Bonuszahlung: Wann steht sie mir zu?

Eine Bonuszahlung ist ein beliebter Zusatz zum regulären Gehalt. Einen gesetzlichen Anspruch darauf haben Mitarbeiter nicht, aber durch vertragliche Regelungen und Zielvereinbarungen bekommen viele trotzdem eine variable Vergütung. Wir zeigen, wann Ihnen eine Bonuszahlung zusteht, welche Arten es gibt und wie die Zahlung versteuert wird…

Bonuszahlung Definition Anspruch Arbeitnehmer Steuerfrei Vorteile Nachteile Hoehe

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Eine Bonuszahlung ist eine zusätzliche Vergütung, die Arbeitnehmer für erreichte Ziele, besondere Leistungen oder Erfolge des Unternehmens erhalten.
  • Anspruch: Es gibt keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf Bonuszahlungen von Unternehmen. Grundlage können der individuelle Arbeitsvertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung sein.
  • Freiwilligkeit: Arbeitgeber gewähren Boni oft mit einem Freiwilligkeitsvorbehalt. Dieser verhindert, dass selbst bei wiederholter Zahlung ein zukünftiger rechtlicher Anspruch entsteht.
  • Höhe: Das Unternehmen legt fest, wie hoch ein Bonus an Mitarbeiter ausfällt. So sind Zahlungen von 500 Euro, aber auch von 5.000 Euro möglich. Entscheidend sind z.B. Position, Verantwortung und das Gehalt.
  • Steuern: Bonuszahlungen zählen aus steuerlicher Sicht zum Arbeitslohn. Für die gesamte Summe fallen deshalb sowohl Steuer als auch Sozialversicherungsabgaben an. Entsprechend bekommen Sie als Nettobetrag deutlich weniger.
  • Gleichbehandlung: Bei Bonuszahlungen gilt der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz. Einzelne Mitarbeiter dürfen nicht ohne Sachgrund ausgeschlossen und unangemessen benachteiligt werden.

Die größten Chancen auf eine Bonuszahlung haben in Deutschland Führungskräfte. 44 % der Arbeitnehmer mit Personalerverantwortung haben variable Gehaltsbestandteile und Möglichkeiten auf zusätzliche Boni. Bei Fachkräften liegt die Quote bei etwa 15 %. Deutliche Unterschiede gibt es zudem nach Betriebsgröße. Kleine Unternehmen zahlen deutlich seltener einen Bonus und die Höhe ist mit durchschnittlich 1.500 Euro geringer. In größeren Unternehmen mit bis zu 500 Angestellten gibt es nicht nur häufiger, sondern auch höhere Bonuszahlungen von im Schnitt 3.200 Euro.

Anzeige

Was ist eine Bonuszahlung?

Die Bonuszahlung (Synonym: Prämie oder Gratifikation) ist eine freiwillige und zusätzliche Vergütung, die Mitarbeiter zu ihrem vereinbarten Gehalt hinaus erhalten. Eine solche Sonderzahlung wird nicht als feste Gegenleistung für die Arbeitsleistung gezahlt, sondern belohnt das Erreichen festgelegter Ziele, honoriert Betriebstreue oder ist ein finanzielles Extra nach besonderen Leistungen. So können zum Beispiel Boni gezahlt werden, wenn Projekte erfolgreich abgeschlossen werden. Häufig sind Bonuszahlungen ein variabler Teil des Gehaltspakets. Sie werden an Mitarbeiter gezahlt, wenn entsprechende Kennzahlen (Key Performance Indicators, kurz KPI) erreicht werden.

Welche Arten von Bonuszahlungen gibt es?

Nicht jede Bonuszahlung ist gleich. In der Praxis gibt es viele verschiedene Arten, die unterschiedliche Ziele verfolgen und auch für verschiedene Leistungen gezahlt werden. Hier eine Übersicht der häufigsten Arten:

  • Zielvereinbarung

    In der Zielvereinbarung werden schriftlich konkrete Ziele vereinbart – werden diese erreicht, gibt es eine Bonuszahlung.

