Jobwechsel begründen: 8 gute Gründe + Formulierungen

Mehr Gehalt, bessere berufliche Perspektiven, optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder einfach der Wunsch nach Abwechslung, einem Tapetenwechsel und einer neuen Herausforderung – die Gründe für den Jobwechsel sind vielfältig und völlig individuell. Die gute Nachricht für Arbeitnehmer: Jobwechsel gehören heute zu jeder Erwerbsbiografie. Mehr als 60 Prozent aller Arbeitnehmer wechseln im Lauf der Karriere ein- bis fünfmal den Job. Damit die berufliche Veränderung gelingt, sollten Sie allerdings den Jobwechsel begründen können. Mit überzeugenden und cleveren Argumenten…

Jobwechsel begründen: 8 gute Gründe + Formulierungen

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Kein Jobwechsel ohne Begründung

So selbstverständlich gelegentliche Jobwechsel heute in den meisten Branchen sind: Sie brauchen bei der Bewerbung eine gute Erklärung und Begründung. Personaler sprechen in dem Zusammenhang auch von der Wechselmotivation. Sonst bleibt zu viel Interpretationsspielraum – und damit der Verdacht, der Kandidat kommt mit dem Wechsel einer Kündigung zuvor. Damit es gar nicht erst zu einem solchen Störgefühl kommt, müssen Sie den Jobwechsel begründen. Die Kunst dieser Erklärung besteht darin, drei grundlegende Fragen zu beantworten:

  • Was ist Ihre Motivation für den Wechsel?
  • Was reizt Sie an der ausgeschriebenen Stelle?
  • Warum wollen Sie im neuen Job (länger) bleiben?

Unbedingt vermeiden sollten Sie dabei Rechtfertigungen. Ihre Attitüde ist ein positiver Blick auf die Zukunft. Ebenso tabu ist, über bisherige Arbeitgeber schlecht zu sprechen. Auch wenn Personaler bei der Wechselmotivation nachfragen und nachhaken: Begründen Sie den Jobwechsel, aber rechtfertigen Sie sich nicht! Das klingt ansonsten verdächtig nach schlechtem Gewissen und einer frisierten Aussage. Insbesondere die vorweggenommene Entschuldigung (wenn noch gar nicht danach gefragt wurde) weckt schlafende Hunde.

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Die 2 Richtungen der Wechselmotivation

Ob eine berufliche Veränderung erfolgreich ist, hängt entscheidend davon ab, aus welchem Antrieb heraus wir handeln. Motivation bedeutet „Bewegung“. Entsprechend gibt es bei der Wechselmotivation zwei Richtungen:

  • Weg-von-Motivation: Bei der Weg-von-Motivation wollen wir „weg von etwas“, weg von einem unerwünschten Zustand, einem miesen Job oder miesen Chef. Dahinter steckt jedoch meist ein Fluchtreflex. Das Reißaus nehmen kann auch ein bequemes Ausweichen und unstrategisches Vorgehen sein. Hauptsache: weg!
  • Hin-zu-Motivation: Wer sich dagegen irgendwo „hin“ orientiert, verfolgt meist einen Plan oder eine Strategie – und sieht prompt auch noch zielstrebig aus. Bei der Hin-zu Motivation wollen wir etwas erreichen, uns zu einem gesteckten Ziel hin entwickeln und haben klar vor Augen, wohin der Weg Sie führen soll.

Für den Erfolg einer beruflichen Neuorientierung ist es – langfristig – erforderlich, dass Sie wissen, wohin die Reise gehen soll. Dauerhaft motiviert bleibt und überzeugend argumentiert nur, wer sich zu etwas „hin“ verändert und dabei ein übergeordnetes Ziel verfolgt (siehe Video).



