Erfolgsbeteiligung: Das sind die Vor- und Nachteile

Die Erfolgsbeteiligung ist eine Allzweckwaffe. Sie motiviert die Mitarbeiter, bindet sie stärker ans Unternehmen und wirkt auch als Werbebotschaft nach außen. Wenn die Mitarbeiter einen Bonus für gute Leistungen erhalten, hat das für alle Seiten schließlich nur Vorteile, nicht wahr? Leider nein! Wenn man ganz genau hinsieht, hat das Modell der Erfolgsbeteiligung erhebliche Defizite….

Erfolgsbeteiligung: Das sind die Vor- und Nachteile

Erfolgsbeteiligung: Was ist das?

Erfolgsbeteiligung: Was ist das?Die Erfolgsbeteiligung ist eine Form der Mitarbeiterbeteiligung. Die Mitarbeiter partizipieren finanziell unmittelbar am Erfolg ihres Unternehmens. Einfacher gesagt: Erreicht das Unternehmen ein vorher festgelegtes Ziel, erhält der Mitarbeiter einen Bonus.

Es handelt sich somit um ein variables, erfolgsabhängiges Einkommen, das zusätzlich zum festen Lohn gezahlt wird. Die Erfolgsbeteiligung kann von ganz unterschiedlichen Messgrößen abhängig sein. Diese definiert jedes Unternehmen anders.

Die Erfolgsbeteiligung kann sich zum Beispiel orientieren an:

  • Unternehmensgewinn (Bilanzgewinn, Ebit, Ebitda)
  • Umsatzentwicklung
  • Wertsteigerung
  • Anzahl der Neukunden
  • Leistungskriterien (individuelle oder gruppenbezogene)
  • Marktanteile
  • Rendite (Kapitalrendite, Umsatzrendite)
  • Produktivität
  • Ausschuss

Geregelt ist die Erfolgsbeteiligung im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung. Ohne eine entsprechende Regelung haben Sie als Beschäftigter keinerlei Anspruch.

Neben der Erfolgsbeteiligung gibt es auch die Kapitalbeteiligung. Dabei stellen die Mitarbeiter dem Unternehmen finanzielle Mittel zur Verfügung – als Fremdkapital oder Eigenkapital – und werden damit zu Kapitalgebern der Firma.

Die Erfolgsbeteiligung kann einmalig ausgeschüttet werden, in die betriebliche Altersvorsorge investiert oder in Unternehmensaktien ausgegeben werden. Gemischte Modelle, bei denen zum Beispiel ein Teil in bar und ein anderer in die Altersvorsorge fließt, sind ebenfalls nicht unüblich.

Wer bekommt eine Erfolgsbeteiligung?

Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Manche beziehen alle Mitarbeiter ein, andere nur einzelne Unternehmensbereiche. Vor allem in kundennahen Abteilungen wie dem Vertrieb sind Erfolgsbeteiligungen üblich.

Eine Erfolgsbeteiligung kann sich nach diesen Faktoren richten:

  • Dauer der Betriebszugehörigkeit: Nur die Mitarbeiter partizipieren, die eine bestimmte Betriebszugehörigkeit erreicht haben, zum Beispiel drei Jahre.
  • Pro Kopf: Jeder Mitarbeiter erhält dann etwa ein zusätzliches Monatsgehalt.
  • Abteilungen: Gibt es die Erfolgsbeteiligung für alle oder nur für bestimmte?
  • Krankheitstage: Eine Sondervergütung kann prinzipiell aufgrund krankheitsbedingter Fehlzeiten gekürzt werden.
  • Zielvereinbarungen: Dabei kann es sich um individuelle oder gruppenbezogene Zielvereinbarungen handeln. Die Erfolgsbeteiligung fließt nur, wenn sie erreicht wurden.

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung kam 2014 zu dem Ergebnis, dass 37,2 Prozent der befragten Unternehmen eine Erfolgsbeteiligung ausschütten. Die Zahl steigt sogar auf 50 Prozent, wenn man nur Aktiengesellschaften oder Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern berücksichtigt.

Ob die Zahlen wirklich die Realität abbilden, ist allerdings fraglich. So hatte etwa das IAB-Betriebspanel 2007 bei einer Befragung unter Managementvertretern festgestellt, dass nicht mehr als zehn Prozent aller Unternehmen eine Erfolgsbteiligung auszahlen.

Die Differenzen könnten auf die Methodik zurückzuführen sein, spekuliert das Hans-Böckler-Institut. So hätten Betriebsräte in Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung eine höhere Bereitschaft gezeigt, überhaupt an der Befragung teilzunehmen.

Das deutet eher darauf hin, dass die Erfolgsbeteiligung weniger verbreitet ist, als es die Zahlen vermuten lassen. Klar scheint aber diese Erkenntnis: Je größer das Unternehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Erfolgsbeteiligung an seine Mitarbeiter zahlt.

Das sind die Vorteile der Erfolgsbeteiligung

Das sind die Vorteile der ErfolgsbeteiligungDie Vorteile liegen auf der Hand. Eine Erfolgsbeteiligung soll die Beschäftigten…

Das klingt einleuchtend: Wer einen Bonus bekommt, ist happy und dankbar. Kein schlechtes Argument für Unternehmen, die sich in Zeiten schwindender Fachkräftepools als attraktive Arbeitgeber präsentieren wollen.

