Bis 70 arbeiten: Wie geht das (wenn es sein muss)?

Die Menschen werden immer älter, im Verhältnis sinkt die Zahl junger Menschen. Der demografische Wandel in Deutschland lässt sich bereits seit einiger Zeit beobachten und wird auch weiterhin anhalten. Eine höhere Lebenserwartung ist natürlich grundsätzlich positiv und von einer guten medizinischen Versorgung profitiert jeder, doch gibt es auch einige bedenkliche Entwicklungen und Prognosen: So fehlt es zunehmend an jungen Menschen, die in die Rentenkasse einzahlen, um das System für aktuelle Rentner aufrecht zu erhalten. In der Folge kann und wird das Renteneintrittsalter voraussichtlich steigen. Bis 70 arbeiten? Vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt. Die Vorstellung wirft jedoch die Frage auf, wie ein solch langes Arbeitsleben funktionieren kann. Wir haben einige Ideen und Vorschläge gesammelt…

Bis 70 arbeiten: Wie geht das (wenn es sein muss)?

Bis 70 arbeiten: Eine mathematische Notwendigkeit?

Der Renteneintritt mit 67 Jahren sorgt bereits für viele Diskussionen. Wer ab dem Jahr 1964 geboren ist, erreicht die Regelaltersgrenze damit später als ältere Geburtenjährgänge. Wer Jahrgang 1955 ist, kann beispielsweise mit 65 Jahren und 9 Monaten in Rente gehen – immerhin wird so mehr als ein Jahr Arbeit eingespart. Fraglich ist jedoch, wie lange es bei dieser Regelung bleibt.

So wurde das Thema Renteneintritt vor der letzten Bundestagswahl groß diskutiert. Im Fokus: Bis 70 arbeiten. Dabei waren sich die meisten Parteien einig, dass dies kein Thema sei und dass am aktuellen Alter für die Rente nicht gerüttelt wird. Das lässt viele erst einmal aufatmen, doch wurden auch Zweifel laut: Können diese versprechen wirklich über eine längere Zeit aufrecht erhalten werden?

Genährt wird die Skepsis durch eben den oben beschriebenen demografischen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Rente. Einfach gesagt funktioniert das Ganze so: In der Rente findet eine Finanzierung durch Umlage statt, was bedeutet, dass die Einzahlungen und Beiträge der jungen und noch arbeitenden Bevölkerung direkt für die Auszahlung der Rente genutzt wird. Durch die Veränderung in der Altersstruktur gibt es jedoch zunehmend mehr ältere Menschen und Rentner, denen weniger Beitragszahler gegenüberstehen. So gerät das gesamte Rentensystem aus dem Gleichgewicht.

Von immer weniger Rentenbeiträgen muss ein immer längeres Rentenalter bezahlt werden, da die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. Es braucht kein mathematisches Genie, um zu verstehen, dass dies auf Probleme zusteuert. Wissenschaftlich kann diese Entwicklung durch den sogenannten Altenquotienten deutlich gemacht werden, der das Verhältnis von alten zu jungen Menschen berechnet und aufzeigt.

Dabei wird die Anzahl von Menschen über 65 Jahren durch die Anzahl der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren geteilt. Ein Altenquotient von 0,15 gibt dabei also an, dass auf 100 Menschen im Erwerbsalter bis 64 Jahren insgesamt 15 andere kommen, die bereits über 65 Jahre sind und damit potenziell Rente beziehen. 2015 lag der Altenquotient in Deutschland bei 34,7 älteren Menschen. 2005 waren es noch 32. Experten befürchten jedoch, dass der Quotient in nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf über 50 ansteigen wird.

Eine mögliche Lösung, um das Rentensystem aufrecht zu erhalten, sehen Wirtschaftsforscher darin, bis 70 arbeiten zu gehen und damit der längeren Lebenszeit Rechnung zu tragen.

Schon heute ist die Arbeit bis 70 zum Teil Realität

Tatsächlich ist es gar nicht nötig, nur in der Theorie über die Arbeit bis 70 zu sprechen. Schon heute gibt es viele, die in diesem Alter noch beruflich aktiv sind und einem Broterwerb nachgehen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich.

