Ruhestand: Aktive und bewusste Vorbereitung

Viele Menschen können den Ruhestand kaum erwarten: Endlich das tun, wozu man sonst vor lauter Arbeit nicht kommt, endlich die Früchte der jahrelangen Arbeit ernten und es sich gut gehen lassen – wenn es denn dann geht. Einige angehende Rentner machen sich im Vorfeld kaum Gedanken über die Zeit im Ruhestand. Dabei will auch der vorbereitet werden, sonst drohen Langeweile und Unzufriedenheit, einige rutschen im schlimmsten Fall sogar in eine Krise. Auch finanziell gilt es einige Vorbereitungen zu treffen. Nur weil Sie die Arbeitswelt nun verlassen, bedeutet das nicht, dass Sie automatisch von der Steuerpflicht befreit sind. Wir geben die wichtigsten Tipps rund um den Ruhestand und zeigen, worauf Sie achten müssen…

Ruhestand: Aktive und bewusste Vorbereitung

Wann beginnt der Ruhestand?

Ruhestand, das ist die Zeit nach dem Erwerbsleben. Das Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit wird auch als Rente, Renteneintritt oder bei Beamten als Pension bezeichnet.

Da der Ruhestand mit der letzten Lebensphase eines Menschen verbunden ist, bleibt der Status des Ruheständlers auch dann erhalten, wenn die Person beispielsweise eine geringfügige Beschäftigung aufnimmt.

Je nach Geburtsjahrgang tritt der Ruhestand mit Mitte 60 ein, dann haben ehemalige Arbeitnehmer die Wartezeit zum Erhalt der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt und die Regelaltersgrenze erreicht. Seit 2012 wird diese schrittweise erhöht, um demographische Veränderungen abzufedern.

Wer vor 1947 geboren ist, ging mit 65 Jahren in Rente, seit dem Geburtenjahrgang 1948 wird das Renteneintrittsalter sukzessive auf 67 Jahre angehoben. Eine abschlagsfreie Frührente ist dann noch möglich, wenn ein Arbeitnehmer 45 Jahre rentenversichert war.

Gründe für Unzufriedenheit im Ruhestand

Ungeachtet der Tatsache, ob Sie mit 65 oder 67 Jahren in Rente gehen: Für einige kommt es dann doch überraschend. Viele Jahrzehnte hat die Arbeit den Takt vorgegeben und den Tag strukturiert: Selbst bei Gleitzeit existieren schließlich Kernarbeitszeiten.

Gerade war man noch in der Blüte seines Lebens, plötzlich gehört man zum alten Eisen. Und nicht zuletzt für Paare bedeutet der Ruhestand eine Umstellung: Rollen haben sich über Jahre eingespielt, die nun neu verhandelt werden müssen. Wer nun ständig zuhause ist, darf sich auch ebenso am Haushalt beteiligen wie der andere Part zuvor womöglich.

Und dass nun beide Partner viel mehr Zeit miteinander verbringen, kann ebenfalls zur Herausforderung werden, schließlich fällt nun der Freiraum weg. Aber es gibt noch weitere Gründe, warum der Ruhestand nicht ohne ist:

  • Arbeit ist sinnstiftend

    Nicht wenige Arbeitnehmer arbeiten in Vollzeit. Wer dann noch eine Familie und Freunde hat, hier und da Sport treibt, braucht nicht unbedingt noch anspruchsvolle Hobbys – die verbleibende Zeit ist so gering, dass sie mühelos mit Lesen, Fernsehen oder Computerspielen überbrückt wird.

  • Arbeit ermöglicht Lebensstandard

    Jeder hat bestimmte Wünsche und Ziele. Weiterbildungen dienen nicht nur intellektuellem Wachstum, sondern ermöglichen oft einen beruflichen Aufstieg. Der wiederum gibt die Möglichkeit, den eigenen Lebensstandard zu steigern: Ein (größeres) Auto, ein eigenes Haus, teure Urlaube…

  • Arbeit ist Netzwerken

    Durch Arbeitskontakte erweitern wir unser Netzwerk. Das hat berufliche Vorteile – etwa, indem Sie von freien Stellen erfahren oder Neuerungen und Trends in der Branche. Ganz häufig entstehen aber auch Freundschaften über gemeinsame Erlebnisse und Interessen.

