geschlecht: Unabhängig von der Altersgruppe lässt sich beobachten, dass quasi weltweit Frauen über bessere Englischkenntnisse verfügen als Männer; dieses Ergebnis bestätigt ältere EF EPI.
  • Alter: Dennoch spielt das Alter bei den Untersuchungen des EF EPI insofern eine Rolle, dass junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren weltweit über die besten Englischkenntnisse verfügen.

Deutschland landet in dieser Studie übrigens immerhin auf den neunten Platz, also noch innerhalb der Top Ten. Die besten Länder sind die Niederlande und traditionell die Skandinavier, Dänemark (Platz 2) und Schweden (Platz 3). Für die sehr guten Englischkenntnisse gemäß den Kompetenzstufen des EF EPI spricht:

  • Nuancierte und angemessene Anwendung der Sprache in sozialen Situationen
  • Müheloses Lesen von anspruchsvollen Texten
  • Verhandlung eines Vertrags mit einem englischen Muttersprachler

Gemäß diesen Kompetenzstufen hat Deutschland neben Österreich (übrigens auf Platz 8) gute Englischkenntnisse, das heißt:

  • Halten einer Präsentation am Arbeitsplatz
  • Verstehen von Fernsehsendungen
  • Lesen einer Zeitung

Formulierungen für Englischkenntnisse im Lebenslauf

Der Lebenslauf gibt Aufschluss darüber, welche Ausbildung und welche beruflichen Erfahrungen Sie im Laufe Ihres Arbeitslebens gesammelt haben. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die zusätzlichen Fähigkeiten, etwa Sprachkenntnisse. Die Schwierigkeit besteht für viele Arbeitnehmer darin, eine möglichst realistische Selbsteinschätzung auszudrücken.

Am leichtesten lassen sich Englischkenntnisse über Zertifikate wie TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder GMAT (Graduate Management Admission Test) nachweisen.

Gerade wenn keine Sprachtests absolviert wurden, liegen in der Regel keine Zertifikate vor, die einen Kenntnisstand bescheinigen. Gleichzeitig gibt es keine offizielle Definition, wie solche Englischkenntnisse deklariert werden müssen.

Formulierungen wie „gut“, „fließend“ und „ausbaufähig“ sind recht vage und bedürfen der Erläuterung. Üblicherweise wird folgendermaßen unterteilt:

  • Grundkenntnisse

    Sie beherrschen die elementaren, alltäglichen Worte im Englischen. Meist stammen diese Kenntnisse noch aus der Schulzeit und reichen dafür, sich selbst vorzustellen, im Urlaub nach dem Weg fragen und langsamen Gesprächen folgen zu können.

  • Gute Englischkenntnisse

    Unterhaltungen und Telefonate stellen keine Hürden dar. Der Sprecher kann sich schon deutlich besser ausdrücken, etwa wenn es um vertraute Arbeitsbereiche geht, aber auch persönliche Interessen und Erfahrungen können auf Englisch berichtet werden.

  • Sehr gute Englischkenntnisse

    Mit diesem Sprachniveau kann sich ein Sprecher problemlos zu komplexen Texten oder abstrakten Themen äußern. Auch fachbezogene Unterhaltungen und Diskussionen sind keine größere Herausforderung, Gespräche mit Muttersprachlern sind für beide Seiten problemlos.

  • Verhandlungssicher in Wort und Schrift

    Die Unterschiede zwischen diesem Sprachniveau der Englischkenntnisse und der letzten Stufe sind marginal: Wer verhandlungssicher in Wort und Schrift in seinem Lebenslauf angibt, ist vermutlich in einem englischsprachigen Umfeld aufgewachsen oder hat lange Zeit dort gelebt: Der Gebrauch der englischen Sprache ist in allen Kontexten problemlos möglich – im beruflichen wie im gesellschaftlichen Leben, der Sprecher sucht nicht nach Vokabeln, sondern äußert sich intuitiv.

  • Muttersprachler/muttersprachliches Niveau

    Dieses Sprachniveau ermöglicht dem Sprecher, sämtliche aufgenommenen Informationen problemlos zu verstehen. Das schließt auch bei komplexen Sachverhalten das Verständnis von Bedeutungsnuancen ein.

Üblicherweise wird Bewerbern geraten, ihren Lebenslauf sowie die Bewerbung insgesamt eher wohlwollend zu gestalten. Sich selbst schlecht zu machen wäre natürlich kontraproduktiv, so macht man keinen Arbeitgeber auf sich aufmerksam. Sie sollten bei der Angabe Ihrer Englischkenntnisse allerdings auch Ihre zukünftige Arbeitsstelle berücksichtigen.

Wer bei einem internationalen Großkonzern vorstellig wird, muss damit rechnen, dass der Personaler mitten im Gespräch ins Englische wechselt. Wer zuvor verhandlungssichere Englischkenntnisse angegeben hat, sollte ebenfalls mühelos „switchen“ können, anderenfalls wird es peinlich.

Englischkenntnisse sichern geschäftlichen Erfolg

Eine EU-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Englischkenntnisse ein wesentlicher Faktor für kleine und mittelständische Unternehmen sind, wenn es um den geschäftlichen Erfolg geht. Wer eine Fremdsprache beherrscht, kann demnach nicht nur bessere Informationen über das Geschäftsfeld, sondern auch neue Ideen über Produktion, sowie Rohmaterialien, Vermarktung und Handelswege erhalten.

Obwohl längst nicht alle befragten Unternehmen Auskunft darüber erteilen konnten, wie hoch die Summen waren, gibt die Studie Aufschluss darüber, dass durch mangelnde Kommunikationsmöglichkeiten Aufträge im Wert von mehreren Millionen Euro verloren gingen.

Gemäß den Angaben von 37 befragten Unternehmen lässt sich der Wert der Aufträge insgesamt auf 8 bis 13,5 Millionen Euro beziffern, weitere 54 Unternehmen gaben sogar an, dass ihnen Aufträge im Wert von 16,5 bis 25,3 Millionen Euro entgangen seien. Problematisch sind bei grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeiten übrigens nicht nur die mangelnden Englischkenntnisse, sondern auch die mangelnde interkulturelle Kompetenz.

Unternehmen haben also bereits vor diesem Hintergrund ein Interesse daran, dass ihre Arbeitnehmer über Englischkenntnisse verfügen. Dies lässt sich über Fortbildungen durch den Arbeitgeber fördern, etwa im Rahmen eines Bildungsurlaubs.

Motivierte Arbeitnehmer, die ihre Englischkenntnisse auffrischen und erweitern wollen, können durch Sprachreisen wesentlich tiefer in die Materie einsteigen.

[Bildnachweis: Gloriole by Shutterstock.com]
16. August 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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