Sonntagszuschlag: Das gibt’s für Sonn- und Feiertagsarbeit

Sonn- und feiertags arbeiten zu müssen, wenn alle anderen frei haben, ist nicht jedermanns Sache. Auf der anderen Seite stellt der Sonntagszuschlag einen reizvollen finanziellen Ausgleich dar. Erhöht sich dadurch das Gehalt, könnte rein rechnerisch für das gleiche Geld weniger gearbeitet werden. Aber sind Sie verpflichtet, sonntags zu arbeiten? Und gibt es überhaupt einen Anspruch auf den Sonntagszuschlag? Welche Branchen das betrifft und ob es einen Anspruch auf einen Sonntagszuschlag gibt, erfahren Sie hier…

Sonntagszuschlag: Das gibt's für Sonn- und Feiertagsarbeit

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Wo ist Sonntagsarbeit geregelt und wen betrifft es?

Arbeiten, wenn andere frei haben – das ist nicht selbstverständlich und trotzdem oft unumgänglich. Kranke hören am Wochenende nicht auf, krank zu sein, weshalb Sonntagsarbeit viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst betrifft. Aber nicht nur dort. Wer würde sonntags schon auf sein Brötchen verzichten wollen?

Die Bedingungen, wer, wann und wie lange arbeitet, regelt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Hier finden sich Vorschriften zu folgenden Bereichen:

  • Arbeitszeit pro Tag
  • Ruhe- und Pausenzeiten
  • Nachtschichten
  • Arbeit an Sonn- und Feiertagen

Prinzipiell besteht laut ArbZG (§ 9, Absatz 1) ein Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit. Aber dieses Verbot kollidiert sowohl mit wirtschaftlichen als auch humanen und gesellschaftlichen Erfordernissen, weshalb es zahlreiche Ausnahmen gibt. Die gelten für Beschäftigte in folgenden Branchen:

  • in Not- und Rettungsdiensten und der Feuerwehr
  • zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung: Polizei, Bundeswehr
  • in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen zur Betreuung und Versorgung von Personen
  • in Gastronomie und Hotellerie zur Bewirtung und Beherbergung
  • bei Musikevents, Theater, Schauspiel und ähnlichen Veranstaltungen
  • in Kirchen, Religionsgesellschaften, Verbände, Vereine, Parteien
  • beim Sport und in Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen, wie in Museen und Zoos
  • im Mediensektor (sofern es der Tagesaktualität dient) wie Radio, Presse, bei Nachrichtenagenturen
  • bei Messen, Ausstellungen, Märkten und Volksfesten
  • bei der Beförderung von Personen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr
  • in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung sowie Behandlung und Pflege von Tieren
  • im Bewachungsgewerbe und bei der Bewachung von Betriebsanlagen

Diese Ausnahmen haben Auswirkungen auf die Beschäftigten und ihr Privatleben, weshalb § 11 den Ausgleich für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung definiert. So stehen Arbeitnehmern neben einem Ersatzruhetag binnen zwei Wochen mindestens 15 freie Sonntage im Jahr zu. Der Sonntagszuschlag wird allerdings an keiner Stelle erwähnt.

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Sonntagszuschlag kann gewährt werden

Obwohl die Arbeit am Sonntag also nicht die Regel darstellt, ist ein Sonntagszuschlag für Arbeitgeber nicht verpflichtend. Dass kein gesetzlicher Anspruch auf einen Sonntagszuschlag besteht, bedeutet allerdings nicht, dass Sie keinen bekommen, wenn Sie sonntags arbeiten.

Es gibt bestimmte Voraussetzungen, unter denen Sie einen erhalten beziehungsweise ihn durchsetzen können:

  • Betriebliche Übung

    Der Arbeitgeber kann Ihnen freiwillig einen Sonntagszuschlag zahlen. Basis ist die betriebliche Übung. Das Besondere daran ist, dass es nicht vertraglich festgehalten werden muss. Es verbirgt sich eine Art Gewohnheitsrecht dahinter. Wer schon immer zu seinem Geburtstag einen Blumenstrauß vom Chef bekommen hat, darf auch zukünftig mit einem rechnen – das Gleiche gilt für einen Sonntagszuschlag.

    Bedingung ist, dass der Arbeitgeber bereits mindestens drei Jahre in Folge einen Sonntagszuschlag gezahlt hat. Sie können dann darauf verweisen, dass sich auch im vierten Jahr nichts ändern darf. Ausdrücklich eingeschlossen sind neue Kollegen, wenn im Rahmen der betrieblichen Übung immer schon Sonntagszuschläge gezahlt wurden.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Arbeits- oder Tarifvertrag

    Ein Sonntagszuschlag kann Bestandteil eines Arbeitsvertrages sein. Sei es, dass ein Unternehmen grundsätzlich Sonntagszuschläge zahlt oder ein Arbeitnehmer im Vorstellungsgespräch diesen für sich aushandelt. Da letzteres eine individuelle Absprache mit dem Arbeitgeber ist, verstößt es auch nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz (AGG), wenn ein Arbeitnehmer einen Sonntagszuschlag erhält, andere im selben Unternehmen hingegen nicht.