Lesen Sie hierzu auch: Das Paradoxon der Sinnsuche

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Jobwechsel begründen: Klare Ziele und offene Worte

Jobwechsel sind dann erfolgreich, wenn Sie damit ein klares Ziel verfolgen. Wer hingegen versucht, Problemen aus dem Weg zu gehen oder gar die Flucht nach vorne antritt, wird dies nur schwer positiv oder gar überzeugend begründen können. Auch wenn Frustration und Unzufriedenheit Ihre primären Gründe für den Jobwechsel sind – sagen sollten Sie das so auf keinen Fall. Vielmehr sollte Ihr Fokus stets nach vorn gerichtet sein und auf den positiven Aspekten des neuen Jobs liegen. Eine typische Formulierung könnte dann so klingen:

Der Wechsel in diese Position und Ihr Unternehmen bietet mir die Chance, mich persönlich weiterzuentwickeln und meine erweiterten Kompetenzen für Sie gewinnbringend einzusetzen. Die gebotenen beruflichen Perspektiven passen perfekt zu meinen Plänen und Ambitionen. In der ausgeschriebenen Stelle erkenne ich nicht nur eine sinnvolle und fordernde Aufgabe, sondern auch gute Entwicklungschancen, die meinen Fähigkeiten entsprechen.

Die Formulierung ist allerdings noch recht allgemein. Sie selbst sollten diese persönlich für Ihren Zweck anpassen und die Erklärung individuell konkretisieren. So formuliert wird der Personaler sicher noch einmal nachfragen, was denn genau Ihr Pläne und Ambitionen sind und welche Entwicklungschancen Sie sich genau erhoffen. Zudem ist diese Begründung nur sinnvoll, wenn…

  • Sie sich tatsächlich weiterentwickeln wollen und wissen wie.
  • die ausgeschriebene Stelle diese Perspektive auch bietet.
  • der Job tatsächlich Ihren Fähigkeiten entspricht.

Jobwechsel begründen bei befristetem Vertrag

Bei einem befristeten Arbeitsvertrag wäre die Begründung zudem sinnlos, weil der Arbeitgeber gar nicht an einer langfristigen Zusammenarbeit und Entwicklung interessiert ist. In einem solchen Fall wäre eine andere Begründung Erfolg versprechender – mit Fokus auf Ihre Stärken und fachlichen Interessen. Das könnte dann beispielsweise so formuliert werden:

Dieser Job bietet mir die Chance, meine Kernkompetenzen noch stärker zu trainieren und einzubringen. Die Aufgaben und fachlichen Schwerpunkte Ihrer Ausschreibung bieten mir genau die Herausforderung, die ich dazu suche.

Sollte die Rückfrage kommen, warum Sie das im bisherigen Job nicht fanden, dürfen Sie das offen sagen. Nur bitte ohne Schuldzuweisungen oder böse Worte über den ehemaligen Arbeitgeber. Selbst wenn Sie im bisherigen Job nur stupide Tätigkeiten erledigt haben und Ihre Fachkenntnisse dabei eher verkümmert sind: Lästern und üble Nachrede sind IMMER tabu! Jeder potenzielle Arbeitgeber fragt sich sonst im Bewerbungsgespräch: „Was wird er oder sie wohl später über uns erzählen?“

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Jobwechsel begründen: 7 gute Gründe + Formulierungen

Unter den vielen persönlichen Gründen für einen Jobwechsel gibt es fünf klassische Wechselmotive, die von den meisten Personalentscheidern akzeptiert werden. Sie sind besonders positiv besetzt. Mit ihnen lässt sich fast jeder Jobwechsel begründen:

1. Sie möchten sich beruflich weiterentwickeln

Der Klassiker schlechthin. Wie schon erwähnt sollten Sie erklären, WOHIN Sie sich weiterentwickeln wollen. Völlig unkritisch ist, wenn jemand seit mehr als drei bis fünf Jahren dieselbe Position innehat und nun zum Beispiel mehr (Personal-)Verantwortung anstrebt oder in die nächst höhere Management-Ebene wechselt, um das nächst größere Rad zu drehen. Sich weiterzuentwickeln, kann aber auch bedeuten, sein Kompetenzprofil zu erweitern, Neues zu lernen oder Fertigkeiten auszubauen.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Mein aktueller Arbeitgeber ist zwar Marktführer, aber in dem recht kleinen Segment __________. Die Aufstiegschancen sind hier strukturell bedingt begrenzt. Ich möchte mich daher künftig mehr auf den Bereich __________ fokussieren und dort spezialisieren. Die Möglichkeiten dazu sind im derzeitigen Unternehmen leider begrenzt. Ihre ausgeschriebene Stelle bietet diesbezüglich deutlich bessere Perspektiven…

