Die gute Nachricht lautet: Die meisten Entscheidungen, die Sie in Ihrem Leben treffen, sind ein wahres Kinderspiel. Sie werden im Bruchteil einer Sekunde und vollkommen unbewusst getroffen, ohne dass Sie auch nur einen einzigen Gedanken dafür verwenden müssten. Anders wären die tausenden Entscheidungen täglich auch gar nicht zu bewältigen, schon aus zeitlichen Gründen. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass die Entscheidungsfindung bei den großen und wichtigen Beschlüssen umso schwieriger sein kann. Tage und Wochen können ins Land gehen, bevor endlich eine Wahl getroffen wird und selbst dann bleibt die Angst, ob es die richtige war. Wir erklären, warum die Entscheidungsfindung für viele Menschen ein solches Problem darstellt, wie diese im Normalfall abläuft und welche Methoden helfen, nach viel hin und her endlich eine Entscheidung zu finden, mit der Sie glücklich sind...

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Entscheidungsfindung: Alles andere als leicht

Denken Sie an das letzte Mal zurück, als Sie vor einer wichtigen Entscheidung standen, werden Sie sich vermutlich noch gut daran erinnern, wie schwierig es für Sie war. Sie haben lange hin- und herüberlegt, Freunde um einen guten Ratschlag gebeten, Informationen bis zum Umfallen gesammelt und sich am Ende kein Stück schlauer gefühlt.

Um Entscheidungen, besonders um die großen und wichtigen des Lebens, kommt niemand herum, doch sie fallen ungemein schwer. Wer soll schon wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um eine Familie zu gründen? Wer weiß mit Gewissheit, ob Studium oder Ausbildung zum größeren Erfolg und gleichzeitig mehr persönlichem Glück führen? Und wenn, welcher Studiengang oder welche Ausbildung sollte gewählt werden?

Die Entscheidungsfindung wird dabei von mehreren Faktoren regelrecht sabotiert, die es uns fast unmöglich machen, eine Wahl zu treffen. Zunächst einmal stehen wir uns selbst mit dem Wunsch nach Perfektion im Weg. Wir suchen nach der eierlegenden Wollmilchsau unter den Alternativen, die es natürlich nicht gibt und so wird gesucht und gesucht und gesucht, ohne fündig zu werden.

Ebenso schwer wird die Entscheidungsfindung durch die Angst vor den Konsequenzen. Im Vorfeld lässt sich nur selten genau sagen, welche Auswirkungen eine Entscheidung haben wird. Diese Angst ist regelrecht lähmend und anstatt zu entscheiden, treten wir auf der Stelle und versuchen verzweifelt, die Zukunft vorherzusagen.

Zu guter Letzt behindert das Informationsangebot und die Vielfalt der Optionen die Entscheidungsfindung. Wer nur zwischen drei Dingen wählen kann, findet in der Regel recht schnell seinen Favoriten. Ganz anders, wenn es zehn potenzielle Entscheidungen gibt, die alle vorstellbar sind und in Frage kommen. Gibt es dann noch unzählige Informationen zu jeder Alternative, verlierten wir den Überblick und wissen irgendwann gar nichts mehr - und am allerwenigsten, wie unsere Entscheidung aussieht.

So läuft die Entscheidungsfindung ab

Entscheidungsfindung Methoden Synonym Matrix Psychologie Beispiele AblaufDie Entscheidungsfindung ist sehr individuell, jeder geht anders damit um, der eine geht Risiken ein, während ein anderer nur an die sicheren Optionen denkt und mancher ist so wagemutig, dass er sich kopfüber in eine Entscheidung stürzt. Dennoch verläuft die Entscheidungsfindung fast immer nach dem gleichen Schema.