  • Leistungsbonus

    Diese Art belohnt persönliche Erfolge und besondere Leistungen. Es gibt eine zusätzliche Zahlung, wenn Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag leisten, der über die normalen und alltäglichen Aufgaben hinaus geht.

  • Provisionen

    Hier ist die Bonuszahlung direkt an die Leistung gekoppelt. Typisches Beispiel im Vertrieb: Für jeden Kunden, den Sie dem Unternehmen bringen, erhalten Sie zusätzlich zu Ihrem Fixgehalt eine Provision.

  • Treuebonus

    Diese sollen lange Betriebszugehörigkeit fördern und belohnen. Beliebt sind sogenannte Retention-Modelle: Ist ein Mitarbeiter bis zu einem festgelegten Stichtag ungekündigt im Unternehmen, bekommt er eine Sonderzahlung.

  • Tantiemen

    Tantiemen sind typisch für höhere Führungskräfte und im Management. Es sind Beteiligungen am Gesamterfolg des Unternehmens. Hohe Gewinne werden so zum Teil an die Belegschaft zurückgegeben. Das steigert die Motivation und stärkt das unternehmerische Denken.

  • Sign-on-Bonus

    Diese Bonuszahlung ist eine Maßnahme im Employer Branding und soll Fachkräfte anlocken. Mit der Unterschrift des Arbeitsvertrages bekommen neue Mitarbeiter eine zusätzliche Zahlung. Der Sign-on-Bonus wird deshalb auch als Antrittsprämie bezeichnet.

Auch Jahressonderzahlungen oder Weihnachtsgeld sind eine Form von Bonuszahlungen. Sie werden vom Arbeitgeber freiwillig und zusätzlich zum Grundgehalt der Mitarbeiter gezahlt – sie sind aber meist nicht an bestimmte Leistungen oder Ziele gebunden.

Anzeige

Wer hat Anspruch auf eine Bonuszahlung?

Mitarbeiter haben keinen allgemeinen oder gesetzlichen Anspruch auf Bonuszahlungen vom Arbeitgeber. Das reine Bestehen eines Arbeitsverhältnisses reicht nicht aus, um zusätzliche Prämien zu bekommen. Zunächst ist es eine rein freiwillige Leistung des Unternehmens. Für einen echten Anspruch brauchen Sie eine vertragliche oder rechtliche Grundlage. Möglichkeiten sind:

Arbeits- oder Tarifvertrag

Ihr Anspruch auf eine Bonuszahlung kann durch den individuellen Arbeitsvertrag oder einen gültigen Tarifvertrag entstehen. Hier wird genau geregelt, bei welchen Leistungen oder Zielen und in welcher Höhe die Zahlung erfolgt.

Betriebliche Übung

Die betriebliche Übung ist Teil des Gewohnheitsrechts. Zahlt der Chef 3 Jahre hintereinander und ohne Vorbehalt einen Bonus, entsteht daraus ein Rechtsanspruch für die Zukunft. Sie dürfen dann erwarten und auch einfordern, dass die Zahlung auch im kommenden Jahr wieder folgt.

Gleichbehandlung

Bekommt die gesamte Abteilung eine Bonuszahlung, darf der Chef Sie nicht ohne sachlichen Grund davon ausschließen. Eine solche Benachteiligung ist nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) untersagt.

Freiwilligkeitsvorbehalt im Vertrag

Mit einer vertraglichen Regelung haben Sie grundsätzlich Anspruch auf die Zahlung. Viele Arbeitgeber sichern sich aber mit einem sogenannten Freiwilligkeitsvorbehalt ab. Formulierungen wie „Die Zahlung erfolgt freiwillig und begründet keinen Rechtsanspruch für die Zukunft“ sollen verhindern, dass eine dauerhafte Pflicht für die Bonuszahlung entsteht. Solche Klauseln werden aber von Arbeitsgerichten streng kontrolliert und sind oft unwirksam. Im Zweifelsfall empfehlen wir deshalb immer die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Anzeige

Wie hoch ist die Bonuszahlung?