2. Sie suchen neue Herausforderungen

Das steht zwar gefühlt in jeder zweiten Bewerbung und hat daher hohes Floskel-Potenzial. Es bleibt aber trotzdem ein legitimes Wechselmotiv. Allerdings nur, wenn Sie diese Herausforderungen auch konkret benennen können: Größere Projekte stemmen, größere Teams managen, Menschen führen, einen neuen Markt erschließen, ein Produkt revolutionieren, … Sagen sie genau, was Sie an der neuen Stelle reizt und herausfordert.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

In den vergangenen Jahren konnte ich Projekte mit einem Budget von ______ Euro erfolgreich umsetzen und so zum Erfolg meines aktuellen Arbeitgebers entscheidend beitragen. Er ist heute Marktführer. Die Entwicklungsperspektiven sind dadurch allerdings mittelfristig begrenzt. Daher suche ich eine neue Herausforderung und möchte meine Leidenschaft und mein Know-how nun bei Ihnen einbringen, um einen vergleichbaren Erfolg zu realisieren – zum Beispiel zehn Prozent mehr Umsatz im kommenden Jahr.

3. Sie wollen Ihr Kompetenzfeld erweitern

Ihren aktuellen Job beherrschen Sie aus dem Eff-Eff. Ihre Fähigkeiten sind hochspezialisiert. Als Fachkraft zählen Sie zu den Besten Ihres Gebiets. Doch nun wird es Zeit, Ihr Kompetenz-Spektrum zu erweitern. Zum Beispiel indem Sie Führungsaufgaben übernehmen. Ein hierarchischer Aufstieg gehört ebenfalls zu den klassischen Wechselmotivationen. Insbesondere wenn dieser innerhalb des bisherigen Unternehmens nicht möglich ist, bleibt der externe Wechsel eine gut nachvollziehbare und strategisch sinnvolle Option. Um diesen Jobwechsel begründen zu können, müssen Sie allerdings weniger auf Ihre fachlichen Qualifikationen, dafür umso mehr auf die sozialen Kompetenzen und bisherigen Management-Erfahrungen abzielen.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Der Wechsel in diese Position und in Ihr Unternehmen bietet mir die Chance, mich persönlich weiterzuentwickeln und meine Erfahrungen für Sie gewinnbringend einzusetzen. Ich der Vergangenheit habe ich mehrere Projekte mit bis zu 20-köpfigen Teams geleitet und erfolgreich abgeschlossen. Die Kollegen bescheinigen mir ein starkes Führungstalent, wie Sie meinen Referenzen entnehmen können. Die Perspektiven der ausgeschriebenen Stelle passen perfekt zu meinen Ambitionen und bieten beste Entwicklungschancen, die meinen Fähigkeiten entsprechen.

4. Sie möchten sich aus familiären Gründen verändern

Völlig nachvollziehbar: Ihr Partner hat ebenfalls gerade den Job gewechselt und die ganze Familie zieht deshalb um. Folglich brauchen auch Sie eine neue Arbeitsstelle. Dasselbe gilt, falls Sie sich getrennt haben und deshalb den Standort wechseln oder weil Sie Nachwuchs bekommen haben und nun in Teilzeit arbeiten wollen oder flexibler… Theoretisch geht das den neuen Arbeitgeber zwar überhaupt nichts an. Sie müssen es auch nicht sagen. Aber es hilft bei der Überzeugungsarbeit und Jobwechsel-Begründung doch sehr.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Aufgrund einer Veränderung im familiären Umfeld möchte ich mich beruflich und räumlich verändern. Eine Anstellung in Teilzeit wäre dazu ideal…

5. Sie möchten internationaler arbeiten

Auch das ist ein gern gesehener Grund – natürlich nur bei entsprechend international ausgeschriebenen Stellen. Wenn der bisherige Arbeitgeber diese Option nicht bieten kann oder nur sehr eingeschränkt (weil es viele interne Bewerber, aber nur wenige Stellen gibt), dann ist der externe Wechsel die naheliegende Option. Die Motivation („Ich möchte im Ausland arbeiten.“) ist damit auch schon erklärt.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Ich arbeite seit ___ Jahren im Bereich __________. In dieser Zeit konnte ich zahlreiche Erfahrungen sammeln und meine Kenntnisse auf den nationalen Märkten vertiefen. Ein paar Auslandserfahrungen haben meinen Wunsch bestärkt, meine Tätigkeit in Zukunft internationaler auszurichten. Das gelingt auf dieser Position besonders gut. So könnte ich mir vorstellen…

