Keine Antwort auf die Bewerbung: Tipps, was Sie tun müssen

Kaum etwas frustriert Jobsuchende mehr, als keine Antwort auf die Bewerbung zu bekommen. Als sei es nicht schon nervenaufreibend genug, wenn man das Anschreiben formuliert, den Lebenslauf optimiert und all Zeit und Mühe in eine überzeugende Bewerbungsmappe steckt. Reaktion: Nichts. Nicht mal eine Absage.

Keine Frage: Ein solches Verhalten ist grob unhöflich und respektlos gegenüber Bewerbern. Das Phänomen hat sogar schon einen Namen, der aus dem Dating abgeleitet ist: Ghosting. Allerdings steckt nicht immer nur böse Absicht dahinter, wenn Arbeitgeber Bewerber im Unklaren lassen.

Wir zeigen Ihnen, was oftmals wirklich dahinter steckt und geben Tipps, was Sie tun können, wenn Sie keine Antwort auf Ihre Bewerbung bekommen. Tatsächlich ist nachfragen erlaubt – wenn Sie ein paar Spielregeln beachten…

Keine Antwort auf die Bewerbung: Tipps, was Sie tun müssen

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Kein Feedback auf die Bewerbung? Frechheit!

Im Schnitt benötigen Unternehmen drei bis sechs Wochen, um eingehende Bewerbungsunterlagen zu sichten und auszuwählen. Nur weil Sie nicht sofort eine Antwort auf Ihre Bewerbung erhalten haben, bedeutet das also nicht, dass Ihre Mappe schon auf dem Absagestapel gelandet ist.

Manche Unternehmen lassen sich aber selbst mit der Bewerbungsabsage Zeit. Oder geben nach ein paar Wochen nicht mal einen Zwischenstand bekannt und bitten um weitere Geduld. Das ist dann wirklich unhöflich, unprofessionell bis unseriös. Und es frustriert Bewerber gewaltig.

Als wir dazu eine Umfrage unter unseren Lesern gemacht haben, was diese im Bewerbungsprozess am meisten nervt oder ärgert, kam das heraus:

Kein Feedback: Das Schlimmste, was Arbeitgeber machen können

Was Bewerber am meisten nervt (1800 befragte Karrierebibel-Leser):

  • Nach der Bewerbung nie wieder etwas hören (23,5%).
  • Keiner sagt ehrlich, woran die Bewerbung gescheitert ist (18,1%).
  • Nach dem Gespräch keine Rückmeldung erhalten (13,4%).
  • Absage erhalten, danach wird die Stelle wieder ausgeschrieben (10,1%).
  • Fake-Jobanzeigen, die längst intern besetzt wurden (9,3%).
  • Komplizierte Bewerbungsformulare und -portale (6,4%).
  • Unmöglich zu erfüllende Anforderungen (6,2%).
  • Dumme Fragen im Jobinterview gestellt bekommen (4,9%).
  • Absage wegen Überqualifizierung erhalten (4,3%).
  • Stressfragen im Vorstellungsgespräch (3,6%).

Tatsächlich sollten sich Bewerber genau überlegen, ob Sie für ein Unternehmen arbeiten wollen, dass so mit seinen Bewerbern umgeht. Allein für die HR-Abteilung spricht das schon mal nicht. Keine Antwort ist eben auch eine Antwort. Kandidaten sollten das Ghosting daher als Warnsignal verstehen und im Internet recherchieren, was andere Bewerber oder Ex-Mitarbeiter über den Arbeitgeber erzählen – auf Twitter, auf Facebook, in Arbeitgeberbewertungsportalen. Nicht selten bekommt manch schickes Arbeitgeberimage dabei ein paar deutliche Kratzer.

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Keine Antwort auf die Bewerbung: Was steckt dahinter?

Eine lange Wartezeit muss allerdings nicht zwangsläufig mit Nachlässigkeit oder gar bösem Willen zu tun haben. Es kann ebenso sachliche Gründe dafür geben, warum Sie noch (!) keine Benachrichtigung bekommen haben:

Warum Sie keine Antwort auf Ihre Bewerbung bekommen

  • Es haben sich mehr Bewerber gemeldet als erwartet.
  • Die Kandidaten-Auswahl dauert länger als geplant.
  • Ein wichtiger Entscheider ist krank oder im Urlaub.
  • Das Unternehmen verändert sich, die Stelle wird restrukturiert.
  • Die Geschäftslage hat sich verschlechtert. Die Besetzung steht intern auf der Kippe.
  • Sie sind leider die zweite Wahl. Man will aber auf die Entscheidung des ersten Kandidaten warten.

