Steuerklassen: Welche für Sie gelten

Als Arbeitnehmer wissen Sie, dass es verschiedene Steuerklassen gibt. Diese Einordnung nimmt das Finanzamt vor, damit der Arbeitgeber von Ihrem Bruttolohn die entsprechende Lohnsteuer abführen kann. Entscheidend für die Einordnung in eine bestimmte Steuerklasse ist in erster Linie der Familienstand. Welche Steuerklassen es gibt, welche Kriterien dafür gelten und wie Sie eine Steuerklasse ändern können…

Steuerklassen: Welche für Sie gelten

Übersicht: Diese Steuerklassen existieren

Von Ihren Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit – also Ihrem Gehalt oder Lohn – wird die Einkommenssteuer abgezogen. Eine Erhebungsform ist die Lohnsteuer. Um diese korrekt berechnen zu können, richtet sich Ihr Arbeitgeber nach den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen („Elstam“, auch elektronische Lohnsteuerkarte genannt), die seit 2013 die Lohnsteuerkarte aus Papier ersetzen.

Individuelle Kriterien wie der Familienstand und etwaige Freibeträge werden direkt beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt, so dass das zu versteuernde Einkommen berechnet wird. Hierbei handelt es sich letztlich aber erst um eine grobe Einschätzung. Welche Abgaben tatsächlich erforderlich sind oder was Sie gegebenenfalls erstattet bekommen, wird mit der Steuererklärung ermittelt.

Wer wissen will, welche Steuern und in welcher Höhe er zahlt, muss seine Steuerklasse kennen, denn diese wirkt sich auf den Lohnsteuerabzug und den Solidaritätszuschlag aus. Zusätzlich beeinflusst die Zugehörigkeit zu einer Kirche etwaige Abzüge.

Insgesamt sechs Steuerklassen gibt es:

  • Steuerklasse 1

    Alleinstehende, ledige, verwitwete oder geschiedene Arbeitnehmer

  • Steuerklasse 2

    Alleinstehende / getrennt lebende Arbeitnehmer mit Kind

  • Steuerklasse 3

    Verheirateter Arbeitnehmer mit höherem Einkommen und Arbeitnehmer, die Elterngeld bekommen

  • Steuerklasse 4

    Verheiratete Arbeitnehmer mit etwa gleichem Einkommen

  • Steuerklasse 5

    Verheirateter Arbeitnehmer mit niedrigerem Einkommen

  • Steuerklasse 6

    Arbeitnehmer mit Zweitjob oder Nebenjob

Mit Abstand die häufigste Steuerklasse in Deutschland ist die erste: Jeder Single und auch Arbeitnehmer, deren Partner außerhalb der Europäischen Union lebt, wird dort eingeordnet. Häufig sind Berufseinsteiger Steuerklasse 1, die Abgabenlast ist hier am höchsten.

Argumentiert wird dies damit, dass gleichzeitig die zusätzlichen Belastungen der Menschen in dieser Lohnsteuergruppe am geringsten sind. So haben Berufseinsteiger nach der Ausbildung oder dem Studium häufig noch keine Kinder und sind unverheiratet.

Das ist wiederum der Grund, warum es für Alleinerziehende die Steuerklasse 2 gibt: Hier bekommen Arbeitnehmer mit Kind einen Ausgleich in Form eines höheren Entlastungsbetrags.

Bis auf die letzte spielt für alle Steuerklassen der Familienstand eine Rolle; bei Steuerklasse 6 hingegen geht es ausschließlich um die Anzahl der Jobs. Die Steuerklassen 3, 4 und 5 sind für Ehepaare. Hier wird genauer nach der Höhe des Einkommens differenziert.

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Ehepaare können Steuerklassen ändern

Die Steuerklassen von Arbeitnehmern sind festgelegt und können nur unter bestimmten Voraussetzungen gewechselt werden. Vor der Hochzeit sind Arbeitnehmer meist in Steuerklasse 1 oder 2 eingeordnet. Nach der Hochzeit folgt die automatische Einstufung in Steuerklasse 4. Folgende Kombinationsmöglichkeiten haben verheiratete Arbeitnehmer insgesamt:

  • Steuerklasse 3

    Verdient ein Arbeitnehmer deutlich mehr als sein Partner, erhält derjenige mit hohem Einkommen die Steuerklasse 3, sein Partner die Steuerklasse 5.