  1. Prioritätensetzung. Jede Entscheidungsfindung beginnt mit der Analyse der eigenen Situation und Prioritäten. Was wollen Sie? Was erwarten Sie? Dabei können auch die Erwartungen von Freunden oder des Partners eine Rolle spielen. In diesem ersten Schritt wird festgelegt, wonach Sie in einer Alternative suchen und was diese erfüllen muss, um in Betracht gezogen zu werden.
  2. Recherche. Die Recherche ist ein großer Teil der Entscheidungsfindung. Hier suchen Sie die verschiedenen Optionen raus, die Ihnen zur Verfügung stehen und die Ihren Prioritäten entsprechen. Dabei muss nicht jede Alternative gleichermaßen alle Kriterien erfüllen, am Anfang wird etwas weiter gesucht, um die Auswahl danach Schritt für Schritt einzuschränken.
  3. Abwägung. Sie haben viele verschiedene Alternativen vor sich. Das können drei, fünf oder auch zwanzig sein, abhängig davon, worauf sich Ihre Entscheidungsfindung bezieht. Nun müssen Sie die einzelnen Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Was passt am besten? Wovon versprechen Sie sich den größten Erfolg? Worauf legen Sie mehr Wert? Worauf können Sie verzichten?
  4. Unsicherheit. Am Ende der Abwägung kommen Sie zu einem Ergebnis. Dies ist allerdings fast nie endgültig, denn es wird von Unsicherheit überschattet. Es sind Selbstzweifel, ob wirklich alles richtig durchdacht wurde. Niemand möchte im Nachhinein feststellen, dass er mit seiner Entscheidung unglücklich wird. So wird die letztliche Wahl hinausgezögert.
  5. Entscheidung. Spätestens wenn die Zeit für die endgültige Entscheidung abgelaufen ist, muss eine Wahl getroffen werden. Dies kostet oft eine große Portion Überwindung, da die Unsicherheit weiterhin besteht.

Der Ablauf der Entscheidungsfindung läuft nicht immer der Reihe nach. Gerade bei Entscheidungen, die große Auswirkungen haben können, springen viele noch einmal zu vorherigen Stufen zurück. So kann die Phase der Unsicherheit noch einmal zu einer völlig neuen Recherche führen, da gehofft wird, weitere Alternativen ausfindig zu machen, die bisher noch gar nicht in Betracht gezogen wurden.

Manchmal werden sogar die eigenen Prioritäten noch einmal überdacht, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Das führt mitunter dazu, dass die Entscheidungsfindung immer länger dauert - eine beliebte Strategie, um schwierige Entscheidungen vor sich herzuschieben.

Die besten Methoden zur Entscheidungsfindung

Die Probleme mit der Entscheidungsfindung haben die Entwicklung der verschiedensten Methoden und Tipps angeregt, um der Menschheit die ewige Qual der Wahl zu erleichtern. Das stellt Sie gleich vor die nächste Entscheidung: Sie können wählen, welche Methode der Entscheidungsfindung für Sie die Beste ist.

Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir verschiedene Methoden aufgelistet, die allesamt geeignet sind, die Entscheidungsfindung zu erleichtern.

  • Beginnen Sie mit einer Pro-Contra Liste

    Wahrlich keine Neuheit, aber deshalb nicht weniger hilfreich: Mit einer Pro Contra Liste können Sie sich der Entscheidungsfindung nähern und die ersten Schritte zur endgültigen Wahl gehen. Schreiben Sie für jede Alternative auf, was besonders gut und was besonders schlecht ist. Anschließend können Sie die Listen miteinander vergleichen.

    Achten Sie nicht nur auf die Anzahl der Argumente, sondern auch auf deren Qualität. Hat Option C einen Nachteil, mit dem Sie absolut nicht leben können, bringen auch fünf Pro-Punkte keine Änderung. Wichtig ist deshalb, dass Sie möglichst genau wissen, wonach Sie suchen.

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  • Werfen Sie eine Münze.

    Es ist der Klassiker, allerdings mit einem entscheidenden Twist. Wie diese Methode der Entscheidungsfindung ursprünglich funktioniert, weiß jeder. Den beiden Seiten einer Münze wird jeweils eine Alternative zugeschrieben und welche oben landet, ist die Wahl, die getroffen wird.

    Ist simpel, wichtige Entscheidungen einfach dem puren Zufall zu überlassen, ist allerdings nicht immer ratsam und kann später zu Frust führen. Der Münzwurf kann dennoch helfen: Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, welche Seite oben liegt. Entscheidend ist einzig und allein, welches Ergebnis Sie sich wünschen, während die Münze sich in der Luft um sich selbst dreht.

