Biorhythmus: Tipps, wie Sie Ihre Tagesform erkennen

Wann laufen Sie zur Hochform auf? Schon länger ist in der Wissenschaft bekannt, dass die Leistungsfähigkeit von Menschen im Tagesverlauf erheblich schwankt. Abhängig ist das von unserem individuellen Biorhythmus. Fachleute sprechen dabei auch von den zirkadianen Rhythmen. Morgenmenschen, sogenannte Lerchen, sind dabei vor allem in den frühen Stunden des Tages aktiv und leistungsfähig. Abendmenschen hingegen, auch Eulen genannt, laufen erst in späteren Stunden zur Höchstform auf. Wie Sie Ihren Biorhythmus erkennen und gleich mehrfach davon profitieren…

Biorhythmus: Tipps, wie Sie Ihre Tagesform erkennen

Biorhythmus erkennen: Die innere Uhr des Menschen

Biorhythmus berechnen DefinitionMit der inneren Uhr sind wir alle schon einmal in Kontakt gekommen. Sie kennen das: Keinen Wecker gestellt – trotzdem wachen Sie zur richtigen Zeit am Morgen auf. Ein anderes Beispiel: Manch einer springt morgens motiviert aus dem Bett und kann es gar nicht erwarten, in den Tag zu starten. Andere fallen mehr schlecht als recht auf die Füße und sind in der ersten Stunden kaum zu gebrauchen.

Der Biorhythmus geht über diese innere Uhr aber weit hinaus. Er ist eine Art innerer Zeitplan, der sich über den gesamten Tag zieht und unser Befinden ebenso wie verschiedene Leistungs- und Erschöpfungsphasen mssiv beeinflusst.

Die Effekte des Biorhythmus‘ zeigen sich an vielen Stellen:

  • im persönlich Energielevel über den Tag,
  • in der Produktivität,
  • in den Stimmungen sowie
  • im Schlafverhalten.

Entsprechend nützlich ist es, seinen eigenen Biorhythmus zu kennen und mit ihm (nicht gegen ihn!) zu arbeiten. Sprich: bestimmte Aufgaben in jene Tageszeiten zu legen, wenn Sie in Topform sind. Und andere (nicht so wichtige) in die Schwäche-Phasen.

Wie aber lässt sich feststellen, wann die persönlich beste Zeit zum Arbeiten oder zum Ausruhen ist?

Inzwischen gibt es zahlreiche Seiten im Internet, die einen sogenannten Biorhythmus-Rechner anbieten. Der will aufgrund des Geburtstages errechnen können, ob man einen guten oder schlechten Tag erwischt und wie es um den persönlichen physischen, emotionalen und intellektuellen Zustand steht…

Sie ahnen es vermutlich: Derlei Berechnungen sind genauso seriös wie das Lesen im Kaffeesatz. Eine reine Pseudowissenschaft. Sparen Sie sich die Zeit!

Wesentlich verlässlicher ist ein ehrliche Selbstreflexion.

Beobachten Sie sich selbst mindestens eine Woche lang und Ihre täglichen Routinen:

  • Wann fühlen Sie sich wohl?
  • Wann geht Ihnen die Arbeit kinderleicht von der Hand?
  • Wann brauchen Sie eine Pause?
  • Wann haben Sie Ihre besten Ideen oder finden einfache Lösungen?
  • Wann greifen Sie zu Kaffee oder Süßigkeiten?

Schreiben Sie die Ergebnisse ruhig in einem Tages-Stunden-Kalender auf und visualisieren Sie so eine durchschnittliche Leistungskurve. Sie kennen sich schließlich selbst am besten und wissen auch um Ihre stärksten und schwächsten Momente.

Machen Sie jedoch nicht den Fehler, von einem einzigen Tag auf Ihren Biorhythmus zu schließen. Das funktioniert nicht. Analysieren Sie Ihren Biorhythmus besser über einen längeren Zeitraum hinweg. Eine Woche ist das Minimum. Ein Monat ist noch besser.

Zumal der Biorhythmus in den Jahreszeiten schwanken kann. Im Sommer benötigen viele weniger Schlaf. Das Tageslicht macht uns wacher und fitter.

Studien: Der Biorhythmus in der Arbeitswelt

Der Biorhythmus in der ArbeitsweltVerallgemeinernde Aussagen wie Frühaufsteher arbeiten besser und sind erfolgreicher sind mit Vorsicht zu genießen. So einfach ist es natürlich nicht. Tatsächlich kommen Frühaufsteher und Morgenmenschen in unserer modernen Arbeitswelt einfach besser mit den Rahmenbedingungen zurecht.

