Praktikumszeugnis: Formulierungen, Inhalt, Muster

Das Praktikum neigt sich dem Ende, Sie hatten drei Monate Zeit, in einen Betrieb hineinzuschnuppern, haben neue Leute, bestenfalls spannende Aufgabenbereiche kennengelernt und möchten dies nun für die Zukunft festgehalten wissen: Ein Praktikumszeugnis kann Ihnen Türen für die Zukunft öffnen. Schließlich hält es nicht nur die erlernten Fähigkeiten und Tätigkeitsbereiche fest, sondern illustriert Ihre Persönlichkeit, indem soziale Kompetenzen erwähnt und bewertet werden. Worauf Sie bei einem Praktikumszeugnis achten sollten, lesen Sie hier.

Praktikumszeugnis: Formulierungen, Inhalt, Muster

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Praktikumszeugnis Anspruch

Jeder Praktikant ist zugleich ein Arbeitnehmer. Daher haben Praktikanten – laut § 109 der Gewerbeordnung – einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Im Gesetz ist ebenfalls festgeschrieben, dass das Praktikumszeugnis klar und verständlich formuliert sein muss. Überdies muss es „wahr“ und „wohlwollend“ formuliert sein. Die elektronische Form ist indes ausgeschlossen. Heißt: Das Praktikumszeugnis muss Ihnen stets schriftlich, in gedruckter Form und auf Firmenpapier ausgestellt werden.

Verzichten Sie bitte niemals auf Ihr Recht auf ein Praktikumszeugnis. Sie werden es noch bei mancher Bewerbung brauchen. Wenn es zudem mindestens „gut“ oder gar „sehr gut“ ausfällt, kann es Ihnen manche Tür zum Traumjob öffnen.

Welche Zeugnisarten gibt es?

Tatsächlich gibt es nicht nur das EINE Praktikumszeugnis, sondern zwei Arten von Arbeitszeugnissen: Das „einfache“ Praktikumszeugnis und das „qualifizierte“ Praktikumszeugnis:

  • Einfaches Praktikumszeugnis
    Diese Form ist lediglich ein Art Nachweis darüber, wann und wo Sie für welche Zeit beschäftigt waren. Es enthält ausschließlich sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er noch? Manchmal werden noch die Abteilungen und Tätigkeitsbereiche aufgelistet.
  • Qualifiziertes Praktikumszeugnis
    Das qualifizierte Zeugnis enthält neben den sachlichen Fakten zusätzlich eine Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Praktikanten. Zusätzlich werden dabei die Arbeitsweise und das Engagement beschrieben und bewertet. Ebenso wie sich der Praktikant ins Team eingefügt hat.

Bitten Sie bitte IMMER um ein „qualifiziertes Praktikumszeugnis“. Es ist aussagekräftiger und wertvoller für die Bewerbungsunterlagen. Allerdings ist die Bitte darum eine sogenannte „Holschuld“. Heißt: Wenn Ihren Arbeitgeber nicht ausdrücklich und rechtzeitig signalisieren (am besten noch vor Praktikumsende), dass Sie ein qualifiziertes Praktikumszeugnis wünschen, erhalten Sie womöglich nur ein einfaches Praktikumszeugnis oder müssen selbigen sogar noch hinterher rennen.

Wann sollte man ein Zeugnis anfordern?

Der richtige Zeitpunkt, um ein Zeugnis anzufordern, ist zwei bis vier Wochen vor dem Ende des Praktikums. In der Regel benötigen Arbeitgeber für die Ausstellung des Zeugnisses einige Zeit. Je frühzeitiger Sie anfragen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Zeugnis mit dem Praktikumsende erhalten. Wer seinen Anspruch auf ein Praktikumszeugnis wahrnehmen will, sollte damit allerdings nicht zu lange warten: Drei Jahre nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses verfällt dieser.

