Geld ist immer ein schwieriges Thema und die Bezahlung im Job führt immer wieder zu Unzufriedenheit, Diskussionen und dem Gefühl, benachteiligt zu werden. Hinzu kommt die Frage: Wie viel Gehalt steht mir eigentlich zu? Die Eingruppierung in eine Entgeltgruppe bringt für viele Arbeitnehmer mehr Fragen als Antworten mit. So einfach, wie viele sich Entgeltgruppen vorstellen, sind diese leider nicht immer und viele verzweifeln an dem Vorhaben, sich über das eigene Entgelt zu informieren oder den Verlauf über die nächsten Monate und Jahre planen zu wollen. Statt Klarheit gibt es Verwirrung über die unübersichtlichen Tabellen, Buchstaben und Zahlen. Wir erklären, was eine Entgeltgruppe ist, wo diese eingesetzt werden und welche Faktoren darüber entscheiden, in welche Entgeltgruppe Sie eingruppiert werden...

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Entgeltgruppe: Was ist das eigentlich?

Entgeltgruppe TVÖD IG Metall Rechner tv-lFür viele Arbeitnehmer reicht ein simpler Blick in den Arbeitsvertrag, um sich zu vergewissern, wie viel Geld ihnen zusteht. Wer aktuell keinen Job hat oder den Arbeitgeber wechseln möchte, kann sich auf den unterschiedlichsten Vergleichsportalen über Verdienstmöglichkeiten in seiner Branche und seinem speziellen Beruf informieren. Job, Ausbildung und Berufserfahrung angeben und schon gibt es ein durchschnittliches Gehalt, um sich zu orientieren und den eigenen Wert für die anstehenden Gehaltsverhandlungen zu kennen.

In anderen Arbeitsverhältnissen wird das Gehalt jedoch über eine Entgeltgruppe festgelegt. Dies ist beispielsweise bei Tarifverträgen der Fall. Hier wird jeder Mitarbeiter, auf den der Tarifvertrag angerechnet werden kann, in eine Entgeltgruppe eingruppiert und erhält am Ende des Monats das Gehalt, dass ihm nach dieser Eingruppierung zusteht.

Was nach einer recht einfachen Lösung klingt, wirft wichtige Fragen auf. Welche Entgeltgruppe zählt für mich persönlich? und damit verbunden direkt die Anschlussfrage Wie viele verdiene ich laut meiner Entgeltgruppe?

Besonders bekannt für seine Entgeltgruppen ist der öffentliche Dienst. Für Beschäftigte in diesem Bereich gilt der Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVÖD), der neben Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit oder Regelungen im Falle einer Kündigung auch den Aspekt der Entgeltgruppen beinhaltet.

Um die einzelnen Gehälter in den Entgeltgruppen darzustellen, werden verschiedene Entgelttabellen genutzt, die für unterschiedliche Bereiche gelten (hier im Beispiel auf kommunaler Ebene und für den Bund).

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Spätestens jetzt haben Sie einen ersten Eindruck davon, warum Entgeltgruppen nicht ganz so einfach sind und viele von den Zahlenreihen und Buchstabenkombinationen verwirrt sind.

Ohne weitere Informationen lässt sich schlichtweg nicht sagen, welche Entgeltgruppe für Sie relevant ist und wie hoch die Bezahlung ist, die am Ende des Monats auf Ihrem Konto ankommt. So finden sich beispielsweise in Stellenangeboten Verweise darauf, nach welcher Entgeltgruppe die Bezahlung erfolgt, doch muss dann auch die entsprechenden Fähigkeiten und Erfahrungen vorhanden sein, um für die entsprechende Position in der Entgeltgruppe qualifiziert zu sein.

So funktioniert die Eingruppierung in eine Entgeltgruppe

Auf den ersten Blick wirken Entgeltgruppen recht unübersichtlich, dahinter steckt aber ein System, das auf zwei verschiedenen Aspekten aufbaut und darüber jeden Mitarbeiter in eine individuelle Kategorie einordnet.

