Mosaik-Karriere: Bewerben mit buntem Lebenslauf

Wenn sich Lebensläufe wie Abenteuerromane lesen, bezeichnen Personaler das als Mosaik-Karriere: Die rote Linie in der Vita fehlt. Stattdessen verlaufen die einzelnen beruflichen Stationen nicht linear, sondern kreuz und quer oder im Zickzack. Ein solches Curriculum Vitae wird bei Personalsuchenden in der Regel nicht gern gesehen. In der Regel! Mit der richtigen Bewerbungsstrategie können Kandidaten damit genauso überzeugen wie andere – trotz buntem Lebenslauf

Mosaik-Karriere: Bewerben mit buntem Lebenslauf

Mosaik-Karriere ist nicht gleich Mosaik-Karriere

Es gibt diese bunten Vögel in der Arbeitswelt, die einfach nicht sesshaft werden (können). Stattdessen probieren sie sich immer wieder neu aus. Stets auf der Suche nach dem perfekten Job und nach der optimalen Chance, sich selbst zu verwirklichen. Kehrt Routine in ein Beschäftigungsverhältnis ein, werden sie flügge.

Das Resultat dieses Verhaltens ist die schon genannte Mosaik-Karriere. Bei dieser läuft im Lebenslauf nichts gerade. Doch das ist nur die eine Variante.

Häufiger ist eine Mosaik-Karriere das Ergebnis einer Verkettung ungünstiger Umstände. Dieses Pech hatten zum Beispiel Anfang der Nullerjahre viele Absolventen: Ein Großteil von ihnen studierte ein Fach stringent und mit viel Fleiß, tappte nach dem Abschluss aber in die Praktikumsfalle.

Prekäre Arbeitsverhältnisse waren die Folge. In den Medien tauchte erstmal die „Generation Praktikum“ auf.

Statt eine Festanstellung an Land zu ziehen, erledigten sie einen unbezahlten Job nach dem anderen oder hangelten sich von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten. Damit verdienten diese Nachwuchskräfte zwar Geld für den Lebensunterhalt. Eine Karriere war das aber nicht. Eher ein Überleben.

Die Zahl der Mosaik-Karrieren steigt

Inzwischen hat sich der Arbeitsmarkt gedreht. In vielen Bereichen herrscht Fachkräftemangel und Absolventen werden händeringend gesucht. Die Zahl der Mosaik-Karriere nimmt aber dennoch zu.

Wie kann das sein?

Das hat damit zu tun, dass sich die Arbeitswelt in einem rasanten Wandel befindet. Treiber ist die Digitalisierung. In ein paar Jahren werden Roboter und intelligente Maschinen den größten Teil der bisherigen Routinetätigkeiten erledigen.

Menschliche Arbeitnehmer übernehmen dafür verstärkt geistige Aufgaben. Das hat zur Folge, dass an der einen Stelle Jobs wegfallen und an anderer Stelle neue entstehen. Laut der Bitkom-Studie „Neue Arbeit – wie die Digitalisierung unsere Jobs verändert“ ist das bereits in jedem fünften Unternehmen der Fall.

Die Arbeitswelt ist in rasantem Wandel. Laufbahnen auch

Auch die Dynamik in der Wirtschaft ist eine andere als früher. In manchen Bereichen schießen Startups wie Pilze aus dem Boden und schaffen neue Arbeitsplätze. Andernorts melden selbst große Betriebe Insolvenz an, weil sie nicht mehr mit dem globalen Wettbewerb mithalten können. Hier fallen Stellen weg.

All diese Faktoren haben schon jetzt gravierende Auswirkungen auf die Lebenskarriere vieler Arbeitnehmer:

  • Arbeitnehmer können heute kaum mehr auf einen sicheren Arbeitsplatz bauen. Keiner weiß, ob die eigenen Kompetenzen morgen noch von Belang sind, weil sich berufliche Inhalte permanent verändern. Wer Glück hat, kann sich durch lebenslanges Lernen im Job halten, indem er sich parallel zu seinem Berufsprofil weiterentwickelt. Es wird aber auch Jobprofile geben, die ersatzlos wegfallen.
  • Es besteht keine Sicherheit, dass der Arbeitgeber, bei dem man in Lohn und Brot steht, weiterhin wettbewerbsfähig bleibt. Der internationale Konkurrenzdruck nimmt zu und Firmen melden heute schneller denn je Insolvenz an, fusionieren oder streichen Stellen. Das führt zu einer erhöhten Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt.

Prognosen zufolge wird deshalb in ein paar Jahren nur noch eine Minderheit in den Genuss langjähriger Arbeitsverhältnisse kommen.

Stattdessen nehmen Zeitverträge, Leiharbeit und auch Freelancing zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Telekom zusammen mit der Universität St. Gallen, die die die Megatrends der Arbeit in der digitalen Welt erforscht hat.

