TVöD: Tarifvertrag und Entgelttabelle im öffentlichen Dienst

Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – kurz: TVöD – hat Auswirkungen auf viele Beschäftigte in ganz Deutschland. So wird der TVöD beispielsweise oft in Stellenanzeigen erwähnt, wenn die Bezahlung entsprechend des Tarifvertrages erfolgt oder an diesen angelehnt ist. Was aber verbirgt sich genau dahinter? Mit welchem Gehalt können Sie rechnen? Unser Übersichten zur Eingruppierung und Gehaltstabellen zum TVöD geben Ihnen einen Überblick, wie viel Sie in den jeweiligen Stufen des Tarifvertrages verdienen können…

TVöD: Tarifvertrag und Entgelttabelle im öffentlichen Dienst

Entgelttabelle, Gesetz, Eingruppierung: Die Inhalte des TVöD

TVöD Definition Tarifvertrag Entgelttabelle öffentlicher DienstAbgeschlossen wurde der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) durch das Bundesministerium des Innern (BMI), durch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Seitdem ist er gültig für alle Beschäftigten bei Bund und Kommunen, die einem kommunalen Arbeitgeberverband angehören. Das entspricht rund 2,16 Millionen Beschäftigten und Auszubildenden in Deutschland.

Ausgenommen vom TVöD sind sind Arbeitnehmer in kommunalen Bereichen, für die der Tarifvertrag der Versorgungsbetriebe (TV-V), der Tarifvertrag der Wasserwerke NW (TV-WW-NW) oder der Tarifvertrag des Nahverkers (TV-NV) gilt.

Der TVöD ist ein umfangreiches Werk – mit zahlreichen Bestimmungen für die Arbeitsverhältnisse im öffentlichen Dienst. Geregelt sind darin unter anderem:

  • Arbeitsbedingungen
  • Arbeitszeiten
  • Gehalts-Gruppierungen
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Kündigungsfristen
  • Sozialbezüge
  • Zulagen
  • Ausschlussfristen
  • Urlaubstage
  • Einzelheiten bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Die Eckdaten des TVöD im Überblick:

  • Wochenarbeitszeit: 39 Stunden/Woche (West); 40 Stunden (Ost)
  • Urlaub: 30 Arbeitstage/Jahr
  • Kündigungsfristen:
    • Grundfrist: 2 Wochen zum Monatsende
    • Nach 6 Monaten: 1 Monat zum Monatsende
    • Nach 1 Jahr: 6 Wochen zum Quartalsende
    • Nach 5 Jahren: 3 Monate zum Quartalsende
    • Nach 8 Jahren: 4 Monate zum Quartalsende
    • Nach 10 Jahren: 5 Monate zum Quartalsende
    • Nach 12 Jahren: 6 Monate zum Quartalsende
  • Kündigungsschutz: nach 15 Jahren Zugehörigkeit und Vollendung des 40. Lebensjahres
  • Vermögenswirksame Leistungen (VL): 6,65 Euro/Monat
  • Sonderzahlungen: Jahressonderzahlungm, Weihnachtsgratifikation, Jubiläumsgeld, TV-Ertragsbeteiligung bei TVöD-F

Der TVöD regelt also sehr genau die Rahmenbedingungen im öffentlichen Dienst. Gehaltserhöhungen sind dabei meist das wichtigste Detail, wenn es darum geht, den TVöD für dringend benötigte Fachkräfte attraktiver zu machen. Gemäß einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung fehlen im öffentlichen Dienst über 110.000 Vollzeitstellen.

Eingruppierungen: Vergütung gemäß Ausbildung und Qualifikation

Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst werden nach der im TVöD enthaltenen Entgelttabelle tariflich bezahlt. Das macht den Tarifvertrag für Angestellte zu einem besonders wichtigen Punkt, bringt aber gleichzeitig auch die Frage mit: Wie viel genau verdiene ich im öffentlichen Dienst?