Studien zum Biorhythmus haben inzwischen aber herausgefunden, rein geistige Tätigkeiten größeren Schwankungen unterliegen als Tätigkeiten, die sowohl geistige als auch körperliche Arbeit umfassen.

Andere Forschungsarbeiten kamen zu dem Ergebnis, dass Morgenmenschen in der Frühschicht um bis zu 4 Prozent leistungsfähiger sind als Abendmenschen. Letztere wiederum können in der Spätschicht 8 Prozent mehr erreichen.

Das bedeutet aber zugleich: Richtig eingesetzt, können Sie Ihren Biorhythmus nutzen, um Ihre Leistungen und Ergebnisse im Job zu verbessern und sich dabei auch noch gut zu fühlen.

Biorhythmus: Das Tief kommt alle 90 Minuten

Grundsätzlich gibt es zwei Kerntypen – Eulen und Lerchen – deren Biorhythmus sich jeweils an einem bestimmten Ablauf orientiert. Wie sich die einzelnen Zeiten bei beiden Typen über den Tag verteilen, können Sie der folgenden Grafik entnehmen:

Chronobiologie Chronotypen Eule Lerche Biorhythmus Grafik

Das sind allerdings nur Durchschnittswerte! Sie können im Einzelfall variieren. Daher sollten Sie diese Zeiten unbedingt mit Ihren persönlichen Beobachtungen ergänzen, um Ihren individuellen Biorhythmus zu ermitteln.

Die gute Nachricht: Wer seinen eigenen Chronorhythmus kennt und seinen Alltag danach wenigstens etwas strukturiert, kann seine Leistung, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern.

Zumindest theoretisch.

In der Praxis lässt sich das nicht immer so leicht umsetzen. Der Grund: Die Arbeitswelt nimmt kaum Rücksicht darauf, zu welchen Zeiten Sie sich besonders leistungsfähig fühlen. In fast allen Berufen und Branchen sind die Arbeitszeiten nahezu unveränderlich – ob das zu Ihrem Biorhythmus passt oder nicht.

Das kann zum Beispiel für Eulen enorm frustrierend sein, wenn diese schon früh morgens im Büro oder Meeting sitzen müssen, währen der eigene Körper noch im Koma liegt. Sie könnten zwar jetzt Ihren Chef darauf ansprechen, dass Sie vor 10 Uhr einfach nicht zu gebrauchen sind. Ob der Ihre Arbeitszeiten dadurch ändert, ist allerdings mehr als fraglich.

In Ihr Schicksal fügen, müssen Sie sich dennoch nicht. Zwar lassen sich die wenigsten Arbeitszeiten dem eigenen Biorhythmus anpassen. Aber Sie haben mitunter Einfluss auf die Organisation und Verteilung der täglich anfallenden Aufgaben.

Legen Sie zum Beispiel wichtige oder besonders anstrengende ToDos in die Zeit, zu der Sie besonders fit und leistungsfähig sind. Lästigen Kleinkram dagegen erledigen Sie in den Durchhängerphasen. Auf diese Weise haben Sie mehr Energie, erzielen bessere Ergebnisse und geben Ihrem Körper gleichzeitig die Erholung, die er braucht.

Der Biorhythmus unterteilt den Tag allerdings nicht nur in große Einheiten, sondern auch in vergleichsweise kleine Zeitintervalle – genauer gesagt: in 90-Minuten-Blöcke.

Ursprünglich kommt diese Erkenntnis aus der Schlafforschung und geht auf Nathaniel Kleitmann zurück. Dieser entdeckte das sogenannte BRAC-Prinzip, das für Basic Rest – Activity Cycle steht.

Brac Prinzip Pausen 90 Minuten 4 Stunden Biorhythmus Grafik

Die Idee dahinter: Egal, ob wir schlafen oder wach sind, das menschliche Gehirn durchläuft immer die gleichen Konzentrationsphasen, die ungefähr 90 Minuten dauern. Anschließend folgt unweigerlich ein Einbruch von Aufmerksamkeit, Konzentration und Produktivität.

Anders ausgedrückt: Nach 90 Minuten werden wir müde und brauchen eine Pause. Dieses Prinzip zeigt sich etwa in Schule oder Universitäten, wo Veranstaltungen in der Regel höchstens 90 Minuten am Stück andauern. Alles, was darüber hinaus geht, können sich die Beteiligten fast schon schenken, weil die Zuhörer es schlichtweg nicht mehr aufnehmen.

