Hinzuverdienst Rente
Hinzuverdienst Rente: Von der Rente erhoffen sich die meisten Arbeitnehmer endlich den wohlverdienten Ruhestand. Nach Jahrzehnten harter Arbeit, bei denen eigene Wünsche immer wieder verschoben werden mussten, ist jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen, um all das nachzuholen. So zumindest die Theorie, doch die traurige Realität der Rente sieht oft anders aus. Statt Träume zu verwirklichen, wird weiter gearbeitet. Reicht das Geld im Alter nicht aus, muss zusätzlich zur Rente noch etwas hinzuverdient werden. Dabei gibt es allerdings einige Regeln und Vorgaben zu beachten. Wir zeigen, wie viel Sie zur Rente hinzuverdienen dürfen, ab wann der Verdienst sich auf Ihre Rente auswirkt und was sich in diesem Jahr ändert...

Warum in der Rente noch was hinzuverdienen?

Mit der Rente verbindet jeder zunächst einmal einen Gedanken: Endlich nicht mehr arbeiten. Dass soll nicht bedeuten, dass der durchschnittliche Arbeitnehmer es gar nicht erwarten kann, endlich den Job an den Nagel zu hängen, um in den Ruhestand zu gehen, doch ist es sicherlich der meist genannte Vorteil der Rente. Und der ist mehr als verdient. Schließlich hat man bis zu diesem Moment meist 40 Jahre lang gearbeitet.

Ausruhen kann sich nach dem eigentlich letzten Arbeitstag aber nur ein Teil der Rentner. Studien zeigen zwar, dass weit mehr als die Hälfte der Beschäftigten frühzeitig in Rente geht, doch für viele geht die Arbeit auch im Alter weiter. Abhängig vom Bundesland arbeiten zwischen 11 und 20 Prozent der 65 bis 70 Jährigen weiter - so verdient sich beispielsweise in Baden-Württemberg jeder Fünfte Rentner noch etwas hinzu.

Bei den Gründen ist jedoch eine differenzierte Betrachtung angebracht. Auf der einen Seite sollte diese Entwicklung sehr gesellschaftskritisch betrachtet werden, da viele Rentner schlichtweg keine andere Wahl haben und sich gezwungen sehen, ihre kleine Rente aufzubessern. Aus gutem Grund wird lang und breit über Altersarmut diskutiert und Berufseinsteigern und jüngeren Generationen wird mit Blick auf die Zukunft geraten, sich um eine private Altersvorsorge zu kümmern.

Es gibt aber auch einen vollkommen anderen Grund: Nicht jeder möchte ab dem Renteneintrittsalter aufhören zu arbeiten. Die Rente ist eine große Veränderung und nicht jeder möchte diese möglich früh angehen. Wer sich gesundheitlich noch dazu in der Lage fühlt und die nötige Motivation hat, um trotz entsprechenden Alters weiter zu arbeiten, kann dies aus eigenem Antrieb heraus tun.

Hinzuverdienst Rente: Das müssen Sie wissen

Egal, aus welchen Gründen Sie zusätzlich zur Rente noch Geld verdienen, sollten Sie sich im Vorfeld genau informieren. Abhängig von Ihrer individuellen Situation kann sich ein solcher Zuverdienst auf Ihre Rente auswirken. Die Betonung liegt hierbei auf kann. Wir haben eine Übersicht erstellt, die Ihnen zeigt, worauf Sie achten müssen, wenn neben der Rente noch etwas hinzuverdienen.

  • Hinzuverdienst Rente: Nach Erreichen der Regelaltersgrenze

    Nachdem Sie sogenannte Regelaltersgrenze überschritten haben, dürfen Sie unbegrenzt zur Rente hinzuverdienen. In diesem Fall haben Sie das gesetzliche Rentenalter erreicht - je nach Geburtsjahrgang erreichen Sie die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 67. Lebensjahres, bei älteren Jahrgängen etwas früher.

    Entscheiden Sie sich nach dem Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin zu arbeiten, werden Ihre Rentenzahlungen davon also nicht beeinflusst. Liegt der monatliche Verdienst über der 450-Euro-Grenze sind Sie auch nicht mehr verpflichtet, in die Rentenversicherung einzuzahlen - dies kann sich allerdings trotzdem lohnen. Ihr Arbeitgeber muss hingegen auf jeden Fall weiterhin den Anteil erbringen, der in einem normalen, versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis anfallen würde.

    Auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze sind Sie allerdings weiterhin sozialversicherungspflichtig und müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.


  • Hinzuverdienst Rente: Vor Erreichen der Regelaltersgrenze

    Sollten Sie bereits vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in Frührente gehen, müssen Sie bei Ihrem Hinzuverdienst vorsichtiger sein. Hier gilt laut Gesetz: Mehr als 450 Euro pro Monat wirken sich nicht auf Ihre Rente aus. Heißt: Wenn Sie die Grenze des Zuverdienst überschreiten, wird Ihre Rente gekürzt und Sie erhalten möglicherweise plötzlich nur noch die Hälfte oder noch weniger, da anstatt einer Vollrente nur noch eine Teilrente ausgezahlt wird.