Fällt all das über Nacht ersatzlos weg und fehlt die Auseinandersetzung mit dem nahenden Ruhestand, sind Krisen vorprogrammiert.

Vor allem Fach- und Führungskräfte leiden unter dem Empty-Desk-Syndrom. Sie sind zwar in der Regel finanziell im Ruhestand abgesichert.

Aber haben mitunter hauptsächlich Arbeitskontakte gehabt, definierten sich über ihre beruflichen Erfolge und legten großen Wert auf Machtinsignien wie etwa einen imposanten Dienstwagen und ein weiträumiges Büro.

Abschiedsworte und Zitate zum Ruhestand

Ruhestand Abschiedsworte lustige Sprüche ZitateIhr Kollege geht bald in den Ruhestand und Sie wollen ein paar nette Abschiedsworte auf eine Karte schreiben?

Abschiedsworte

Lieber Karl,

eine Legende geht in den Ruhestand – den hast Du Dir echt verdient. Die vielen Momente, in denen Du uns immer unterstützt hast, wenn die Software mal wieder nicht wie geplant wollte, bleiben unvergessen. Danke auch dafür noch einmal! Wir werden Dich vermissen!

Liebe Kirsten,

der tägliche Stress mit unzufriedenen Kunden hat nun ein Ende, jetzt kannst Du Dich voll und ganz Deinem Mann und Deinen Enkelkindern widmen! Wir wünschen Dir alles erdenklich Gute für Deinen Ruhestand!

Lustige Sprüche

Oder vielleicht sogar etwas Lustiges? Damit können Sie Ihrem Kollegen beispielsweise eine Tasse oder ein T-Shirt zum Abschied bedrucken.

Zum Beispiel:

Im Ruhestand kann ich endlich das alles nicht tun, was ich mir schon immer vorgenommen habe, als ich noch gearbeitet habe!

Rente: Die Fähigkeit, das zu tun, was man will, wann man will.

Ein Mann im Ruhestand ist ein Vollzeitjob für die Ehefrau!

Achtung, pensioniert: Aber ich arbeite Teilzeit noch als Nervensäge.

Zitate

Zitate eignen sich vor allem, wenn Sie einige freundliche Worte zum Abschied einleiten wollen.

  • Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut. Arthur Schnitzler
  • Dass alles vergeht, weiß man schon in der Jugend; aber wie schnell alles vergeht, erfährt man erst im Alter. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Was einer „an sich selbst hat“, kommt ihm nie mehr zu Gute als im Alter. Arthur Schopenhauer
  • Ein Mann muss scheiden, eh ins Aug ihm die Tränen treten. Christian Friedrich Hebbel
  • Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhn. Heinrich Zille
  • Ruhestand ist kein Stillstand, sondern die Gelegenheit, das Leben zu genießen. Unbekannt

Planung für die Zeit in Rente

Unschöne Überraschungen im Ruhestand begegnen Sie am besten, indem Sie frühzeitig planen. Gerade Berufsanfänger verschwenden eher weniger Gedanken damit – für sie ist die Rente noch Jahrzehnte entfernt. Das stimmt zwar, allerdings ist es wichtiger als je zuvor, sich mit dem Ruhestand auseinanderzusetzen.

Heutige Arbeitnehmergenerationen werden älter: Wer jetzt in den Ruhestand geht, hat statistisch gesehen noch ein Viertel seines Lebens vor sich. Wie gut dieses Viertel sich gestaltet, hängt auch von Ihrer Altersvorsorge ab.

