Sagen wir es, wie es ist: Die klassische Bewerbungsmappe aus Papier stirbt aus. Mehr als jede zweite offene Stelle wird heute via Internet besetzt. Zumindest die offiziell ausgeschriebenen. Deutsche Unternehmen veröffentlichen bereits 85 Prozent ihrer Vakanzen auf der eigenen Homepage, schreiben diese zusätzlich per Twitter aus oder nutzen dazu ihre Facebook-Karriereseite oder Online-Jobbörsen. Und Unternehmen wie Audi, Bayer, Commerzbank oder Daimler akzeptieren überhaupt keine Bewerbung auf Papier mehr, sie haben eigens Karriereseiten eingerichtet, wo interessierte Kandidaten spezielle Online-Formulare ausfüllen und Bewerbungsunterlagen hochladen müssen. Schon jedes vierte Unternehmen wünscht sich ausschließlich eine solche Online-Bewerbung - wie auch unser Arbeitgebercheck zeigt. Denn das spart Zeit und Kosten bei der Bearbeitung.

Online Bewerbung Muster Bewerbungsformular Tipps

Definition: Online-Bewerbung oder E-Mail-Bewerbung?

Definition: Online-Bewerbung oder E-Mail-BewerbungGrundsätzlich sollten Sie zwischen zwei Varianten der Online-Bewerbung unterscheiden, die immer wieder synonym verwendet werden, aber unterschiedliche Formen haben:

  1. Die E-Mail-Bewerbung

    Sie entspricht einer klassischen Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen - nur mit dem Unterschied, dass diese Bewerbung per E-Mail und mit einem PDF-Anhang auf elektronischem Weg versendet werden.

  2. Die Online-Bewerbung

    Diese Variante nimmt stetig an Beliebtheit zu und meint eine Bewerbung über ein Online-Formular mit mehreren Seiten auf der Website des Unternehmens. Die jeweiligen Formularfelder müssen dann der Reihe nach ausgefüllt werden. Ein Upload von PDF-Dokumenten ist häufig ebenfalls möglich.

Beide Varianten haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, verlangen dem Bewerber aber auch eine unterschiedliche Vorbereitung ab. Für beide Varianten geben wir Ihnen hier auf der Karrierebibel zahlreich Tipps und detaillierte Empfehlungen. In diesem Artikel geht es jedoch allein um die Variante der Online-Bewerbung. (Tipps zur E-Mail-Bewerbung finden Sie HIER).

Online-Bewerbung schreiben: Hier lauern Tücken

Generell gilt: Wird in einer Stellenanzeige eine Bewerbungsform explizit genannt und gewünscht, bewerben Sie sich bitte auch nur so. Alles andere kostet nur unnötig Sympathiepunkte oder gar die Chance auf den Job. Wenn also ein Arbeitgeber ausschließlich die Online-Bewerbung verlangt, steht Ihnen auch nur dieser Weg frei - mit nur einer Ausnahme: der Initiativbewerbung.

Bewerbung-Schriftlich-Online-Präferenzen-Grafik

Mit ein paar Klicks zum Job: Das klingt erst einmal gut. Die Online-Bewerbung - so praktisch und beliebt sie ist: Sie hat allerdings auch ein paar Tücken: Das Internet verführt mit seiner lockeren, schnellen Kommunikation nur allzu leicht zu Schludrigkeiten, die man sich bei einer klassischen-schriftlichen Bewerbung nie erlauben würde. Dabei gilt für die Bewerbung per Web dasselbe wie für jeden klassischen Brief:

Formulieren Sie stets sorgfältig, ohne Tippfehler, und achten Sie auf einen guten Erst- und Gesamteindruck.

Bevor Sie also mit der Bewerbung loslegen, sollten Sie zunächst alle relevanten Informationen über das Zielunternehmen und den anvisierten Job recherchieren, zum Beispiel auf der Firmenhomepage, auf dem Karriere-Blog (falls es eines gibt) oder auf der Karriereseite auf Facebook. Und ganz so leicht wie in diesem Beispiel sollten Sie es sich dabei vielleicht nicht machen:

Auch das Online-Formular müssen Sie nicht sofort ausfüllen. Manche Tools erlauben das flüssige Vor- und Zurückblättern. Sollte das nicht möglich sein, können Sie sich auch erst einmal anonym unter falschem Namen anmelden und von allen Feldern Screenshots machen, um diese später umso besser ausfüllen zu können.

