Steuerklassen: Welche für Sie gelten

Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig, fragt scherzhaft ein alter Spruch. Wieviel vom Brutto Ihres Gehaltes netto übrig bleibt und im Endeffekt auf Ihrem Konto landet, das beeinflussen Steuerklassen. Die Einordnung in eine bestimmte Steuerklasse nimmt das Finanzamt vor. Sie ermöglicht es dem Arbeitgeber, von Ihrem Bruttolohn die entsprechende Lohnsteuer abzuführen. Entscheidend für die Einordnung in eine bestimmte Steuerklasse ist in erster Linie der Familienstand. Welche Steuerklassen es gibt, welche Kriterien dafür gelten und wie Sie Ihre Steuerklasse ändern können…

Steuerklassen: Welche für Sie gelten

Wofür gibt es Steuerklassen?

Um die Funktion von Steuerklassen besser zu verstehen, muss etwas ausgeholt werden:

Nach deutschem Steuerrecht wird auf alle Einkünfte eine Steuer erhoben, die sogenannte Einkommenssteuer. Hierfür ist unerheblich, ob Sie Einkünfte erhalten aus…

  • nichtselbständiger Arbeit (so bei einem Angestelltenverhältnis),
  • selbständiger Arbeit (beispielsweise als Freiberufler),
  • Zinsen/Dividenden aus Sparguthaben oder
  • Mietzahlungen von Immobilien.

Eine spezielle Erhebungsform der Einkommenssteuer ist die Lohnsteuer, die bei nichtselbständiger Arbeit anfällt. Das heißt, Selbständige unterliegen nicht der Lohnsteuerpflicht, werden also auch in keine Steuerklasse eingeordnet.

Wie hoch die Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ausfallen, wird von den Steuerklassen bestimmt. Um die Lohnsteuer korrekt berechnen zu können, richtet sich Ihr Arbeitgeber nach den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen („Elstam“, auch elektronische Lohnsteuerkarte genannt), die seit 2013 die Lohnsteuerkarte aus Papier ersetzen.

Individuelle Kriterien wie der Familienstand und etwaige Freibeträge werden direkt beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt, so dass das zu versteuernde Einkommen berechnet wird. Hierbei handelt es sich letztlich aber erst um eine grobe Einschätzung. Welche Abgaben tatsächlich erforderlich sind oder was Sie gegebenenfalls erstattet bekommen, wird mit der Steuererklärung ermittelt.

Solidaritätszuschlag wird weitestgehend wegfallen

Solidaritätszuschlag WegfallIm August 2019 hat das Bundeskabinett die weit­ge­hen­de Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schlags von 2021 an beschlossen. Für 90 Prozent aller Menschen in Deutschland, die ihn bisher zahlten, fällt er komplett weg. Weitere 6,5 Prozent aller Steuerzahler werden zumindest in Teilen von einer Abschaffung profitieren.

Es wird mit einer Entlastung des Steuerzahlers von rund zehn Milliarden Euro gerechnet, dieser Betrag steigt bis 2024 sogar auf zwölf Milliarden Euro. Mit diesem Beschluss sollen vor allem Arbeitnehmer mit niedrigen und mittlerem Einkommen entlastet werden.

Steuerklassen Übersicht: Diese existieren

Wer wissen will, welche Steuern und in welcher Höhe er zahlt, muss seine Steuerklasse kennen. Diese können Sie leicht der Gehaltsabrechnung entnehmen. Eine andere Möglichkeit ist der jährliche Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerkarte vom Arbeitgeber oder eine Nachfrage beim Finanzamt.

Die Steuerklasse wirkt sich auf den Lohnsteuerabzug und den Solidaritätszuschlag aus. Zusätzlich beeinflusst die Zugehörigkeit zu einer Kirche etwaige Abzüge. Für den Solidaritätszuschlag werden 5,5 Prozent der Lohnsteuer fällig, für die Kirchensteuer – je nach Bundesland – acht oder neun Prozent.