Es gibt keine allgemeinen Vorschriften oder Richtlinien für die Höhe einer Bonuszahlung. In den meisten Fällen legt somit der Chef frei und nach eigenem Ermessen fest, wie viel er Mitarbeitern zusätzlich zahlt. Dabei wird zum Beispiel in der individuellen Vereinbarung geregelt, wie hoch die Zahlung bei bestimmten Leistungen ausfällt. Zudem werden oft Faktoren wie die Betriebszugehörigkeit, Personalverantwortung, branchenübliche Regelungen und der Unternehmenserfolg berücksichtigt. Für Fachkräfte liegen Bonuszahlungen dabei im Bereich von bis zu einem Monatsgehalt, im mittleren Management können es bis zu 25 % des Jahresgehalts sein. Besonders hoch sind Bonuszahlungen im Top-Management und im Vertrieb. Hier machen variable Bestandteile und Bonuszahlungen 50 % oder mehr des Jahresgehalts aus.

Wie wird eine Bonuszahlung ausgezahlt?

Die Auszahlung erfolgt in der Regel über die normale Lohnabrechnung. Sie bekommen also zusätzlich zu Ihrem normalen Gehalt die Bonuszahlung überwiesen. Der Zeitpunkt ist oft das Ende des Geschäftsjahres oder das Ende des 1. Quartals im Folgejahr. Hier werden Zielvereinbarungen geprüft und die Geschäftszahlen des Unternehmens liegen vor – diese dienen als Grundlage für mögliche Auszahlungen. Neben der Überweisung als Barauszahlung gibt es einige Alternativen:

  • Aktienoptionen
    Mitarbeiter können als Bonus Aktien und damit Anteile am Unternehmen erhalten.
  • Sachprämien
    Statt einer direkten Auszahlung werden Sachprämien ausgegeben. Diese müssen aber als geldwerter Vorteil versteuert werden.
  • Freizeit
    Teilweise können Bonuszahlungen in zusätzliche Urlaubstage umgewandelt werden. Statt eines zusätzlichen Gehalts bekommen Sie mehr bezahlte Freizeit.

Ist eine Bonuszahlung steuerfrei?

Bonuszahlungen gelten als sonstige Bezüge und müssen voll versteuert werden. Zusätzlich zahlen Sie für die Summe Beiträge zu den Sozialversicherungen (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung). Bei einem Bonus von 2.000 Euro kommt bei Ihnen als Nettobetrag somit deutlich weniger an. Zudem wird der Bonus zu Ihrem Jahreseinkommen addiert. Da in Deutschland ein progressiver Steuersatz gilt, kann durch die zusätzliche Zahlung für Sie ein höherer individueller Steuersatz gelten.

Vor- und Nachteile von Bonuszahlungen

Bonuszahlungen sind beliebt und haben einige Vorteile. Trotzdem sollten Sie auch die Nachteile kennen. Wir stellen beide Seiten gegenüber:

    Vorteile für Arbeitnehmer

  • Finanzielles Plus
  • Mehr Wertschätzung
  • Höhere Motivation
  • Klarer Fokus

    Nachteile für Arbeitnehmer

  • Volle Steuerpflicht
  • Höherer Leistungsdruck
  • Keine Planbarkeit
  • Gefühlte Ungerechtigkeit

    Vorteile für Arbeitgeber

  • Gutes Employer Branding
  • Mehr Produktivität
  • Längere Mitarbeiterbindung
  • Höhere Zufriedenheit

    Nachteile für Arbeitgeber

  • Hohe Kosten
  • Zusätzlicher Verwaltungsaufwand
  • Gestiegenes Konkurrenzdenken
  • Kurzfristige Wirkung

In der Praxis sind vor allem Transparenz und Fairness bei Bonuszahlungen wichtig. Mitarbeiter müssen verstehen, wann es die zusätzlichen Prämien gibt und in welchen Bereichen Unterschiede gemacht werden. Dann ist die Akzeptanz besonders hoch und der positive Effekt am größten.


Was andere dazu gelesen haben