Mitarbeiter in anderen Unternehmen haben feste Bezüge in Ihrem Arbeitsvertrag vereinbart und können durch Gehaltsverhandlungen noch ein wenig mehr herausholen.

Im Tarifvertrag des öffentlichen Diensts werden Beschäftigte in eine von 15 Entgeltgruppen gruppiert, die aus jeweils 6 Stufen bestehen – zwei Grundentgeltstufen und vier darauffolgende Entwicklungsstufen.

In welche Entgeltgruppe Sie und damit Ihr Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst fallen, hängt von Ihrer Ausbildung ab. Die Entgeltgruppen verteilen sich dabei wie folgt:

  • Entgeltgruppe 1 bis 4

    In diese Entgeltgruppen fallen angelernte und ungelernte Beschäftigte, teilweise mit erschwerter Tätigkeit.

  • Entgeltgruppe 5 bis 8

    Wenn Sie mindestens eine dreijährige Berufsausbildung gemacht haben, können Sie in die Entgeltgruppen 5 bis 8 fallen.

  • Entgeltgruppe 9 bis 12

    Um in diese Entgeltgruppe zu gelangen, benötigen Sie ein Fachhochschulstudium oder einen Bachelorabschluss.

  • Entgeltgruppe 13 bis 15

    Die höchste Entgeltgruppe ist auch den höchsten Abschlüssen vorbehalten. Für die Entgeltgruppe 13 oder höher benötigen Sie ein Hochschulstudium, einen Masterabschluss, Diplom oder eine vergleichbare Ausbildung.

Die oben genannten Entgeltgruppen stellen allerdings nur eine grobe Orientierung dar. Im Einzelfall kann es vorkommen, dass Sie sich durch besondere Qualifikationen oder Fortbildungen für eine höhere Entgeltgruppe qualifizieren, als ihr ursprünglicher Abschluss vorsehen würde.

Leistungsbezogene Vergütung im TVöD: Geht das?

Leistungsbezogene Vergütung im TVöD: Geht das?
Ursprünglich fand eine leistungsbezogene Vergütung im öffentlichen Dienst praktisch nicht statt. Inzwischen gibt es allerdings zum Tabellenentgelt eine variable und leistungsorientierte Bezahlung für die Tarifbeschäftigten des Bundes und der Kommunen. Mit der Neugruppierung des TVöD ist es möglich, je nach individueller Leistung die Stufenlaufzeit zu verlängern oder zu verkürzen. Erforderlich dafür ist allerdings ein deutliches Abweichen ober- oder unterhalb der Durchschnittsleistung.

Inwieweit das in der Praxis umgesetzt wird, weiß freilich niemand genau. Zudem wird in dem Zusammenhang oft die Übertragbarkeit von privatwirtschaftlichen Leistungskriterien auf den öffentlichen Dienst bezweifelt

Ein Beispiel anhand des Berufs einer Krankenschwester:

Eine Angestellte „schafft“ zehn Patienten in einer Stunde, die andere kann nur drei in derselben Zeit versorgen. Wie soll das bewertet werden? Die erste Arbeitnehmerin hatte womöglich viele junge Patienten mit leichten Erkrankungen, die andere unter ihren Patienten einige mit aufwendigen Pflegeaufwänden.

Das Problem haben allerdings auch privatwirtschaftliche Unternehmen, in denen einzelne Projekte und Leistungen auch nicht unmittelbar vergleichbar sind. So läuft es am Ende doch meist auf eine subjektive Einschätzung des Vorgesetzten hinaus.

TVöD-Entgelttabellen und Bezahlung

Ein großer Vorteil des TVöD ist die Transparenz der Lohnentwicklung. Das System der Stufen innerhalb jeder Entgeltgruppe ist leicht verständlich: Durch Berufserfahrung und Zugehörigkeit bei Ihrem Arbeitgeber steigen Sie in eine höhere Stufe auf, in der Sie auch mehr Geld verdienen.

