Schlechtes Gewissen: So gehen Sie damit um

Ein schlechtes Gewissen entsteht aus den unterschiedlichsten Gründen. Den Anruf vom Chef verpasst, weil Sie gerade mit der Familie gegessen haben. Das Feierabendbier mit Freunden ausfallen lassen, weil Sie länger im Büro geblieben sind, um das Konzept fertig zu schreiben oder den Partner warten lassen, weil Sie mit Freunden unterwegs waren. Eigentlich müssten Sie überall gleichzeitig sein, um immer allen gerecht werden zu können. Fast scheint es schade, dass man sich noch nicht klonen kann, denn so ist Ihr schlechtes Gewissen ein ständiger Begleiter. So beeinflusst das schlechte Gewissen, wie wir uns fühlen und wie wir entscheiden. Bleibt die Frage: Gibt es ein Möglichkeiten, dem eigenen schlechten Gewissen zu entkommen?

Schlechtes Gewissen: So gehen Sie damit um

Bedeutung: Was ist ein schlechtes Gewissen?

Schlechtes Gewissen Bedeutung Definition Symptome PsychologieEin schlechtes Gewissen kennt jeder und auch Sie haben es schon einmal gespürt: Das nagende Gefühl, das Ihnen immer wieder sagt, was Sie anders hätten machen sollen. Stellen Sie sich nur vor, Sie haben einem Freund versprochen, dass Sie ihm beim Umzug helfen – doch auf der Arbeit ist plötzlich der Teufel los, Chef und Kunde machen Ihnen Stress, Sie müssen Überstunden einlegen und vergessen dabei, dass Ihr Freund mit gepackten Kartons auf Sie wartet.

Sobald die Erkenntnis einsetzt, macht sich Ihr schlechtes Gewissen bemerkbar. Es ist die innere Stimme, die Ihnen deutlich macht: Das war nicht richtig, du hast allen Grund, dich schlecht zu fühlen und für dein Verhalten zu schämen. Das schlechte Gewissen meldet sich jedes Mal zu Wort, wenn Sie unterbewusst der Meinung sind, Sie hätten etwas anders machen müssen.

Ihr schlechtes Gewissen ist in vielen Fällen die Diskrepanz zwischen eigenem Verhalten und der persönlichen Wertvorstellung. Passt das, was Sie tun, nicht zu dem Selbstbild, was Sie von sich haben, entsteht ein schlechtes Gewissen. Sehen Sie sich selbst beispielsweise als zuverlässigen Menschen, macht Ihnen die oben beschriebene Pflichtverletzung besonders zu schaffen und Sie werden lange mit Ihrem schlechten Gewissen zu kämpfen haben.

Das Gewissen ist der moralische Kompass eines Menschen. Im Laufe des Lebens wird es mit den Regeln und Werten der Kultur, in der wir leben, bestückt. Das Gewissen lässt den Menschen zwischen richtig und falsch unterscheiden und daraus ableiten, welche Handlungen ausgeführt und welche unterlassen werden sollen. Es warnt vor möglichen Fehlern und Dummheiten und erfüllt somit einen gesellschaftlichen Nutzwert.

Auf der anderen Seite ist das schlechte Gewissen ein großer Spielverderber. Für viele Menschen ist es kaum noch möglich, dem eigenen Gewissen zu entkommen. Bei jeder Entscheidung, jeder Tat ist es zur Stelle, um daran zu erinnern, an was Sie nicht gedacht haben und Sie stattdessen besser hättne tun sollen. Eine Art der Selbstbestimmung, doch geleitet durch die Erwartungen von außen. Kurz und zugespitzt: Bestimmt das schlechte Gewissen Ihren Alltag zu sehr, macht es Ihr Leben auch weniger lebenswert.

Symptome: Wie sich ein schlechtes Gewissen äußert

Schlechtes Gewissen Symptome überwinden Tipps BedeutungWie schnell und stark sich ein schlechtes Gewissen bemerkbar macht, hängt von der Persönlichkeit eines jeden einzelnen ab. Manch einer wähnt sich immer im Recht, trifft jede einzelne seiner Entscheidungen voller Überzeugung, bereut keinen Schritt und ist somit auch mit seinem Gewissen im Reinen. Selbst wenn andere enttäuscht werden, können diese Menschen es vor sich selbst rechtfertigen und entgehen so einem schlechten Gewissen.