Darüber hinaus sollten Sie sicherstellen, dass Sie wirklich noch keine Benachrichtigung bekommen haben. Manchmal landen solche Mails von unbekannten Absendern im Spam-Ordner.

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Sind Ihre Unterlagen korrekt?

Kontrollieren Sie ebenfalls, ob Ihre Angaben in den Unterlagen korrekt waren und sich nicht etwa durch einen Tippfehler ein Buchstaben- oder Zahlendreher bei Ihrer E-Mail oder Telefonnummer eingeschlichen hat. Das wäre ärgerlich, aber dann natürlich nicht der Fehler des Unternehmens. So berichten uns Personalentscheider auf der anderen Seite immer wieder von typischen Bewerbungsfehlern der Kandidaten, die ebenfalls dafür sorgen können, dass Bewerbungen zu Irrläufern werden:

  • Unvollständige Bewerbungsunterlagen
  • Bewerbungsfrist nicht eingehalten
  • Falscher Betreff, dadurch falsche Zuordnung
  • Völlig unzureichende Qualifikation

Verstehen Sie uns aber bitte nicht falsch: Aus Arbeitgebersicht sind das triftige Gründe und Erklärungen. Sie sind allerdings keine Entschuldigung dafür, eine Bewerbung zu ignorieren. Wer Stellen ausschreibt und einstellt, muss mit Bewerbungen aller Art (auch unartigen) rechnen und sollte auf das gezeigte Interesse angemessen reagieren:

  • Mit eine kurzen E-Mail über den Bewerbungseingang.
  • Mit einem Zwischenstand.
  • Mit einer freundlichen Absage.
  • Oder der Einladung zum Vorstellungsgespräch.
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Keine Antwort auf die Bewerbung: Was können Sie tun?

Was aber tun, wenn sich der Wunscharbeitgeber so gar nicht meldet? Ganz einfach: nachfragen. Es gibt allerdings einen schmalen Grat zwischen angemessenem Interesse und Aufdringlichkeit. Eine solche Nachfrage erfordert Fingerspitzengefühl. Sie wollen dabei weder aufdringlich, noch verzweifelt wirken. Es ist absolut nachvollziehbar, dass Bewerber wissen wollen, was mit ihrer Bewerbung passiert. Ob sie den Job bekommen oder nicht.

Auf der anderen Seite sitzt häufig ein Personaler, der in Arbeit ertrinkt und sich an Prozesse halten muss, die er sich selbst nicht ausgedacht hat. Deswegen hilft hier Druck am wenigsten. Umso mehr gewinnt Empathie und die richtige Taktik.

Generelle Tipps für das Nachfassen

  • Kanal wählen
    Wenn Sie nachfragen, sollten Sie förmlich bleiben. Kurznachrichten per SMS oder Whatsapp sind ein No-Go. Das gilt auch für öffentliche Kommentar in Social Media. Abgesehen vom Datenschutz zerren Sie das Unternehmen in eine Art Arena. Es entsteht öffentlicher Druck, der Sie als Bewerber nicht gerade sympathischer macht. Die perfekten Kanäle sind daher: Telefon oder E-Mail. Idealerweise in dieser Reihenfolge. Am Telefon lässt sich Vieles freundlicher klären als schriftlich.
  • Höflich bleiben
    Wenn Sie das erste Mal nachfragen, fallen Sie bitte nicht mit der Tür ins Haus: „Ich wollte nur mal nachfragen, ob meine Bewerbung angekommen ist…“. Ist sie, in 99 Prozent aller Fälle. Daher: doofe Frage. Der indirekte Weg ist charmanter und erfolgreicher: Sie melden sich und bekräftigen Ihr Interesse für die Stelle: „Die vergangenen Wochen und Berichte in den Medien (vielleicht mit Beispiel) haben mich noch einmal in meinem Wunsch bestärkt, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Ich weiß, dass Sie (als Personaler) viel um die Ohren haben, aber können Sie schon einen Zwischenstand geben?“ Das ist viel subtiler.
  • Alternativen erwähnen
    Je mehr Sie drängeln, desto verzweifelter wirkt das. Das Argumentieren mithilfe von Alternativen ist ein gefährliches Pokerspiel. Oft ist es schlicht erfunden, zumindest wird der Personaler das vermuten. Damit das weniger wie ein Bluff wirkt, sollten Sie weder übertreiben („Ich habe fünf andere Angebote auf dem Tisch!“), noch arrogant oder erpresserisch wirken, Motto: „Wenn ihr euch nicht binnen zwei Tagen meldet, bin ich weg!“ Ein anderer Tenor wirkt besser: Sie möchten immer noch am liebsten dort arbeiten, kommen aber zunehmend in Entscheidungsnot. Sie möchten weder Druck machen, noch penetrant erscheinen, aber ein kurzes Feedback würde Ihnen bei der Entscheidung helfen…