Insgesamt sechs Steuerklassen gibt es:

  • Steuerklasse 1

    Alleinstehende, ledige, verwitwete oder geschiedene Arbeitnehmer: Diese Steuerklasse ist Abstand die häufigste in Deutschland. Jeder Single und auch Arbeitnehmer, deren Partner außerhalb der Europäischen Union lebt, wird dort eingeordnet. Häufig sind Berufseinsteiger Steuerklasse 1, die Abgabenlast ist hier am höchsten.

    Argumentiert wird dies damit, dass gleichzeitig die zusätzlichen Belastungen der Menschen in dieser Lohnsteuergruppe am geringsten sind. So haben Berufseinsteiger nach der Ausbildung oder dem Studium häufig noch keine Kinder und sind unverheiratet.

  • Steuerklasse 2

    Alleinstehende / getrennt lebende Arbeitnehmer mit Kind: Die zusätzlichen Belastungen sind wiederum der Grund, warum es für Alleinerziehende die Steuerklasse 2 gibt. Wer ein Kind aufzieht und Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag hat, wird in diese Steuerklasse eingruppiert. Hier bekommen Arbeitnehmer mit Kind einen Ausgleich in Form eines höheren Entlastungsbetrags.

  • Steuerklasse 3

    Verheirateter Arbeitnehmer mit höherem Einkommen / Verwitwete Arbeitnehmer im Todesjahr und im Folgejahr: Steuerklasse 3 wird in Kombination mit Steuerklasse 5 desjenigen Partners gewählt, der über kein oder nur ein geringes Einkommen verfügt. So wird verfahren, weil in Steuerklasse 3 die Abzüge am geringsten sind, also mehr Netto vom Brutto übrig bleibt. Arbeitnehmer, die Elterngeld bekommen (mehr dazu siehe unten).

  • Steuerklasse 4

    Verheiratete Arbeitnehmer mit etwa gleichem Einkommen: Ehepaare, die nicht getrennt leben und uneingeschränkt steuerpflichtig sind, werden in Steuerklasse 4 veranlagt. Diese Eingruppierung erfolgt mit der Eheschließung automatisch. Kommt es längerfristig zu größeren Gehaltsunterschieden, empfiehlt sich ein Wechsel in die Steuerklassen 3 und 5. Für eine realistischere Einschätzung der Abzüge gibt es außerdem „Steuerklasse 4 mit Faktor“.

  • Steuerklasse 5

    Verheirateter Arbeitnehmer mit niedrigerem Einkommen: Der Ehepartner, der kein eigenes oder nur ein niedriges Einkommen hat, wird vom Finanzamt automatisch in Steuerklasse 5 eingeordnet. Die Abzüge sind hier am höchsten. Ein Ausgleich dazu schafft das deutlich geringer besteuerte Einkommen desjenigen, der Steuerklasse 3 hat. Das Finanzamt geht davon aus, dass bei Verheirateten das Einkommen geteilt wird.

  • Steuerklasse 6

    Arbeitnehmer mit Zweitjob oder Nebenjob: Bis auf die letzte spielt für alle Steuerklassen der Familienstand eine Rolle; bei Steuerklasse 6 hingegen geht es ausschließlich um die Anzahl der Jobs.

Die Steuerklassen 3, 4 und 5 sind für Ehepaare. Hier wird genauer nach der Höhe des Einkommens differenziert. Welchen Unterschied die Einordnung in eine Steuerklasse macht, lässt sich anhand folgender Rechnung erkennen:

Beträgt Ihr Bruttogehalt 3.500 Euro monatlich, erhalten Sie…

  • 2 218,89 Euro netto in Steuerklasse 1
  • 2 506,38 Euro netto in Steuerklasse 3

Der Unterschied zwischen Steuerklasse 1 und 3 in diesem Beispiel beträgt immerhin knapp 300 Euro – weitere Vergünstigungen durch Freibeträge nicht eingerechnet.

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Ehepaare können Steuern sparen

Die Zeiten, in denen Paare sich ihre gegenseitige Liebe mit einer Heirat beweisen mussten, sind vorbei. Allerdings gibt es für viele dann doch die Überlegung, aus steuerlichen Gründen zu heiraten. Der Staat fördert finanziell das Zusammenleben in festen Partnerschaften.

