Einfaches Arbeitszeugnis: Definition, Beispiel, Vorlage

Sobald das Beschäftigungsverhältnis endet – ob freiwillig oder nicht- haben Arbeitnehmer Anspruch auf ein einfaches Arbeitszeugnis. Das geht aus §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung (GewO) hervor. Das Dokument gibt Aufschluss über die Dauer, die Art der Beschäftigung und das Unternehmen, für das Sie tätig waren. Das einfache Arbeitszeugnis umfasst selten mehr als eine DIN A4 Seite. Gegenüber dem „qualifizierten Arbeitszeugnis“ kann es bei der Bewerbung durchaus Vorteile haben. Welche das sind und worauf Sie beim einfachen Arbeitszeugnis achten sollten, erfahren Sie im Folgenden…

Einfaches Arbeitszeugnis: Definition, Beispiel, Vorlage

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Definition: Was ist ein einfaches Arbeitszeugnis?

Zum Einsatz kommt das einfache Arbeitszeugnis in der Regel bei einfachen Jobs mit geringer Qualifizierung. Also beispielsweise bei Aushilfstätigkeiten, in der Bau-Branche oder Lieferdiensten. Die Angaben in einem einfachen Arbeitszeugnis sind indes überschaubar: Es enthält auf einer (halben) DIN A4 Seite kaum mehr als die Personalien des Arbeitnehmers, die Dauer des Arbeitsverhältnisses und die Art der Beschäftigung. Konkret sieht der Aufbau (in der Reihenfolge von oben nach unten) so aus:

1. Briefkopf (Arbeitgeber)
2. Überschrift (Arbeitszeugnis)
3. Vor-/Nachname Arbeitnehmer
4. Geburtsdatum/-ort
5. Beschäftigungsdauer
6. Art der Beschäftigung
7. Schlussformulierung
8. Ort, Datum, Unterschrift

Art der Beschäftigung beziehungsweise die Tätigkeit(en) des Arbeitnehmers im Betrieb sollten allerdings ausführlicher beschrieben werden, damit für einen zukünftigen Arbeitgeber nachvollziehbar ist, welche einschlägigen Erfahrungen der Bewerber mitbringt und wo er oder sie potenziell eingesetzt werden kann. Überdies sollte der bisherige Arbeitgeber darin das Unternehmen nebst Branche sowie die Position innerhalb der Organisation und die genaue Berufsbezeichnung im Zeugnis nennen. Das erleichtert die Einordnung der Aufgabengebiete und die berufliche Entwicklung, wenn mehrere einfache Zeugnisse bei der Bewerbung eingereicht werden.


Ein wesentliches Merkmal des einfachen Arbeitszeugnisses ist, dass es keinerlei Bewertungen der Leistungen oder des Sozialverhaltens enthalten darf. Es besteht aus reinen Fakten, Beurteilungen sind dem „qualifizierten Arbeitszeugnis“ vorbehalten.

Einfaches Arbeitszeugnis: Bedeutung der Schlussformel

Zwar sollte das einfache Arbeitszeugnis absolut neutral sein und keinerlei Wertungen enthalten. Längst hat sich aber auch hier eine heimliche Bewertung des Arbeitsnehmers eingeschlichen – in der sogenannten Abschlussformel. Die Schlussformel enthält in der Regel einen Dank für die Zusammenarbeit sowie gute Wünsche für die berufliche Zukunft. Beispiel:

Frau Mustermann verlässt das Unternehmen zum TT.MM.JJJJ auf eigenen Wunsch. Wir bedauern diese Entscheidung sehr und danken ihr für die immer gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir ihr weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.

Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht, die Abschlussformel ist immer freiwillig. Entsprechend hoch ist ihre Bedeutung. Fehlt sie ganz oder wird sie abweichend formuliert, deutet das Unstimmigkeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber an. Achten Sie also beim einfachen Arbeitszeugnis unbedingt auf eine Dankesformel mit Zukunftswünschen und fragen Sie im Zweifel nach.

