Ja oder nein, rot oder blau, Studium oder Ausbildung? Das Leben steckt voller Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Nicht mit allen fährt man gut. Aber stets die richtigen Entscheidungen treffen, das ist unmöglich. Was also kann man tun? Keine Entscheidung mehr bedauern - so geht's...

keine entscheidung mehr bedauern

Keine Entscheidung mehr bedauern: 6 Tipps

Sogar Ratten empfinden Reue. Die kleinen Nager nehmen erwiesenermaßen eine Wartezeit für Futter in Kauf, das ihren geschmacklichen Vorlieben entspricht. Mögen sie etwas nicht, sind sie auch nicht bereit, darauf zu warten.

Setzt man den Ratten also zwei Gerichte vor, zieht das leckere aber vorzeitig wieder zurück, dann kann man im Gehirn der Tiere ähnliche Aktivitäten verfolgen wie beim Menschen. Ein Zeichen von Reue, von Bedauern, sich das schmackhafte Mahl nicht rechtzeitig gesichert zu haben.

Was können wir Menschen tun, damit wir unsere Entscheidungen nicht mit schöner Regelmäßigkeit bedauern? Kann man überhaupt etwas tun? Klare Antwort: Man kann.

Zwar gibt es keine Anti-Reue-Formel, die Sie sich notieren und im Ernstfall bemühen können. Aber es gibt durchaus ein paar Tricks, die dabei helfen können, eine richtige Entscheidung zu treffen - oder zumindest eine, die man hinterher nicht bereut.

Karrierebibel sagt Ihnen, was Sie tun müssen...

6 Tipps, damit Sie keine Entscheidung mehr bedauern

  1. Ein sogenannter Satisficer werden

    Für Psychologen sind sie die Maximizer. Menschen, die aus jeder Entscheidung das Beste herauspressen wollen. Bemerkbar macht sich das vor allem bei Kaufentscheidungen.

    Bevor man also die neue Kaffeemaschine kauft, werden Bewertungen im Internet gelesen, Produkte getestet, Preise verglichen, Testberichte der Stiftung Warentest heruntergeladen. Kurzum: Es wird enorm viel Zeit und Energie dafür verwendet, um die beste Entscheidung zu treffen.

    Das Gegenstück der Maximizer sind die Satisficer. Sie treffen eine Entscheidung, setzen schnell einen Haken dahinter, leben damit. Um beim Beispiel zu bleiben: Sie suchen sich fix eine Kaffeemaschine aus und beklagen sich nicht weiter über den Muckefuck - auch wenn man für das Geld vielleicht eine bessere Maschine hätte haben können.

    Raten Sie jetzt mal, wer von beiden glücklicher ist. Die Satisficer natürlich. Das Zauberwort heißt Commitment. Maximizer tun sich schwer damit. Auch nach einem Kauf überlegen sie hin und her, ob Alternative B, C oder D vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Das macht unglücklich.

    "Maximizer verpassen die psychologischen Vorteile von Commitment", schreiben die Wissenschaftler der Florida State University, die das Phänomen 2016 unter die Lupe genommen haben. "Maximizer zeigen weniger Commitment in Bezug auf ihre Entscheidungen als Satisficer und sind genau deshalb mit ihren Entscheidungen unzufriedener."

    Denn: Die "richtige" Entscheidung zu identifizieren, ist im Grunde eine endlose, unmögliche Aufgabe. Auch, weil sich die Rahmenbedingungen ständig ändern - und mit ihnen die Grundlage für eine Entscheidung.

    Deshalb ratsam: Abwägen, eine Entscheidung treffen - und daran festhalten. Naheliegend, dass man dieses Prinzip nicht nur beim Shopping beherzigen sollte. Studienwahl, Jobsuche, Freizeitgestaltung, sogar bei der Partnerwahl sind zahlreiche Maximizer unterwegs - meist unglücklich.