So erfolgt der Schritt von der ersten in die zweite Stufe schon nach einem Jahr. In die nächste Stufe steigen Sie nach zwei weiteren Jahren (also nach insgesamt drei Jahren bei Ihrem Arbeitgeber) auf. Bis zur höchsten Stufe dauert es insgesamt 15 Jahre.

Generell kann die Entgelttabelle des TVöD in zwei Entgelttabellen untergliedert werden:

  • Die Entgelttabelle für die Kommunen (VKA)
  • Die Entgelttabelle des Bundes

Die einzelnen Abstufungen finden Sie auch in der folgenden Entgelttabelle, die auch die Frage beantwortet, wie viel Sie im öffentlichen Dienst verdienen können:

Entgelttabelle für die Kommunen (VKA)

TVÖD Entgelttabelle Tarifvertrag Bereich Kommunen Liste

Neben einer Entgelttabelle für den Bereich der kommunalen Arbeitgeberverbände (KVA) gibt es auch eine entsprechende Gruppierung und Entgelttabelle für Angestellte des Bundes:

Entgelttabelle des Bundes

TVÖD Entgelttabelle Tarifvertrag Bund Liste

Die besonderen Teile des TVöD

Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ist in zwei unterschiedliche Teile gegliedert: Zunächst gibt es den allgemeinen Teil, der die bereits oben angesprochenen Inhalte abdeckt. Darüber hinaus gibt es auch noch den besonderen Teil (häufig BT abgekürzt), der spezielle Regelungen für einzelne Branchen und Sparten enthält.

Die besonderen Teile des TVöD sind:

  • TVöD SuE Der Bereich für den Sozial- und Erziehungsdienst
  • TVöD B Der Bereich für Pflege und Betreuungseinrichtungen
  • TVöD P Der Bereich für Pflegepersonal (ersetzt die Tabelle des TVöD K für Krankenhäuser)
  • TVöD S Der Bereich für Sparkassen

Diese vier besonderen Teile des TVöD weichen in der Bezahlung jeweils von der Standardtabelle (der sogenannten TVöD-VKA) ab. Es gibt aber noch drei weitere Sparten, in denen die normale Entgelttabelle verwendet wird:

  • TVöD E Der Bereich für Entsorgung
  • TVöD F Der Bereich für Flughäfen
  • TVöD V Der Bereich für Verwaltung

2018: Neue TVöD Tarifverhandlungen

2018: Neue TVöD TarifverhandlungenIm vergangenen Jahr kündigte die Gewerkschaft Verdi den bestehenden TVöD und strengte für das Jahr 2018 neue Tarifverhandlungen zu den Entgelttabellen, zum TV-V (für Versorgungsbetriebe) und zu den Tarifverträgen für Azubis und Praktikanten an. Verhandelt werden danach folgende Punkte:

  • Eine Tariferhöhung im Gesamtvolumen von sechs Prozent und einen Mindestbetrag von 200 Euro.
  • Eine tarifliche Eingruppierung für angestellte kommunale Lehrkräfte im Geltungsbereich des TVöD.
  • Eine Erhöhung des Urlaubs auf neun beziehungsweise sechs Tage für Welchsel- und Schichtarbeit.
  • Eine Angleichung der Jahressonderzahlung im Tarifgebiet Ost der VKA an Westniveau.
  • Ein um 100 Euro höheres Entgelt für Auszubildende und Praktikanten.
  • Eine Übernahme der Azubis in den erlernten Beruf.
  • Ein kostenloses Nahverkehrsticket.

In der letzten Tarifrunde konnten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen sich über eine Erhöhung von 4,75 Prozent freuen – wenngleich aufgrund der Inflation das reale Plus geringer ausfiel.

