Einfach erklärt: Was sind Opportunitätskosten?
Opportunitätskosten sind der entgangene Nutzen der besten nicht gewählten Alternative. Einfach gesagt: Wenn Sie sich für etwas entscheiden, verzichten Sie auf eine andere Möglichkeit und deren Vorteile. Deshalb heißen Opportunitätskosten auch Alternativkosten oder Verzichtskosten (englisch: opportunity costs).
Ein einfaches Beispiel: Sie haben 1.000 Euro und kaufen sich davon einen Fernseher. Alternativ könnten Sie das Geld für ein Jahr zu 5 % Zinsen anlegen. Weil Sie den Fernseher kaufen, entgehen Ihnen 50 Euro Zinsen. Das sind Ihre Opportunitätskosten.
Entgangene Vorteile – nicht nur finanzielle
Opportunitätskosten sind also keine echten Ausgaben. Es fließt kein zusätzliches Geld ab. Sie zeigen lediglich, welchen möglichen Vorteil Sie durch Ihre Entscheidung aufgeben. Das können Geld, Zeit oder andere persönliche Vorteile sein.
Opportunitätskosten berechnen: Formel
Um Opportunitätskosten zu berechnen, bestimmen Sie den möglichen Nutzen der besten Alternative, auf die Sie verzichten. Die einfache Formel lautet:
Opportunitätskosten = entgangener Nutzen der besten nicht gewählten Alternative
Beispiel: Sie verzichten auf eine Geldanlage über 10.000 Euro mit 4 % Jahreszinsen. Ihre Opportunitätskosten betragen 400 Euro im ersten Jahr (10.000 × 0,04). Voraussetzung ist, dass die Geldanlage tatsächlich eine verfügbare Alternative war. Bei mehreren Möglichkeiten zählt immer die beste nicht gewählte Alternative. Die Differenz zwischen zwei Erträgen zeigt dagegen, wie viel besser eine Entscheidung im Vergleich zur anderen ist.
Opportunitätskosten-Rechner
Mit unserem kostenlosen Rechner vergleichen Sie zwei Geldanlagen und sehen sofort, auf welchen möglichen Ertrag Sie verzichten.
Vergleichen Sie zwei Geldanlagen über ein Jahr. Alle Werte können Sie ändern.
Wählen Sie A, verzichten Sie auf 500,00 € möglichen Ertrag aus B. Wählen Sie B, verzichten Sie auf 300,00 € aus A.
Ein Jahr, ohne Zinseszins, Steuern und Gebühren. Die Ertragsdifferenz ist nicht mit den Opportunitätskosten gleichzusetzen.
Bitte geben Sie gültige Werte ein.
4 Beispiele für Opportunitätskosten im Alltag
Opportunitätskosten entstehen bei vielen Entscheidungen – im Beruf, beim Geld und in der Freizeit. Diese Beispiele zeigen, worauf Sie jeweils verzichten:
-
Jobwechsel
Sie erhalten ein Jobangebot mit 400 Euro mehr Gehalt im Monat. Lehnen Sie ab, verzichten Sie auf 4.800 Euro zusätzliches Jahresgehalt. Nehmen Sie an, geben Sie womöglich Ihren kurzen Arbeitsweg und bessere Arbeitsbedingungen auf.
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Studium
Nach dem Abitur können Sie studieren oder direkt ins Berufsleben einsteigen. Während des Studiums verzichten Sie auf mögliches Gehalt und Berufserfahrung. Arbeiten Sie sofort, entgehen Ihnen die Vorteile eines Hochschulabschlusses.
Welche Opportunitätskosten können entstehen?