  2. Einen symbolischen Akt vollziehen

    Es gibt noch einen kleinen Trick, wie man den Übergang vom Maximizer zum Satisficer unterstützen kann. Treffen Sie Ihre Wahl - und unterstreichen diese mit einer kleinen Geste!

    "Wenn Konsumenten eine Entscheidung als komplett erachten und aufhören, ihre Wahl zu überdenken, kann die Zufriedenheit steigen, wenn es zuvor mehrere Alternativen gegeben hat", schreiben Yangjie Gu, Simona Botti und David Faro von der London Business School 2013 im Journal of Consumer Research. "Subtile physische Handlungen, die einen Abschluss symbolisieren, können die Zufriedenheit erhöhen."

    In einer Studie ließen sie einige Probanden im Restaurant dinieren - ein Menü ihrer Wahl. Die einen ließen die Speisekarte während des Mahls geöffnet, die anderen klappten sie zu. Ergebnis: Letzteren schmeckte ihr Menü wesentlich besser. Die Autoren spekulieren, dass es zwischen dem Schließen der Speisekarte und der Entscheidungszufriedenheit einen Zusammenhang gibt.

    Vielleicht also auch nach Vertragsgesprächen oder Strategiemeetings sinnvoll: Ein körperlicher Akt des Abschlusses, der unterstreicht, dass man seine Entscheidung unumkehrbar gefällt hat. Aber, so die Autoren, erst müsse die Entscheidung kommen, dann die Geste - nicht umgekehrt.

  3. Gute Rahmenbedingungen schaffen

    Sinn der Sache kann es natürlich nicht sein, ständig falsche Entscheidungen zu treffen, um sie sich hinterher schönzureden oder zu ignorieren. Besser, man hätte vorab die richtige (bzw. eine gute) Wahl getroffen.

    Aber wie erhöhe ich meine Trefferquote, ohne gleich zum Maximizer zu werden? Zunächst gilt wohl: Man sollte sich erst gar nicht zu einer Entscheidung hinreißen lassen, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen. In Stresssituationen sollten zum Beispiel grundsätzlich keine weitreichenden Entscheidungen getroffen werden.

    Wissenschaftler der Universität von Pittsburgh veröffentlichten 2016 eine spannende Studie im Journal of Neuroscience. Danach macht sich Angst im präfrontalen Cortex unseres Gehirns bemerkbar - und behindert damit möglicherweise unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.

    Die Wissenschaftler testeten konkret die Entscheidungsfähigkeit von Ratten. Verabreichte man den Tieren ein Präparat, das sie ängstlich werden ließ, wurden ihre Entscheidungen schlechter - sofern sie Quellen der Ablenkung in der Umgebung ignorieren mussten, um die richtige Wahl zu treffen.

    Gilt das auch für Menschen? Angst und Ablenkung wären demnach eine toxische Kombination. Ein beispielhaftes Szenario: Der Chef setzt Sie aus heiterem Himmel massiv unter Druck, einen Abfindungsvertrag zu unterschreiben, sonst...

    Die Situation macht Ihnen Angst, auch prasseln auf Sie so viele neue Eindrücke und Informationen ein. Angst, Verwirrung, Ablenkung. Eine denkbar schlechte Basis für eine gute Entscheidung.

    In diesem Fall hilft vermutlich nur, sich der Situation schnellstmöglich zu entziehen (und nichts zu unterschreiben).

  4. Den eigenen Instinkten vertrauen

    Wir bereuen vor allem die Dinge, die wir nicht getan haben. Darauf weisen Psychologen regelmäßig hin. Auch gibt es Hinweise darauf, dass man Entscheidungen, die man aus dem Bauch heraus getroffen hat, weniger bereut als rationale. Manchmal kommen sich diese beiden Theorien aber auch ins Gehege.

    Achtung, jetzt wird es körperlich. Ein Team der University of Texas in Austin spürte 2013 in einer Studie dem "sexuellen Bedauern" von Männer und Frauen nach.