Unterschied einfaches und qualifiziertes Arbeitszeugnis?

Der Unterschied zwischen dem einfachen Arbeitszeugnis und dem qualifizierten Arbeitszeugnis besteht im Umfang, der schon angesprochenen Beurteilung und damit der Aussagekraft. Im qualifizierten Arbeitszeugnis ist ausdrücklich eine Leistungsbeurteilung der Arbeitnehmer-Tätigkeit erwünscht. Es umfasst neben den Angaben aus dem einfachen Zeugnis eine detaillierte Beschreibung der Tätigkeiten und Erfolge sowie eine Bewertung des Sozialverhaltens. Also zum Beispiel das Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden; wie gut sich der Mitarbeiter ins Team integriert hat oder wie engagiert er dabei war. Zu den Kriterien, die beurteilt werden, gehören zum Beispiel…

➠ Fachkenntnisse
➠ Einsatzbereitschaft
➠ Arbeitsweise
➠ Arbeitsqualität
➠ Schnelligkeit
➠ Sorgfalt
➠ Erzielte Erfolge

Für das qualifizierte Arbeitszeugnis gibt es allerdings strenge gesetzliche Auflagen und Vorschriften. So muss dieses stets „wahr“ und „wohlwollend“ formuliert sein. Zudem haben Arbeitsgerichte entschieden, dass das Zeugnis mindestens die Note „befriedigend“ ausweisen muss. Eine schlechtere Benotung muss der Arbeitgeber mit „triftigen“ Gründen belegen. Entsprechend haben sich in der Vergangenheit bei den Arbeitszeugnis Formulierungen eine Art Geheimsprache und Zeugniscode etabliert, hinter denen die Schulnoten („…stets zur vollsten Zufriedenheit“ = „sehr gut“; „Er/Sie hat sich bemüht“ = „ungenügend“) und tatsächlichen Bewertungen versteckt werden. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis sollten Sie daher stets aufmerksam lesen, auf versteckte Botschaften achten und nötigenfalls Nachbesserung beziehungsweise Korrektur verlangen.


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➠ Leistungsbeurteilung
➠ Verhaltensbeurteilung
➠ Schlussformel

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Einfaches Arbeitszeugnis: Beispiel & Vorlage


Arbeitszeugnis

Frau Martina Mustermann, geboren am TT.MM.JJJJ in __________, war in der Zeit vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ als Schreibkraft in unserer Firma angestellt. Sie war im Sekretariat tätig. Ihr Aufgabengebiet umfasste im Wesentlichen das Verfassen von Briefen nach Diktat, den Telefondienst, den Empfang von Besuchern und die Vorbereitung von Dienstreisen.

Frau Mustermann verlässt unsere Firma auf eigenen Wunsch. Wir bedanken uns für ihre Mitarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.

Ort, Datum – UNTERSCHRIFT



Das Muster und die Vorlage für ein einfaches Arbeitszeugnis können Sie Sich gerne auch HIER als PDF kostenlos herunterladen.

Einfaches Arbeitszeugnis: Nach Probezeit?

Für den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nach § 630 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und § 109 Gewerbeordnung (GewO) ist es unerheblich, wie lange Sie für einen Arbeitgeber gearbeitet haben. Ob Sie in unbefristet in Vollzeit oder Teilzeit beschäftigt waren oder noch während der Probezeit das Unternehmen wieder verlassen, spielt keine Rolle. Falls Sie schon innerhalb der Probezeit kündigen (oder gekündigt werden), müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie sich für diesen Zeitraum ein Zeugnis ausstellen lassen, um die Beschäftigung nachzuweisen und keine sogenannten Lücken im Lebenslauf entstehen zu lassen.

