Das Wichtigste in Kürze
Arbeitszeugnis |
Kurz erklärt |
| Inhalt | Das einfache Arbeitszeugnis nennt Art und Dauer der Beschäftigung sowie die wesentlichen Tätigkeiten. |
| Bewertung | Leistung und Sozialverhalten werden nicht beurteilt. Deshalb enthält das einfache Zeugnis auch keine Zeugnisnoten. |
| Anspruch | Arbeitnehmer haben bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. |
| Sinnvoll | Die einfache Variante kann bei sehr kurzen, fachfremden oder wenig bewerbungsrelevanten Beschäftigungen ausreichen. |
| Bewerbung | Für relevante Berufserfahrung ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis meist aussagekräftiger. |
Was ist ein einfaches Arbeitszeugnis?
Ein einfaches Arbeitszeugnis ist ein sachlicher Nachweis über ein Beschäftigungsverhältnis. Es bestätigt, wie lange Sie bei einem Arbeitgeber beschäftigt waren, welche Position Sie innehatten und welche Tätigkeiten Sie ausgeübt haben. Anders als beim qualifizierten Zeugnis werden Ihre Leistungen und Ihr Verhalten nicht bewertet.
Die gesetzliche Grundlage bildet § 109 GewO. Danach muss ein Arbeitszeugnis mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit enthalten. Verlangt der Arbeitnehmer zusätzlich eine Bewertung von Leistung und Verhalten, handelt es sich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Einfach bedeutet nicht unvollständig
Auch ein einfaches Arbeitszeugnis darf sich nicht auf Jobtitel und Beschäftigungsdauer beschränken. Die Tätigkeiten müssen vollständig und genau beschrieben sein, sodass sich ein zukünftiger Arbeitgeber ein klares Bild von Ihren tatsächlichen Aufgaben machen kann. Das hat auch das Bundesarbeitsgericht bestätigt (BAG, 9 AZR 262/20).
Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis – Unterschied?
Der entscheidende Unterschied ist die Bewertung: Das einfache Arbeitszeugnis dokumentiert die Beschäftigung und Ihre Tätigkeiten. Das qualifizierte Arbeitszeugnis beurteilt zusätzlich Ihre Leistungen und Ihr Sozialverhalten.
Einfaches Arbeitszeugnis |
Qualifiziertes Arbeitszeugnis |
| Art der Beschäftigung | Art der Beschäftigung |
| Dauer der Beschäftigung | Dauer der Beschäftigung |
| Beschreibung der Tätigkeiten | Beschreibung der Tätigkeiten |
| Keine Leistungsbeurteilung | Bewertung der Leistungen |
| Keine Verhaltensbeurteilung | Bewertung des Sozialverhaltens |
| Keine Zeugnisnote | Bewertung entspricht meist einer Zeugnisnote |
Für eine Bewerbung ist das qualifizierte Arbeitszeugnis meist die bessere Wahl. Es zeigt nicht nur, was Sie gemacht haben, sondern auch wie gut. Das einfache Zeugnis eignet sich dagegen vor allem als sachlicher Beschäftigungs- und Tätigkeitsnachweis.
Einfaches Arbeitszeugnis: Muster und Vorlage
Wie sieht ein einfaches Arbeitszeugnis aus? Bei Karrierebibel können Sie das folgende Muster direkt im Browser bearbeiten, an Ihre Tätigkeit anpassen und kopieren. Zum Bearbeiten einfach auf den Kasten klicken:
Einfaches Arbeitszeugnis
Frau Mia Muster war vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ als Schreibkraft in unserem Unternehmen beschäftigt.
Die Stift und Füller GmbH ist ein Hersteller von Büroartikeln in Deutschland.
Frau Muster war im Sekretariat tätig. Zu ihren wesentlichen Aufgaben gehörten:
- Erstellen und Bearbeiten der geschäftlichen Korrespondenz
- Telefonische und schriftliche Kommunikation
- Empfang und Betreuung von Besuchern
- Terminplanung und -koordination
- Vorbereitung und Organisation von Dienstreisen
- Allgemeine administrative Tätigkeiten
Frau Muster verlässt unser Unternehmen zum TT.MM.JJJJ auf eigenen Wunsch. Wir danken ihr für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihre berufliche und persönliche Zukunft alles Gute.
Ort, Datum
Unterschrift
Disclaimer: Die Vorlage dient als Beispiel zur Orientierung. Sie ersetzt keine fachliche Prüfung und Beratung durch einen Anwalt für Arbeitsrecht. Falls Sie die Vorlage verwenden, übernehmen wir keinerlei Haftung für die korrekte Anwendung im Einzelfall.
Einfaches Arbeitszeugnis: Vorlage Word & PDF
Sie möchten das einfache Arbeitszeugnis selbst erstellen? Hier können Sie unser vollständiges Muster kostenlos herunterladen – als Word-Datei zum Bearbeiten oder als PDF zum Ausdrucken:
Einfaches Arbeitszeugnis Muster |
Download |
| Einfaches Arbeitszeugnis – kostenlose Vorlage | Word | PDF |
Was gehört in ein einfaches Arbeitszeugnis?