Dass die 90 Minuten überschritten sind und Ihr Biorhythmus nach einer Pause schreit, können Sie übrigens auch ohne Uhr feststellen: Sie werden müde, lassen sich ablenken, können sich nicht mal für kurze Zeiten konzentrieren oder kriegen Hunger… Voilà, Ihr Körper sagt deutlich: Bis hierhin und nicht weiter!

Tipps, wie Sie Ihren Biorhythmus richtig nutzen

Wenn Sie Ihren Biorhythmus kennen und verstehen, geht es im nächsten Schritt darum, diesen optimal zu nutzen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Ihren Biorhythmus richtig zu nutzen und konzentrierter, motivierter und damit auch besser zu arbeiten:

  • Hören Sie auf Ihren Körper.

    Ihren Biorhythmus können Sie nicht einfach ändern. Ignorieren sollten Sie ihn aber auch nicht. Hören Sie auf die Signale, die Ihnen Ihr Körper sendet und versuchen Sie sich soweit es geht nach Ihrem Biorhythmus zu richten. Wer versucht, gegen seinen Körper zu handeln, leidet nur unnötig unter mehr Stress, ist frustrierter und weniger produktiv.

  • Verteilen Sie Aufgaben entsprechend.

    Auch das haben wir oben schon angesprochen: Sobald Sie wissen, wann Ihr Gehirn und Körper zur Höchstform auflaufen, nutzen Sie dieses Wissen bitte auch und verteilen Sie die Aufgaben, ToDos und Projekte möglichst entsprechend Ihres Biorhythmus‘.

  • Achten Sie auf Ihren Schlafrhythmus.

    Ihr Biorhythmus kann nur funktionieren, wenn Sie gleichfalls einen regelmäßigen Schlafrhythmus pflegen (siehe Kasten unten). Dabei müssen Sie nicht zwingend jeden Tag um Punkt 22 Uhr ins Bett. Viel wichtige als die Uhrzeit ist die Regelmäßigkeit.

    Gerade unter der Woche sollten Sie versuchen, zu gleichen Zeiten ins Bett zu gehen und auch wieder aufzustehen. Ihr Biorhythmus richtet sich auch nach Ihren persönlichen Schlafgewohnheiten. Zudem braucht der Körper den Schlaf, um sich zu regenerieren, zu lernen und zu verarbeiten.

  • Übertreiben Sie es nicht.

    Es ist zwar richtig, die Hochphasen zu nutzen, um möglichst viel zu erledigen. Allerdings sollten Sie es damit nicht übertreiben. Auch der Biorhythmus hat Grenzen. Statt sich zu überladen oder zu überfordern, sollten Sie sich in den Bestzeiten auf die wichtigsten Punkte konzentrieren. Setzen Sie klare Prioritäten für den Tag.

Weitere Tipps, die Ihnen dabei helfen, sich besser zu erholen und Ihren Biorhythmus zu synchronisieren, können Sie sich hier kostenlos als PDF herunterladen:

Schlaf ist das A und O für den Biorhythmus

Schlaf das A und O für den BiorhythmusDer Tag-Nacht-Wechsel ist der wichtigste Einfluss auf den Biorhythmus. Wissenschaftler sprechen in dem Zusammenhang auch von biologischer Desynchronisation, wenn Arbeitnehmer zum Beispiel durch Nachtdienst gegen ihren Biorhythmus arbeiten.

Auch wenn sich manche Menschen zu den Nachteulen zählen: Biologisch gesehen ist der Mensch ein tagaktives Säugetier. Das lässt sich an den Körperfunktionen des Menschen gut erkennen, die in einem tagesperiodischen Wechsel ablaufen:

  • Atmung
  • Blutdruckschwankungen
  • Herzfrequenz
  • Hormonsekretion
  • Körpertemperatur
  • Muskulatur
  • Urinproduktion
  • Verdauung

Wer beispielsweise in Schichtarbeit auch nachts tätig ist und entsprechend zeitverschoben isst und schläft, bringt auch die Körperfunktionen durcheinander. Zwar ist eine Anpassung des Körpers bis zu einem gewissen Grad möglich. Der Schlaf, der tagsüber nachgeholt wird, ist aber längst nicht so erholsam wie der Schlaf in der Nacht.

Ursächlich dafür sind ein stärkerer Lärmpegel, Helligkeit sowie eine höhere Außentemperatur (vor allem im Sommer). Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass selbst bei gleicher Stundenanzahl der Tagesschlaf einem um zwei Stunden verkürzten Nachtschlaf entspricht.

So wird kontinuierlich ein Schlafdefizit aufgebaut, das sich in einem erhöhten Unfallrisiko während der Arbeitszeit, Schlafstörungen und psychischen als auch körperlichen Krankheiten niederschlägt.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
3. Juni 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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