Gehälter in der Pflege: Neue Eingruppierung der Gesundheitsberufe

Im vergangenen Jahr ist zudem eine neue Entgeltordnung für Pflege- und Gesundheitsberufe in Kraft getreten. Betroffen sind davon:

  • Pflegehelfer
  • Gesundheits- und Krankenpflegehelfer
  • Kinderkrankenpfleger
  • Altenpfleger
  • Hebammen
  • Entbindungspfleger
  • Medizinisch-technische Assistenten
  • Diätassistenten
  • Ergotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Audiologie-Assistenten
  • Orthopisten
  • Masseure
  • Podologen
  • Desinfektoren
  • Zahntechniker

Galt bisher für die Berufe die sogenannte Kr-Tabelle, wurde nun die P-Entgeltgruppe eingeführt. Sinn und Zweck der Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern war eine Aufwertung durch den neuen TVöD „Pflege“.

Zuvor hatte es zehn Jahre lang keine Bewährungsaufstiege mehr gegeben. Das führte dazu, dass viele Beschäftigte in der Einstiegsgruppierung hängen blieben. Die Neuordnung hat dahingehend einige Veränderungen bewirkt:

  • In den Entgeltgruppen P 7 und P 8 (bisher: Kr 7a und Kr 8a) entfällt Stufe 1. Berufseinsteiger werden somit direkt höher eingruppiert.
  • Für die Entgeltgruppe P 9 bis P 14 (bisher: Kr 9a bis 11a) gibt es eine Stufe 6. Das bedeutet Beschäftigte mit langer Berufserfahrung erhalten ebenfalls mehr Geld.
  • Lehrkräfte für Gesundheitsberufe mit einem wissenschaftlichen Hochschulabschluss werden künftig nach Entgeltgruppe 13 bezahlt.
  • Überdies gibt es neue Tätigkeitsmerkmale für Führungskräfte, die durch Qualifizierungen vermittelt werden.

In Zahlen und Monatsgehältern ausgedrückt bedeutet das:

Tvoed Pflege Entgelttabelle Eingruppierung 2018 Entgeltgruppe

In die Entgeltgruppen gelangen die Pflege- und Gesundheitskräfte nach folgenden Beschäftigungszeiten:

  • Nach einem Jahr: von Stufe 1 in Stufe 2
  • Nach zwei Jahren: von Stufe 2 in Stufe 3
  • Nach drei Jahren: von Stufe 3 in Stufe 4
  • Nach vier Jahren: von Stufe 4 in Stufe 5
  • Nach fünf Jahren: von Stufe 5 in Stufe 6

Erzieher Gehälter: Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst

Der Tarifvertrag für den Sozial- und Erziehungsdienst, TVöD SuE, gilt vorwiegend für die Beschäftigten im Dienstbereich der Betreuung.

Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, arbeiten insgesamt in Deutschland über 1,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Sozial- und Erziehungsberufen. Allein in öffentlichen Kitas sind es rund 230.000 Erzieher.

Folgende Berufe fallen in den sogenannten TVöD SuE:

Der Beruf des Sozialassistenten oder Kindheitspädagogen hingegen wird laut GEW als „sonstige Beschäftigte“ eingruppiert. Und bei freien und kirchlichen Trägern von Kitas gilt der TVöD nicht automatisch.

Häufiger orientieren sich diese Träger am TVöD, da sie aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Sie nehmen dann in Haustarifverträgen oder in Arbeitsverträgen Bezug auf den TVöD.

Sofern die freien Träger keine Tarifbindung haben, fällt das Gehaltsniveau der Erzieher allerdings oft deutlich niedriger aus. Die Eingruppierung in die jeweiligen Stufen des TVöD SuE wird je nach Erfahrung und Qualifikation vorgenommen.

Bislang gilt folgende Entgelttabelle:

Tvoed Entgelttabelle 2018 Sue Erzieher

Da bisherige Gehaltsverhandlungen weitgehend erfolglos blieben, sind weitere Tarifverhandlungen abzuwarten.

[Bildnachweis: Voyagerix by Shutterstock.com]
2. August 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!