    Frauen bedauern es demnach am meisten, ihre Jungfräulichkeit an den falschen Partner verloren zu haben, einen Partner betrogen zu haben und zu früh sexuell aktiv geworden zu sein - dreimal Reue für zu viel Aktivität also. Männer dagegen bereuen es am meisten, bei früheren Flirtversuchen zu schüchtern, in der Jugend und in ihrer Single-Zeit sexuell nicht abenteuerlustiger gewesen zu sein - dreimal Reue für zu viel Passivität.

    Ergo: Im Zweifel ja sagen und wagen - das ist zwar häufig, aber längst nicht immer das beste Gegenmittel gegen Reue. Die richtige Entscheidung hängt von den Umständen, der Zeit - und manchmal auch vom Geschlecht ab.

  5. Mal richtig Ausschlafen

    Schlafen heilt, regeneriert, ist eine wahre Allzweckwaffe - so viel haben wir mittlerweile gelernt. Wenig verwunderlich also, dass guter Schlaf auch die Entscheidungsfindung verbessert.

    Ein Beitrag im American Journal of Critical Care (AJCC) 2014 wies diesbezüglich aber auf eine erstaunliche Entdeckung hin: Krankenschwestern auf der Intensivstation empfinden, nachdem sie eine schlechte Entscheidung getroffen haben, mehr Reue, wenn sie müde, als wenn sie ausgeschlafen sind.

    Das heißt: Schlechter Schlaf führt nicht nur zu falschen Entscheidungen, weil man unkonzentrierter ist. Man bedauert eine Entscheidung auch umso mehr, wenn man sie schlaftrunken getroffen hat, weil man um die Bedeutung des Schlafes ja weiß.

    Nun können Schlafmangel und Konzentrationsschwäche auf der Intensivstation tatsächlich lebensbedrohlich sein. Aber ob das Phänomen deshalb auf medizinisches Personal beschränkt bleibt? Angenommen, Sie bringen Ihren lieben Kollegen im Büro durch eine unbedachte Äußerung in die Bredouille. Sollten Sie dabei hundemüde gewesen sein, werden Sie die Entscheidung, die Klappe aufgerissen zu haben, möglicherweise umso mehr bereuen. Darum: Ausschlafen!

  6. Anderen die Entscheidung überlassen

    Mal angenommen, Sie sind auf Diät, werden aber von einem guten Freund zum Essen eingeladen.

    Szenario 1: Er entführt Sie in ein angesagtes Restaurant. Vor allem die Schoko-Desserts sollen eine Wucht sein. Suchen Sie sich einfach eine der sagenhaften Kreationen aus.

    Szenario 2: Er lädt Sie nach Hause ein und das Dessert steht schon auf dem Tisch. Eine Schokobombe par excellence. Was macht Sie glücklicher? Richtige Antwort: Variante 2.

    Der Grund: In diesem Fall hat Ihnen eine andere Person die Entscheidung abgenommen. "Die meisten von uns mögen es nicht, wenn man sie zu etwas zwingt. Die Freiheit, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, gibt uns Energie und verbessert unser Wohlbefinden", schrieben Fangyuan Chen und Jaideep Sengupta von der Hong Kong University of Science and Technology 2014 im Journal of Consumer Research.

    Wenn es allerdings darum gehe, Produkte zu kaufen und zu konsumieren, die man normalerweise mit Schuldgefühlen verbindet - zum Beispiel Schokolade - könne es das Wohlbefinden steigern, wenn man das Gefühl der völligen Entscheidungsfreiheit verringert.

    Diese Strategie funktioniert also nur in bestimmten Konstellationen. Aber dann bietet sie maximalen Komfort. Die Entscheidung einfach anderen überlassen - und nichts mehr bereuen.

[Bildnachweis: Borysevych.com by Shutterstock.com]

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