Andere merken ihr schlechtes Gewissen bereits, wenn sie einem Freund oder einem Kollegen eine Bitte ausschlagen müssen, weil sie neben den eigenen Aufgaben und Verpflichtungen nicht genügend Zeit haben, dieser nachzukommen. Wie genau der Körper darauf reagiert, wenn wir uns schuldig fühlen und fürchten, uns falsch verhalten zu haben, kann verschieden sein. Die einen klagen über Kopfschmerzen, anderen schlägt das Gefühl eher auf den Magen.

Neben den körperlichen Anzeichen äußern sich Schuldgefühle aber auch durch andere unangenehme Symptome:

  • Sie machen sich Vorwürfe. Wer ein schlechtes Gewissen hat, verurteilt das eigene Vorgehen – unabhängig davon, ob er etwas dafür kann oder überhaupt eine echte Wahl hatte. Sie nehmen sich die Situation sehr zu Herzen und zweifeln an den eigenen Fähigkeiten und Entscheidungen. Je größer das schlechte Gewissen, desto stärker und oftmals ungerechter die Selbstkritik, die Sie an sich üben.
  • Sie stehen unter Druck. Ein schlechtes Gewissen will bereinigt werden – und zwar so schnell wie möglich. So hoffen Sie, das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle loszuwerden und sich wieder besser zu fühlen. Dieser Druck führt dazu, dass Sie vorschnell handeln, ohne über die weiteren Konsequenzen nachzudenken.
  • Sie wollen es allen recht machen. Ein Wunsch, den viele ohnehin haben, der von Schuldgefühlen und dem Gewissen aber noch einmal verstärkt wird. Durch Ihr schlechtes Gewissen glauben Sie, dass andere ebenso schlecht von Ihnen denken – also tun Sie alles, um es Ihrem Umfeld recht zu machen.

Ein schlechtes Gewissen beeinflusst, wie frei wir handeln

Gerne behaupten wir Menschen, dass wir frei und selbstbestimmt sind. Wir glauben, dass wir das eigene Leben leben, so wie wir uns das wünschen. Doch wann genau ist das wirklich der Fall? Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, jonglieren wir täglich mit zahlreichen Pflichten:

  • Der Pflicht, den Job gut zu machen.
  • Der Pflicht, den Haushalt zu schmeißen.
  • Der Pflicht, sich um die Familie zu kümmern.
  • Der Pflicht, für Freunde da zu sein.
  • Der Pflicht, Kontakte zu pflegen.

Immer nur dreht sich alles um Pflichten. Diese Liste ließe sich schier unendlich weiterführen. An die Pflichten sind die eigenen Erwartungen und die Erwartungen des Umfelds gekoppelt

Die Angst, diesen nicht gerecht zu werden und damit ein schlechtes Gewissen zu riskieren, sitzt drohend im Nacken. Das Gefühl jeden Termin im Blick zu haben, ständig erreichbar und verfügbar sein zu müssen, bestimmt das Leben.

Sie entscheiden nicht frei, sondern werden von Ihrem schlechten Gewissen angetrieben. Eigenes und selbstbestimmtes Handeln wird dabei immer weniger, stattdessen wird auf das schlechte Gewissen gewartet, um den Weg zu weisen.

Schlechtes Gewissen überwinden: Gute Tipps gegen das schlechte Gewissen

Es ist kaum möglich, das schlechte Gewissen ein für alle Mal loszuwerden. Früher oder später muss sich jeder einmal mit dem unangenehmen Gefühl auseinandersetzen, dass er etwas verbockt hat, das ihm nun auf der Seele liegt. Auf der einen Seite gut und hilfreich, damit Sie Fehler ausbügeln und beim nächsten Mal vermeiden können.

Oftmals plagt uns das schlechte Gewissen jedoch ohne wirklichen Grund – und genau dagegen können Sie etwas tun. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, Ihr schlechtes Gewissen besser zu kontrollieren:

  • Akzeptieren Sie Ihre Fehler

    Immer an alles zu denken. Allen gerecht werden. Verlangen Sie da nicht zu viel von sich? Auch Sie sind nur ein Mensch, Sie vergessen mal etwas und machen Fehler. Nach Perfektion zu streben, macht unglücklich und setzt Sie unnötig unter Druck. Wer eigene Fehler nicht akzeptiert, wird ständig unter einem schlechten Gewissen leiden.