Man spricht allerdings erst ab einer Arbeitslosigkeit von mehr als zwei Monaten von einer erklärungsbedürftigen „Lücke“. Ansonsten wird Bewerbern dieser Zeitraum zur beruflichen Orientierung zugesprochen. Bei Berufseinsteigern sind es sogar sechs Monate. Dauerte die Beschäftigung kürzer kann es manchmal sinnvoller sein, den Job überhaupt nicht anzugeben. In dem Fall benötigen Sie auch kein Zeugnis.

Einfaches Arbeitszeugnis: Nach Ausbildung?

Nach § 16 Berufsbildungsgesetz haben Sie nach der Ausbildung Anspruch darauf, dass Ihnen der Arbeitgeber ohne Aufforderung (!) ein schriftliches Arbeitszeugnis ausstellt. Auch hier besteht grundsätzlich die Wahl zwischen einem einfachen oder einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Ohne Aufforderung muss ein Arbeitgeber aber nur das einfache Arbeitszeugnis ausstellen. Möchten Sie ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis, müssen Sie das unter Umständen einfordern. Das einfache Arbeitszeugnis ist mehr ein Nachweis darüber, dass Sie am angegebenen Ort ausgebildet wurden, enthält aber keinerlei Angaben zu Ihren Leistungen und Ihrem Verhalten während der Ausbildung. Für das Ausbildungszeugnis gelten formal die gleichen Aufbau-Kriterien wie für das einfache Arbeitszeugnis.

Arbeitszeugnis Wunsch: So bitten Sie darum

Trotz rechtlichem Anspruch bedeutet das Ausscheiden aus einem Arbeitsverhältnis nicht, dass Sie automatisch ein Arbeitszeugnis erhalten. Insbesondere das qualifizierte Arbeitszeugnis ist eine sogenannte „Holschuld“. Heißt: Sie müssen es aktiv von sich aus beantragen. Das Arbeitszeugnis – ob einfach oder qualifiziert – beantragen Sie zudem bitte immer schriftlich. Idealerweise mit einem zeitlichem Vorlauf von drei bis vier Wochen, bevor das Arbeitsverhältnis endet, damit es zur Bewerbung vorliegt. Für den Zeugnis-Antrag selbst reicht ein einfacher Zweizeiler. Hier eine Beispiel-Formulierung:


Sehr geehrter Herr __________,

hiermit bitte ich höflich um Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses für meine Beschäftigung vom TT.MM.JJJJ bis TT.MM.JJJJ.

Mit besten Grüßen
UNTERSCHRIFT


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Gründe für ein einfaches Arbeitszeugnis

Der Vor- und gleichzeitig Nachteil des einfachen Arbeitszeugnisses liegt darin, dass Angaben zu Ihrem persönlichen Verhalten fehlen. Gab es also beispielsweise während Ihrer Ausbildungszeit, Probezeit oder darüber hinaus Schwierigkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber, werden diese im einfachen Zeugnis nicht dokumentiert. Allerdings kann genau das bei einem zukünftigen Arbeitgeber Misstrauen wecken: Warum hat der Bewerber kein qualifiziertes Arbeitszeugnis vorgelegt? Der Rückschluss, dass es Probleme im vorherigen Arbeitsverhältnis gab, liegt also nahe. Wer ein einfaches Arbeitszeugnis in der Bewerbung nutzt, sollte daher mit Rückfragen im Vorstellungsgespräch rechnen. Immerhin: Die plausible Erklärung können Sie formulieren – nicht der Ex-Arbeitgeber.

Davon abgesehen kann in manchen Fällen auch sachliche Gründe dafür geben, warum Sie „nur“ ein einfaches Arbeitszeugnis haben erstellen lassen, obwohl es keinerlei Probleme zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gab. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen vorzeitig gekündigt wird. Sie haben daran keine Schuld, allerdings war das Arbeitsverhältnis zu kurz, um solide und „qualifizierende“ Aussagen machen zu können.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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19. August 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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