Nachfragen per Telefon: Tipps für Bewerber

Es ist weniger eine Frage, ob Sie per Mail oder Telefon nachfragen, sondern mehr eine Frage des richtigen Timings. Das finden sogar die Personaler selbst. So sagten nur rund sechs Prozent der Personaler laut einer Umfrage der Personalberatung Robert Half, dass sie Verständnis dafür hätten, wenn Bewerber schon nach drei Tagen anrufen, um sich nach dem Status Ihrer Bewerbung zu erkundigen. Die Mehrheit (rund 25 Prozent) hielten eine Wartezeit von sechs bis sieben Tagen für angemessen. Nur sechs Prozent gaben an, dass Sie überhaupt keine Anrufe von Bewerbern wünschen.

Lassen Sie den Unternehmen also genug Zeit für die internen Prozesse. Zwei Wochen nach dem Versenden der Bewerbung sollten schon vergangen sein. Oder mindestens 15 Werktage. Falls Ferien dazwischen liegen etwas länger. Nach dieser Frist dürfen Sie durchaus höflich am Telefon nachfragen und sich nach dem Zwischenstand erkundigen. Dafür sollten Sie sich vorbereiten und die wichtigsten Notizen zur Hand haben. Das ist wichtig, damit Sie nicht durcheinander geraten, falls Sie sich auf mehrere Stellen beworben haben. Die Tipps dazu:

  • Suchen Sie sich nochmal die Stellenanzeige dazu raus.
  • Notieren Sie sich den genauen Jobtitel und – falls vorhanden – die Kennziffer zum Jobangebot.
  • Suchen oder recherchieren Sie Telefonnummer und Name des Ansprechpartners.
  • Finden Sie einen ruhigen Ort, an dem Sie ungestört telefonieren können (keine Hintergrundgeräusche!).
  • Stellen Sie sich mit Namen vor und erklären Sie in zwei bis drei Sätzen Ihr Anliegen.
  • Bleiben Sie stets freundlich – auch wenn der Gesprächspartner gerade keine Zeit hat. Bitten Sie um einen Ausweichtermin.
  • Bedanken Sie sich am Schluss und verabschieden Sie sich höflich. Nennen Sie dabei ruhig nochmal den Namen des Personalers (wirkt verbindlicher).

Formulierungen zum Nachfassen am Telefon

  • „Guten Tag Frau/Herr _______, ich wollte mich kurz erkundigen, ob meine Bewerbungsunterlagen bei Ihnen eingetroffen sind? Ich hatte mich vor zwei Wochen bei Ihnen auf die Stelle als _______, Kennziffer _______ beworben. Ist alles vollständig, fehlt Ihnen vielleicht noch etwas?“
  • „Guten Tag Frau/Herr _______, ich bin mir bewusst, dass Sie viel Arbeit haben. Daher will ich Sie nicht lange aufhalten. Ich hatte mich vor zwei Wochen bei Ihnen auf die Stelle als _______, Kennziffer _______ beworben. Könnten Sie mir kurz etwas zum Zwischenstand des Bewerbungsverfahrens sagen?“

Kleiner Trick: Lächeln Sie während des Telefonats, auch wenn Sie dabei niemand sieht. Das Lächeln aktiviert nachweislich Areale im Gehirn, die automatisch zu einem freundlicheren Ton verhelfen und Sie sympathischer machen.

Sollten Sie am Telefon nicht die erforderlichen Informationen erhalten oder auch nach Telefonat nichts mehr hören, können Sie das Unternehmen erneut kontaktieren. Dieses Mal freundlich per Mail – und daran erinnern, dass Sie noch auf eine Antwort warten.

Als Faustregel können Sie sich merken:

Je kleiner das Unternehmen, desto früher können Sie sich melden. In größeren Unternehmen und Konzernen ist der Bewerberandrang in der Regel deutlich größer. Das erhöht den Aufwand, und der braucht auch mehr Zeit. Deshalb bitte nicht sofort per E-Mail nachfragen, da Sie den Personalverantwortlichen so unter Umständen nur noch mehr Arbeit machen.

