Patchwork Jobs: Glücklich mit mehr als einem Job

Viele Menschen sind auf der Suche nach dem Traumjob, dem einen Job, der sie ein Leben lang erfüllt. Warum eigentlich? Jeder von uns hat zahlreiche Talente und verschiedene Interessen. Diese werden aber in der Regel in der Freizeit ausgelebt. Schade, denn in unseren Hobbys steckt Potenzial, das auch beruflich genutzt werden kann. Sie müssen nur mutig genug sein, dieses Potential zu nutzen. Ein Job-Patchwork bietet Ihnen die Gelegenheit dazu…

Patchwork Jobs: Glücklich mit mehr als einem Job

Verändertes Verständnis von Arbeit

Für die Generation unsere Mütter und Väter war es noch selbstverständlich 30 Jahre lang dem gleichen Job nachzugehen. Doch diese Selbstverständlichkeit ist heute zur Ausnahme geworden. Heute ist es viel schwieriger geworden einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten. Viele Berufseinsteiger hangeln sich von einem Zwei-Jahres-Vertrag zum nächsten. Arbeitnehmerfreizügigkeit, Zeitarbeit und 1-Euro-Jobs haben die Art der Arbeitsverhältnisse und die Art, wie wir über Arbeit denken, nachhaltig verändert.

Aus diesem Grund sollten Sie aufhören, nach dem Job fürs Leben zu suchen.

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Das Multijobbing-Prinzip

Landschaften fotografieren, Cupcakes backen, Software programmieren – die meisten Menschen haben breit gestreute Interessen. Doch in Ihrem Job widmen Sie sich in der Regel Tag für Tag ein und derselben Sache. Die Karriereberaterin Beate Westphal hält das für einen Fehler. Multijobbing bietet für Sie die Möglichkeit mehr als nur einen Traumjob auszuüben, denn es sei illusorisch zu denken, ein einziger Job könne alle Interessen befriedigen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Sie sich mit zwei, drei Jobs selbst verwirklichen können.

In Deutschland hat Multijobbing ein schlechtes Image. Der Begriff wird in der Regel mit prekären Arbeitsverhältnissen verbunden, bei denen ein Arbeitnehmer keine andere Wahl hat, als mehre Jobs zu machen, um über die Runden zu kommen. Doch es gibt auch Menschen, wie Beate Westphal, denen ein Job zur Selbstverwirklichung nicht ausreicht. Es sind Menschen, die nicht gezwungen sind vielen verschieden Jobs nachzugehen, sich aber trotzdem dafür entscheiden, weil Sie gerne kreative Tätigkeiten ausüben und viel Freiheit im Berufsleben brauchen.

Multijobbing & Job-Patchwork: Wie geht das?

Wir haben uns das Konzept mal etwas genauer angesehen und haben eine Übersicht mit den wichtigsten Fragen dazu zusammengestellt.

Wie funktioniert Job-Patchwork?

Im Idealfall geht es darum, das eigene Potential voll auszuschöpfen. Sie erstellen praktisch einen Flickenteppich aus Interessen, Talenten und Hobbys und daraus abgleiteten Jobs. Am Anfang steht eine Flicke, beispielsweise Ihre aktuelle Beschäftigung, drum herum entwickeln Sie weitere Tätigkeiten, denen Sie gerne nachgehen würden. Am Ende steht ein Raster aus vielen unterschiedlichen Jobs.

Wenn das so leicht ist, warum macht das nicht jeder?

Das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit hindert viele Arbeitnehmer daran, den Schritt zu wagen. Die meisten Menschen sind froh, wenn Sie einen unbefristeten, relativ gut bezahlten Job gefunden haben. Warum sollte man diesen aufgeben oder sich nach weiteren Jobs umsehen?

Obwohl Deutschland eines der besten Sozialsysteme weltweit hat, fürchten sich viele Arbeitnehmer davor, nicht genügend Geld zu verdienen, um über die Runden zu kommen. Zwar gibt es staatliche Unterstützung in einem solchen Fall, doch wer möchte schon gerne Hartz IV bekommen? Westphal argumentiert, dass es allerdings wirtschaftlich viel unklüger sei, sich von einem Arbeitnehmer abhängig zu machen. Als Multijobber verliere man in der Regel nicht alle Jobs auf einmal.