Auf der einen Seite steht die Gruppe, die sich freiwillig dafür entscheidet und aus eigenem Antrieb heraus handelt. Nicht jeder freut sich auf die Rente, manch einer will weiterhin am Arbeitsleben teilhaben und seinen Beruf nicht aufgeben, nur weil ein bestimmtes Alter überschritten wurde. Diese Menschen versuchen oft, auch nach dem Erreichen des Renteneintrittsalters beim Arbeitgeber zu bleiben und beispielsweise eine beratende Tätigkeit auszuüben.

Demgegenüber stehen jene, die sich dazu gezwungen sehen bis 70 arbeiten zu gehen, weil das Geld knapp ist und die Rente für die Lebenshaltungskosten nicht ausreicht. Altersarmut darf nicht unterschätzt oder ignoriert werden und so hat mancher keine Wahl, als bis ins hohe Alter weiterhin einen Job zu haben.

Wie kann man bis 70 arbeiten, wenn es sein muss?

Wer selbst bis 70 arbeiten möchte, findet meist auch einen Weg, um dies in die Tat umzusetzen. Anders kann es für all jene aussehen, die bis 70 arbeiten müssen, aber eigentlich lieber früher in Rente gehen würden. Lässt die finanzielle Situation diesen Schritt nicht zu, bleibt kaum etwas anderes übrig, als den Ruhestand ein wenig nach hinten zu schieben – und sollte das Renteneintrittsalter irgendwann tatsächlich auf 70 angehoben werden, kommt die längere Arbeit auf jeden zu.

Schon heute gehen viele Menschen in Frührente, weil sie es aus verschiedenen Gründen nicht bis zum regulären Alter schaffen. Aber wie sollen Sie es dann schaffen, bis 70 zu arbeiten, wenn Sie müssen?

  • Achten Sie auf Ihre Gesundheit

    Ob nun mit 67 in Rente oder bis 70 arbeiten – die Gesundheit ist und bleibt der entscheidende Faktor, von dem abhängt, ob ein Arbeitnehmer bis zur Rente erwerbstätig bleibt oder bereits frühzeitig in Ruhestand geht. In körperlich anstrengenden Berufen zeigt sich immer wieder, dass kaum jemand bis ins hohe Alter arbeitet, weil der Körper vorher die Notbremse zieht.

    Um bis 70 arbeiten zu können, sollte daher unbedingt großer Wert auf die eigene Gesundheit gelegt werden. Ernährung, Sport und auch mentale Gesundheit spielen dabei eine große Rolle. Damit sollte aber nicht erst angefangen werden, wenn es zu spät ist. Ein gesunder Lebensstil sollte über Jahrzehnte gepflegt werden.


  • Folgen Sie Ihrer Leidenschaft

    Längere Berufstätigkeit funktioniert vor allem dann, wenn die Arbeit Spaß macht und nicht jeder Tag als Qual empfunden wird, an dem Sie sich wieder einmal ins verhasste Büro mit den nervigen Kollegen und den stumpfsinnigen Aufgaben schleppen müssen. Wenn Sie Ihre Arbeit hassen, werden Sie es kaum schaffen, bis 70 arbeiten zu gehen.

    Ein guter Ansatz, um die Freude am Job auch über Jahrzehnte nicht zu verlieren, ist es, der eigenen Leidenschaft zu folgen. Tun Sie etwas, dass Sie lieben, das Sie begeistert und immer wieder fasziniert – das fällt auch mit steigendem Alter noch leicht.


  • Passen Sie Ihre Arbeit an

    Die Arbeitsbedingungen können darüber entscheiden, ob die Arbeit bis 70 möglich ist. Dabei sollte vor allem darauf geachtet und eingegangen werden, dass ältere Arbeitnehmer andere Bedürfnisse und Probleme haben, denen mit passenden Rahmenbedingungen im Job begegnet werden muss.

    Dies ist zugegeben zu großen Teilen in der Verantwortung der Unternehmen, aber auch Sie als Arbeitnehmer sollten sich dafür einsetzen und für Ihre Belange einstehen, wenn Sie bis 70 arbeiten müssen.

    Zu diesem Punkt gehört übrigens auch, dass Sie alle Optionen nutzen, um Ihre eigene Arbeit zu vereinfachen. Dabei geht es besonders um technische Entwicklungen und Innovationen, die Arbeit abnehmen können. Nicht immer werden diese sofort angenommen, weil am alten Motto Das haben wir schon immer anders gemacht festgehalten wird.

[Bildnachweis: Kinga by Shutterstock.com]
11. Januar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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