6. Sie suchen eine andere Arbeitsumgebung

Oft wird diese Wechselmotivation genannt, wenn Menschen von einem Konzern in den Mittelstand wechseln (oder umgekehrt). Oder wenn sie in ein Startup-Unternehmen wechseln. Die Organisationsstrukturen und Entscheidungswege, nicht zuletzt die Geschwindigkeiten sind hier komplett unterschiedlich. Hier liegt aber auch eine Gefahr: Insbesondere, wenn Sie als Jobwechsel-Grund eine Struktur beschreiben, die der neue Arbeitgeber gar nicht bieten kann. Das wirkt dann latent naiv. Daher: Wenn Sie so diese Wechselmotivation nennen, bitte unbedingt vorher recherchieren, ob der Arbeitgeber in spe Ihre Wünsche erfüllen kann.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Nach langjähriger Tätigkeit in einem internationalen Konzern und einer hochspezialisierten Organisation, möchte ich künftig wieder in einem agilen Startup arbeiten. Die schnellen Entscheidungswege und die vielfältigen Aufgaben reizen mich enorm. Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Erfahrungen im Bereich ___________ für Sie von großem Nutzen sind und wir gemeinsam etwas bewegen können.

7. Sie müssen gesundheitlich kürzer treten

Wenn der Job krank macht, ist das einer der besten Jobwechsel Gründe überhaupt. Nur müssen Sie bei der Begründung und Wechselmotivation darauf achten, dass sich Ihre Prognose durch den Wechsel verbessert. Heißt: Wenn Sie beispielsweise den bisherigen Job wegen starker Rückenschmerzen aufgeben müssen, sollte der neue Job eine rückenschonende Tätigkeit beinhalten. Dasselbe gilt auch, wenn Sie aus gesundheitlichen oder Altersgründen die Arbeitszeit reduzieren und künftig in Teilzeit arbeiten wollen. Die Jobwechsel Gründe müssen immer glaubhaft versichern, dass Sie die neuen Aufgaben problemlos bewältigen können oder wegen Krankheit ständig auszufallen.

Beispiel-Formulierung für eine gute Begründung:

Ich kann meinen bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr ausüben. Mein Arzt hat mir empfohlen, auf einen Bürojob in Teilzeit umzusatteln. Gerne würde ich meinen Erfahrungsschatz und die erworbenen Soft Skills mit den Aufgaben der von Ihnen ausgeschriebenen Stelle verbinden. Als Quereinsteiger bringe ich zudem eine schnelle Auffassungsgabe, Neugier und Ausdauer mit, weitere Schlüsselkompetenzen aufzubauen.

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Sonderfall: Jobwechsel in eine andere Branche

Hier handelt es sich nicht mehr um einen einfachen Jobwechsel, sondern um einen kompletten Berufswechsel und Neustart. Sie geben Ihrer beruflichen Entwicklung eine völlig neue Richtung – verbunden mit einer neuen Branche. Das ist nicht ganz unproblematisch. Tatsächlich fangen Sie ganz neu an, kennen sich in der Branche (noch) nicht aus, haben kein Netzwerk. Um diesen Jobwechsel begründen zu können, sollten Sie daher auf Ihre relevanten Stärken und Kenntnisse für den neuen Bereich abzielen. Oder anders formuliert: Sie müssen begründen, welche Kompetenzen übertragbar sind, besser noch großen Nutzen stiften können, weil der Branche dieses Know-how eher fehlt. Eine Begründung des Jobwechsels könnte dann zum Beispiel so formuliert werden:

Nach jahrelanger Tätigkeit im Bereich __________ konnte ich in meiner Branche schon diese und jene Erfolge erzielen. Dieses Wissen würde ich nun gerne in einer ganz anderen Branche anwenden und meinen beruflichen Schwerpunkt hierher verlagern. Ich glaube, dass darin großes Potenzial und Mehrwert für Sie steckt. Ihre Stelle bietet genau die Gelegenheit dazu.