  • Steuerklasse 4

    Haben beide Partner ein etwa gleich hohes Einkommen, sollten beide dieselbe Steuerklasse wählen.

  • Steuerklasse 5

    Diese Steuerklasse ist das Pendant zu Steuerklasse 3 – in diese werden verheiratete Arbeitnehmer eingeordnet, die deutlich weniger als ihr Partner verdienen.

Ehepaare können selbst entscheiden, ob es sich lohnt, die Steuerklasse zu ändern, einmal im Jahr ist dies möglich. Das heißt, von Steuerklasse 4 ist für beide Partner ein Wechsel möglich, beispielsweise in der Kombination 3 und 5 oder 5 und 3.

Für den Partner in Steuerklasse 3 bedeutet der Wechsel, dass er fortan sehr geringe Lohnsteuerabzüge hat. Der Arbeitnehmer mit dem geringen Gehalt in Steuerklasse 5 hat hingegen deutlich mehr Lohnsteuerabzüge als in Klasse 4.

Unter Fairnessgesichtspunkten lohnt diese Kombination sich vor allem bei Paaren, die eine gemeinsame Haushaltskasse haben und nicht auf Heller und Pfennig aufrechnen. Denn unterm Strich bleibt bei dieser Kombination vom Gesamtnetto mehr übrig als wenn beide Ehepartner Steuerklasse 4 nehmen.

Wann lohnt es sich die Steuerklasse zu wechseln?

Die grundsätzliche Möglichkeit, frei zwischen verschiedenen Steuerklassen zu wählen, haben nur verheiratete Paare beziehungsweise eingetragene Lebenspartnerschaften, die ihnen gleichgestellt sind. Alle anderen Arbeitnehmer sind in bestimmten Situationen zu einem Wechsel verpflichtet, wenn sich beispielsweise durch Tod oder Geburt der Status ändert.

Wenn Sie Ihre Steuerklasse wechseln wollen, müssen Sie einen Antrag beim Finanzamt bis zum 30. November für das laufende Jahr stellen. Dafür benötigen Sie das Formular “ Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“. Vergessen Sie nicht das Familienstammbuch als Nachweis, sofern Sie gerade erst verheiratet sind.

  • Hochzeit

    Für Ehepaare lohnt sich bereits der Wechsel zu Steuerklasse 3 oder 5, wenn eine Differenz von 500 Euro netto bei den Einkommen existiert. Von Steuerklasse 4 ist allerdings nur ein Wechsel zu Steuerklasse 3 oder 5 möglich – eine Kombination aus 3 und 4 oder 4 und 5 wird nicht angeboten.

  • Scheidung

    So wie alleinstehende Arbeitnehmer ohne Kind vor der Hochzeit in Steuerklasse 1 waren, fallen sie auch nach der Scheidung wieder in diese Steuerklasse hinein. In der Phase des Trennungsjahres, in dem Paare noch überprüfen, ob sie die Scheidung durchführen wollen, können sie in den Steuerklassen vorläufig verbleiben. Existieren Kinder und erhält ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, kann er in Steuerklasse 2 veranlagt werden.

  • Geburt

    Der Wechsel in eine andere Steuerklasse kann sich auch lohnen, wenn Sie ein Kind bekommen. Die Höhe des Elterngeldes und des Mutterschaftsgeldes richtet sich nach dem Nettoverdienst des Elternteils, der nach der Geburt überwiegend für die Betreuung des Kindes sorgt. Maßgeblich ist hier der Zeitraum im Jahr vor der Geburt. Mit einem Wechsel in eine günstigere Steuerklasse kann der Nettoverdienst steigen und somit erhöht sich ebenfalls das Elterngeld.

  • Todesfall

    Im Todesjahr und im ersten Jahr nach dem Tod kann der verwitwete Arbeitnehmer einen Wechsel in Steuerklasse 3 vornehmen lassen. Danach wird für ihn oder sie wie für einen alleinstehenden Arbeitnehmer vor der Hochzeit die Steuerklasse 1 bestimmt. Abweichende Regelungen sind auch hier möglich, sofern der Arbeitnehmer ein minderjähriges Kind hat: Hier ist die Möglichkeit zum Wechsel in Steuerklasse 2 möglich.

[Bildnachweis: PR Image Factory by Shutterstock.com]
1. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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