Ausschlaggebend ist dabei in erster Linie die Qualifikation, die Sie für die Arbeit mitbringen. Je besser die Ausbildung und das Vorwissen, das Sie mitbringen, desto höher die Entgeltgruppe, in die Sie einsteigen und nach der Sie bezahlt werden. Zum Verständnis hilft dabei noch einmal das obige Beispiel des Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst:

  • Die unteren Entgeltgruppen 1 bis 4 sind für ungelernte oder angelernte Mitarbeiter vorgesehen.
  • Für Entgeltgruppe 5 bis 8 ist qualifiziert, wer mindestens eine dreijährige Berufsausbildung gemacht hat.
  • Um in die Entgeltgruppen 9 bis 12 eingruppiert werden zu können, benötigen Sie einen Fachhochschul- oder Bachelorabschluss.
  • Wie zu erwarten finden sich in den höchsten Entgeltgruppen 13 bis 15 auch die besten Qualifikationen und Ausbildungen. In diesen Ebenen brauchen Sie einen Masterabschluss, ein Diplom oder eine vergleichbare Ausbildung.

Mit dieser Einordnung können Sie bereits genauer nachvollziehen, in welche Entgeltgruppe Sie fallen, allerdings gibt es davon durchaus Abweichungen. Bringen Sie beispielsweise besondere Qualifikationen oder Fortbildungen in relevanten Bereichen mit, ist es durchaus denkbar, dass Sie in eine höhere Lohngruppe eingestuft werden.

Denken Sie aber bitte auch daran, dass die obige Eingruppierung für den TVÖD gilt. Für andere Tarifverträge können andere Voraussetzungen gelten, um in die jeweils höhere Entgeltgruppe zu gelangen. So gibt es auch in der Zeitarbeit Entgeltgruppen, bei denen das Gehalt anders gestaffelt ist und auch die Qualifikationen anders sind.

Zusätzlich fließt in die Entgeltgruppe die Dauer der Beschäftigung ein. Soll heißen: Je länger Sie bereits in Ihrer Position arbeiten, desto mehr verdienen Sie auch. Auch hier unterscheiden sich die einzelnen Abstufungen je nach gültigem Vertrag.

So können Sie bereits nach einigen Wochen in die nächsthöhere Stufe Ihrer Entgeltgruppe aufsteigen, im TVÖD kann es beispielsweise auch mehrere Jahre dauern, bis der nächste Schritt ansteht und eine Lohnerhöhung winkt.

Die Transparenz dieser Entwicklung gilt als einer der größten Vorteile der Entgeltgruppen. In anderen Berufen ist es kaum vorhersehbar, wann eine Gehaltserhöhung ansteht und wie hoch diese ausfallen wird. Durch Ihre Entgeltgruppe können Sie sich hingegen sehr genau darauf einstellen. Eine längere Anstellung bringt in jedem Fall ein höheres Gehalt - auch ein Ansporn, für mehr Loyalität unter Mitarbeitern.

Wie steige ich in der Entgeltgruppe auf?

Mehr als kontinuierliches Wachstum des eigenen Einkommens können Arbeitnehmer sich eigentlich kaum wünschen und so versprechen Entgeltgruppen schon rosige Aussichten. Trotzdem wünschen sich viele natürlich, in eine höhere Entgeltgruppe aufzusteigen, da die Unterschiede teilweise nicht zu unterschätzen sind und aufs Jahr hochgerechnet schnell mehrere Tausend Euro ausmachen können.

Die gute Nachricht: Es ist durchaus möglich, aufzusteigen und neue Entgeltgruppen zu erreichen. Die schlechte Nachricht: Von alleine klappt das leider nicht, Sie müssen sich also schon ins Zeug legen, aktiv werden und Zeit sowie Energie investieren, um den Sprung in höhere Ebenen zu schaffen.

Verwechseln Sie dabei nicht die automatische Gehaltserhöhung mit einer neuen Entgeltgruppe. Durch wachsende Berufserfahrung steigen Sie in eine höhere Stufe der Entgeltgruppe auf - nicht aber in eine neue Entgeltgruppe.

Wenn Sie wirklich aufsteigen wollen, muss es deshalb über die Stellschraube der Qualifikation gehen. Bilden Sie sich weiter, verbessern Sie Ihre Ausbildung oder erwerben Sie neue Fähigkeiten, die Ihnen bei Ihrer Arbeit helfen und Sie über die erforderlichen Kenntnisse heraus qualifizieren.

Das kann neben dem Job funktionieren, kann aber auch eine größere Vorlaufzeit erforderlich machen, wenn Sie noch noch eine Ausbildung nachholen.

[Bildnachweis: Stock-Asso by Shutterstock.com]

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