(Vorübergehende) Armut lässt sich in jungen Jahren, in denen Sie noch körperlich fit sind, deutlich besser verkraften als im Alter mit diversen Wehwehchen. Daher folgende Tipps:

  • Sortieren Sie Ihre Finanzen

    Machen Sie sich Gedanken über Ihre finanzielle Absicherung im Alter. Die gesetzliche Rente allein wird nicht reichen. Üblicherweise empfehlen Experten das 3-Säulen-Modell, heißt: eine Mischung aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge. Eine Form der betrieblichen Altersvorsorge, die Ihr Arbeitgeber in jedem Fall unterstützen muss, ist die Entgeltumwandlung.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Partner

    Wer verheiratet ist oder in einer Lebensgemeinschaft lebt, sollte sich mit seinem Partner darüber verständigen, wie der gemeinsame Lebensabend aussehen könnte. Werden Dinge nie angesprochen, gehen beide Seiten schnell davon aus, dass einträchtige Harmonie besteht und ganz selbstverständlich beide einer Meinung sind – das kann sich allerdings als gefährlicher Trugschluss erweisen. Während der eine vom barrierefrei umgebauten Eigenheim träumt, will der andere perspektivisch womöglich in eine teure Seniorenresidenz.

  • Suchen Sie sich Hobbys

    Überlegen Sie, was Ihnen früher Spaß gemacht hat oder was Sie immer mal ausprobieren wollten. Vielleicht können Sie alte Hobbys wieder aufnehmen, neue beginnen. Handwerkliche und kreative Hobbys machen nicht nur Spaß, sondern trainieren auch motorische und kognitive Fähigkeiten.

  • Tun Sie etwas für Ihre Vitalität

    Im Ruhestand sollten Sie unbedingt Zeit auf den Erhalt Ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten verwenden. Dazu gehört eine ausgewogene, gesunde Ernährung und angemessene sportliche Betätigung. Manche Menschen rennen selbst im Alter noch den Marathon. Aber auch gesunde Sportarten wie Schwimmen, Wandern und Walking halten Sie fit.

Steuertipps: Sind Sie als Ruheständler steuerpflichtig?

Rentner Ruhestand steuerpflichtigHintergrund ist das Alterseinkünftegesetz aus dem Jahr 2005. Dadurch wird der Teil der Renteneinkünfte, die versteuert werden müssen, von Jahr zu Jahr immer weiter angehoben.

Beispiel: Sie sind 2005 (oder früher) in Rente gegangen. 50 Prozent Ihrer Einkünfte müssen versteuert werden. Rentner, die sich im Jahr 2010 in den Ruhestand verabschiedet haben, müssen bereits 60 Prozent Ihrer Einkünfte versteuern. Für 2015 lag die Quote schon bei 70 Prozent, 2016 bei 72 Prozent. Diese Bemessungsgrundlage wird nun weiterhin jährlich um zwei Prozentpunkte erhöht, bis Arbeitnehmer, die im Jahr 2040 in Rente gehen, die kompletten 100 Prozent ihrer Rente versteuern müssen.

Die Bemessungsgrundlage verändert sich im Übrigen für Sie nicht mehr, sie bemisst sich zeitlebens nach Ihrem Eintritt in den Ruhestand. Ein Rentner, der sich 2005 zur Ruhe gesetzt hat, wird also bis zu seinem Ableben jährlich nur 50 Prozent seiner Renteneinkünfte versteuern müssen. Aber: Er kann trotzdem noch in die Steuerpflicht rutschen. Und zwar unter folgenden Voraussetzungen:

  • Steuererklärung

    Als Rentner sind Sie steuerpflichtig, wenn Ihre Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen. Dieser wurde erneut angehoben – von 9.168 Euro auf derzeit 9.408 Euro für Alleinstehende und von 18.336 Euro auf 18.816 Euro für Zusammenveranlagte, Ehepaare in der Regel. Liegen Ihre Einkünfte darunter, müssen Sie keine Einkommenssteuererklärung abgeben. Liegen Sie darüber, dann schon. Zwei Hinweise: Erstens könnten Sie durch eine Rentenerhöhung erstmals über die Schwelle kommen. Und zweitens fließen neben den Rentenbezügen auch andere Einkünfte in die Steuerbewertung mit ein, zum Beispiel Kapital-, Miet- und Pachteinnahmen. Rechnen Sie also vorab Ihre Einkünfte möglichst genau durch, um Ihre Steuerpflicht zu prüfen.