    So können sich sich bewusst machen, welche Entscheidung Sie unterbewusst schon längst getroffen haben.


  • Erstellen Sie eine Entscheidungsmatrix.

    Sie haben mehrere Alternativen und wissen einfach nicht, welche am besten ist? Mit einer Entscheidungsmatrix können Sie sich dem Problem ganz Rational annähern. Listen Sie alle Optionen und die Kriterien, die bei der Entscheidung eine Rolle spielen, auf. Nun vergeben Sie Punkte - und zwar so ehrlich und neutral wie möglich.

    Die so entstehende Matrix zeigt Ihnen genau, welche Alternative in welchem Bereich am besten abschneidet und welche in der Gesamtpunktzahl am höchsten liegt. Sinnvoll kann es sein, die Kriterien mit einer Wertung zu versehen, die mit der Punktzahl multipliziert wird. So entspricht das Ergebnis eher Ihren Prioritäten.

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  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.

    Es klingt wie eine Floskel, doch wird dieser Punkt von vielen bei der Entscheidungsfindung einfach übergangen. Anstatt auf das eigene Bauchgefühl zu hören, werden die Dinge regelrecht zerdacht, bis die anfängliche Klarheit verloren geht und Sie nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist.

    Ihr Bauchgefühl weiß meist sehr genau, welche Entscheidung zu Ihnen passt. Lernen Sie, dieses zu nutzen und einfach auf Ihren Bauch zu hören. Das können andere vielleicht nicht immer nachvollziehen, das müssen sie aber auch gar nicht. Ihre Intuition trifft in Sekundenbruchteilen Entscheidungen basierend auf Ihrer Persönlichkeit und Ihren Erfahrungen - Sie müssen diesen nur Vertrauen.


  • Machen Sie sich bewusst, dass es einen Weg zurück gibt.

    Ein großer Irrglaube bei der Entscheidungsfindung ist die Endgültigkeit. Wer sich festlegt, hat das Gefühl, sich nicht für eine Sache zu entscheiden, sondern gegen viele andere - verstärkt wird dieser Gedanke vom Glauben, nicht mehr zurückzukönnen, wenn sich herausstellt, dass die Wahl falsch war.

    Das ist jedoch in vielen Fällen schlichtweg falsch. Es gibt kaum eine Entscheidung, die absolut unumstößlich ist und bei der Sie es sich später nicht noch einmal anders überlegen könnten. Machen Sie sich das bewusst, nehmen Sie eine Menge Druck aus der Entscheidungsfindung und können diese lockerer und erfolgreicher angehen.


  • Nutzen Sie einen Entscheidungsbaum.

    Der Entscheidungsbaum ist gedacht, um verschiedene Alternativen paarweise gegenüber zu stellen und so am Ende zur besten Möglichkeit zu gelangen, die allen anderen überlegen ist. Das ganze funktioniert wie ein Sportturnier: Die Optionen treten gegeneinander an, der Gewinner schafft es in die nächste Runde.

    Ihre Aufgabe dabei ist die des Schiedsrichters, der entscheidet, wer ins Viertelfinale, Halbfinale und schließlich im Endspiel gewinnt. Klingt einfach, ist jedoch mit der Herausforderung verbunden, sich darüber im Klaren zu sein, was genau man selbst will.

    Entscheidungsfindung Entscheidungsbaum


  • Malen Sie sich den schlimmsten Fall aus.

    Die Entscheidungsfindung fällt schwer, weil wir uns vor den Folgen fürchten. Normalerweise sind diese allerdings viel weniger gravierend, als wir annehmen. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und schreiben Sie auf, was wirklich im allerschlimmsten Fall passieren kann. Vielleicht verlieren Sie Zeit, die Sie besser anderswo investiert hätten, möglicherweise kostet eine falsche Entscheidung Geld...

    Die Worst-Case-Analyse zeigt Ihnen, dass es nur halb so schlimm ist, selbst wenn alles schief gehen sollte. So können Sie sich die Angst vor einer Entscheidung nehmen und die Entscheidungsfindung schneller vorantreiben.

[Bildnachweis: racorn by Shutterstock.com]

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