Silver Worker: Durchstarten im besten Alter

Vor Jahren machte ein geflügeltes Wort die Runde: 40 ist die neue 20. Demnach befinden sich Arbeitnehmer über 50 Jahren gerade mal in ihren Dreißigern oder Vierzigern. Die sogenannten Silver Worker heutzutage haben wenig gemein mit den silberhaarigen Großmüttern und Großvätern unserer Eltern- oder gar Großelterngeneration. Und dennoch werden sie häufig unterschätzt – der Jugendwahn der vergangenen Jahrzehnte ist oftmals noch in den Köpfen verankert. Dabei können es sich viele Unternehmen gar nicht leisten, auf die erfahrenen Arbeitnehmer zu verzichten. Sei es aufgrund des Fachkräftemangels, sei es für einen reibungslosen Wissenstransfer. Leicht ist es trotzdem nicht. Was Sie als Silver Worker beachten sollten…

Silver Worker: Durchstarten im besten Alter

Silver Worker Definition: Arbeit im Rentenalter

Silver Worker Definition Rente ältere ArbeitnehmerWer nach einer griffigen Definition des Begriffs Silver Worker googelt, bekommt entweder keine Ergebnisse oder wird auf die handwerkliche Tätigkeit eines Silberschmieds verwiesen.

Gemeint sind hier natürlich keine Juweliere oder Schmuckdesigner, sondern Arbeitnehmer, die im bereits fortgeschrittenen Alter noch berufstätig sind. Darüber hinaus gibt es keine feste Definition. Die einen meinen Arbeitnehmer, die vom Alter her bereits in Rente sind, die anderen sprechen von der Generation 50 Plus.

Und geht es nach der Haarfarbe, worauf der Begriff Silver Worker natürlich anspielt, so dürften selbst einige Arbeitnehmer in den Dreißigern bereits infrage kommen. Betrachten wir die Gruppe der arbeitenden Rentner, so wird die seit einigen Jahren immer größer.

Anteil älterer Arbeitnehmer im Erwerbsleben

Dass immer mehr Menschen im Alter arbeiten, hat nicht zwangsläufig etwas mit der Altersarmut der finanziell schlechter gestellten Rentner der letzten Jahre zu tun, wenngleich es diese Menschen gibt. Gerade Frauen sind überdurchschnittlich betroffen, wenn sie in jungen Jahren ihre Stelle für die Familie aufgegeben haben und später geschieden wurden.

Ebenfalls wächst aber seit Jahren die Gruppe derjenigen, die nicht arbeiten müssten, aber wollen. Wer sind die Silver Worker? Diese Gruppe ist einerseits recht klein. Andererseits hat ihre Zahl sich unter den 65- bis 75-Jährigen innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelt, sowohl unter Männern, als auch Frauen.

Die Gründe dafür sind bekannt. Die demographischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben zu einer immer älter werdenden Gesellschaft geführt. Das liegt einerseits an der steigenden Lebenserwartung der Menschen, andererseits an der stagnierenden Geburtenrate.

Beides nimmt Einfluss auf die Erwerbstätigkeit. Wurden in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ältere Arbeitnehmer in Frührente geschickt, um Platz für jüngere Arbeitnehmer zu machen, ist es derzeit in manchen Branchen so, dass die Menschen aus dem Ruhestand zurückgeholt werden.

Bestes Beispiel dafür sind aktuell pensionierte Lehrer, die im Ruhestand reaktiviert werden. Und im Gegensatz zu Lehrkräften in Rente müssen Pensionäre dank Änderung des Landesbeamtenversorgungsgesetzes nicht befürchten, dass ihnen ihr Ruhegehalt gekürzt wird.

Das Statistische Jahrbuch 2018 hat folgende Zahlen veröffentlicht, die die Veränderungen dokumentieren. Mit Blick auf ältere Arbeitnehmer waren 2005 rund 45 Prozent der 55- bis unter 65-Jährigen erwerbstätig. 2017 ist diese Zahl in derselben Altersgruppe bereits auf 70 Prozent geklettert. Deutliche Unterschiede lassen sich zwischen Männern und Frauen beobachten:

  • 60 bis unter 65 Jahre: 64 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 53 Prozent Frauen
  • 65 bis unter 70 Jahre: 20 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 12 Prozent Frauen
  • 70 bis unter 75 Jahre: 10 Prozent Männer erwerbstätig, aber nur 5 Prozent Frauen

Zu fit fürs Altenteil

Viele Silver Worker fühlen sich fit und aktiv, sind voller Tatendrang und denken längst nicht ans Aufhören. Oft sind Arbeitnehmer gemeint, die die Regelaltersgrenze überschritten haben. Die liegt bei 65 Jahren für alle, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden.

Eine schrittweise Anhebung des Rentenalters bis auf 67 Jahre gilt für alle diejenigen, die nach dem 31. Dezember 1946 geboren wurden. Aber man muss sich auch nichts vormachen: Das Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus ist nicht für jeden möglich. Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Silver Worker sind Akademiker.

Wer mehr als 40 Jahre Plackerei im Straßenbau oder als Dachdecker hinter sich hat, dürfte eine andere körperliche Verfassung haben. Und solche Jobs stellen natürlich ganz andere Anforderungen in Sachen Fitness. Arbeitnehmer mit Bürojobs sind da auf jeden Fall im Vorteil.

