Zukunftswünsche: Das sollten Sie wissen

Eigentlich haben Zukunftswünsche dem ungeschriebenen Gesetz zu folgen, dass sie wohlwollend sein sollen. Aber nicht immer geht ein Arbeitsverhältnis zur beidseitigen Zufriedenheit auseinander und dann kann es vorkommen, dass die Zukunftswünsche tiefer blicken lassen, als gewünscht. Was Sie über Zukunftswünschen in Abschlussformeln wissen sollten und was Sie tun können…

Zukunftswünsche: Das sollten Sie wissen

Zukunftswünsche: Ein Bestandteil der Abschlussformel

Als Arbeitnehmer haben Sie Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, wenn ein Arbeitsverhältnis endet. Neben dem Aufgabenblock ist es vor allem die Abschlussformel mit den Zukunftswünschen, die beim zukünftigen Arbeitgeber genau studiert wird.

Ähnlich wie bei Grußformeln für Geschäftsbriefe widmet der Absatz am Ende des Zeugnisses sich der Verabschiedung vom Arbeitnehmer und sollte das Beste für die Zukunft ausdrücken.

Dieser Absatz enthält im Idealfall folgende vier Bestandteile:

  • Den Grund für die Kündigung.

    Je nachdem, wie hier formuliert wurde, ist erkennbar, ob der Arbeitnehmer auf eigenem Wunsch das Unternehmen verlässt oder es infolge einer Insolvenz beispielsweise zu einer arbeitgeberseitigen Kündigung gekommen ist.

  • Den Dank für die Zusammenarbeit.

    Üblicherweise dankt der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter für die gute Zusammenarbeit. Je ausführlicher dieser ausfällt, desto besser. Fehlt der Dank, ist von einer eher unbefriedigenden Zusammenarbeit auszugehen.

  • Das Bedauern über den Fortgang.

    Ebenso verhält es sich mit dem Bedauern: Einen wegen seiner Leistungen und als Menschen wertgeschätzten Mitarbeiter wird ein Arbeitgeber nur ungern gehen lassen, also wird er dies entsprechend formulieren. Tut er das nicht, scheint die Erleichterung über den Fortgang zu überwiegen.

  • Die Wünsche für die Zukunft.

    Hat ein Mitarbeiter beruflich wie auch als Mensch überzeugt, gehören entsprechend ausführliche Zukunftswünsche in die Schlussformel. Wie insgesamt beim Arbeitszeugnis können sich hier allerdings Fallstricke verbergen.

Zukunftswünsche: Anspruch der Arbeitnehmer unklar

Zeugnissprache private und berufliche Zukunft Arbeitszeugnis Zukunftswünsche Schlussformel BeispieleEin Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 11. Dezember 2012 (Az: 9 AZR 227/11) stellt fest, dass Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Dank und gute Wünsche im Arbeitszeugnis haben.

Gemäß § 109 Abs. 1 Satz 2 der Gewerbeordnung (GewO) muss ein Arbeitszeugnis mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit enthalten – diese Vorgabe entspricht dem einfachen Arbeitszeugnis. Der Arbeitnehmer kann gemäß § 109 Abs. 1 Satz 3 GewO verlangen, dass darüber hinaus seine Leistung und Verhalten während des Arbeitsverhältnisses beurteilt werden.

Somit wird aus dem einfachen automatisch ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Wenn ihm jedoch Formulierungen bei den Zukunftswünschen nicht gefallen, hat er keinen Anspruch auf Umformulierungen oder Ergänzungen.

Einzige Möglichkeit: Der Arbeitgeber kann ihm ein Arbeitszeugnis komplett ohne Abschlussformel erteilen – dann fehlen natürlich auch die Zukunftswünsche. Soweit das Urteil des BAG.

Landesarbeitsgerichte (LAG) urteilen allerdings mitunter völlig anders. Das LAG Düsseldorf vertritt demgegenüber die Ansicht, der Arbeitgeber hätte sehr wohl in eine Schlussformel Dank und gute Wünsche unterzubringen (Az.: 12 Sa 974/10).

Arbeitszeugnis: Bedeutung von Zukunftswünschen

Das Problem mit den Zukunftswünschen ist, dass sie Bestandteil des Arbeitszeugnisses sind. Und das kann bekanntermaßen sehr unterschiedlich ausfallen. Einerseits ist der Arbeitgeber zu Wahrheit und Wohlwollen verpflichtet. Offene Kritik ist somit nicht möglich.

Hintergrund dessen ist, dass dem Arbeitnehmer das berufliche Fortkommen nicht unnötig erschwert werden soll. Gerade wenn hohe Arbeitslosigkeit herrscht oder eine Branche viele Bewerber aufweist, sind entsprechend formulierte Arbeitszeugnisse wichtig.

Andererseits ist nicht jeder Arbeitnehmer ein Leistungsträger und so mancher Arbeitgeber äußerst nachtragend. Gemäß Zeugnisrecht gibt es keine Geheimcodes. De facto hat sich im Laufe der Jahre eine Zeugnissprache entwickelt.