Sollten dabei dennoch wichtige Fragen aufkommen oder offen bleiben, dürfen Sie ruhig in der Personalabteilung nachfragen - per Mail oder Telefon. Allerdings bitte nur gezielt, knapp und konkret. Eine individuelle Beratung will hier kein Personaler leisten. Das wirkt auch nicht allzu überzeugend.

Tipps zur Online-Bewerbung: Das können Sie gut vorbereiten

Für die Online-Bewerbung können und sollten Sie vorab ein paar wichtige Unterlagen zum späteren Hochladen vorbereiten und aktualisieren. Dazu gehören:

Online-Bewerbung: Machen Sie Screenshots!

Extra-Tipp für die Online-BewerbungMachen Sie sich von jeder Seite nach dem Ausfüllen stets einen Screenshot und nehmen Sie die Ausdrucke davon ins spätere Vorstellungsgespräch mit - falls Rückfragen zu Ihren Angaben kommen. Gerade wer sich auf mehrere Stellen gleichzeitig bewirbt, bringt schon mal gerne was durcheinander. Das wäre dann peinlich.

Vorlagen machen: Tipps zum Ausfüllen der Online-Formulare

Wer sich für einen Job bei einem Unternehmen interessiert, das nur elektronische Bewerbungen akzeptiert, sollte sich auf Formular-Seiten mit Fragen zu Kontaktdaten, Ausbildung, Zusatzqualifikationen und bisherigen Jobs gefasst machen. Dabei ist das Wichtigste:

Füllen Sie unbedingt immer ALLE Felder aus!

Unvollständige Angaben führen regelmäßig zum vorzeitigen Aus des Kandidaten, weil diese Vorauswahl oft eine Maschine macht. Und die arbeitet stumpf wie ein Algorithmus nach der Regel: unvollständige Angaben bedeutet Absage...

Darüber hinaus empfehlen wir, sich ein paar Vorlagen zu erstellen, um klassische Fehlerquellen zu minimieren:

  • Vorschreiben

    Um Tippfehler zu vermeiden, sollten Sie die entsprechenden Textbausteine bereits in Ruhe und offline (zum Beispiel in einem Word-Dokument) vorformulieren und die Rechtschreibprüfung aktivieren. Es schadet auch nicht, diese Textbausteine von einem Freund oder Profi gegenlesen zu lassen. Achtung bitte bei Sonderzeichen: Das Euro-Symbol zum Beispiel kann bei der Angabe von Gehaltsvorstellungen zu unfreiwilliger Verwirrung führen, wenn die Programmversion des Empfängers ein anderes Zeichen daraus macht. Besser gleich EUR oder Euro schreiben.

  • Freitext

    Die meisten Online-Bewerbungs-Formulare besitzen sogenannte Freitextfelder. Hier wird in der Regel das sonst übliche Anschreiben erwartet. Auch das können Sie vorbereiten - achten Sie aber darauf, ob etwaige Zeichenbegrenzungen vorliegen und Ihr vorbereitetes Anschreiben daher abgeschnitten wird. In dem Fall hilft nur: umformulieren und intelligent kürzen. Ansonsten sollten Sie versuchen, den Text durch Absätze, Zeilenumbrüche und Spiegelstriche übersichtliche zu gliedern und ihm eine gut lesbare Struktur zu geben.

  • Anschreiben

    Manchmal kann das Anschreiben auch gesondert als Datei hochgeladen werden. Achten Sie in dem Fall darauf, dass sich die Angaben dort mit dem Rest in den Formularfeldern decken. Widersprüche und Unstimmigkeiten lassen hier schnell eine Massenbewerbung erkennen oder werden auf mangelnde Sorgfalt zurückgeführt.

  • Anhänge

    Falls Sie gebeten werden Ihren Lebenslauf oder eingescannte Zeugnisse hochzuladen, achten Sie darauf, die Bewerbung nicht zu überfrachten. Maximal drei Empfehlungsschreiben und ebenso viele Zeugnisse der letzten drei Stationen sind die Obergrenze. Die werden allerdings nicht einzeln hochgeladen, sondern idealerweise vorher in einem PDF zusammengefasst. So muss der Personaler weniger Dateien herunterladen beziehungsweise öffnen. Das Bewerbungsfoto sollten Sie ohnehin im Lebenslauf integrieren - falls es nicht im Vorfeld ausgeschlossen wird.