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Praktikumszeugnis Aufbau & Inhalt

Üblicherweise wird ein Praktikumszeugnis mit einer Seite auskommen – es sei denn, Ihr Tätigkeitsbereich hatte exorbitante Ausmaße. Das Unternehmen sollte dabei auf Firmenbriefpapier mit einem Firmenlogo zurückgreifen. Der Aufbau orientiert sich am klassischen Arbeitszeugnis und setzt sich dabei aus folgenden Bestandteilen zusammen:

Praktikumszeugnis Aufbau Grafik

  • Firmenpapier mit Briefkopf des Arbeitgebers
  • Überschrift („Arbeitszeugnis“)
  • Stammdaten (Vorname, Name, Beschäftigungsart & Dauer)
  • Einleitung
  • Aufgabenfelder, Tätigkeitsbeschreibung
  • Besondere Aufgaben und Erfolge
  • Fachkenntnisse
  • Auffassungsgabe
  • Leistungsbereitschaft
  • Arbeitsweise
  • Leistungsbewertung
  • Beurteilung von Sozialverhalten (Soft Skills)
  • Verhalten zu Vorgesetzten und Team
  • Beendigung des Arbeitsverhältnisses (Austrittsgrund)
  • Schlussformel & Zukunftswünsche
  • Ort, Datum, Unterschrift
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Praktikumszeugnis Formulierungen

Auch in diesem Fall ist der § 109 der Gewerbeordnung eindeutig: „Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.“ Beim Praktikumszeugnis darf also in den Formulierungen nichts versteckt werden, was de facto eine negative Aussage ergibt. Theoretisch. Tatsächlich hat sich im Laufe der Zeit eine Art Zeugnissprache mit Geheimcodes entwickelt, eben solche negativen Formulierungen enthält – nur eben versteckt zwischen den Zeilen. Diese verteilen sich meist auf drei Bereiche:

Leistungsbeurteilung

„Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.“
➠ Heißt übersetzt: „Der Mitarbeiter war eine Null.“

„Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben.“
➠ Heißt übersetzt: „Aber frag nicht, wie chaotisch das war!“

„Sie setzte sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten ein.“
➠ Heißt übersetzt: „Sie ist leider komplett unfähig.“

„Er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.“
➠ Heißt übersetzt: „Nur gearbeitet hat er nicht.“

Verhaltensbeurteilung

„Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.“
➠ Heißt übersetzt: „Der Typ ist arroganter als eine Diva.“

„Sie zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.“
➠ Heißt übersetzt: „Sie flirtete mehr als sie arbeitete.“

„Mit seinen Vorgesetzten kam er gut zurecht.“
➠ Heißt übersetzt: „Er ist ein Mitläufer und passt sich überall an.“

„Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.“
➠ Heißt übersetzt: „Keiner konnte ihn leiden.“

Schlussformel

„Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit.“
➠ Heißt übersetzt: „Achtung, der kränkelt!“

„Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute, besonders Erfolg.“
➠ Heißt übersetzt: „Erfolg hatte er hier nämlich gar keinen.“

Ein gutes Praktikumszeugnis zeichnet sich zudem durch „aktive“ Formulierungen aus. Wenn stattdessen passive Konstruktionen wie „Er/ Sie wurde eingesetzt / beschäftigt als, Er / Sie erledigte (nur) die Aufgaben, die ihm / ihr übertragenen wurden“ verwendet werden, lässt das Rückschlüsse auf eher mäßiges Engagement zu.

Ebenso sollten Sie im Blick haben, ob Selbstverständlichkeiten aufgeführt werden. Dazu gehört beispielsweise die Pünktlichkeit: Wenn ein Arbeitgeber diese im Praktikumszeugnis hervorhebt, dann ist das häufig ein schlechtes Zeichen und bedeutet, dass der Praktikant ansonsten vermutlich nicht viel vorzuweisen hatte. Auch Tätigkeiten wie Briefmarken kaufen, Kaffee kochen und kopieren haben in einem Praktikumszeugnis nichts zu suchen.