  • Versuchen Sie nicht alles selbst zu machen

    Besonders im Job entwickeln viele Arbeitnehmer ein überzogenes Verantwortungsgefühl. Sie fühlen sich allein verantwortlich dafür, dass der Laden läuft. Zum Teil sind Sie das auch, aber eben nur zum Teil. Trauen Sie Ihren Kollegen ruhig zu, dass diese alles im Griff haben. Dann können Sie auch Mal nicht verfügbar sein. Treibt Ihr schlechtes Gewissen Sie dazu, immer und überall erreichbar zu sein, gewöhnen sich Ihr Chef und Ihre Kollegen daran und nutzen das aus.

  • Hinterfragen Sie Ihr schlechtes Gewissen

    Lassen Sie sich von Ihrem schlechten Gewissen kritisieren, aber nicht tyrannisieren. Ihr Gewissen ist dafür da, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass etwas schief läuft. Doch Sie entscheiden, wann Sie zuhören. Manchmal müssen Sie einfach auf taub stellen. Treffen Sie Entscheidungen nicht nur aus einem schlechten Gewissen heraus, sondern weil Sie beispielsweise Lust zu etwas haben.

  • Warten Sie zunächst ab

    Ob ein schlechtes Gewissen ein ernsthaftes Fehlverhalten Ihrerseits anzeigt oder unbegründet ist, zeigt sich mit der Zeit. Statt sofort zu handeln, sollten Sie deshalb zunächst abwarten. Verstärken sich die Schuldgefühle, gibt es Handlungsbedarf und Sie sollten Ihr Gewissen bereinigen – lässt das schlechte Gewissen bereits nach, spricht vieles dafür, dass Sie sich ohne Grund schlecht gefühlt haben.

  • Konzentrieren Sie sich auf die Gegenwart

    Sie werden viel verpassen, wenn Sie nie den Augenblick genießen, sondern in Gedanken bereits woanders sind. Wenn Sie Zeit mit Ihrer Familie und Ihren Freunden verbringen, sollten Sie sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Natürlich ist das schwer, wenn im Job noch Aufgaben auf Sie warten. Allerdings brauchen Sie diese Auszeiten – und haben diese auch verdient, ohne jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben zu müssen

  • Denken Sie an sich selbst

    Wer immer nur an andere denkt, der vergisst sich selbst. Gönnen Sie sich ein bisschen Egoismus. Fragen Sie sich hin und wieder: Was ist mir wichtig? Womit möchte ich meine Zeit verbringen? Dann erlauben Sie sich, genau das zu tun. Wünschen Sie sich beispielsweise ein gutes Buch zu lesen, schaufeln Sie sich die nötige Zeit dafür frei. In dieser Zeit können einige Ihrer Pflichten warten, ohne dass Sie sich schlecht fühlen müssen.

  • Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein

    Je größer Ihr Selbstbewusstsein, desto weniger macht Ihnen ein schlechtes Gewissen zu schaffen. Es wird Ihnen nicht nur leichter fallen, eigene Fehler zu akzeptieren und zu diesen zu stehen, Sie treffen auch selbstbestimmtere Entscheidungen – unabhängig davon, ob Sie es mit diesen allen recht machen.

Schlechtes Gewissen macht Mitarbeiter besser

Schlechtes Gewissen Bedeutung loswerden überwinden TippsGlaubt man einer Studie von Scott S. Wiltermuth von der USC Marshall School of Business und Taya R. Cohen von der Carnegie Mellon Universität, können schlechte Gewissen für Unternehmen nützlich sein. Sie haben herausgefunden, dass Menschen, die Schuldgefühle haben, am Arbeitsplatz zu den verlässlichsten und fleißigsten zählen.

Sie übernehmen oft einen überproportional großen Anteil einer Aufgabe, haben ein größeres Arbeitsvolumen, verhalten sich moralischer und gewissenhafter als der Rest – und bei Gehaltsforderungen sind Personen, die zu einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen neigen, zurückhaltender. Sie orientieren sich eher an Durchschnittswerten oder dem, was Sie glauben verdienen zu müssen.

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6. Dezember 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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