    PDF zusammenfügen: Dokumente in einer Datei speichern

    PDF zusammenfügen: Dokumente in einer Datei speichernFalls es im Online-Formular nur ein Feld gibt, wo sie etwaige PDF-Dokumente hochladen können, müssen Sie diese vorab in einer PDF-Datei zusammenfassen. Im Internet gibt es dafür bereits einige kostenlose Online-Tools, wie SmallPDF oder PDFJoin. Auch hier gilt natürlich, dass Sie die Datei anschließend eindeutig benennen.

    In jedem PDF stecken allerdings auch sogenannte Metadaten. Diese können Informationen enthalten, die den Bewerber diskreditieren. Etwa, dass Erstell-Datum des PDFs, das verrät: Diese Bewerbung ist schon älter und sehr wahrscheinlich nicht (nur) für dieses Unternehmen erstellt worden. Peinlich. Auch wer das PDF tatsächlich erzeugt hat und mit welchem Programm, wird hier offenbart. Um auch an der Stelle einen professionellen Eindruck zu erhalten, empfiehlt es sich, diese Metadaten vorab zu editiern - zum Beispiel mit dem Gratis-Tool BeCyPDFMetaEdit.

  • Format

    Alle Dateien zusammen sollten nicht größer als vier Megabyte sein sowie sinnvoll und eindeutig benannt werden. Also nicht nur "Lebenslauf.pdf", sondern besser "Lebenslauf_Susanne_Mustermann.pdf". So können die Dateien auch zugeordnet werden, falls im System mal etwas durcheinander gerät.

  • Absender

    Wie schon erwähnt, wählen Sie als Kontaktadresse unbedingt (!) eine neutrale E-Mail-Adresse, also nicht HotGirl69@hotmail.com (siehe Fehler-Liste unten), sondern Vorname.Nachname@Provider.de. Perfekt an der Stelle ist natürlich die Kombination mit einem eigenen Blog auf eigenem Server. Hier ergibt sich nicht nur eine professionelle Mail-Adresse (Vorname.Nachname@Blogname.de), sondern eben auch der subtile Hinweis auf das eigene Blog, den mancher Personaler mit Interesse lesen wird und wo Sie spezielle Informationen zu Ihrer Expertise oder über das Zielunternehmen geschickt platzieren können.

Extra-Tipp: Diese Bewerbungsfehler bitte vermeiden

Online-Bewerbung-Fehler-Grafik

Nobody is perfect. Auch das kommt leider immer wieder vor, dass bei der Online-Bewerbung Fehler gemacht werden - unnötige vor allem. Die schlimmsten Fauxpas', die Personaler in dem Zusammenhang immer wieder nennen und nerven, haben wir in diesem PDF zusammengefasst, dass Sie sich hier kostenlos herunterladen können.

Online-Bewerbung aufpeppen - mit einer Homepage oder Grafiken

Bewerbungs-Extras und gutes Design können helfen, aus der Masse hervorzustechen. Gutes Design drängt sich dabei aber nie auf, sondern sorgt für einen angenehmen Eindruck und eine suggestive Leserführung. Mit Schriftarten, Textgrößen und Formatierungen lässt sich dabei schon allerhand erreichen. Wesentlich größer aber wirkt die Gravitationskraft von Grafiken und Bildern.

Wichtig ist jedoch, dass diese Schmuckelemente eine ansonsten akkurate und vollständige Bewerbung nur ergänzen und abrunden. Ein Ersatz für inhaltliche Substanz sind sie nicht.

Es spricht also nichts dagegen, wenn Sie zum Beispiel Ihren Lebenslauf oder das Deckblatt durch ein paar einprägsame und aussagekräftige Kuchen- oder Balkendiagramme aufzupeppen. Ebenso lassen sich wichtige Stationen des bisherigen Werdegangs als "Timeline" oder Zeitstrahl gestalten.

Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt, solange sie dezent bleibt und das eherne Design-Gesetz befolgt: form follows function.