Erfolgsbeteiligungen werten die Mitarbeiter zudem auf. Sie wechseln aus der Rolle des ausführenden Organs in die des Mitunternehmers. Dazu passt, dass Arbeitnehmer heute keine reinen Befehlsempfänger mehr sein, sondern eigenständig arbeiten und entscheiden wollen.

Das verlangt auch die Bereitschaft, Verantwortung für das gesamte Unternehmen zu übernehmen. Umso besser, wenn sich die Ziele des Unternehmens und des einzelnen Mitarbeiters angleichen. Die Erfolgsbeteiligung bewirkt genau das.

In der Theorie stärken Erfolgsbeteiligungen außerdem die Loyalität innerhalb der Belegschaft. Ego-Trips von Einzelkämpfern verlieren ihren Reiz. Oder um es schön kitschig zu formulieren: Ab sofort gilt das Motto Einer für alle, alle für einen.

Das sind die Nachteile der Erfolgsbeteiligung

Das sind die Nachteile der ErfolgsbeteiligungIst die Erfolgsbeteiligung also ein Zaubermittel für Unternehmen? Mitnichten.

Zum Einen besteht die Gefahr, dass sie mit fortlaufender Dauer an Wert verliert. So könnten die Mitarbeiter womöglich ein Gefühl der Berechtigung entwickeln, ein Anspruchsdenken, das die Erfolgsbeteiligung zu einer Selbstverständlichkeit werden lässt. Mitnahmeeffekt statt Motivationsschub.

Und ist die Erfolgsbeteiligung überhaupt gerecht? Ob und inwiefern die Leistung eines Einzelnen zum großen Ganzen beigetragen hat, ist oft schwer zu messen, schwer zu ermitteln.

Im Gegenteil, die Erfolgsbeteiligung könnte die hehren Hoffnungen sogar ins Gegenteil verkehren. Denn ökonomisch sinnvoll wäre es für jeden einzelnen Mitarbeiter ja, die Erfolgsbeteiligung mit so wenig Einsatz wie möglich einzufahren. Ein klassischer Fall von Moral Hazard. Wer sein Engagement herunterfährt, erhält am Ende trotzdem einen Bonus – den Kollegen sei Dank.

Und dennoch sollten Arbeitgeber die Erfolgsbeteiligung wohl besser gleichmäßig mit der Gießkanne verteilen. Britische Wissenschaftler fanden 2017 heraus, dass sie nur dann einen positiven Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit, dem Engagement der Mitarbeiter und dem Vertrauen in das Management hat, wenn sie über die gesamte Organisation verteilt wird.

Wenn dagegen nur ein kleiner Teil der Belegschaft in den Genuss des Extra-Geldes kommt, sinken Arbeitszufriedenheit, Engagement und Vertrauen in das Management spürbar ab.

In die gleiche Richtung zeigte auch eine IAB-Analyse von 2014. Und die ist speziell für Führungskräfte interessant. Demnach nimmt die Akzeptanz von Bonuszahlungen an Geschäftsführer stark zu, wenn auch die Belegschaft eines Unternehmens am Erfolg beteiligt wird.

Auch die Informationspolitik des Unternehmens spielt eine Rolle. Wird die Belegschaft über Auswahlkriterien und Höhe der Bonuszahlungen an den Geschäftsführer informiert, steigt die Akzeptanz – wenn auch nur sehr leicht. Lässt man die Mitarbeiter hingegen im Dunkeln, sinkt sie – dafür aber rapide.

Erfolgsbeteiligung: So viel zahlen die Autobauer!

Erfolgsbeteiligung: So viel zahlen die Autobauer!Dieselgate hin oder her: Volkswagen hat seine Erfolgsbeteiligung kräftig erhöht. So erhalten die rund 120.000 Tarifbeschäftigten in den sechs westdeutschen Werken und bei der VW-Finanztochtergesellschaft für 2017 eine Erfolgsbeteiligung von 4.100 Euro, wie es in der Betriebsrats-Zeitschrift Mitbestimmen im März 2018 hieß. Für das vorangegangene Jahr waren je Mitarbeiter 2.905 Euro geflossen.

Noch mehr gibt es bei Audi. Ein Facharbeiter des Autobauers erhält für das Geschäftsjahr 2017 eine Ergebnisbeteiligung in Höhe von 4.770 Euro. Im Vorjahr lag der Betrag für diese Mitarbeitergruppe noch bei 3.150 Euro.

BMW zahlt seinen Mitarbeitern gar einen Rekordbonus von 9.455 Euro. 945,50 Euro gehen laut Automobilwoche in die pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge, die restlichen 8509,50 Euro werden di­rekt aus­be­zahlt. Bei den Münchenern setzt sich die Er­folgs­be­tei­li­gung unter anderem aus dem Kon­zern­er­geb­nis und der Di­vi­den­de zu­sam­men.

Über eine Rekordprämie können sich auch die 130.000 Tarifbeschäftigten von Daimler freuen. Sie erhalten einen Bonus in Höhe von bis zu 5.700 Euro.

Die höchste Erfolgsbeteiligung aber fließt auf die Konten der Porsche-Mitarbeiter. Für sie gibt es 9.656 Euro zusätzlich: 8.600 Euro Prämie für besondere Leistungen, 700 Euro Sonderbeitrag zur Altersvorsorge und überdies noch eine Jubiläumszahlung von 356 Euro. Grund: Porsche feiert in diesem Jahr „70 Jahre Porsche Sportwagen“. Und der erste Sportwagen aus Zuffenhausen war der „Porsche 356“.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
14. Juli 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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