Brüche im Lebenslauf hat bald jeder

Mosaik-Karriere: Karriere trotz buntem LebenslaufErhebungen der Hans-Böckler-Stiftung bestätigen, dass der prognostizierte Wandel der Beschäftigungsverhältnisse bereits begonnen hat. „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit ist deutlich gewachsen. Noch stärker hat allerdings die atypische Beschäftigung zugenommen“, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Heißt im Klartext: Ging das Thema Mosaik-Karriere vor ein paar Jahren vor allem Absolventen an, ist inzwischen niemand mehr vor Brüchen im Lebenslauf gefeit. Schon heute setzen sich viele Erwerbsbiographien aus Phasen der Beschäftigung, Wechseln zwischen Festanstellung, Freelancing und Phasen der Nicht-Beschäftigung durch Arbeitslosigkeit, Sabbaticals, Weiterbildungen oder Elternzeiten zusammen. Berufs-, Branchen- und Funktionssprünge nicht ausgeschlossen.

Mosaik-Karriere: Wie in der Bewerbung verkaufen?

Angesichts dieser Entwicklungen werden sich in den nächsten Jahren immer mehr Arbeitnehmer fragen müssen: „Wie verpacke ich meine bisherige Mosaik-Karriere bei der Bewerbung am besten?“

Ungeachtet der Tatsachte, dass Personaler ungeraden Lebensläufen zunehmend offener gegenüberstehen, weil sie sich zum Standard entwickeln, ist es weiterhin ratsam, die eigene Vita auf dem Papier ordentlich zu gestalten. Das macht es dem Personaler einfacher, sie zu analysieren.

Je nachdem, wie das Talent seinen Werdegang in seinen Bewerbungsunterlagen verkauft, muss eine Mosaik-Karriere kein Karrierekiller sein. Auch einem Lebenslauf mit vielen Sprüngen, Ecken und Kanten lässt sich ein roter Faden einhauchen. Insbesondere mithilfe eines thematischen Lebenslaufs.

Thematischer Lebenslauf: Was steckt dahinter?

Bei dieser Variante sortieren Bewerber die verschiedenen Stationen ihres Werdegangs nicht chronologisch oder umgekehrt chronologisch, sondern nach Themenschwerpunkten. So entstehen „Karriere“-Abschnitte und interessante Blöcke in der Vita. Zudem fallen kleinere oder größere Lücken oder Ungereimtheiten nicht direkt ins Auge.

Für den thematischen Lebenslauf gilt allerdings die Grundregel: Stellen Sie das Wichtigste voran.

Die Stationen, die das Talent für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren, auf die Sie sich gerade bewerben, sollten zuerst erwähnt werden. Vor allem dann, wenn sie noch nicht zu lange zurückliegen. So stellen Bewerber einen direkten Bezug zu der Stellenanzeige her.

Diese Form des Lebenslaufs ermöglicht es auch, unschöne Passagen in der Karriere zu begradigen. Zum Beispiel muss nicht jede noch so kleine Station aufgezählt werden. Stattdessen gibt der thematisch gegliederte Lebenslauf Bewerbern die Möglichkeit, sich auf Eckdaten zu beziehen, die besonders relevant für die Position sind. So wirkt alles – trotz Zickzackkurs – strukturierter.

Zwar entstehen auf diese Weise an der ein oder anderen Stelle Löcher in der Vita, die Sie womöglich später im Jobinterview erklären müssen. Diese fallen aber durch die fehlende Chronologie nicht sofort auf.

So ist die Chance groß, den Blick des Personalers zuerst auf die Haben-Seite der Laufbahn zu lenken, statt auf die Defizite. Kürzere Lücken von bis zu drei Monaten sehen Personalverantwortliche in der Regel ohnehin nicht kritisch.

Mosaik-Karriere im Anschreiben begründen

Auch das Anschreiben gibt Bewerbern mit Mosaik-Karriere die Chance, Ordnung ins Chaos zu bringen. Hier können sie die Hintergründe für manchen Zickzackkurs in der Karriere logisch erklären.

Zum Beispiel:

  • Welche übergreifenden Fachkenntnisse, Qualifikation und andere Fähigkeiten habe ich durch meine Laufbahn erworben?
  • Was hat mich zu einem Studienfachwechsel motiviert?
  • Was hat mich in eine völlig neue Branche verschlagen?
  • Welche Vorteile hat jede einzelne Station fachlich und persönlich gebracht?

Wer Personalern in seinen Bewerbungsunterlagen solche Hilfestellungen gibt, die eigene Mosaik-Karriere zu verstehen, muss nicht fürchten, direkt im Ablagestapel P zu landen. Im Gegenteil: Ein guter Personaler liest aus der ungewöhnlichen Karriere vielleicht sogar eine einzigartige Kombination an Talenten heraus, die für die ausgeschriebene Stelle relevant ist.

Ein Beispiel:

Nehmen wir die Biografie einer Soziologin, die ein Volontariat bei einer Lokalzeitung absolviert hat. Am Ende hat es sie aber in die Marketingabteilung eines Unternehmens verschlagen. Ein solcher Lebenslauf gilt bereits als Mosaik-Karriere.

Daraus kann ein Personaler allerdings ebenso lesen: Die Dame hat sich im Studium nicht nur fachliches Know-how angeeignet, sondern auch gelernt, systematisch und analytisch zu arbeiten. Sie kann sich gut ausdrücken und hat einen Hang zur Kreativität.

Fazit: Die Kunst ist es, die eigenen Qualitäten in der Bewerbung möglichst gut zu verkaufen und darzustellen.

Es liegt in Ihren Händen, die eigene Mosaik-Karriere vom Stigma des Mangels zu befreien.

[Bildnachweis: Creatarka by Shutterstock.com]
15. September 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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