Neben den tatsächlichen Ausgaben hat jede Entscheidung mögliche Opportunitätskosten. Die Tabelle zeigt typische Beispiele für entgangene Vorteile:
Direkte Kosten |
Mögliche Opportunitätskosten |
| Weiterbildung (Kursgebühren) | Entgangenes Gehalt Arbeitszeit für andere Aufgaben Freizeit |
| Jobwechsel (Umzug) | Vertrautes Arbeitsumfeld Bisherige Kollegen Längerer Arbeitsweg |
| Geldanlage (Gebühren) | Rendite anderer Anlagen Andere Investitionschancen Verfügbarkeit des Geldes |
| Eigenheim (Finanzierung) | Mögliche Mieteinnahmen Erträge aus Verkauf Alternative Geldanlage Flexibilität bei Umzug |
| Restaurant (Rechnung) | Ersparnis durch Selbstkochen Geld für andere Anschaffungen Alternative Freizeitaktivitäten |
Opportunitätskosten in BWL und VWL
In der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Volkswirtschaftslehre (VWL) helfen Opportunitätskosten dabei, Geld, Zeit und andere begrenzte Mittel sinnvoll einzusetzen.
Opportunitätskosten in der BWL
Unternehmen müssen ständig entscheiden, wofür sie Geld, Personal oder Maschinen einsetzen. Nutzt ein Betrieb beispielsweise eine eigene Lagerhalle, verzichtet er auf mögliche Mieteinnahmen. Investiert ein Selbstständiger 50.000 Euro in sein Unternehmen, entgehen ihm mögliche Erträge aus einer anderen Geldanlage. Opportunitätskosten spielen deshalb bei Investitionen, der Produktionsplanung und der Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug (Make-or-Buy) eine wichtige Rolle.
Opportunitätskosten in der VWL
Auch Staaten haben nur begrenzt Geld und Ressourcen. Investiert der Staat mehr in Straßen, steht dieses Geld nicht gleichzeitig für Schulen oder Krankenhäuser zur Verfügung. Der entgangene Nutzen der besten Alternative sind die Opportunitätskosten. Das Prinzip erklärt auch den komparativen Kostenvorteil: Ein Land hat ihn, wenn es ein Produkt herstellen kann und dafür auf weniger andere Güter verzichten muss als ein anderes Land.
Inputbezogene und outputbezogene Opportunitätskosten
In der BWL unterscheidet man zudem zwei Arten von Opportunitätskosten:
Art |
Beispiel |
| Inputbezogen | Eine eigene Halle wird genutzt statt vermietet. Dadurch entgehen Mieteinnahmen. |
| Outputbezogen | Eine Maschine stellt Produkt A statt Produkt B her. Dadurch entgeht möglicher Gewinn aus B. |
Entscheidungsmatrix: Opportunitätskosten berücksichtigen
Opportunitätskosten helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Sie zeigen, was eine Wahl tatsächlich kostet – einschließlich der Vorteile, auf die Sie verzichten. Mit dieser einfachen Matrix erkennen Sie nicht nur die direkten Kosten, sondern auch den entgangenen Nutzen Ihrer Alternativen:
Schritt |
Leitfrage |
| Alternativen | Welche Möglichkeiten habe ich wirklich? |
| Kosten | Was kostet mich jede Option an Geld, Zeit und Aufwand? |
| Verzicht | Welchen Vorteil gebe ich mit der besten anderen Option auf? |
| Entscheidung | Welche Option bringt mir insgesamt den größten Nutzen? |
Berücksichtigen Sie dabei auch langfristige Folgen und Unsicherheiten. Eine Weiterbildung kostet heute Geld und Zeit, bringt Ihnen später aber womöglich ein höheres Gehalt. Vergleichen Sie deshalb nicht nur die kurzfristigen Kosten, sondern auch die langfristigen Vorteile.
Nicht alle Opportunitätskosten lassen sich in Euro berechnen. Der persönliche Wert von Freizeit, Gesundheit oder Lebensqualität ist subjektiv. Hier müssen Sie Ihre Prioritäten setzen und die möglichen Vorteile abwägen.
Was ist das Gegenteil von Opportunitätskosten?
Ein festes Gegenteil gibt es nicht. Gelegentlich wird der Begriff „Opportunitätserlöse“ verwendet. Er bezeichnet mögliche Vorteile oder Einsparungen einer Entscheidung, ist aber kein allgemein anerkanntes Gegenstück zu Opportunitätskosten. Merken Sie sich: Jede Entscheidung kostet Sie eine andere Option. Wer diese Kosten kennt, kann besser beurteilen, welche Opfer sich für ein Ziel lohnen.
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