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Praktikumszeugnis Noten

Aus den Ausführungen im Praktikumszeugnis lassen sich ähnlich wie bei einem Schulzeugnis Noten ableiten. Beispiele für solche Zeugnisnoten sind die folgenden Formulierungen:

Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben…

  • …stets zur vollsten Zufriedenheit. – Sehr gut (1)
  • …zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit. – Gut (2)
  • …zur vollen Zufriedenheit. – Befriedigend (3)
  • …zur Zufriedenheit. – Ausreichend (4)
  • …im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit. – Mangelhaft (5)
  • Er/Sie hat sich bemüht. – Ungenügend (6)

Da im Gegensatz zum Schulzeugnis keine exakten Noten vergeben werden, muss die Bewertung der Leistung durch Adverbien („immer“, „jederzeit“, „sehr“, „stets“) und Adjektive („exzellent“, „groß“, „hervorragend“, „hoch“, „überdurchschnittlich“, „voll“) aufgewertet werden. Fehlen diese Adverbien und Adjektive oder werden sie durch vage Formulierungen ersetzt, ist das ein Hinweis für eine Abwertung. Beispielsweise bei Formulierungen mit: „im Großen und Ganzen“, „in der Regel“, „häufig“, „zumeist“.

Arbeitszeugnis Formulierungen: 200 Codes entschlüsselt

➠ Leistungsbeurteilung
➠ Verhaltensbeurteilung
➠ Schlussformel

Die wichtigsten negativen Botschaften und Geheimcodes im Arbeitszeugnis – und was sie wirklich bedeuten. Hier kostenlos herunterladen:

Download Geheimcodes im Arbeitszeugnis


Was tun bei einem schlechtes Praktikumszeugnis?

Nicht immer steckt hinter einem schlechten Zeugnis böse Absicht. Manchmal ist auch die Unwissenheit der Aussteller und Personaler schuld. Ist Ihr Zeugnis unvollständig oder unterdurchschnittlich (schlechter als Note „befriedigend“), können Sie das Praktikumszeugnis zurückweisen und ein neues verlangen. Damit sollten Sie aber nicht zu lange warten: Der Anspruch auf Korrekturen am Arbeitszeugnis verfällt nach fünf bis 15 Monaten. Wenn Sie mit dem Zeugnis nicht einverstanden sind, haben Sie drei Optionen:

Direkte Ansprache: Zuerst sollten Sie den Chef direkt ansprechen. Das ist der beste Weg. Gerade Arbeitgeber von kleinen und mittelständischen Unternehmen kennen sich mit der Zeugnissprache oft nicht aus. Die Bitte um Korrektur kann das Problem schnell aus der Welt schaffen.

Schriftlicher Widerspruch: Lässt die Korrektur auf sich warten oder zeigt sich ein Arbeitgeber uneinsichtig, sollten Sie einen schriftlichen Widerspruch formulieren. Darin führen Sie exakt die Passagen auf, die Sie beanstanden und schlagen Alternativformulierungen vor.

Gerichtliche Klage: Erfolgt trotz der schriftlichen Aufforderung keine Korrektur, haben Sie das Recht, drei Wochen nach Erhalt des Zeugnisses eine „Zeugnisberichtigungsklage“ einzureichen. Allerdings liegt die Beweislast bei Ihnen, solange das Zeugnis nicht schlechter als Durchschnittsnote 3 ausfällt.

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Praktikumszeugnis Muster & Vorlage

So könnte ein „sehr gutes“ Praktikumszeugnis aussehen:

Praktikumszeugnis

Elena Ehrgeizig, geboren am TT.MM.JJJJ in Musterstadt, hat vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ als Praktikantin bei uns gearbeitet. Unsere Lokalredaktion befindet sich direkt im Herzen von Phantasiestadt, wir versorgen vier Gemeinden mit allen wichtigen Informationen rund um die Region und aus aller Welt.