Weil natürlich nicht jeder Bewerber zugleich ein ausgebildeter (Info-)Grafiker ist, gibt es im Netz inzwischen eine ganze Reihe nützlicher und einfacher Tools, um beispielsweise aus seinem Online-Profil bei einem sozialen Netzwerk wie Linkedin oder Facebook eine Infografik seines bisherigen Werdegangs zu machen oder aber das persönliche Stärken-Schwächen-Profil in ein Kuchendiagramm zu verwandeln. Exemplarisch seien dazu die folgenden kostenlosen Tools kurz vorgestellt:

  • Visualize.me verwandelt die Linkedin-Bio in eine ganz passable Infografik. Farben und Designs sind begrenzt wählbar. Das Ergebnis lässt sich - etwa per Screenshot - schnell kopieren und in den Lebenslauf integrieren.
  • Re.vu macht aus Ihrem Werdegang bei Linkedin eine animierte Kurzbiografie in Form einer bunten Timeline. Das Design lässt sich manuell verändern, Informationen können weggelassen oder hinzugefügt werden. Dafür lässt sich die Grafik schlecht kopieren und in den eigenen Lebenslauf einfügen. Besser: Sie geben den Link zu dem Ergebnis an.
  • Visual.ly wiederum erlaubt Ihnen, mithilfe des dort sogenannten Social-Media-Infografik-Generators Ihr Facebook- oder Twitter-Profil binnen weniger Klicks in eine veritable Infografik zu verwandeln. Das ist allerdings eher eine Lebenslauf-Ergänzung für Spezialisten, die sich im Bereich Medien und Social Media bewerben wollen.
  • Resumup sieht nicht nur besonders schick aus, sondern analysiert die die zuvor zugänglich gemachten Linkedin-Profildaten auch. Heraus kommt dabei nicht nur ein bunter Zeitstrahl bisheriger Stationen, sondern auch eine Art Persönlichkeitsprofil - etwa ob man eher extrovertiert ist, stetig, neugierig oder effizient. Diese Informationen sind natürlich editierbar, bevor man Sie in seinen Lebenslauf einfügt.

Verstehen Sie uns aber bitte nicht falsch: Es geht nicht darum, die Bewerbung im Allgemeinen und den Lebenslauf im Besonderen durch derlei grafische Elemente zu überfrachten. Grafiken verleihen - dezent eingesetzt - der Online-Bewerbung die Würze und eine besondere Note. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Passive Bewerbung Online: Zeigen Sie Profil

Präsenz im Internet zeigen: Passive Bewerbung online Tipps

Denken Sie bei der Bewerbung nicht nur an die aktive Jobsuche - also beispielsweise durch das Schreiben und Versenden von Bewerbungsunterlagen und -mappen.

Gerade das Internet bietet Bewerbern heute auch optimale Chancen, um sich passiv zu bewerben. Das bedeutet, dass Sie sich als attraktive Fachkraft online sichtbar machen und so von Personaler gefunden werden können. Im Fachjargon heißt diese Form des Recruitings auch Active Sourcing.

Für die passive Bewerbung online stehen Ihnen im Kern drei Optionen zur Verfügung, die Sie in Erwägung ziehen sollten - erst recht, wenn Sie mit ihrer bisherigen Bewerbungsstrategie bisher erfolglos waren:

  1. Bewerbungsseite

    Mit einer eigenen Bewerbungshomepage (auch Bewerberseite genannt) geben Sie Ihrem Profil buchstäblich eine Heimat. Der Vorteil: Durch den geschickten Einsatz von Keywords (unter denen Sie gefunden werden wollen) erhöhen Sie deutlich Ihre Sichtbarkeit und potenzielle Reichweite. Und natürlich können auch Freunde diese Seite in Ihren Profilen verlinken und (ver-)teilen.

  2. Social-Media-Profile

    Vor allem Ihre Profile in den Business-Netzwerken Xing und Linkedin sollten Sie in der Bewerbungsphase optimieren und stets aktuell halten. Da aber viele Unternehmen heute auch per Twitter, Facebook oder Instagram rekrutieren, lohnen sich auch hier entsprechend aufgepeppte Profile, die Sie vor allem dann verwenden, wenn Sie mit den Unternehmen via Social Media in Kontakt treten. Auch hierbei gilt es das eigene Kompetenzprofil optimal herauszuarbeiten.

  3. Lebenslauf-Datenbanken

    Einige Jobbörsen und Jobsuchmaschinen bieten inzwischen nicht nur sogenannte Lebenslauf-Editoren an, mit denen Sie online eine Bewerbung erstellen können. Mit einem einfachen Haken, können Sie sich dort oft auch gleich mit dem tabellarischen Lebenslauf in eine entsprechende Datenbank eintragen lassen. Personalentscheider können Sie dort dann ganz einfach finden und direkt kontaktieren. Wir bieten mit Karrieresprung.de ebenfalls einen solchen kostenlosen Service an.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

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Bewerbungsschreiben
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