Aus Ihrer Sicht sind die Furcht vor Veränderung und die Bequemlichkeit die ausschlaggebenden Gründe, die einen davon abhalten, Multijobber zu werden. Man muss sich weniger Gedanken machen.

Doch Westphal stellt auch eine interessante Frage: „Sollten wir uns nicht eher vor der Erkenntnis fürchten, am Ende des Arbeitslebens festzustellen, dass wir nie das getan haben, worauf wir wirklich Lust hatten?“

Was einem wichtiger ist, muss jeder selbst für sich beantworten.

An wen richtet sich das Multijobbing-Konzept?

Das Konzept richtet sich an Menschen, die auf der Suche sind und das Gefühl haben beruflich noch nicht angekommen zu sein. Es spricht Arbeitnehmer an, die nicht hundertprozentig erfüllt sind von der Arbeit, die Sie tun, die gerne kreativer und freier arbeiten würden.

Das große Probleme des Multijobbing-Konzepts, wie Westphal es vorschlägt ist, dass man finanziellen Spielräumen braucht. Ihnen sollte Selbstverwirklichung wichtiger sein als finanzielle Sicherheit. Die Wahrheit ist, dass Sie auch in der Lage sein müssen, finanzielle Engpässe hinzunehmen. Für Menschen, die jeden Monat auf eine bestimmte finanzielle Summe angewiesen sind, weil Sie beispielsweise mit ihrem Einkommen eine Familie ernähren müssen, ist das Konzept eher ungeeignet.

Was muss ich mitbringen?

Wie in der vorherigen Frage erläutert, schadet ein gewisser finanzieller Spielraum nicht. Eine gehörige Portion Mut und Abenteuerlust gehören mit Sicherheit auch dazu. Aber vor allem brauchen Sie Ideen, denn darum geht es. Für ein Job-Patchwork müssen Sie kreative Ideen entwickeln, wie Sie mit dem was Sie lieben und gerne tun, Geld verdienen können.

Was ist, wenn mir gar nicht bewusst ist, was ich gerne mache? Wie finden ich das heraus?

Zuerst einmal ist es wichtig, sich von gedanklichen Barrieren zu lösen. Wenn Sie darüber nachdenken, was Sie gerne tun würden, schwingt meistens auch die Frage mit, ob Sie davon leben können. Diese Frage ist erst einmal zweitrangig. Schreiben Sie erst einmal auf, womit Sie ihre Freizeit verbringen. Machen Sie To-Do-Listen oder Mindmaps, von allem, was Ihnen Freude bereitet und wovon Sie träumen. Befragen Sie Ihre Familie und Ihre Freunde.

Wie wird jetzt aus meinen Hobbys ein konkreter Job?

Schauen Sie sich nun Ihre Aufzeichnungen an. Schreiben Sie konkrete Berufswünsche auf, vielleicht erinnern Sie sich daran, was Sie als Kind werden wollten. Nun geht es darum zu abstrahieren und zu kombinieren. Wenn Sie beispielsweise als Kind Feuerwehrmann werden wollten, fragen Sie sich, was Ihnen an dem Job gut gefallen hat. Ging es Ihnen darum anderen Menschen zu helfen? Hat Sie die Gefahr gereizt? Diese Charakteristika werden Sie wahrscheinlich in vielen verschiedenen Jobs finden.

Wie mache ich den Anfang?

Gehen Sie behutsam vor und überstürzen Sie nichts. Auch ein Job-Patchwork will geplant sein. Es geht nicht darum von heute auf morgen Ihren gut bezahlten Job zu kündigen. Ein erster Schritt könnte es sein, sich zu überlegen, wie Sie mit einem Hobby Geld verdienen können. Beispielsweise nähen Sie gerne. Für Ihre Freundinnen haben Sie bereits handgemachte Stofftaschen designed und hergestellt. Gibt es eine Möglichkeit diese zu verkaufen? Vielleicht bauen Sie einen kleinen Online-Shop auf. Am Anfang geht es darum Ihre hauptberufliche Tätigkeit zu ergänzen, nicht zu ersetzten.