Das war auch eins der Argumente für die eingetragene Lebenspartnerschaft – fortan auch steuerliche Vorteile für gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Vor der Hochzeit sind Arbeitnehmer meist in Steuerklasse 1 oder 2 eingeordnet. Nach der Hochzeit folgt die automatische Einstufung in Steuerklasse 4. Ehepaare können selbst entscheiden, ob es sich lohnt, die Steuerklasse zu ändern. Das heißt, von Steuerklasse 4 ist für beide Partner ein Wechsel möglich, beispielsweise in der Kombination 3 und 5 oder 5 und 3.

Folgende Kombinationsmöglichkeiten haben verheiratete Arbeitnehmer insgesamt:

  • Steuerklasse 3 und 5

    Der besser verdienende Ehepartner erhält die Steuerklasse 3, sein Ehepartner die Steuerklasse 5. Unter Fairnessgesichtspunkten lohnt diese Kombination sich vor allem bei Paaren, die eine gemeinsame Haushaltskasse haben und nicht auf Heller und Pfennig aufrechnen. Denn unterm Strich bleibt bei dieser Kombination vom Gesamtnetto mehr übrig, als wenn beide Ehepartner Steuerklasse 4 nehmen.

  • Steuerklasse 4

    Diese Zuordnung geschieht wie erwähnt automatisch. Haben beide Partner ein etwa gleich hohes Einkommen, ist dieselbe Steuerklasse empfehlenswert.

  • Steuerklasse 4 mit Faktor

    Eignet sich für Ehepartner, die unterschiedlich hohe Gehälter haben, aber keine Aufteilung nach Steuerklasse 3 und 5 wollen (mehr dazu unten). Wer sich für diese Option entscheidet, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

Faktorverfahren und Splittingvorteil

Steuerklassen verheiratet Faktor SplittingDie Steuerklassen 3 und 5 werden üblicherweise bei großen Gehaltsunterschieden empfohlen, wenn einer der Partner zu 60 Prozent (Steuerklasse 3) und der andere (Steuerklasse 5) zu 40 Prozent des gemeinsamen Einkommens beiträgt. Ursächlich für die höheren Abzüge in Steuerklasse 5 ist unter anderem, dass hier der Grundfreibetrag nicht, dafür in Steuerklasse 3 in doppelter Höhe angerechnet wird.

Die Einordnung in Steuerklasse 4 ist zwar deutlich gerechter, aber eben nur bei ähnlichen Einkommensverhältnissen lohnenswert. Seit 2010 haben verheiratete Beschäftigte außerdem die Möglichkeit, das Faktorverfahren zu wählen, bei dem das sogenannte Ehegattensplitting praktiziert wird. Das kann anstelle der Kombination der Lohnsteuerklassen 3 und 5 oder 4 und 4 erfolgen.

Beide Ehepartner sind dann zwar automatisch in Steuerklasse 4 eingeordnet, zusätzlich wird aber vom Finanzamt der Faktor angewendet. Der Grundsteuerfreibetrag jedes Ehepartners wird direkt beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Damit soll eine gerechtere Verteilung der Lohnsteuerabgaben erreicht werden.

Vorteil: Die Lohnsteuerabzüge sind bei diesem Verfahren zwar höher als bei anderen Steuerklassenkombinationen. Allerdings liegen sie in etwa bei der zu erwartenden Jahressteuerschuld. Die wird vom Finanzamt im Voraus errechnet und durch 12 geteilt.

Meist können Nachzahlungen so vermieden werden. Damit die endgültige Steuerlast jedoch geklärt wird, sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

In diesen Fällen müssen Sie Ihre Steuerklasse ändern

Die Steuerklassen von Arbeitnehmern sind festgelegt und können nur unter bestimmten Voraussetzungen gewechselt werden. Die grundsätzliche Möglichkeit, zwischen verschiedenen Steuerklassen frei zu wählen, haben nur verheiratete Paare beziehungsweise eingetragene Lebenspartnerschaften, die ihnen gleichgestellt sind.