Ziel dieser Formulierungen ist es, durch verschlüsselte Botschaften einem Personaler doch noch das zu vermitteln, was eigentlich gesagt werden soll. Erreicht wird dies durch verschiedene Methoden:

  • Auslassungen Bestimmte, für den Job wichtige Tätigkeiten werden erst gar nicht erwähnt. Bei den Zukunftswünschen werden wichtige Bestandteile weggelassen.
  • Überbetonungen An sich sind Glückwünsche etwas Positives. Wenn allerdings nur und außerdem mehrfach Glück gewünscht wird, scheint der Arbeitnehmer keinerlei Fähigkeiten zu besitzen.
  • Selbstverständlichkeiten Pünktlichkeit ist hier das klassische Beispiel. Selbstverständlich sollte ein Mitarbeiter immer pünktlich erscheinen. Wird dies als seine nahezu einzige Fähigkeit hervorgehoben, wirkt er automatisch inkompetent.

Auch die Wortwahl und die Satzstellung können die Zukunftswünsche ruinieren. Zwei Beispiele:

Herr Müller verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch hin. Sein Ausscheiden bedauern wir sehr und bedanken uns für seine stets guten und engagierten Leistungen. Sowohl beruflich als auch privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Herr Müller verlässt in beidseitigem Einverständnis das Unternehmen. Wir bedauern dies und danken gleichzeitig für seine Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Im ersten Beispiel wird deutlich, dass das Unternehmen ernstgemeinte, ausschließlich positive Zukunftswünsche an den ehemaligen Mitarbeiter richtet. Der letzte Satz verdeutlicht, dass Herr Müller offensichtlich in der Vergangenheit erfolgreich war und sein ehemaliger Chef ihm diesen Erfolg auch für die Zukunft wünscht – neben allgemeinen guten Wünschen.

Im zweiten Fall hingegen bedeutet das Wörtchen „weiterhin“ nichts anderes als „außerdem“, das heißt, es wird Herrn Müller beruflich und privat viel Erfolg gewünscht – bisher hatte er scheinbar nicht so viel davon.

Zukunftswünsche: Achten Sie auf die Codewörter

Zukunftswünsche private und berufliche Zukunft Arbeitszeugnis Zeugnissprache Schlussformel BeispieleAchten Sie bei der Abschlussformel Ihres Arbeitszeugnisses unbedingt auf die Codewörter „Glück“ und „weiterhin“.

Zwar kommt es immer wieder vor, dass unerfahrene Personaler oder Vorgesetzte sich nichts dabei denken und das Zeugnis so formulieren, wie es dem allgemeinen Sprachverständnis entspricht. Daneben kann der Einsatz von Wörtern wie „Glück“ oder „weiterhin“ sich beim Leser sehr negativ auswirken:

Wenn es um fachliche Qualifikationen geht, hat Glück nichts zu suchen. Das kann man einer Person allgemein wünschen, aber je nach Position im Satz (und Kombination mit anderen Wörtern) wirkt es eher, als ob dem ehemaligen Mitarbeiter nichts zugetraut werde. „Weiterhin“ sollte auf keinen Fall am Satzanfang stehen.

Zeugniswünsche Schlussformel: Beispiele für die Noten 1 bis 5

Nachfolgend haben wir einige Beispiele aufgelistet, die sehr gute bis schlechte Zukunftswünsche darstellen. Entscheidend ist wie angemerkt: Was wird erwähnt? Was wird weggelassen? Was ist selbstverständlich?

  1. Sehr gut sind folgende Zukunftswünsche:

    • Wir wünschen Frau Meier für ihren weiteren Weg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
    • Wir wünschen Herrn Yildirim auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
    • Wir wünschen diesem engagierten, strebsamen und fleißigen Mitarbeiter auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
  2. Gut sind folgende Zukunftswünsche:

    • Wir wünschen Herrn Schneider für seinen weiteren Weg alles Gute und weiterhin Erfolg.
    • Wir wünschen Frau Zimmermann auf ihrem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin Erfolg.
    • Wir wünschen Herrn Bertels, der zu unseren Spitzen-Mitarbeitern gehörte, beruflich und persönlich alles Gute und weiterhin Erfolg.
  3. Befriedigend sind folgende Zukunftswünsche:

    • Für ihren weiteren Berufsweg wünschen wir Frau Müller alles Gute.
    • Wir wünschen Herrn Faust für seine weitere Tätigkeit alles Gute.
  4. Ausreichend sind folgende Zukunftswünsche:

    • Wir wünschen Herrn Schmidt alles Gute.
    • Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute.
  5. Mangelhaft sind folgende Zukunftswünsche:

    • Wir wünschen ihr alles Gute, vor allem Gesundheit.
    • Wir wünschen ihm für den weiteren Berufsweg viel Glück.
    • Wir wünschen alles Gute, darüber hinaus auch Erfolg.
    • Wir wünschen und hoffen, dass sie auf ihrem zukünftigen Berufs- und Lebensweg viel Erfolg haben wird.

Entsprechend der Schulnoten von 1 bis 5 wäre eine 6, wenn so gar keine Zukunftswünsche formuliert sind, weder in persönlicher, noch in beruflicher Hinsicht. Der Personaler erhält so die Botschaft, dass der Bewerber weder in der Vergangenheit Erfolg hatte, noch dass ihm zukünftig etwas zugetraut würde.

Sehr wahrscheinlich gab es außerdem gravierende, persönliche Differenzen zwischen dem Bewerber und seinem ehemaligen Vorgesetzten. Bei einer insgesamt fehlenden Schlussformel kann von einer fristlosen Kündigung ausgegangen werden, die im Fehlverhalten des Arbeitnehmers begründet liegt.

[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]

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28. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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