Das einfache Arbeitszeugnis ist kürzer als ein qualifiziertes Zeugnis. Trotzdem muss die Tätigkeitsbeschreibung aussagekräftig und vollständig sein. Besonders bei einer längeren Beschäftigung reicht eine bloße Berufsbezeichnung nicht aus.
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Überschrift
Das Dokument wird eindeutig als „Arbeitszeugnis“ bezeichnet.
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Persönliche Angaben
Das Zeugnis nennt den vollständigen Namen des Arbeitnehmers. Weitere persönliche Angaben gehören nur hinein, soweit sie erforderlich oder gewünscht sind.
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Beschäftigungsdauer
Angegeben werden Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses.
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Position und Jobtitel
Das Zeugnis nennt die ausgeübte Position beziehungsweise Berufsbezeichnung. Bei einem Positionswechsel sollten die wesentlichen Stationen nachvollziehbar sein.
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Art der Beschäftigung
Soweit für die Einordnung relevant, kann beispielsweise angegeben werden, ob es sich um eine Vollzeit-, Teilzeit- oder Aushilfstätigkeit handelte.
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Aufgaben und Verantwortungsbereiche
Die wichtigsten Tätigkeiten müssen vollständig und konkret beschrieben werden. Besondere Verantwortungsbereiche oder Projekte gehören dazu, wenn sie die Tätigkeit wesentlich geprägt haben.
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Beendigungsgrund
Der Grund für das Ausscheiden kann auf Wunsch bzw. bei entsprechender Vereinbarung genannt werden, zum Beispiel „auf eigenen Wunsch“.
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Schlussformel
Dank und Zukunftswünsche können freiwillig ergänzt werden. Eine Leistungs- oder Verhaltensbewertung gehört jedoch nicht in das einfache Zeugnis.
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Datum und Unterschrift
Zum Abschluss folgen Ausstellungsdatum und die Unterschrift einer berechtigten Person bzw. bei elektronischer Erteilung die erforderliche elektronische Signatur.
Wann ist ein einfaches Arbeitszeugnis sinnvoll?
Nicht immer ist das ausführlichere Zeugnis die bessere Wahl. Entscheidend ist, welche Bedeutung die Beschäftigung für Ihren weiteren Berufsweg hat und ob eine Leistungsbewertung überhaupt aussagekräftig oder vorteilhaft wäre:
Situation |
Einfaches Arbeitszeugnis sinnvoll? |
| Kurze Beschäftigung | Besonders sinnvoll, wenn Leistung und Verhalten wegen der kurzen Dauer nicht fundiert beurteilt werden können. |
| Probezeit | Reicht bei kurzem Arbeitsverhältnis aus (z.B. 4 Wochen). Ab 3 Monaten ist ein qualifiziertes Zeugnis für spätere Bewerbungen oft wertvoller. |
| Ferienjob, Aushilfe | Vollkommen ausreichend, wenn nur Tätigkeit und Beschäftigungsdauer dokumentiert werden sollen. |
| Nebenjob | Kann reichen, wenn der Nebenjob für den weiteren Berufsweg nur eine untergeordnete Rolle spielt. |
| Fachfremde Tätigkeit | Sinnvoll, wenn hauptsächlich nachgewiesen werden soll, dass Sie beschäftigt waren und bestimmte Aufgaben übernommen haben. |
| Schlechte Note | Das einfache Zeugnis enthält keine Leistungsnoten. Das kann im Einzelfall Vorteile haben, bei der Bewerbung aber Rückfragen auslösen, warum kein qualifiziertes Zeugnis vorliegt. |
| Relevante Berufserfahrung | Hier ist ein qualifiziertes Zeugnis besser, weil es zusätzlich Leistungen und Sozialverhalten dokumentiert. |
| Fach- oder Führungsposition | Nicht empfehlenswert! Gerade hier sind Leistungs-, Erfolgs- und Verhaltensbeurteilungen für zukünftige Arbeitgeber besonders wichtig. |
Hinweis: Ein einfaches Arbeitszeugnis ist kein „schlechtes Arbeitszeugnis“. Es enthält schlicht keine Leistungs- und Verhaltensbewertung. Bei längerer oder bewerbungsrelevanter Beschäftigung kann das Fehlen dieser Informationen allerdings ein Nachteil sein.
Einfaches Arbeitszeugnis immer bei schlechten Noten?
Wenn Sie mit einer schlechten Zeugnisnote rechnen, wirkt ein einfaches Arbeitszeugnis zunächst attraktiv. Damit verschwinden aber nicht alle Nachteile: Bei einer relevanten oder längeren Beschäftigung können Personaler nachfragen, warum Sie nur ein einfaches Zeugnis vorlegen. Ein einfaches Zeugnis sollte deshalb nicht allein dazu dienen, eine schlechte Bewertung zu verstecken. Ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis sachlich falsch oder ungerechtfertigt schlecht, sollten Sie besser eine Korrektur verlangen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber zum schlechten Arbeitszeugnis.