Nachfragen per E-Mail: Tipps für Bewerber

Per Mail formulieren Sie letztlich ähnlich wie am Telefon, nur dass Sie Informationen wie den Jobtitel und die Kennziffer in die Betreffzeile oder in den Text schreiben sollten, während Sie im Telefonat unmittelbar auf Nachfrage reagieren können:

  • „Guten Tag Frau/Herr _______, am TT.MM.JJJJ habe ich mich auf Ihre Stelle als Kauffrau für Büromanagement, Kennziffer _______ beworben. Da ich bisher keine Rückmeldung noch eine Empfangsbestätigung erhalten habe, möchte ich hiermit kurz nachfassen und sicher gehen, dass alle erforderlichen Unterlagen bei Ihnen eingegangen sind. Bitte lassen Sie mich wissen, ob noch Informationen fehlen oder ich in irgendeiner Form unterstützend beitragen kann. Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und verbleibe mit freundlichem Gruß“
  • „Sehr geehrte Frau/geehrter Herr _______, ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre freundliche Eingangsbestätigung vom TT.MM.JJJJ. Sicher haben Sie für diese erstklassige Stelle viele Bewerbungen erhalten, die entsprechend zeitaufwendig ausgewertet werden müssen. Da ich nach wie vor an der Stelle als _______ interessiert bin, möchte ich mich auf diesem Wege erkundigen, bis zu welchem Zeitpunkt ich mit Ihrer Antwort rechnen kann. Über eine baldige und positive Rückmeldung würde ich mich freuen. Ich danke Ihnen für Ihre Mühe und verbleibe mit freundlichen Grüßen“

Vermeiden Sie bei Ihren Formulierungen aber bitte stets einen vorwurfsvollen Unterton. Motto: „Ich habe bereits vor vier Wochen meine Bewerbung an Sie geschickt und noch immer keine Antwort erhalten!“ Auch wenn sich in den vergangenen Wochen viel Frust und Wut aufgestaut hat: Emotionale Reaktionen oder Nachfragen sind weder zielführend, noch verbessern sie die eigenen Bewerbungschancen.

Keine Rückmeldung auf Bewerbung: 2 finale Optionen

Es kommt allerdings vor, dass sich Unternehmen auch nach erneuter Nachfrage nicht melden oder keine Antwort auf die Bewerbung verlauten lassen. In dem Fall sollten Sie trotzdem nie den Eindruck der Verzweiflung erwecken. Damit machen Sie sich nur klein. Und das wirkt nie attraktiv auf potenzielle Arbeitgeber. Also bitte keine Formulierungen à la: „Aber Sie wollten doch bis zum _______ Bescheid geben? Falls die Stelle schon besetzt sein sollte, haben Sie vielleicht etwas Ähnliches? Wie hoch schätzen Sie meine Chancen ein?“ Stattdessen bleiben Ihnen zwei finale Optionen:

  1. Abhaken
    Wer sich partout nicht meldet, hat sich selbst disqualifiziert. Gut so! So müssen Sie nicht erst in der Probezeit herausfinden, wie der Arbeitgeber wirklich tickt. Haken Sie die Stelle und das Unternehmen ab. Es gibt in Deutschland mehr als 6 Millionen Firmen. Darunter bleiben genug Alternativen.
  2. Weiter bewerben
    Egal, ob und wann Sie ein Feedback erhalten: Hören Sie bitte nie auf, sich weiter zu bewerben. Alles auf eine Karte zu setzen, wäre töricht. Selbst nach einem (aus Ihrer Sicht) guten Vorstellungsgespräch, sollten Sie weitermachen und Einladungen zu Jobinterviews wahrnehmen. Erstens, weil Sie so die Initiative behalten. Zweitens, weil Sie Ihre Chancen auf einen Job erhöhen.
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
Deckblatt
Kurzprofil

Tipps zum Lebenslauf
Tabellarischer Lebenslauf
Lebenslauf Vorlagen
Praktika im Lebenslauf
Hobbys im Lebenslauf
Arbeitslosigkeit im Lebenslauf
Lücken im Lebenslauf

Tipps zum Anschreiben
Bewerbungsschreiben
Einleitungssatz im Anschreiben
Schlusssatz im Anschreiben
Interessen im Anschreiben
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Tipps zum Arbeitszeugnis
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26. Oktober 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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