Oder:

Ich bin seit einigen Jahren in Ihrem Bereich ehrenamtlich tätig und kann daher auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Gerne würde ich dieses Know-how und die erworbenen Soft Skills mit den Aufgaben der ausgeschriebenen Stelle verbinden. Als Quereinsteiger bringe ich zudem eine schnelle Auffassungsgabe, Neugier und Ausdauer mit, weitere Schlüsselkompetenzen aufzubauen.

Um es aber deutlich zu sagen: Leidenschaft und Interesse für bestimmte Themen oder einen neuen Beruf reichen für einen Branchenwechsel nicht aus. Der potenzielle Arbeitgeber bezahlt Sie nicht dafür, dass Sie sich selbst verwirklichen können. Er bezahlt dafür, dass Sie einen echten Mehrwert bieten.

Das gelingt nur, wenn Sie übertragbare Kompetenzen und Erfahrungen (bei Berufseinsteigern zum Beospiel durch nebenberufliche Erfahrungen oder Praktika) nachweisen können. Andernfalls wird es schwer.

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Jobwechsel Begründungen: 5 schlechte Gründe

Neben guten Begründungen gibt es allerdings auch ein paar ziemlich kritische. Zu den schlechten Gründen beim Jobwechsel gehören:

Sie möchten mehr Geld verdienen

Das ist zwar eines der häufigsten Motive für einen Jobwechsel – nur sagen dürfen Sie das bitte nie. Es wirkt schrecklich opportun und offenbart obendrein wenig Liebe für den neuen Job (was Personaler aber eigentlich hören wollen). So jemand verrät im Subtext: „Mir geht es vor allem ums Geld – und damit um mein persönliches Wohl. Der Job kommt erst an zweiter Stelle.“ Und so jemand geht im Zweifel auch sofort wieder, wenn ein anderer Arbeitgeber mehr Geld bietet. Sie merken schon: Loyalität klingt anders.

Sie möchten mehr Zeit für Ihre Familie haben

Menschlich nachvollziehbar. Aber aus Sicht des Personalers nicht die Idealbesetzung. Auch hier gibt der Subtext in der Wechselmotivation den entscheidenden Negativausschlag. So jemand sagt de facto: „Der Job hat nicht die höchste Priorität. Ich möchte weniger arbeiten.“ Beides Aussagen, die darauf hindeuten, dass dieser Kandidat sich eher selten zusätzlich reinhängen wird, freiwillig Überstunden macht oder zum echten Leistungsträger heranwächst. Kann der Personaler wählen, entscheidet er sich sicher für den anderen Bewerber.

Ihr bisheriger Job hat Sie gelangweilt

Das klingt latent nach „Sie suchen eine neue Herausforderung“ – ist aber etwas anderes. Langeweile ist kein Schicksal. Zwar gibt es in jedem Job gute und schlechte Tage. Von einem wahren Leistungsträger aber erwartet man, dass er den Leerlauf konstruktiv nutzt. Wer sagt, dass er sich bisher gelangweilt hat, sagt damit indirekt, dass er oder sie dabei passiv geblieben ist und nichts daraus gemacht hat. Keine clevere Wechselmotivation. Die zweite Botschaft wirkt noch schlimmer: Was, wenn im neuen Job wieder Langeweile aufkommnt? Wenn Sie dann auch gleich wieder unzufrieden und werfen das Handtuch? Einen Kandidaten, der darauf wartet, dass ihm die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, stellt niemand ein.

Sie möchten für eine attraktive Marke arbeiten

Warum? Damit Sie im Freundeskreis damit prahlen können? Zugegeben, die Frage ist provokant. Aber genau das steckt meist hinter diesem Wechselmotiv: die Suche nach Status und Anerkennung. Der Schuss geht fast immer nach hinten los: Einmal, weil der Bewerber damit ein geringes Selbstwertgefühl offenbart (hat er oder sie es nötig, sich damit aufzuwerten?).