    Aktuell dürfen Sie diese Grenze zwei Mal pro Jahr überschreiten und in diesen beiden Monaten jeweils bis zu 900 Euro verdienen, ohne zu befürchten, dass sich dies auf Ihre Rente auswirkt. Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen Urlaubsgeld gewähren, ist dies also kein Problem.

    Erhalten Sie eine Teilrente, liegen die Grenzen für den Hinzuverdienst höher und sind abhängig von Ihrem Verdienst vor der Rente und ob Sie in den alten oder neuen Bundesländern leben. Bei einer Zweidrittel-Teilrente und einem vorherigen Gehalt von 3091,92 Euro (Beispiel der deutschen Rentenversicherung) dürfen Sie beispielsweise mehr als 1000 Euro hinzuverdienen.

    Überschreiten Sie die Grenze für eine Teilrente, erhalten Sie automatisch die nächst niedrigere Teilrente, in deren Grenzen Sie sich halten. Wie genau sich dies auf Ihre Rentenzahlungen auswirkt, ist von Fall zu Fall verschieden. Denken Sie aber daran: Um wieder eine höhere Teilrente oder sogar Vollrente zu beziehen, müssen Sie innerhalb von drei Monaten einen entsprechenden Antrag stellen, da die Hochstufung nicht automatisch erfolgt.

  • Änderungen durch die FlexiRente in 2017

    Hinzuverdienst Rente Sozialversicherung Grenzen Regelaltersgrenze FreibetragDurch die FlexiRente ändern sich in diesem Jahr einige Regelungen für den Hinzuverdienst vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze. Die alten Vorgaben von maximal 450 Euro monatlich werden ersetzt und so gilt ab 1. Juli 2017, dass 6300 Euro pro Jahr zur Rente hinzuverdient werden können, ohne dass es Auswirkungen auf die Rentenzahlungen gibt. Sollten Sie diese Grenze überschreiten, wird der zusätzliche Verdienst mit 40 Prozent auf Ihre Rente angerechnet.


  • Hinzuverdienst Rente: Bei Bezug einer Erwerbsminderungsrente

    Erhalten Sie eine Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente, gilt zunächst auch hier, dass Sie ohne Probleme bis zu 450 Euro monatlich hinzuverdienen können. Darüberhinaus wird es mit allgemeinen Vorgaben jedoch schwer. Die Hinzuverdienstgrenzen werden in diesem Fall individuell berechnet.

    Bevor Sie einen Job antreten, sollten Sie sich daher unbedingt informieren. Im Einzelfall kann die Rentenzahlung sogar gänzlich wegfallen, wenn Sie zusätzlich zu einer Erwerbsminderungsrente einen zu hohen Verdienst haben.


  • Hinzuverdienst Rente: Bei Bezug einer Hinterbliebenenrente

    Auch wenn Sie eine Witwen- oder Witwerrente beziehen, kann ein Zuverdienst dazu führen, dass diese gekürzt und nicht mehr voll ausgezahlt wird. Die Freibeträge sind hierbei allerdings höher als bei der Frührente. So gilt in den neuen Bundesländern, dass Hinterbliebene bis zu 756,62 Euro zuverdienen dürfen. In den alten Bundesländern sind es 803,88 Euro.

    Haben Sie ein Kind, dass Anspruch auf Waisenrente hat, erhöht sich der Freibetrag um 170,52 Euro in den alten und 160,50 Euro in den neuen Bundesländern. Überschreiten Ihre Einkünfte diesen Freibetrag, werden 40 Prozent des übersteigenden Gehalts auf Ihre Rente angerechnet.

    Übersteigt Ihr Nettoeinkommen den für Sie gültigen Freibetrag beispielsweise um 300 Euro, würde die Hinterbliebenenrente um 120 Euro (40 Prozent von 300 Euro) gekürzt.

Hinzuverdienst Rente: Lassen Sie sich beraten!

Wenn Sie zusätzlich zur Rente noch etwas hinzuverdienen, kann dies große Auswirkungen auf Ihre monatlichen Zahlungen haben. Bevor Sie einen Job antreten, sollten Sie sich daher unbedingt informieren lassen. Wenn Ihr Verdienst unter den vorgegebenen Grenzen bleibt, sind Sie zwar grundsätzlich auf der sicheren Seite, doch schaden kann es auch in diesem Fall nicht.

Planen Sie einen höheren Zuverdienst, ist es umso wichtiger, dass Sie sich frühzeitig beraten lassen und ausrechnen, wie sich der Job auf Ihre finanzielle Situation auswirkt. Sonst gehen Sie möglicherweise arbeiten, doch durch eine enorme Kürzung Ihrer Rente haben Sie am Ende weniger Geld zur Verfügung als vorher.

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