Zu den Aufgaben von Frau Ehrgeizig gehörten vor allem:

  • Recherche von Informationen
  • Wahrnehmen von Presseterminen
  • Führen von Interviews
  • Besuchen von Veranstaltungen
  • Fotografische Aufnahmen
  • Verfassen von Artikeln in WordPress
  • Bedienen der Social-Media-Kanäle

Frau Ehrgeizig erfüllte sämtliche Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit. Sie arbeitete sich innerhalb kürzester Zeit in ihre Arbeitsbereiche ein. Ihre Arbeit zeichnete sich durch große Selbständigkeit und Eigeninitiative aus. Hervorzuheben ist hier auch ihr geschickter Umgang mit der Kamera und der anschließenden Bearbeitung in der Software.

Frau Ehrgeiz ist während ihrer Zeit hier immer sehr motiviert, belastbar und engagiert gewesen. Sie zeigte eine schnelle Auffassungsgabe und eignete sich die notwendigen Kenntnisse in der Unternehmenssoftware mühelos an. Nebendem überzeugte sie durch ihr hohes Maß an Kreativität und Vernetzung und brachte sich aktiv in das Redaktionsgeschehen ein.

Die Vorgesetzten und das gesamte Team schätzen Frau Ehrgeizigs Zuverlässigkeit, ihr freundliches Wesen und ihre Teamfähigkeit. Wir haben sehr gerne mit ihr zusammengearbeitet und freuen uns auf künftige Zusammenarbeit in den Semesterferien.

Wir bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihre persönliche und berufliche Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Ort, Datum – UNTERSCHRIFT



Wenn Ihnen der Arbeitgeber die Möglichkeit gibt, sich selbst ein Praktikumszeugnis auszustellen und Sie noch Hilfe bei Formulierungen brauchen, können Sie obiges Beispiel gerne HIER als kostenloses Muster (PDF) herunterladen. Beachten Sie allerdings, dass diese Vorlagen lediglich der Inspiration dienen und nicht eins zu eins verwendet werden sollten.

Auf diese 5 Punkte achten Personaler besonders

In der Bewerbung glänzt jeder. Auch im Anschreiben loben sich die Kandidaten gern über den Klee. Aber stimmt das alles auch? Das Zeugnis hingegen stammt aus der Feder eines Dritten, der schon mal mit dem Bewerber zusammengearbeitet hat. Wer weiß, welche Abgründe sich da vielleicht auftun. Deshalb achten Personaler vor allem auf diese Punkte:

  • Formale Kriterien
    Ist das Zeugnis auf Firmenpapier gedruckt? Wurde es vom Verantwortlichen unterschrieben?
  • Kompetenzen des Bewerbers
    Bestätigt das Zeugnis die Fähigkeiten, die für die Stelle gesucht werden?
  • Abgleich zum Lebenslauf
    Decken sich die Zeugnisangaben und Zeiten mit denen im Lebenslauf?
  • Zeugniscodes & Warnsignale
    Was verraten bisherige Arbeitgeber zwischen den Zeilen über den Kandidaten?
  • Leistungen im Zeitverlauf
    Wie haben sich die Beurteilungen innerhalb von 3 Zeugnissen entwickelt: besser oder schlechter?

Und sie achten auf sogenannte Gefälligkeitszeugnisse: Glänzt das Zeugnis durch übertriebenen Gebrauch von Bestnoten und Superlativen wird es unglaubwürdig. Oft wird das Gefälligkeitszeugnis geschrieben, damit damit der Mitarbeiter schneller geht oder um sich einen Arbeitsrechtsprozess zu ersparen. Geübte Personaler erkennen das und bewerten das Zeugnis dann negativ. Legen Sie deshalb Wert auf eine ausgewogene Zeugnissprache. Keine Lobhudelei!

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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28. Oktober 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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