Relevant sein kann das für Sie, wenn sich Ihre persönliche Lebenssituation ändert. Das kann steuerliche Vorteile für Sie bringen. In folgenden Fällen können oder müssen Sie in eine neue Steuerklasse wechseln:

  • Hochzeit

    Wer bisher in Steuerklasse 1 oder 2 war, wechselt nun bei etwa gleichem Gehalt in Steuerklasse 4. Für Ehepaare lohnt sich bereits der Wechsel zu Steuerklasse 3 oder 5, wenn eine Differenz von 500 Euro netto bei den Einkommen existiert. Von Steuerklasse 4 ist allerdings nur ein Wechsel zu Steuerklasse 3 oder 5 möglich – eine Kombination aus 3 und 4 oder 4 und 5 wird nicht angeboten.

  • Trennung, Scheidung, Aufhebung der Lebenspartnerschaft

    Umgekehrt verlieren Arbeitnehmer im Falle einer Trennung ihre steuerlichen Vorteile und werden wieder in Steuerklasse 1 eingeordnet. In der Phase des Trennungsjahres, in dem Paare noch überprüfen, ob sie die Scheidung durchführen wollen, können sie in den Steuerklassen vorläufig verbleiben. Existieren Kinder und erhält ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, kann er in Steuerklasse 2 veranlagt werden.

  • Geburt

    Der Wechsel in eine andere Steuerklasse kann sich auch lohnen, wenn Sie ein Kind bekommen. Kinder bedeuten vor allem für Alleinerziehende einen finanziellen Mehraufwand, weshalb sie in Steuerklasse 2 weniger Abzüge haben und so steuerlich entlastet werden. Die Höhe des Elterngeldes und des Mutterschaftsgeldes richtet sich nach dem Nettoverdienst des Elternteils, der nach der Geburt überwiegend für die Betreuung des Kindes sorgt. Maßgeblich ist hier der Zeitraum im Jahr vor der Geburt. Mit einem Wechsel in eine günstigere Steuerklasse kann der Nettoverdienst steigen und somit erhöht sich ebenfalls das Elterngeld.

  • Tod des Ehepartners/Lebenspartners

    Im Todesjahr und dem darauffolgenden Jahr kann die verwitwete Person in Steuerklasse 3 verbleiben. Existieren minderjährige Kinder, kommt eventuell auch ein Wechsel in Steuerklasse 2 infrage. Nach dieser Übergangszeit wird der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin wieder als ledige Person behandelt und in Steuerklasse 1 eingeordnet.

  • Verändertes Einkommen

    Kommt es beispielsweise nach einer Gehaltserhöhung zu deutlichen Gehaltsunterschieden, empfiehlt sich ein Wechsel (siehe Hochzeit) für Ehepaare oder Lebenspartner.

Wenn Sie Ihre Steuerklasse wechseln wollen, müssen Sie einen Antrag beim Finanzamt bis zum 30. November für das laufende Jahr stellen. Dafür benötigen Sie das Formular „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“. Vergessen Sie nicht das Familienstammbuch als Nachweis, sofern Sie gerade erst verheiratet sind.

Wirkt sich Arbeitslosigkeit auf die Steuerklasse aus?

Weder der Jobverlust selbst noch der Bezug von Arbeitslosengeld wirken sich auf Ihre Steuerklasse aus. Entscheidend für Ihre Eingruppierung ist nach wie vor der Familienstand.

Genau das kann ein Problem sein, wenn in der Kombination Steuerklasse 3 plus 5 der Besserverdiener plötzlich arbeitslos wird: Unter steuerlichen Gesichtspunkten wäre ein Wechsel des Geringverdieners in Steuerklasse 3 sinnvoll, da Steuerklasse 5 hoch besteuert wird.

Dieser Wechsel ist allerdings nur theoretisch sinnvoll, denn ganz praktisch macht die Agentur für Arbeit einen Strich durch die Rechnung: Wird in eine andere Steuerklasse gewechselt, fallen dafür im Gegenzug die Zahlungen des Arbeitslosengeldes geringer aus, darauf weist die Vereinigte Lohnsteuerhilfe hin.

[Bildnachweis: PR Image Factory by Shutterstock.com]
22. Januar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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