  • Nachprüfung

    Erhalten Sie eine Aufforderung vom Finanzamt, sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Kommen Sie dieser nicht nach, kann das Finanzamt die Besteuerungsgrundlage nach eigenem Ermessen schätzen – meist zu Ungunsten des Steuerpflichtigen. Und: Eine Verjährung findet erst nach sieben Jahren ab dem Veranlagungsjahr statt. Versäumen Sie also, eine Steuererklärung abzugeben, kann sich das Finanzamt das Geld auch in den nächsten Jahren noch wiederholen – mit jährlichen Säumniszuschlägen von sechs Prozent. Im schlimmsten Fall wertet das Finanzamt Ihre Nichtabgabe gar als Steuerhinterziehung, die Verjährung tritt dann sogar noch später ein.

  • Rentenbezugsmitteilungsverfahren

    Dieses bürokratendeutsche Wortungetüm dient als weiterer Fingerzeig, die Steuererklärung nicht mutwillig zu ignorieren. Denn: Das Rentenbezugsmitteilungsverfahren stellt seit 2009 sicher, dass Rentenversicherungsträger, Pensionsfonds, Pensionskassen, berufsständische Versorgungseinrichtungen, Direktversicherungen und Anbieter von Riester-Renten den Finanzbehörden melden, welche Altersbezüge sie jeweils ausgezahlt haben. Dazu zählen neben der gesetzlichen Rente auch Betriebs- und Riester-Renten. Das Finanzamt kann also sehr leicht nachprüfen, welche Einkünfte auf Ihr Konto gingen – und ob Sie steuerpflichtig sind oder nicht.

  • Belege

    Die gute Nachricht: Auch als Rentner können Sie vielfach Ausgaben von der Steuer absetzen. Dazu zählen Sonderausgaben wie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, außergewöhnliche Belastungen wie Arzt-, Medikamentenrechnungen und Beerdigungskosten, Spenden, Handwerkerrechnungen und auch Werbungskosten. Daher auch für Ruheständler der Tipp: Sammeln Sie akribisch Ihre Quittungen.

Zur Verdeutlichung ein konkretes Beispiel:

Sie sind 2005 in Ruhestand gegangen, verheiratet und beziehen eine Rente von jährlich 25.000 Euro im Jahr. Davon müssen Sie die Hälfte, also 12.500 Euro versteuern. Da Ihre Frau/Ihr Mann keine Einkünfte hat, liegen Sie unter dem Freibetrag für Ehepaare von 18.816 Euro. Sie müssen keine Steuererklärung abgeben und keine Einkommensteuer zahlen. Sind Sie allerdings unverheiratet – bei identischer Rente – lägen Sie über dem Freibetrag für Alleinstehende von 9.408 Euro und müssten 3.092 Euro versteuern.

In der Tat weisen Steuerfachleute darauf hin, dass man beim Tod des Ehepartners noch einmal ganz neu nachrechnen muss. Zwar erkennen die Finanzämter im ersten Jahr aus Kulanz den Splittingtarif oft noch an, danach aber nicht mehr. Es folgt dann eine Änderung der Steuerklasse.

Und noch ein Beispiel: Sie erhalten als Alleinstehender eine Rente von 12.000 Euro pro Jahr. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, Spenden, Handwerkerrechnungen und Werbungskosten beträgt Ihr zu versteuerndes Einkommen lediglich 7.800 Euro – und liegt damit unter dem Freibetrag. Aber: Da Ihre Einkünfte höher als der Grundfreibetrag sind, sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Mit dem Vorteil, dass Sie letztlich keine Einkommensteuer zahlen müssen.

Hinweis: Alle Angaben wie immer ohne Gewähr. Für eine detaillierte Einzelfallberatung kontaktieren Sie bitte Ihren Steuerberater, einen Lonsteuerhilfeverein oder wenden Sie sich direkt an das Finanzamt.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
28. April 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von Karrierebibel lesen
Weiter zur Startseite