Einfaches Arbeitszeugnis in der Probezeit
Auch nach einer Kündigung in der Probezeit besteht grundsätzlich ein Zeugnisanspruch. Bei einer sehr kurzen Beschäftigung kann ein einfaches Zeugnis sinnvoll sein, weil eine fundierte Bewertung von Leistung und Verhalten kaum möglich ist. Hat die Beschäftigung dagegen mehrere Monate gedauert, ist für spätere Bewerbungen meist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aussagekräftiger.
Wer hat Anspruch auf ein einfaches Arbeitszeugnis?
Nach § 109 GewO haben Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – unabhängig davon, ob sie in Vollzeit, Teilzeit oder einem Minijob beschäftigt waren. Das einfache Zeugnis bildet mit Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit den gesetzlichen Mindestinhalt.
Kann ich ein einfaches und ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen?
Sie können grundsätzlich wählen, ob Sie ein einfaches oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen. Der Arbeitgeber stellt Ihnen aber nur eine Form aus. Sie müssen sich also vorab festlegen. Für Bewerbungen benötigen Sie natürlich nur eine Variante. Ist die bisherige Beschäftigung für Ihren weiteren Berufsweg relevant, empfehlen wir immer das qualifizierte Zeugnis.
Einfaches Arbeitszeugnis anfordern
Wenn Sie ausdrücklich ein einfaches Arbeitszeugnis wünschen, sollten Sie das bei Ihrem Arbeitgeber klar benennen. Eine ausführliche Begründung ist nicht notwendig. Für die Anfrage reicht etwa folgende Formulierung:
- „Hiermit bitte ich um Ausstellung eines einfachen Arbeitszeugnisses für meine Beschäftigung vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ. Bitte führen Sie darin meine wesentlichen Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche vollständig auf.“
Weitere Hinweise zu Zeitpunkt, Fristen und Formulierungen finden Sie in unserem Ratgeber zum Arbeitszeugnis anfordern.
Kann ein einfaches Arbeitszeugnis elektronisch erstellt werden?
Mit Einwilligung des Arbeitnehmers kann das Arbeitszeugnis nach § 109 GewO inzwischen auch elektronisch erteilt werden. Eine gewöhnliche Word- oder PDF-Datei per E-Mail genügt dafür jedoch nicht: Die gesetzliche elektronische Form erfordert nach § 126a BGB eine qualifizierte elektronische Signatur. Ohne Einwilligung bleibt es beim schriftlichen Zeugnis auf Firmenpapier.
Welche Schlussformel gehört ins einfache Arbeitszeugnis?
Eine Schlussformel ist auch im einfachen Arbeitszeugnis freiwillig. Arbeitgeber können darin unter anderem den Beendigungsgrund nennen, für die Zusammenarbeit danken und gute Wünsche für die Zukunft aussprechen. Ein gesetzlicher Anspruch auf Dank, Bedauern oder Zukunftswünsche besteht jedoch nicht. Das Bundesarbeitsgericht hat dies mehrfach bestätigt (BAG, 9 AZR 227/11).
Beim einfachen Arbeitszeugnis kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die Schlussformel sollte nicht durch Formulierungen wie „stets hervorragende Leistungen“ oder „stets vorbildliche Mitarbeit“ plötzlich eine Leistungsbewertung enthalten. Das widerspricht dem eigentlichen Charakter des einfachen Zeugnisses. Eine neutrale Schlussformel kann beispielsweise lauten:
- „Frau Muster verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir danken ihr für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihre berufliche und persönliche Zukunft alles Gute.“
Mehr zu Aufbau und Bedeutung lesen Sie in unserem Ratgeber zur Schlussformel im Arbeitszeugnis.
Einfaches Arbeitszeugnis – Checkliste
Auch ein einfaches Zeugnis sollten Sie vor der Verwendung für Bewerbungen sorgfältig prüfen. Besonders wichtig ist eine vollständige Tätigkeitsbeschreibung:
- Zeugnisart eindeutig bezeichnet?
- Name und persönliche Angaben korrekt?
- Beschäftigungszeitraum korrekt?
- Position und Jobtitel richtig bezeichnet?
- Wesentliche Tätigkeiten vollständig genannt?
- Wichtige Verantwortungsbereiche berücksichtigt?
- Berufliche Entwicklung nachvollziehbar?
- Keine Leistungs- oder Verhaltensnoten enthalten?
- Keine zweideutigen oder versteckten Aussagen?
- Schlussformel neutral formuliert?
- Ausstellungsdatum korrekt?
- Unterschrift beziehungsweise elektronische Signatur vorhanden?
- Dokument sauber und formal einwandfrei?
Für relevante Berufserfahrung empfehlen wir meist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Es dokumentiert neben Tätigkeiten und Beschäftigungsdauer auch Ihre Leistungen und Ihr Sozialverhalten und besitzt deshalb für zukünftige Arbeitgeber eine höhere Aussagekraft.
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