Neben der physischen Konstitution kommt es auf die kognitive Leistungsfähigkeit an. Manche Menschen sind schon in jungen Jahren alt, andere mit 70 jung geblieben. Es stimmt schon ein bisschen; man ist so jung, wie man sich fühlt. Wer bereits in jungen Jahren viel und gerne gelernt hat, erhält sich seinen Wissensdurst und seine Neugier meist bis ins hohe Alter. Und dieses lebenslange Lernen befähigt Silver Worker nicht nur, ihr Wissensspektrum zu erweitern, sondern ist gleichzeitig ein Schutz vor Demenz.

Motivation: Vorzüge der Arbeit im Alter

Die Gesellschaft mag demographisch gesehen älter geworden sein. Geistig hat eher eine Verjüngung stattgefunden. Das hängt auch mit der gestiegenen Lebenserwartung zusammen. Denn die Menschen werden nicht einfach nur älter, sie sind medizinisch besser versorgt, körperlich fitter.

Überlegungen zur Ergonomie am Arbeitsplatz sind noch gar nicht so alt, tragen aber deutlich zur gestiegenen Lebensqualität bei. Maschinen und Automaten übernehmen häufig wenig gesundheitlich förderliche Aufgaben.

Es gibt also eine Reihe von Gründen dafür, dass immer mehr Silver Worker unter den Arbeitnehmern vertreten sind. Angesichts der momentan eher geburtenschwachen Jahrgänge werden sie dringend benötigt. Viele Handwerksunternehmen könnten deutlich mehr Aufträge annehmen, wenn sie die personellen Kapazitäten hätten.

Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass längst nicht alle Unternehmen auf das ungenutzte Potenzial von Silver Workern zurückgreifen. Deutlich höher ist die Bereitschaft, wenn bereits Erfahrungen mit älteren Arbeitnehmern vorliegen.

Was motiviert Silver Worker noch zu arbeiten, statt den Lebensabend wie einen langen Urlaub zu gestalten? Einer Studie (PDF) der Leuphana-Universität Lüneburg zufolge sind die Gründe unterschiedlich:

  • Aktivität

    Für viele Menschen ist die Arbeit sinnstiftend und somit ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, den sie erhalten möchten. Sie nehmen Entwicklungen in der Branche unmittelbar wahr, werden geistig gefordert.

  • Kontakte

    Wer arbeitet, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Sie haben Kontakt mit jüngeren Menschen, die über die generationstypische Filterblase oder Verwandte hinaus gehen. Das trägt zum beiderseitigen Verständnis bei und steigert nebenbei noch die Produktivität von Unternehmen. Daneben sind viele freundschaftliche Kontakte im Laufe der Jahre entstanden, die viele Silver Worker nicht einfach aufgeben wollen.

  • Anerkennung

    Ältere Menschen wird teilweise weniger zugetraut, da sie altersbedingte Beeinträchtigungen haben. Ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass sie wertvolle Arbeit leisten können, trägt zu einem höheren Selbstwertgefühl bei.

  • Geld

    Geld spielt natürlich auch eine Rolle – wenn beispielsweise ein bestimmter Lebensstandard aufrechterhalten werden soll. In manchen Fällen studieren vielleicht die eigenen Kinder noch, so dass finanzielle Unterstützung willkommen ist.

Bedingungen für die Arbeit in Rente

Ob sich die Arbeit nach der Rente lohnt, hängt von den individuellen Vorstellungen sowie den gesetzlichen Vorgaben ab. Wie oben erwähnt, gibt es Unterschiede für den Hinzuverdienst. Ehemals verbeamtete Lehrer sind fein raus, zumindest bis zum 31.12.2019 (hier weitere Hinweise, PDF).

Bei nicht verbeamteten Arbeitnehmern, die ihre Altersgrenze in voller Höhe erhalten möchten, ist abzuwägen. Die Hinzuverdienstgrenze liegt gemäß Deutscher Rentenversicherung bundeseinheitlich bei 6.300 Euro pro Jahr. Das macht exakt 525 Euro, die Sie monatlich hinzuverdienen dürfen, ohne dass Ihnen etwas abgezogen wird.

Alles, was über diese Hinzuverdienstgrenze hinaus geht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet, Sie erhalten dann nur noch eine Teilrente. Das kann zweierlei bedeuten: Sie nehmen die Abzüge in Kauf oder aber steigen mit Eintritt ins Rentenalter auf Teilzeitarbeit um.

Wer als Silver Worker auch nach der Rente noch berufstätig sein will, sollte nicht nur die finanzielle Seite berücksichtigen. Vielmehr sollten Sie Ihren „Unruhestand“ vorbereiten. Natürlich spielt das Leben manchmal anders; 20 Jahre vor Renteneintritt den Arbeitsalltag bis ins kleinste Detail durchzuplanen, dürfte schwierig sein.

Zu viele Unwägbarkeiten einerseits. Andererseits sollte klar sein: Vom Ruhestand aus wieder die Erwerbstätigkeit aufzunehmen, erschwert in der Regel den Einstieg. Sie sollten mit solchen Überlegungen also nicht bis zur letzten Minute warten und rechtzeitig Ihre Kontakte aktivieren beziehungsweise ausbauen.

[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
14. November 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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