    Erhalten allerdings fünf Prozent aller Arbeitnehmer einen Sonntagszuschlag im Unternehmen, haben alle Mitarbeiter ein Anrecht darauf. Ähnliches gilt wenn eine tarifliche Bindung gilt. In dem Fall haben Gewerkschaften mit dem Arbeitgeber einen Sonntagszuschlag ausgehandelt, der für alle Beschäftigten im Unternehmen gilt.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Betriebsvereinbarungen

    Die dritte Möglichkeit sind Betriebsvereinbarungen. Diese werden zwischen einem Arbeitgeber und dem im Unternehmen ansässigen Betriebsrat geschlossen. Im Vergleich zum Arbeits- und Tarifvertrag sind sie die schwächere Rechtsquelle, können aber eine wertvolle Ergänzung und Erläuterung darstellen.

    Beispielsweise gilt das Günstigkeitsprinzip: Wird im Arbeitsvertrag bereits ein Sonntagszuschlag gewährt, in der Betriebsvereinbarung aber nicht erwähnt, würden Arbeitnehmer einen Sonntagszuschlag auf arbeitsvertraglicher Basis erhalten. Findet dieser hingegen im Arbeits- oder Tarifvertrag keine Erwähnung, aber in der Betriebsvereinbarung, würde diese Vorrang haben.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

Die genannten Möglichkeiten sind derzeit die einzigen, die einen Sonntagszuschlag gesetzlich abdecken. Dies wurde durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (Aktenzeichen: 5 AZR 97/ 05) bekräftigt.

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Was gilt für Zuschläge bei Sonn- und Feiertagsarbeit?

Für viele Arbeitnehmer, die montags bis freitags arbeiten, bedeutet ein Feiertag weiter nichts als einen zusätzlichen freien Tag zu haben – ähnlich wie beim Sonntag. Der Gesetzgeber unterscheidet allerdings genauer.

Ein Arbeitgeber kann seinen Mitarbeitern einen Sonntagszuschlag gewähren, wenn an einem Sonntag zwischen 0.00 Uhr und 24.00 Uhr gearbeitet wird. Er kann dies auf den Folgetag des Sonntags für die Zeiten von 0.00 Uhr bis 4.00 Uhr ausdehnen.

Wie erwähnt, muss der Arbeitgeber Sonntage zeitlich ausgleichen. Wer an einem Sonntag arbeitet, hat Anrecht auf einen freien Tag binnen zwei Wochen. Bei Feiertagen hingegen gilt der Ausgleich binnen acht Wochen.

Für den Feiertagszuschlag gilt dasselbe wie für den Sonntagszuschlag: Es existiert kein gesetzlicher Anspruch. Er kann aber ebenso durch eine betriebliche Übung, im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten sein.

Anders bei Nachtarbeit: Hier erkennt der Gesetzgeber eine besondere Beeinträchtigung des Arbeitnehmers an. Ein Nachtzuschlag soll für die besonderen physischen als auch sozialen Belastungen entschädigen. Wird in einem Unternehmen in Nachtschicht gearbeitet und gelten Sonntagszuschläge, so erhält ein Arbeitnehmer beide Zulagen, wenn er an einem Sonntag nachts arbeitet.

Allerdings schließen sich Sonn- und Feiertagszuschläge gegenseitig aus: Wer also an einem Sonntag arbeiten muss, der auf einen Feiertag fällt, erhält trotzdem nur den Feiertagszuschlag.

Sonntagszuschlag nicht immer steuerfrei

Der Sonntagszuschlag kann steuerfrei sein. Ohne Abzug der Lohnsteuer bleibt er allerdings nur, solange der Grundlohn nicht um mehr als 50 Prozent überstiegen wird. Sobald die Zulage darüber liegt, müssen Sie Steuern zahlen.

Für Feiertagszuschläge gilt, dass 125 Prozent des Grundlohns nicht überstiegen werden dürfen. Welcher Tag übrigens als Feiertag gilt, kann je nach Bundesland verschieden sein. Ostersonntag gilt nur in Brandenburg als Feiertag.

Besondere Ausnahmen gelten für Heiligabend, Weihnachten und den ersten Mai: Hier bleibt die Zulage bis 150 Prozent des Grundlohns steuerfrei. Ihren Grundlohn errechnen Sie übrigens, indem Sie Ihr monatliches Bruttogehalt durch die monatliche Arbeitszeit teilen.

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Höhe des Sonntagszuschlags berechnen

Da ein Sonntagszuschlag gesetzlich nicht verpflichtend ist, richtet sich die Höhe nach der jeweiligen Vereinbarung. Allerdings gilt, dass der Zuschlag den Grundlohn 50 Euro pro Stunde nicht überschreiten sollte, um keine Lohnsteuerabzüge zu haben.

Frei von Abzügen der Sozialversicherung bleibt ein Grundlohn bis zu 25 Euro pro Stunde. Grundlage der Berechnung ist immer der Brutto-Stundenlohn.

Beispiel

Erhält ein Arbeitnehmer einen Stundenlohn von 15 Euro und arbeitet an einem Sonntag von 8 bis 12 Uhr, erhält er den höchstmöglichen Sonntagszuschlag von 50 Prozent pro Stunde. Das bedeutet:

15 Euro * 50 Prozent = 7,50 Euro pro Stunde zusätzlich. Ergibt bei vier Stunden Arbeit einen Bruttostundenlohn von 90 Euro statt 60 Euro wie an Werktagen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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28. Mai 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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