Was ist mit Work-Life-Balance?

Die hauptberufliche Tätigkeit zu ergänzen hört sich nach viel Arbeit an. Hat man daneben überhaupt noch Freizeit? Feststeht, dass Multi-Jobbing kein Nine-to-Five-Job ist. Das Konzept des Job-Patchwork umzusetzen und mit Leben zu füllen, ist mit Sicherheit mit sehr viel Zeit und Energie verbunden. Wenn Sie sich jedoch wirklich mit dem beschäftigen, was Ihnen Freude bereitet, wird es Ihnen nicht wie Arbeit vorkommen. Der Gegensatz von Arbeit und Leben ist sowieso nur ein konstruierter. Es gibt Menschen, die empfinden es als ermüdend jeden Tag acht Stunden im Büro vor dem Bildschirm zu hängen. Was Spaß ist und was Anstrengung, empfindet jeder Mensch anders. Zudem sind Sie in der Regel zeitlich flexibler, als bei einem Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten.

Wie bereite ich mich richtig vor?

Besonders, wenn Sie erst einmal anfangen und sich Nebenbeschäftigungen zu Ihrem Hauptjob suchen, sollten Sie vorher drei Dinge klären:

  • Erfragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber, ob Sie nebenberuflich in weiteren Jobs arbeiten dürfen. Lassen Sie sich die Zustimmung schriftlich geben.
  • Erfragen Sie für welche weiteren Arbeitgeber Sie zusätzlich tätig sein dürfen. Achten Sie vor allem darauf, welche Aufgaben, Arbeiten und Firmen in der schriftlichen Zustimmung oder Ihrem Arbeitsvertrag ausgeschlossen sind. Für Konkurrenzfirmen dürfen Sie in der Regel beispielsweise nicht arbeiten.
  • Klären Sie auch ab, ob es zeitliche Einschränkungen für nebenberufliche Tätigkeiten gibt.

Was sind beliebte Jobs für ein Jobpatchwork?

  • Mit Hunden Gassi gehen

    Viele Vollzeitberufstätige suchen Hände ringend nach Menschen, die mit Ihrem Hund Gassi gehen, während Sie selbst noch im Büro sind oder sich um diesen kümmern, wenn Sie verreist sind.

  • Anderen im Haushalt oder Garten helfen

    Auch hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. Sie können beispielsweise älteren Nachbarn bei Einkäufen helfen, für sie kochen oder ihnen im Garten zur Hand gehen.

  • Fotografieren

    Es gibt eine Menge Kurse, beispielsweise bei Volkshochschulen, in denen Sie Ihre fotografischen Fähigkeiten ausbauen können. Fragen Sie danach in Ihrem Bekanntenkreis nach kleineren Aufträgen, wie beispielsweise die fotografische Begleitung einer Geburtstagsfeier oder Taufe.

  • Bloggen

    Mit Plattformen wie WordPress oder Blogger, ist es heute spielend leicht ein Blog zu starten. Wenn Sie gerne schreiben, sollten Sie das auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Tipps finden Sie hier.

  • Backen

    Auch hier können Sie Ihre Fähigkeiten erst einmal in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis testen. Backen Sie beispielsweise Torten für Geburtstagspartys. Brain Steves aus Texas hat das Backen für sich entdeckt und macht Torten zum Beispiel in Dinosaurierform.

Die Liste ließe sich noch ewig weiterführen. Jetzt sind Sie dran!

Ein paar Anregungen zum Stöbern

Für die Suche nach Minijobs haben wir hier ein paar Jobbörsen zusammengestellt, in denen Sie vielleicht fündig werden oder Inspiration für den eigenen Minijob finden:

[Bildnachweis: Micolas by Shutterstock.com]
8. April 2014 Autor: Karolina Warkentin

Karolina Warkentin war Autorin der Karrierebibel und studierte Politikwissenschaft und empirische Sprachwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M.

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