Zum Zweiten stellt es das Image über die Inhalte des Jobs. Wahre Talente fokussieren auf die Stellenbeschreibung, die Herausforderungen (siehe oben), die Chancen – nicht die Marke. Davon abgesehen wissen solche Arbeitgeber, dass Sie attraktiv sind. Das müssen Bewerber nicht noch bestätigen. Sagen Sie lieber, warum SIE für das Unternehmen attraktiv sind.

Sie möchten Verantwortung abgeben

Eigentlich ist das sogenannte Downshifting eine veritable Wechselmotivation. Bei vielen Personalentscheidern sorgt der geplante Rückschritt dennoch für hochgezogene Augenbrauen. Downshifter passen nicht so recht ins gängige Karrieremuster. Um zu begründen, dass der Abschied vom Aufstieg auch ein Schritt nach vorn sein kann, sollten Sie besser darauf abzielen, warum der Schritt für SIE persönlich der richtige ist. Hat sich Ihr berufliches Ziel aufgrund neuer Lebensumstände verändert? Dann erläutern Sie das kurz in einer Weise, die für Ihren Gesprächspartner nachvollziehbar ist. Vielleicht wollen Sie auch stärker an der Basis und der praktischen Umsetzung von Projekten arbeiten, statt in deren Administration? Dann sagen sie das besser so.

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Problemfälle: Sollte ich hierbei ehrlich sein?

Bei machen Menschen ähnelt der Werdegang eher einem Zick-Zack-Kurs. Es gibt Lücken im Lebenslauf, häufige Jobwechsel und vielleicht sogar die ein oder andere Entlassung. Das sieht nicht unbedingt optimal aus, ist aber auch kein Beinbruch. Solange Sie auch hierfür eine gute Begründung parat haben. Hier eine Übersicht der klassischen Problemfälle beim Jobwechsel – samt potenzieller Begründungsstrategie und zu nennender Wechselmotivation:

  • Jobwechsel wegen Kündigung: Gekündigt? Das kommt leider vor. Im Falle einer Arbeitgeberkündigung raten Experten dazu die Karten offen auf den Tisch zu legen – nur ohne große Rechtfertigungen. War die Kündigung betriebsbedingt, war es ohnehin nicht Ihr Fehler. War es Ihre Schuld (zum Beispiel mangelhafte Leistungen), sagen und zeigen Sie – konstruktiv -, was Sie daraus gelernt haben und künftig besser machen. Auch ehrlich: Dass die Chemie nicht gestimmt hat, kann passieren. Auch bei einem Chefwechsel. Stehen Sie dazu und schildern Sie Ihre Gegenmaßnahmen.
  • Zu viele Jobwechsel in Folge: Nie länger als ein paar Monate in einem Job? Drei Jobwechsel in den letzten zwei Jahren? Allzu sprunghafte Bewerber wirken orientierungslos. Der neue Arbeitgeber muss befürchten, dass auch er nur ein Intermezzo bleibt. Berufseinsteigern wird zwar in den ersten beiden Jahren noch eine Orientierungsphase zugestanden. Mit steigender Berufserfahrung sollten Sie nur noch maximal alle drei Jahre den Job wechseln. Wer Jobhopping begründen will, muss daher Zweifel zerschlagen und zeigen, dass er oder sie beruflich angekommen ist. Begründen Sie die Bewerbung mit einem langfristigen Ziel bei diesem Arbeitgeber.
  • Eigenkündigung: Die Frage, die sich hier stellt: Warum bewerben Sie sich nicht aus ungekündigter Position und suchen sich nicht vorher den neuen Job? Entweder, das war eine Kurzschlusshandlung – oder Sie sind – einvernehmlich – einer drohenden Kündigung zuvor gekommen. Auch hierbei gilt: Nie negativ über den alten Arbeitgeber sprechen! Auch Schuldzuweisungen sind tabu. Gehen Sie nicht auf Details ein, sondern richten Sie den Blick auch hierbei in die Zukunft: Sie verfolgen jetzt ein (neues) berufliches Ziel. Punkt.

Die Grundregel bei all diesen Jobwechsel-Fällen lautet: Ehrlich währt am längsten. Auch wenn die eine oder andere Station peinlich ist, wenn Sie Fehler gemacht haben oder gefeuert wurden: Gehen Sie damit selbstbewusst und konstruktiv um. Betrachten Sie Missgeschicke als Entwicklungsschancen – und begründen Sie diese auch so.

Berufsbilder: Einstieg, Karriere & kostenlose Vorlagen

In unserer Übersicht der wichtigsten Berufsbilder und Jobprofile finden Sie alles zur Ausbildung, Studium, Karriere- und Gehaltsaussichten sowie berufsspezifische Tipps und kostenlose Bewerbungsvorlagen. Beispiele:

Krankenschwester
Sozialpädagogen
Kommissionierer
Ingenieure
Schauspieler
Heilpraktiker
Lokführer
Architekten
Zimmermann
Informatiker



Zu den Berufsbildern


Optimieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen

Da bei einem kompletten Berufswechsel der vergangene Lebenslauf in eine andere Richtung zeigt, ist es unbedingt erforderlich, Ihre Bewerbungsunterlagen zu optimieren. Das bedeutet: Sie müssen die Wechselmotivation sowie nützliche Erfahrungen und Qualifikationen deutlich hervorheben. Zum Beispiel so:

  • Legen Sie im Anschreiben den Schwerpunkt auf Ihre Motivation für dieses Unternehmen zu arbeiten und WIE Sie dort denken, Ihre Fähigkeiten einzusetzen.
  • Fügen Sie Ihrer Bewerbungsmappe Referenzen hinzu. Idealerweise kommen die Fürsprecher schon aus der neuen Zielbranche und kennen Sie aus der bisherigen Zusammenarbeit.
  • Heben Sie im Lebenslauf (zum Beispiel durch Fettschrift) relevante Weiterbildungszertifikate hervor. Sie stärken Ihre Qualifikation.
  • Auch eine Ehrenamtliche Tätigkeiten kann nötige Soft Skills unterstreichen. In manchen Berufen sind soziale Kompetenzen fast wichtiger als Abschlüsse.

Und nur wenn Sie selbst von Ihren Kompetenzen überzeugt und sich sicher sind, dass Sie in der neuen Branche erfolgreich arbeiten können, können Sie den Jobwechsel überzeugend begründen.

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Zweifel am Jobwechsel: Was jetzt?

Sie sind sich im Grunde sicher, dass der Jobwechsel der richtige Weg ist und haben intern schon alles versucht? Gut so, das sollte der erste Schritt sein. Dennoch wird es Phasen geben – vor allem wenn sich die Suche nach einem neuen Job in die Länge zieht – in denen Zweifel aufkommen und Sie nicht mehr völlig hinter Ihrer Entscheidung stehen. In solchen Phasen können drei Fragen helfen, die Zweifel zu überwinden:

  1. Warum will ich wechseln?
    Machen Sie sich wieder klar, was Sie ursprünglich zum Jobwechsel motiviert hat und warum dieser Schritt für Sie die beste Option ist. Manchmal reicht es schon, sich die Gründe neu bewusst zu machen.
  2. Was sagt meint Umfeld dazu?
    Wenn Sie Ihren Jobwechsel gut vorbereitet haben, haben Sie auch mit Ihren Freunden, Ihrer Familie und Ihren Mentoren darüber gesprochen. Fragen Sie diese bei aufkommender Skepsis erneut, und lassen Sie sich vom Feedback neu motivieren.
  3. Wie sehen die Alternativen aus?
    Zweifel am Jobwechsel entstehen oft aus der Ungewissheit heraus. Der können Sie am besten begegnen, indem Sie sich bewusst machen, wie die Alternativen aussehen: bleiben, frustriert bleiben, Entwicklungsstillstand, Langeweile…? Letztlich müssen Sie sich fragen, was das geringere Übel ist – und wo die größeren Chancen warten.

Mehr Tipps zum Jobwechsel

Bevor Sie sich für einen Jobwechsel entscheiden – oder diesen konkret angehen – stehen in der Regel zahlreiche Fragen und die gründliche Vorbereitungen an. Um Ihnen nicht nur die Entscheidung, sondern auch die Vorbereitung des Jobwechsels zu erleichtern, finden Sie in den folgenden Artikeln bewährte Tipps, Strategien und Methoden:

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]

12. Oktober 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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